URS: Keine Sorgen


New York, 25. April 2008

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Ich sprach diese Woche im New Yorker Mandarin Oriental Hotel mit dem Management des führenden Ingenieur-Dienstleisters URS. Vorstandschef Martin Koffel und Finanzvorstand Tom Hicks beeindruckten mich sehr, als sie ihre Strategie Wall-Street-Analysten erläuterten.
URS wurde 1904 gegründet. Heute sind 56.000 Beschäftigte an Bord. Der Konzern ist eine Cashmaschine. Und so gut wie nicht betroffen von der Rezession. Denn der Gigant aus San Francisco erzielt im laufenden Jahr 35 Prozent seines Umsatzes im öffentlichen Sektor. Im laufenden Turnus peilt Koffel alles in allem 9,8 Milliarden Dollar Umsatz an. Ende 2007 übernahm er den Konkurrenten Washington Group mit vier Milliarden Dollar Umsatz. Der Nettogewinn der Kombination soll bis Silvester auf 187 bis 197 Millionen Dollar klettern nach zuletzt 132 Millionen. Der Orderbestand umfasst derzeit mächtige 30 Milliarden Dollar.
Auf den vier Säulen Öffentlicher Sektor, Infrastruktur, Industrie und Energie steht das Geschäft. Am bedeutendsten ist der öffentliche Sektor mit Einnahmen 3,4 Milliarden Dollar. Hier übernehmen die Kalifornier Aufträge vom Verteidigungsministerium, möbeln die Infrastruktur auf, säubern Waffendepots und verschrotten Waffenarsenale. Infrastrukturprojekte wie Brücken, Häfen, Schulen oder Krankenhäuser bringen 1,8 Milliarden Dollar Umsatz ein.
Hinter der Industrie-Sparte mit 2,5 Milliarden Umsatz stehen Vorhaben von Öl-, Gas- und Minenproduzenten beziehungsweise der Industrie. Mit der Errichtung von Kohle- und Atomkraftwerken (Energiesparte) stemmt der Riese 2,1 Milliarden. Weltweit baute URS 49 Atommeiler. Hicks sieht generell Ingenieur-Dienstleister mittelfristig um zehn bis zwölf Prozent pro Jahr wachsen. Er prognostiziert für seine Gruppe indes ein höheres Expansionstempo.
Dank der Übernahme der Washington Group seien die Chancen für neue Aufträge besser als jemals zuvor. Darüber hinaus erwartet der Manager Kostensynergien von 50 bis 55 Millionen Dollar jährlich. Die Führungsspitze bringt seit Jahren das Geschäft via Übernahmen und organisch voran. 1990 gingen erst 100 Millionen Dollar durch die Bücher. Seither explodierte der Umsatz um 900 Prozent. In der gleichen Zeit legte der Kurs um 1.200 Prozent auf aktuell 24,80 Euro zu.
Ein Ende der Erfolgsstory ist nicht absehbar. Das KGV ist mit weniger als 17 attraktiv. Dank des hohen Cashflows sollte die Verschuldung in Höhe von rund einer Milliarde Dollar innerhalb von drei Jahren komplett getilgt sein. Nachteil ist indes, dass URS keine Dividende ausschüttet und keine Aktien zurückkauft.
Steuermann Koffel sagte mir, dass es seiner Meinung nach mehr Sinn macht, die Schulden zügig zurückzuzahlen und zu expandieren. Da muss ich ihm recht geben.


tim schaefer (Author)

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