Toyota: Warum Firmenkrisen gute Einstiegskurse bieten


New York, 24. Februar 2010

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Vorige Woche telefonierte ich mit Börsenstar Jim Cramer. Sie kennen ihn sicherlich: Cramer moderiert seine tägliche Fernsehsendung „Mad Money“ auf dem Börsenkanal CNBC. Er war einst Hedgefondsmanager bei Goldman Sachs und gründete später die Internetfirma TheStreet.com. Er ist witzig, schlagfertig und ein absoluter Kenner der Börsenszene. Das Foto machte ich von ihm kürzlich, als er sein neues Buch „Getting Back to Even“ (Gleiche Deinen Verlust aus) in der Filiale von Barnes & Noble am Union Square vorstellte. Seine Sendung schaue ich ganz gerne. Mir fiel jedoch in den vergangenen Monaten auf, dass er immer häufiger den Zuschauern rät, das Depot umzuschichten. Sein Motto lautet: „Mach deine Hausaufgaben und beobachte Deine Aktien sorgsam!“ Dreht der Wind und liefert der Vorstand etwa schlechte Zahlen ab, so rät Cramer, auszusteigen. Als Value-Investor verfolge ich dagegen die Strategie des „Buy-and-Hold“, sprich kaufen und liegen lassen. Diese Vorgehensweise machte Warren Buffett zum reichsten Menschen der Erde. Ich frage mich immer wieder, wenn ich mir die Sendung von Cramer ansehe, warum soll jemand beispielsweise seine SAP-Aktien verkaufen, wenn sie seit mehr als 15 Jahren Bestandteil des Depots sind?
Praktisch jedes Unternehmen durchlebt einmal Schwächephasen. Managementwechsel oder Gewinnwarnungen kommen häufig vor. Muss ich dann gleich die Flinte ins Korn werfen und die Aktie verkaufen? Wohl nicht! Oft ist es ohnehin zu spät: Wenn eine Gewinnwarnung über die Ticker läuft, ist der Kurs doch längst eingebrochen.
Cramer wollte jedoch meinen Einwand, dass Warren Buffett mit seiner Buy-and-Hold-Strategie der beste Anleger aller Zeiten ist, nicht gelten lassen. Er erwiderte, dass auch Buffett sein Portfolio ständig umschichtet. Nun, es stimmt, dass das „Orakel von Omaha“ kleine Positionen kauft und verkauft. Das sehen Sie immer wieder bei seinen Beteiligungen an dem Pharmariesen Johnson & Johnson oder dem Ölgiganten ConocoPhillips. Doch ist der Trading-Anteil gemessen an den Ausmaßen des Gesamtdepots winzig. Wenn Buffett vier oder fünf Prozent des gesamten Beteiligungswertes traden würde, dann wäre das in meinen Augen viel. Ich schätze, es ist deutlich weniger. Seine Kernbestandteile wie Coca-Cola, Procter & Gamble, American Express oder Wells Fargo rührt der Meister seit Jahrzehnten nicht an. Die Aktien bleiben wie ein alter Schinken liegen. Nach dem Motto: Je älter, desto besser.
Nach Cramers’ Methode müsste man jetzt als Toyota-Aktionär wohl die Reißleine ziehen und alle Aktien verkaufen. Dabei hat der japanische Autohersteller schon seit dem 15. Januar 35 Milliarden Dollar seines Börsenwertes eingebüßt. Aktuell notiert das Papier (ADR) von Toyota Motor bei 74,33 Dollar nach über 90 Dollar Mitte Januar. Ich glaube, dass in solchen Krisenphasen, wie sie gerade Toyota durchläuft, sich einmalige Chancen auftun.
Wenn Sie sich ansehen, wo Buffett seine größten Coups landete, dann war das stets in Krisenzeiten. So erwarb er sein Paket an American Express 1963, als sich der Kurs der Kreditkartenfirma halbiert hatte. Der New Yorker Finanzkonzern verlieh seinerzeit 60 Millionen Dollar und musste die Summe wegen eines Betrugs abschreiben. Die Aktie rauschte daher in den Keller, obgleich das Kerngeschäft in Takt blieb. Die Medien hatten tagelang berichtet und den Fall größer gemacht, als er eigentlich war. Schockartige Verkaufswellen setzten ein. Der Kursrutsch war völlig übertrieben. Buffett sah die Chance und investierte über 40 Prozent seiner gesamten Assets in die Kreditkartenfirma. Ich glaube, dass in ein oder zwei Jahren kein Mensch mehr von den Gaspedalproblemen bei Toyota spricht. Acht Millionen Fahrzeuge musste zwar der Konzern zurückrufen. Insbesondere Top-Verkaufsmodelle wie Corolla, Camry und den Prius Hybrid. Doch kommen Rückrufaktionen in diesem Ausmaß auch bei der Konkurrenz hin und wieder vor.
Können Sie sich noch daran erinnern, als der Öltanker Exxon Valdez 1989 eine Ölkatastrophe auslöste? Es handelte sich um eine der schlimmsten Umweltkatastrophen. Die Bilder mit ölverschmierten Vögeln gingen um die Welt und schockierten die Menschen. Der Kurs des Ölriesen Exxon Mobil erholte sich dagegen schnell. Innerhalb von drei Monaten lag der Titel wieder auf dem Vor-Krisen-Niveau.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Toyota: Warum Firmenkrisen gute Einstiegskurse bieten

  1. Dirk

    Hallo Tim, sehe ich genauso. Buy on bad news. Toyota mag derzeit einige Probleme haben, aber grundsätzlich sind die Fahrzeuge qualitativ immer noch top. Und es handelt sich ja um den größten Hersteller weltweit. Ein kleiner Dämpfer kann auch gesund sein, um mal die Prozesse etwas zu optimieren.

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