Stell Dir vor die Börse steigt und keiner geht hin


New York, 15. Oktober 2010

In den vergangenen Tagen überwand der Dow-Jones-Index mal wieder die Marke von 11.000 Punkten. Der DAX und andere wichtige Börsenindizes laufen ebenfalls wie am Schnürchen nach oben. Nur die breite Masse der Anleger ist noch immer nicht zurück auf das Parkett gekehrt. Die Menschen horten Cash in gigantischen Ausmaßen. Dass die Wirtschaft sich längst erholt, sieht man an den zuversichtlich gewordenen Managern. Sie akquirieren Firmen am laufenden Band. Hewlett Packard, Dell, Kraft Foods, Google – sie alle kaufen wie im Rausch. Die Vorstände gehen auf Shoppingtour, weil sie so optimistisch über den weiteren Geschäftsverlauf sind. Wären sie statt dessen besorgt, würden sie sicherlich keine Zukäufe tätigen. Kurzum: Die Wirtschaft steht meiner Meinung nach vor einem mehrjährigen Boom. Und keiner hat es so recht gemerkt. Ich halte besonders tief gefallene Aktien aus den Problemsektoren für lukrativ. Ich zähle hierzu etwa die Banken, Restaurantketten, Baufirmen und Einzelhändler. Ich hatte mir beispielsweise vor einiger Zeit eine völlig abgemagerte Imbisskette ins Depot gelegt und bin seither gut damit gefahren. Auch bei der einen oder anderen Bank griff ich zu.
Der Dollar hat in den vergangenen Wochen erheblich an Wert eingebüßt. Der Euro holt auf. Für einen Euro kriegen Sie schon 1,40 Dollar. Nun gibt es wieder Stimmen, die vor einem Untergang des Greenback warnen. Dabei wird verschwiegen, dass die Währungskurse immer in langfristigen Zyklen verlaufen. Diese Untergangszenarien sind völliger Blödsinn, die US-Währung gibt es schon so lange. Sie wird auch diese zähe Krise überstehen.
Zum Höhenflug des Goldpreises habe ich eine zweigeteilte Meinung. Die Unze Gold notiert schon bei über 1.350 Dollar. Ein Rekord! Es lassen sich für den hohen Preis gewiss viele Gründe anführen (Rekordverschuldung etc). Insofern glaube ich schon, dass sich der Kurs aus gutem Grund auf diesem Niveau befindet. Jedoch sollte nicht der Eindruck erweckt werden, dass Gold eine sichere Wertanlage ist. Der Goldpreis kann auch fallen, und zwar sehr tief fallen. Das sollten Sie immer im Hinterkopf haben, wenn Sie in Gold oder in Minenaktien investieren. Es handelt sich um keine Einbahnstraße nach oben. Im Gegenteil. Immer wieder wird in den Medien oder in der Werbung (etwa für Goldmünzen) der Eindruck erweckt, dass es sich um ein absolut sicheres Investment handelt. Mitnichten. Was hoch steigt, kann tief fallen! Ohnehin vermisse ich oftmals die Fairness gegenüber den Lesern. Ich finde, dass es als Journalist wichtig ist die Vor- und Nachteile aufzuzeigen. Einseitige Lobeshymnen sind nicht zielführend.
Kürzlich habe ich einen Artikel über die Megainvestoren geschrieben, also über die großen Staatsfonds und Pensionskassen. Sie bewegen gewaltige Summen und können selbst große Aktienfirmen zu Fall bringen. Was ich derzeit beobachte, ist folgender Trend: Sie schichten um. Weg von den Anleihen, den Festverzinslichen hin zu Aktien, Immobilien und alternativen Investments (Wälder, Mobilfunktürme, Gleisanlagen etc.) Da die Anleihen so gut wie keine Zinsen mehr abwerfen, ist ein Druck zum Umschichten in lukrativere Alternativen entstanden. Gut möglich, dass so ein neuer Immobilienboom in Deutschland ausgelöst wird. So hat beispielsweise die Allianz Leben umfangreiche Investments in Betongold angekündigt.
Ich schrieb viel in den vergangenen Wochen und Monaten, leider bin ich nicht immer dazu gekommen, in meinem Blog die Links zu setzen. Hier ein kleiner Rückblick, aber nur auszugsweise: Ende August fabulierte ich in einem Kommentar über einige mögliche Übernahmekandidaten in den USA. Ich interviewte den Chefanalysten von Morningstar, Pat Dorsey. Was mir gefiel, war sein Hinweise darauf, wie wichtig die Qualität von Firmen bei der Aktienauswahl ist. Ich schrieb über Firmen wie Playboy, die sich selbst zum Verkauf anbieten oder solche, die in das Visier von Firmenjägern geraten sind.
Selbst über die grassierende Bettwanzenplage in New York, ein richtig ekeliges Thema, berichtete ich. Immer mehr Gebäude werden von den Blutsaugern befallen. Im Empire State Building und im Lincoln Center sind sie schon entdeckt worden. Die Wanzen haben sich in dieser Stadt regelrecht eingenistet. Ein Bekannter von mir, wohlgemerkt ein Arzt, hatte die Biester in seiner Wohnung. Und ist sie kaum losgeworden, seine Arme waren furchtbar zerbissen. Nicht nur die Wunden sind ein Problem. Die psychischen Folgen („Angst vor dem Einschlafen“) sind viel schlimmer. Ich bin zum Glück von den Bettwanzen verschont geblieben und hoffe, das wird so bleiben. Sicher ist man vor ihnen keineswegs. Es hat mit Sauberkeit wenig zu tun. Es genügt, ein gebrauchtes Möbelstück oder ein altes Bild auf dem Flohmarkt zu kaufen, und schon hat man die Parasiten in der Wohnung. Oder wenn der Nachbar befallen ist, kann es passieren, dass sie zum Appartment nebenan marschieren. Die Bekämpfung ist nicht einfach, weil sich die Wanzen überall verstecken können. Etwa im Computergehäuse, hinter Leisten und in Ritzen.


tim schaefer (Author)

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