Steven Cohen: 30 Prozent Rendite. Zu gut, um wahr zu sein?


New York, 15. Dezember 2012

Ziemlich brenz­lig ist es für Steven A. Cohen geworden. Gegen den Hedgefondsmanager ermittelt die New Yorker Staatsanwaltschaft wegen verbotener Insidergeschäfte. Sechs seiner ehemaligen Trader sind bereits überführt worden beziehungsweise stehen im Verdacht, krumme Dinger gedreht zu haben. Das ist auffällig.
Wer in den eigenen Reihen so viel kriminelle Energie hat, hat wohl ein Problem in der Firma. Kann das alles Zufall sein? Ich glaube nicht.
Zumal sechs weitere seiner Ex-Mitarbeiter erwischt worden sind. Nachdem sie den Hedgefonds verlassen hatten, sollen sie Probleme mit dem Staatsanwalt bekommen haben. Es ist eine merkwürdige Kultur bei SAC herangewachsen.
Cohen ist der Star unter den Hedgefondsmanagern. Moment mal. Denken Sie mal bitte nach. Wie kann jemand wie Cohen 30 Prozent p.a. Rendite auf Sicht von zwei Jahrzehnten erwirtschaften? Das kann kaum möglich sein. Mir scheint es zu gut, um wahr zu sein. Es kommt mir bald wie bei Bernie Madoff vor, der ein betrügerisches Schneeballsystem betrieb.
Cohen ist bislang nicht überführt worden, aber die Behörden arbeiten daran. Staatsanwalt Preet Bharara hat den Wirtschaftskriminellen den Kampf angesagt. Ich habe Bharara schon auf Konferenzen erlebt. Er macht einen netten, ja geradezu herzlichen Eindruck. Aber wenn es um Insidergeschäfte geht, kennt er kein Pardon. Er hört Telefonate ab. Er wirbt Mitarbeiter aus dem dubiosen Firmenumfeld an, um den kriminellen Ring mit Fangfragen, versteckten Mikrophonen etc. zu sprengen. Es wird richtig spannend.
Ich wundere mich über die Ermittlungen nicht. Seit Jahren höre ich Gerüchte um dubiose Tradingmethoden bei SAC. Cohens Gattin, Patricia, hatte schon im Jahr 2009 den Ehemann bezichtigt, Insidertrading zu betreiben. Der Milliardär muss sich warm anziehen.
Wen es interessiert, das ist sein umstrittenes Portfolio.
Ein kritisches Video hat die „New York Times“ über Cohens Methoden erstellt.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Steven Cohen: 30 Prozent Rendite. Zu gut, um wahr zu sein?

  1. Reinhard

    Hallo Tim,

    30 % p.a. über zwei Jahrzehnte, das macht, sagt mein Taschenrechner, 19000 % Performnace insgesamt. Aus 10.000 $ wurden also 1,9 Mio.
    Madoff hatte, glaube ich nur 1 % pro Monat versprochen. Da ist er ja ein Waisenknabe dagegen.
    Auch Buffett sieht plötzlich recht bescheiden aus.
    Nun sieht sein Depot auf den ersten Blick nicht absolut ungewöhnlich aus. Die Verwerfungen in den Jahren 2000 und 2008 muss er ja ut umschifft haben.
    Wieso stand der Mann nicht stärker im Focus der Öffentlichkeit? Zu Buffett gibt es wahrscheinlich 100 Bücher; zu Cohen weiß ich nicht.

  2. Martin

    Hedgefonds haben auch nicht ganz unerhebliche Gebühren von z.B. 2% p.a. +20% der Gewinne. 30% p.a. nach Gebühren wäre dann umso mehr vor Gebühren.

  3. Michael C. Kissig

    Jeder kann Renditen von 30% einfahren, man muss „nur“ die richtigen Werte erwischen. Dass ein solcher Erfolg über einen Zeitraum 20 Jahre lang imer wieder erzielt wird, sprengt allerdings jede Statistik. Denn auch der Beste liegt mal falsch und das verhagelt die ansonsten gute Performance natürlich.

    Was mir bei Buffett imponiert, ist der offene Umgang mit seinen Fehlern. Er benennt sie, er erklärt, was er falsch gemacht hat und er schönt sie nicht. Das ist sein Charakterzug. Auch als die Autorin zu seiner Biographie „Das Leben ist wie ein Schneeball“ erste Gespräche mit ihm führte, sagte er zu ihr, wann immer sie auf unterschiedliche Versionen von Ereignissen in seinem Leben oder seiner Handlungen stoße, solle sie die für ihn unvorteilhaftere verwenden. Gier und Eitelkeit gehen ihm völlig ab, was bei einem der reichsten Männer der Welt unglaublich erscheint.

    Fehler gehören dazu, man kann nicht immer richtig liegen. Daher kann eine Mega-Outperformance auch nur einen kurzen, begrenzten Zeitraum anhalten. Ansonsten sollte – und muss – man schon stutzig werden und zumindest den Erfolg kritisch hinterfragen. Dass es dennoch überdurchschnittlich erfolgreiche Investoren gibt, die sich seit Jahren „oben“ halten, könnte auch daran liegen, dass sie die richtigen Lehren aus ihren Fehlern ziehen. Oder wie George Soros es formulierte: „Es kommt nicht darauf an, ob man richtig liegt oder falsch. Es kommt darauf, wieviel man verdient, wenn man richtig liegt, und wieviel man verliert, wenn man falsch liegt“.

  4. Musti

    Ich denke, dass es außer SAC noch andere Hedgefond Manager gibt, die von zufälligen Glücksgriffen profitieren.
    Zufälligerweise werden häufig Firmen in denen Lee Cooperman kurz vorher investiert übernommen. Entweder hat er eine super Nase oder hat immer die Zeitung von mogen ?
    2 seiner im November vorgestellten Firmen indenen er kurz vorher eingestiegen ist, wurden auch übernommen

    http://www.marketfolly.com/2012/11/lee-coopermans-macro-view-thesis-on.html

    Wenn man versucht das umzusetzen, welches diese Gurus im Bereich value Investing lehren, dann würde man solche Firmen nicht mal mit der Zange anfassen. Daher glaube ich, dass viele sich mit dem Value Investing loben, aber sehr wenige es auch umsetzen. Alles andere ist, wie auch schon Jesse Livermore erkannt hat, mit viel Insiderinformationen erworbene Anteile.

  5. Musti

    Hallo Tim,

    Soviel zum Thema „erfolgreich durch value Invseting“.
    Nun wurde auch ein Tiger Fonds „Tiger Asia“ wegen Insiderhandel zur Geldstrafe verdonnert.

    http://www.sec.gov/news/press/2012/2012-264.htm

    We gesagt ich denke, überdurchschnittliche Renditen in der heutigen sehr effizienten Zeit erreicht man durch “ alternative Informationsbeschaffung“ ( Insiderhandel) oder was ohne Insiderhandel funktioniert, durch das perfekte beherrschen der Marktstimmung ! (Kostolany : Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie)

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