Vergessenes Erbe: Anthony P. Miele betrieb unwissentlich Buy and Hold. Nach 40 Jahren ist sein Aktienpaket 130 Millionen $ wert


New York, 16. Januar 2015

Es soll noch mal jemand sagen, „Buy and Hold“ lohnt sich nicht.

Anthony Miele Jr. war ein erfolgreicher Geschäftsmann in New Jersey. Der 39-jährige war an mehreren Abwasseraufbereitungs- und Müllfirmen beteiligt. Er besaß ferner ein Aktienpaket der Investmentfondsfirma Franklin Templeton im Wert von 16.000 Dollar. Es handelte sich damals um 4.000 Aktien. Der Kurs dümpelte seinerzeit bei vier Dollar, eine Krise belastete die Finanzfirma.

Als Herr Miele unerwartet an einer Herzattacke im November 1974 in einem Restaurant starb, gingen die Aktien in einen Trust über. Der Trust war für seinen Sohn bestimmt. Sein Sohn war seinerzeit 3 Jahre alt. Das Aktienpaket ging aus den Augen des Sohns verloren. Der Sohn wusste nicht von seinem Reichtum. Er erfuhr es erst vier Jahrzehnte später, behauptet er.

Hat der Familienclan der Fondsfirma versucht, das Aktienpaket vor dem unwissenden Erben zu verstecken? Das behauptet jedenfalls Erbe Anthony P. Miele III heute. Ob der Vorwurf zutreffend ist, muss wohl ein Gericht entscheiden.

Das Aktienpaket des Franklin-Templeton-Erben ist heute 130 Millionen Dollar wert. Aus den einst 4.000 Papieren sind nach etlichen Aktiensplits mehr als 2,5 Millionen Aktien geworden. 20 Millionen Dollar an Dividenden sind dem Erben in den vier Jahrzehnten vorenthalten worden. Ein Streit ist entbrannt. Ist ihm sein Aktienpaket tatsächlich absichtlich verschwiegen worden? Nicht zuletzt ist es die Schuld des Testamentsvollstreckers bzw. des Bevollmächtigten des Trusts. Der hätte sich um die Aktien kümmern müssen.

Ich kann der Sache etwas Positives abgewinnen: Mittlerweile muss Herr Miele Mitte 40 alt sein. Vielleicht ist es ein Segen, dass er von seinem Millionenerbe nichts wusste. So konnte sich der wunderschöne Zinseszins voll entfalten.

Der Blick auf den Langfristchart zeigt tatsächlich: Bei der Fondsfirma Franklin Resources handelt es sich um eine Gelddruckmaschine. Das Unternehmen verdient Geld wie Heu. Die Aktie explodierte seit August 1984 um 130.643 Prozent.

Hätten Sie damals 10.000 Dollar investiert, wären 13 Millionen Dollar herangereift. Heute beschäftigt der Geldverwalter aus Kalifornien 9.260 Mitarbeiter, die 900 Milliarden Dollar managen. Franklin Templeton zählt zu den besten Fondshäuser der Welt. Das Image wird meiner Meinung nach kaum unter dieser Geschichte leiden.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Vergessenes Erbe: Anthony P. Miele betrieb unwissentlich Buy and Hold. Nach 40 Jahren ist sein Aktienpaket 130 Millionen $ wert

  1. Fran k

    hab noch 1000 Berkshire A Aktien im Depot, hätte ich fast vergessen. Muß mal nachschauen was die wert sind.

  2. Michael C. Kissig

    „Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit.“
    (Sir John Templeton, Gründer des Templeton Growth Fund)

  3. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Frank

    Es gibt genug Leute, die erben von Oma/Opa uralte Aktienpakete und werden positiv überrascht.

     

    @ Michael

    Wie wahr. Der Faktor Zeit ist so wichtig. Er wird gerne unterschätzt. Die Leute lügen sich selbst in die Tasche, wenn sie meinen, besser als andere zu sein mit ihrem Trading. Es ist reine Ignoranz.

    Die Zahlen lügen nicht. Privatanleger und Profis schneiden enttäuschend ab: 
    http://www.investopedia.com/articles/pf/06/longterminvesting.asp

    Wenn ich als hier im Blog über „Buy and Hold“ schreibe, kommen immer die gleichen Einwände. Kritiker erinnern an Kodak, GM oder U.S. Steel. Ja, Kodak und GM gingen pleite. Und U.S. Steel liegt seit Ewigkeiten wie Blei im Regal. Aber es genügt, wenn man im Depot ein paar exzellente Aktien vom Schlage einer Franklin Resources, Berkshire Hathaway, Colgate-Palmolive, BASF, Nike, Boeing oder Anheuser-Busch hat. Ein fauler Apfel im Korb lässt sich so verschmerzen.

  4. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Nein, die Dividenden hat der Aktionär nie bekommen. Er fordert von der Firma knapp 20 Millionen Dollar für die entgangenen Dividenden. Witzig ist das schon. Das gesamte Aktienpaket hatte nur einen Wert von 16.000 Dollar vor 40 Jahren.

  5. Couponschneider

    Um mit 10000 € Einsatz nach 40 Jahren auf eine Million € zu kommen, braucht man gerade einmal 3,7 % Rendite. Das sollte für viele Mittelschichtler möglich sein. Stattdessen hängen die sich ein Haus ans Bein.

  6. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Couponschneider

    Das ist an sich schon richtig.

    Mit Immobilien lässt sich im langen Schnitt kein Geld verdienen. Das zeigt eine Studie der Deutschen Bank. So haben sich in den USA Immobilien seit dem Jahr 1900 real nicht vom Fleck bewegt. Sie stiegen um ganze 0,31% p.a. im Wert. Ein Witz eigentlich. Dagegen legten Aktien um 6,02% p.a. nach Abzug der Inflation zu.

    Zu finden in der Studie in Abbildung 14 („Figure 14“):

    http://isites.harvard.edu/fs/docs/icb.topic1116646.files/lt-asset-return-study.pdf

    Nur machen Immobilien vielen Menschen Spass. Das kann ich verstehen. Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass Aktien das lukrativste Asset sind, das es gibt. Immobilien bieten einen guten Inflationsschutz. Mehr aber nicht.

  7. Marc

    @Tim

    Wieso soll der Trust die Dividenden nicht bekommen haben? Die werden ja automatisch dem Trust Depotkonto gutgeschrieben und nicht irgend jemand anderem ?

  8. anton

    Was gerne vergessen geht: Wer in einer eigene Immobilie wohnt, spart in der Regel an Wohnkosten. Diese Einsparungen müssen in einer Gesamtbetrachtung auch berücksichtigt werden. — Und zudem: Ist es wirklich so attraktiv, in einer Kartonschachtel zu leben und dafür ein paar Millionen in Aktien zu besitzen? Rechtum allein kann doch nicht das Ziel sein. Ich will von diesem Reichtum auch etwas haben (und nicht erst meine Erben).

  9. Gabriele JesdinskyGabriele Jesdinsky

    @ Couponschneider

    Soweit ich weiß, braucht man etwa 12,3% Rendite um mit 10.000 Euro Einsatz nach 40 Jahren auf eine Million Euro zu kommen.

    Ansonsten stimme ich mit Dir überein: Immobilien sind normalerweise keine vernünftige Investition. „Investiere  in nichts, das fristt!“ Indische Weisheit

    @ tim schaefer

    DANKE für Deinen super Blog! 🙂

  10. Fabian S.

    Doch Anton!

     

    Viele Leute vergessen, dass sie wenig Eigenkapital haben und daher einen großen Kredit aufnehmen und Jahrzehnte diesen abbezahlen müssen und zusätzlich Zinsen bezahlen. Auch Makler müssen bezahlt werden und der Notar.

    Weiterhin ist bei Immobilien vor allem die Lage entscheidend….insofern lieber Aktien als sich eine Wohnung zu kaufen!

  11. Markus

    40 Jahre haben schon eine gewaltige Kraft beim Zinseszins, aber nicht zu vergessen sind die 40 Jahre Leben mit allen möglichen Überraschungen, Stolpersteinen, Schicksalen usw.

    Buy & hold übers solche Zeiträume war und ist hoffentlich eine der besten Möglichkeiten für Privatanleger.

    Die Kritiker können genauso wenig wie die Befürworter in die Zukunft sehen. Allerdings steht sowohl das menschliche Gewinnstreben (einschließlich Kreativität, Fleiß, Intelligenz u. v. w.) wie auch die Empirie auf Seiten der Optimisten.

    Die Problematik, dass sich viele im Leben selbst im Weg stehen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der größte Rendite-Killer.

    Wie sonst lassen die Ergebnisse der hochgelobten amerikanischen Programme erklären, die keine eklatanten Unterschiede zu deutschen LV`s aufzeigen?

  12. Markus

    @Tim

    Hast Du schon mal bei Deinen Interviews eine Konsens-Meinung bei den „Altmeistern“ zur Staatsverschuldung und deren Einfluss auf die Märkte raushören können?

    Oder wird die Frage nie erörtert?

  13. Felix

    @ Gabriele

    Ja, da hat sich unser Couponschneider doch etwas verrechnet: Mit 3,7 % p.a. erreicht man in 40 Jahren noch nicht einmal die 50.000-€-Marke (42.771 €). Deine 12,3 % annualiserte Rendite sind korrekt.

    Damit der Zinseszinseffekt sein Werk so richtig gut verrichten kann, bedarf es nicht nur Zeit, sondern eben auch Rendite. Zweistelligkeit wäre gut, ist aber auf Dauer schwer zu realisieren. Der Letzte, der vorgab das dauerhaft zu können, sitzt im Gefängnis – Bernard L. Madoff.

    Es bedarf also mehr als einmalig 10.000 € in einen Index zu investieren und dann 40 Jahre zu warten, das wir nicht funktionieren. Und das ist auch jedem klar – oder?

  14. Sebastian

    Richtig. Entscheidend ist das regelmäßige Zufüttern. Wer monatlich 500€ hinzupackt, hat die Million wohl in Sicht. Wenn man sich im Griff hat…

  15. Geld schläft nicht - Blog

    Zweistellige Renditen dauerhaft zu erreichen ist meiner Meinung nicht möglich.

    Ackermann hat für die Deutsche Bank auch mal 25% jährliche Rendite vorgegeben. Und wenn man sich das Ergebnis, das Unternehmen und den Aktienkurs heute ansieht… naja…

    Grüße

  16. Markus

    small caps, value large caps und emerging markets hatten zumindest in der Vergangenheit die 10 % p. a.

    Garantie ist das natürlich keine!

    + 40 Jahre und wir sind verdammt nochmal alt. *g*

  17. Alexander

    Eine selbst genutzte Immobilie ist ein monetäres Verlustgeschäft, außer vielleicht in Ballungsräumen mit entsprechenden Bodenwertsteigerungen. Unter psychologischen Aspekten kann eine Immobilie sehr wertvoll sein. Mein Häuschen ist inzwischen abbezahlt und ich fühle mich sehr wohl in und mit meinem Haus. Immobilien als Geldanlage sind in meinen Augen sinnlos. Die Rendite ist langfristig nicht der Rede wert, meist sogar ein Draufzahlgeschäft. Aber da kann man lange diskutieren 😉

     

    Zweistellige Renditen sind durchaus möglich, das schaffen aber nicht sehr viele. Wenn ich es richtig im Kopf habe, liegt W.B. bei ca .20%.

  18. Couponschneider

    @Gabriele Jesdinsky

    Sie haben recht, ist mir auch schon aufgefallen, wollte nur mich selber nicht korrigieren. 🙂 Ich musste auf den Windows-Taschenrechner zurückgreifen, um die 40-te Wurzel aus 100 zu ziehen und da gab es wohl einen Bedienfehler. Der Windows-Taschenrechner ist mir ungewohnt.

     

  19. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Marc

    Da ist eben ein Fehler beim Trust passiert. Das kann vorkommen. Der Erbe war 3 Jahre alt.

     

    @ Gabriele Jesdinsky

    Danke!

     

    @ Markus

    Staatsverschuldung – Ich glaube, die Altmeister sind froh darüber, dass wir nicht in einer Depression stecken. Wie in den 30er Jahren. Ich glaube, die Altmeister sehen keine Inflation am Horizont. Eher das Gegenteil, nämlich Deflation, was ein Problem werden kann. Siehe Japan.

  20. stevoxx

    Das mit der Kursentwicklung von Franklin Templeton finde ich mehr als interessant.

    Scheinen mit dem Verkauf ihrer Fonds prächtig zu verdienen. Wie schauts mit den Renditen der Fonds selbst aus?

  21. Felix

    @ stevoxx

    Der Templeton Growth ist einer der Fonds mit der längsten Historie, er wurde – glaube ich, aus dem Kopf – 1954 gegründet, ist also über 60 Jahre am Markt und wurde schließlich mit Fidelity fusioniert. Natürlich hat der Fonds gute und auch weniger gute Zeiten und einige Managerwechsel. Es liegen historischen Daten über alle Zeiträume vor, auch das ist ungewöhnlich.

    Insgesamt jedoch hat er eine beeindruckende Kursentwicklung. Wer von Anfang dabei gewesen wäre hätte aus 10.000 $ sicherlich weit über eine 1.000.000 $ gemacht.

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  23. Sebastian

    Hi Tim,

    da ist er wieder, der Erfolg der Buy and Hold-Strategie. Natürlich braucht man Geduld und einen langen Atem. Aber über die Zeit gesehen rechnet sich das Ganze. Ich kann nicht ganz nachvollziehen warum nicht viel mehr Leute auf dieses Pferd setzten. Stattdessen lassen die Deutschen ihr Geld auf dem Sparkonto/Tagesgeldkonto versauern. Aber alleine der Aufwand sich mit der Materie auseinander zu setzten scheint die Mühe nicht wert zu schein. Da hilft nur eins: Sich aus der Komfortzone raus bewegen und offen für neues sein 🙂

    Schöne Wochenende noch

    Sebastian

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