Unternehmensanleihen: Wenn die Renditejagd zum Alptraum wird


New York, 24. Februar 2013

2011 und 2012 boomten Unternehmensanleihen. Viel Schrott war darunter. Sicherlich auch Qualitätsware. Aber das meiste aus dem Mittelstand halte ich für ziemlich riskant. So deckten sich Fußballvereine, Metzger, Schneider, Fluggesellschaften mit Geld ein. Es waren obskure Unternehmen darunter.
Die Geldsammler verhielten sich wie Motten, die das Licht umschwärmen. Weil die Angst vor Aktien generell etwas ausgeprägter war wegen der Finanzkrise und etlicher Skandale, hatten es die Anleiheemittenten einfacher als sonst.
Das Ausfallrisiko ist zum Teil enorm.
Die Menschen ließen sich von 8 oder 10 Prozent Rendite blenden. Klar gibt es für Staatspapiere, Festgelder und auf Sparbüchern nur lausige Zinsen. Doch sind die Risiken gerade bei kleinen Firmen nicht zu unterschätzen. Als Faustformel gilt: Je höher die versprochene Rendite, desto größer das Risiko.
Die meisten Insolvenzen sind mittlerweile unter den Immobilienfirmen und Ökounternehmen zu beklagen. Die Ausfälle sind bitter, trifft es doch oftmals den Deutschen Michel.
Ich denke, mit Qualitätsunternehmen wird das meiste Geld verdient. Qualität ist das A und O beim Investieren. Mit bonitätsschwachen Anleihen oder windigen Pennystocks gehen Anleger unnötige Risiken ein.
Der Kapitalerhalt ist verdammt wichtig. Lieber verzichte ich auf ein paar Prozentpunkte Rendite. Achten Sie mit Argusaugen darauf, nicht 100 Prozent ihres Einsatzes aufs Spiel zu setzen. Das sollte die Regel Nummer eines des Investierens sein.
Warren Buffett sagte mal: „Die Regel Nr. 1 ist verliere niemals Geld. Die Regel Nr. 2 ist vergesse die Regel Nr. 1 nicht. Das Originalzitat: „Rule No.1 is never lose money. Rule No.2 is never forget rule number one.“


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Unternehmensanleihen: Wenn die Renditejagd zum Alptraum wird

  1. Michel C. Kissig

    Richtig, Tim, Unternehmensanleihen werden in letzter Zeit oft so angesehen, als würde sie kein Risiko bergen. Die Anleger scheinen nur auf einen „großen Namen2 zu schauen und sehen dann die vermeintlich attraktiven Zinsnen ggü. ihrem Tagesgeldkonto/Sparbuch. Und greifen zu. Ohne Blick für das Risiko. Doch das ist enorm. Man muss sich nur die ganzen Pleiten in der Solarbranche ansehen.

    Anleihen und auch Genussscheine werden nachrangig besichert. Zuvor würden also alle bankschulden bedient und erst dann diese Gläubiger der Anleihen oder Genussscheine. Man kann dieses Szenario umgehen, indem man nur börsennotierte Anleihen/Genussscheine kauft. Die kann man dann immer verkaufen – allerdings eben im Krisenfall auch mit 40 oder 70 Prozent Kursverlust.

    Wer Anleihen oder genussscheine erwerben will, sollte sich vorher kalr machen, dass er sich genauso um den (geschäftlichen) Erfolg des Unternehmens kümmern muss, als wenn er die Aktien erworben hätte. Denn er trägt fast das gleiche Risiko (Aktionäre stehen bei einer Insolvenz als Eigentümer natürlich noch weiter hinten in der Insolvenz-Verwertungskette als Anleihegäubiger). Bei defacto gleichem Risiko gibt sich der Anleihekäufe mit einer Garantieverzinsung zufrieden, während der Aktionär am Gewinn/Erfolg des Unternehmens teilnimmt. Das ist der Grund, weshalb ich Direktinvestments in Aktien vorziehe – den Arbeitsaufwand habe ich eh, das Risiko auch, aber ich will dann ebenfalls die Chancen zur Gänze mitnehmen können – und nicht gedeckelt wie bei Anleihen.

    Wer auf mehr Risiko steht, kann auch börsennotierte Anleihen von notleidenden Unternehmen kaufen. Dafür bezahlt man dann vielleicht nur 40 oder 30 Prozent des Nominalwertes und erhält im dem Fall, dass das Unternehmen die kurve kriegt, 100 Prozent am Fälligkeitstag zurück. Aber diese Spekulationen eigenen sich keinesfalls für Nebenbeianleger, denn die Verlustrisiken sind schon enorm.

  2. Martin

    Anleihen als Beimischung sind gut, um sich gegen Deflation abzusichern. Man weiß ja nie.

    Die spreads von riskanteren Anleihen sind momentan nicht niedrig, sondern eher etwas hoch. Wenn schon Anleihen, würde ich also eher Anleihen mit schlechteren Ratings kaufen. Sehe es aber auch so wie Tim, dass Qualitätsaktien da ein besseres Chance/Risiko Verhältnis bieten. Siehe auch Howard Marks zu dem Thema:
    http://www.oaktreecapital.com/MemoTree/High%20Yield%20Bonds%20Today%20Revision%201.pdf

  3. Olga

    Hallo Tim!

    Es ist immer wieder erfrischend, Deinen Blog zu lesen! 🙂

    Die schwierigste Erkenntnis für viele Börsianer scheint zu sein, daß die Börse im Prinzip sehr einfach ist und absolut nichts mystisches an sich hat.

    Noch schwieriger scheint es, zu erkennen, daß den Unternehmen irgendwelche Linien völlig egal sind oder die den Zinseszinseffekt – obwohl bekannt – nicht wirklich verstehen, da wir in der Regel mehr mit linearen denn mit exponentiellen Zusammenhängen konfrontiert werden. 😉

    Viele Grüße

    Olga

  4. Martin

    Das ist echt komisch. Würde das gerne shorten 🙂

    Habe mir mal den alten Prospekt von dem Bäcker angeschaut. Ende 2010 lag das EK bei 10 und die Schulden bei 30 Mio. und dann sollten da noch 12 Mio durch die Anleihe drauf kommen.

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Martin
    Da passt der Spruch von denen gut dazu:

    „Investieren ins goldene Handwerk.“
    „Brot verdienen, ohne zu arbeiten.“

    Gut möglich, dass die Anleihe verdammt wichtig für die Bäckereikette war. Denn die Banken waren ja bekanntlich extrem vorsichtig bei der Kreditvergabe.

  6. Marcus Stern

    Das Paradebeispiel der Immobilieninsolvenzen zeigt die WGF AG mit Ihrer Führung, vor allem Pino Sergio.

    Ich habe ein Vermögen durch die angeblich „mündelsicheren“ Immobilienanleihen verloren.

    Am besten ist, dass Pino Sergio der sämtliche Anleger ruiniert hat, jetzt Antrag auf Eigeninsolvenz gestellt hat. Mir fehlen die Worte.

    http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article111958107/Immobilienkonzern-WGF-muss-Insolvenz-anmelden.html

    Hätte ich die Pro7 Reportage früher gesehen, wäre mir evtl. dieses Desaster erspart erblieben:

    http://www.prosieben.de/tv/taff/video/clip/157353-millionaers-gattin-1.2456231/

    Zumindest weiß ich jetzt wo Herr Sergio das Geld angelegt hat.

  7. Anna

    Hi Marcus,
    mein Mitgefühl ist bei Dir. Habe mir mal den Bericht über die Gattin angesehen. Beispiel: Nach langem Arbeitstag kam der Gatte ins traute Heim und untertitelt war: selfmade-millionär…
    Erscheint jetzt in einem ganz anderem Licht…
    Viel zu holen wird da wohl nicht sein, zumindest nicht für Otto Normalanleger.
    VG Anna

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