Value Investing aus Sicht eines Inders


New York, 19. April 2009

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In loser Folge lege ich Ihnen hier interessante Bücher ans Herz. Ich lese sehr viel, präsentiere Ihnen allerdings nur meine Lieblingsbücher. Diesmal ist es Mohnish Pabrai: „Der Dhandho Investor. So funktioniert Value Investing auf Indisch.“ Ich verstehe nun die Anlagestrategie von Warren Buffett besser. Es ist eine sehr aufschlussreiche Lektüre – verständlich geschrieben, mit zahlreichen Beispielen. Man kann Buffetts Strategie kaum einfacher erklären.
Pabrai managt in den USA einen eigenen Investmentfonds mit überragendem Erfolg. Er gilt als Guru, dem viele Privatanleger folgen. Auf den Internetseiten Gurufocus.com und Stockpickr.com zählt sein Portfolio zu denjenigen mit den häufigsten Aufrufen. Der Multimillionär indischer Abstammung folgt mit seiner Value-Strategie seinem Vorbild Warren Buffett. Mit eigenem Geld und das von Bekannten startete er 1999 den Pabrai Investment Fund. Der Fonds erwirtschaftete seit Auflegung bis zum Jahr 2007 eine durchschnittliche Performance von 26,2 Prozent per annum. Mittlerweile ist das Vermögen auf mehrere Hundert Millionen Dollar angewachsen.
In seinem Bestseller zeigt er auf, worauf es beim Value-Investing ankommt: Etwa auf den günstigen Einstiegszeitpunkt. Ebenso macht er klar, wie man Risiken eindämmt. Das Buch beschäftigt sich in dem ersten Kapitel ausführlich mit einer Bevölkerungsgruppe aus dem indischen Bundesstaat Gujarat, wo Mahatma Gandhi geboren wurde: Es geht um den Familienstamm der Patel. Ich bin selbst mit einer Patel befreundet, die in New York ein Millionenvermögen aufgebaut hat. Daher konnte ich das Buch gar nicht mehr zur Seite legen, so fasziniert war ich von den Details.
Mit harter Arbeit und smarten Investitionen wurde meine Freundin reich. Sie lebt jetzt direkt am Central Park. Die Patels beherrschen in den USA 50 Prozent aller Motels, es handelt sich um ein milliardenschweres Imperium. Anfang der 1970er Jahren immigrierte der Bevölkerungsstamm in die USA und begann, die Motels zu kaufen. Damals wütete gerade eine schlimme Rezession im Land. Das Öl war aufgrund des Ölembargos auf Rekordniveau. Amerikaner verzichteten auf Autofahrten, auf Ausflüge und verzichteten auf Übernachtungen in Hotels. Die Motel-Branche befand sich in ihrer schwersten Krise. Da begannen die Patels diese Unterkünfte für wenig Geld zu übernehmen. Weil der Familienstamm einen starken Zusammenhalt hat, half die gesamte Verwandtschaft bei den Motels mit. So sparten die Inder Personalkosten. Zudem mussten sie keine Miete zahlen, da sie in ihren eigenen Motels lebten. Sie hielten ihre Betriebskosten gering. Sie konnten dadurch die Übernachtungspreise senken und die Konkurrenten attackieren. So entstand das Milliarden-Imperium.
Der in Kalifornien lebende Profianleger bevorzugt Aktien, die die Börse „hasst“ oder „die weggeworfen werden und niedrig bewertet sind“. Durch die Auswahl grundsolider Unternehmen reduziert Pabrai die Risiken. Sein Motto lautet: Investiere in Werte, die eine hohe Rendite versprechen und gleichzeitig ein geringes Risiko in sich bergen. Der Guru hat sich auf Gesellschaften mit einem Börsenwert von rund 500 Millionen Dollar spezialisiert. Er nimmt in der Regel nur eine Aktienposition pro Sektor in sein Portfolio, um Volatilität und Korrelationen zu begrenzen. Und er arbeitet allein. Auf die Hilfe von Investmentbanken verzichtet er.
1991 hatte Pabrai eine IT-Firma gegründet. All seine Ersparnisse von 30.000 Dollar setzte er seinerzeit ein. Überdies nahm er ein Darlehen über sein Kreditkartenkonto von 70.000 Dollar auf. Neun Jahre später verkaufte der Geschäftsmann sein Unternehmen für 20 Millionen Dollar.


tim schaefer (Author)

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