Stefan verdient mit seiner Frau 5800 Euro netto. Die beiden Beamten haben 3 Wohnungen vermietet, sie sparen per ETF und Aktien. Das Ziel ist 1,1 Millionen Aktienvermögen


New York, 16. Mai 2017

Stefan ist Beamter. Mit seiner Frau reist er gerne. 10 Wochen im Jahr sind sie unterwegs. Das Ehepaar spart emsig. Sie kaufen ETFs und Aktien. Daneben haben sie 3 Wohnungen vermietet.

Ein weiterer Leserbrief landete in meinem Postfach. Ich finde Eure Geschichten wirklich herrlich. Es zeigt mir, ihr denkt nach und handelt nicht wie Kleinkinder, die nur Wünsche haben. Und nur an den Konsum denken. Ihr spart, investiert, setzt Euch Ziele. Super! Das finde ich beachtlich und das würdige ich gerne mit dieser Serie.

Stefan ist Beamter. Gemeinsam mit seiner Gattin, die ebenfalls im öffentlichen Dienst arbeitet, verdient er 5.800 Euro netto. Das Paar investiert fleißig in ETFs. Zudem setzen die beiden auf Aktien. Sie haben 3 vermietete Wohnungen, die ihnen Cashflow bringen. Sie wollen weitere Eigentumswohnungen kaufen, um den Schneeball ins Rollen zu bringen. Prima! Sie selbst wohnen  zur Miete.

Was Stefan half, war ein Erbe. Er zahlte mit dem warmen Geldregen seinen Studienkredit ab und legte den Rest clever an. Sein Ziel ist ein Finanzvermögen von 1,1 Millionen Euro. Stefan wird es bequem in die finanzielle Freiheit schaffen. Er ist besonnen, intelligent und zielstrebig. Gleichzeitig reisen die beiden gerne. Es ist eine schöne Story. Respekt!

Das einzige, was mir aufgefallen ist: Ich würde in die Nähe der Arbeit ziehen, um die langen Anfahrtswege zu reduzieren. So kannst Du zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit. Oder mit dem ÖPNV. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Nebenbei schonst Du die Umwelt. Ein anderer Punkt, der mir aufgefallen ist: Ich würde den Notgroschen von 15.000 auf 10.000 Euro runterfahren. Ihr habt als Beamte stetig Cash sprudeln. 10.000 Euro dürften locker reichen, selbst wenn etwas an Euren Wohnungen zu reparieren ist. Zumal die Wohnungen ja stetig Cash abwerfen. Ansonsten muss ich sagen: Super Einstellung!

Lieber Tim,

ich schreibe stellvertretend Dir, weil ich dankbar bin. Dankbar für die Denkanstöße, die mich Tag für Tag durch alle möglichen Finanzblogs bereichern. Ich muss wirklich sagen, dass ich dadurch noch einmal die Kurve gekriegt habe. Gerne teile ich meine Geschichte, weil mich die von dir veröffentlichten Leserbriefe weiter motivieren. Hierdurch hoffe ich, ebenfalls einige Menschen zu mehr Beschäftigung mit ihren Finanzen anregen zu können. Da ich im weitesten Sinne „in der Öffentlichkeit“ stehe, möchte ich gerne anonym bleiben.

Ich komme aus der unteren Mittelschicht. Ich bin der erste in meiner Familie mit Abitur; der erste mit einem Studienabschluss. Ich bin immer in Richtung „Sicherheit“ erzogen worden. Risiko, Börse, Aktien, Selbstständigkeit – alles stand nie auf dem Plan. Umso mehr hat sich meine Familie gefreut, als ich meinen Berufswunsch gefestigt habe: Ich will Lehrer werden. Welcher abhängig Beschäftigte ist besser gestellt im Verhältnis zum Arbeitsaufwand, diesen Posten zu erreichen, als ein Lehrer?!

Anfang 2014 habe ich geerbt. 80.000€. Das ist das, was ich – im Nachhinein betrachtet leider – während des Studiums aufgrund von fehlender finanzieller Bildung nicht gespart hatte. Jeder hineinkommende Euro ging bis zu meiner ersten Lehrerstelle genauso wieder heraus.

Gefühlsmäßig war mir aber klar, dass diese Chance kein zweites Mal kommt. Ich machte mir also intensive Gedanken, was mit dem unerwarteten
Vermögen zu tun ist. Erstmal habe ich mit ca. 20.000€ meine Schulden, die sich durch einen Studienkredit im Laufe von 5 Studienjahren angesammelt
haben, auf einen Schlag abbezahlt.

Dann habe ich mich beraten lassen. Sparkasse, private Finanzberater, Deutsche Bank. Aber irgendwie kam mir das alles komisch vor. Glück gehabt, denn Gerd Kommers „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen“ sowie „Kaufen oder mieten?: Wie Sie für sich die richtige Entscheidung treffen“ hat mir die Augen geöffnet. Nach weiterer Recherche und einer ganzen Menge Blogeinträge und Podcasts hier nun unsere finanzielle Situation:

Meine Frau und ich sind Anfang 30, bislang kinderlos. Wir sind beide auf Lebenszeit verbeamtet, wodurch uns im Vergleich zu „normalen“ Angestellten hohe Pensionsansprüche und automatisch steigende Soldanpassungen bis zur Pension zustehen. Wir verdienen jetzt am Anfang unseres Berufslebens zusammen 5800€ netto im Monat. Dieser Betrag wird im Laufe unseres Arbeitslebens um ca. 20% steigen (plus jährlichem (!!) Inflationsausgleich von ca. 2-2,5%) – dann ist das Maximum erreicht.

Wir wohnen zur Miete, haben wegen eines recht langen Arbeitsweges zwei eigene Autos (vollständig abbezahlt). Auch reisen wir sehr viel. Da wir in den Schulferien immer gemeinsam frei haben, sind wir in der Lage, immerhin ca. 10 Wochen im Jahr im Ausland zu verbringen. Weil wir gerne die Welt sehen wollen, verzichten wir durch unsere Reisen in jungen Jahren natürlich darauf, noch frühzeitiger finanziell unabhängig zu sein, aber diesen Kompromiss gehen wir gerne ein.

Unser Aktienportfolio macht uns wirklich Spaß. Wir beide schauen ihm gerne beim Wachsen zu und füttern es an.

  1. ETFs: Unser monatlicher Sparplan von 1600€ geht in den MSCI World (70%) und in die Emerging Markets (30%).
  2. Gestartet allerdings habe ich mit einem Weltportfolio in Höhe von 50000€ am MSCI USA, EuroStoxx 600, Emerging Markets (jeweils 30%) und MSCI Pacific (10%). Alles, was wir im Jahr zusätzlich zu unserem Sparplan an Einnahmen generieren (Ausschüttungen, Überstunden, Gehaltserhöhungen, Steuerrückzahlungen), geht über das Jahr auf ein extra Tagesgeldkonto. Dieses Zubrot stecke ich am Ende eines jeden Jahres in unser Weltportfolio, da hier die liquiden Mittel zum Rebalancing genutzt werden sollen.
  3. Drittes Standbein sind noch Einzelaktien. Ca. 15000€ haben wir in 8 verschiedene Einzelunternehmen investiert, die im Bereich „Autonomes Fahren“ in den nächsten Jahren erfolgreich werden dürften. Hier setze ich bewusst einen Schwerpunkt, der mich aber nicht arm macht, wenn es nicht so läuft wie erhofft.
  4. Eine Reserve im Tagesgeld von ca. 15000€ haben wir für den Fall der Fälle.
  5. Immobilien: Wir besitzen zudem noch drei kleine, vermietete Eigentumswohnungen. Die erste haben wir aufgrund der überschaubaren Summe von 25000€ in bar bezahlt. Diese diente uns anschließend als Eigenkapitalersatz bei den anderen beiden Wohnungen. Netto ergibt sich hier ein zusätzliches Plus von ca. 4500€ p.a. vor Steuern. Geplant ist hier definitiv der Erwerb weiterer Wohnungen mit dem Ziel, einen positiven Cashflow von 1000€ pro Monat zusätzlich zu erreichen.

Wenn ich jetzt Revue passieren lasse, was uns in so kurzer Zeit in Sachen Vermögenaufbau gelungen ist, kann ich gar nicht anders, als so weitermachen zu wollen. In diesem Jahr werden wir, falls kein Crash kommt, die 100.000€-Marke an Aktienvermögen überschreiten. Wir planen, dass wir bis Mitte 40 absolut finanziell unabhängig sind.

Demgegenüber steht eigentlich unsere so wichtige Grundsatzentscheidung: Wir wollen kein (selbstgenutztes) Wohneigentum. Vergleiche ich das, was wir in 15 Jahren höchstwahrscheinlich haben, mit dem, was wir hätten, wenn jeder Euro in ein viel zu großes, viel zu teures Haus ginge… dann hätten wir ein 15 Jahre altes, wahrscheinlich viel zu teures Haus. So gehen sämtliche Überschüsse nicht in den gemauerten Grill oder das neue Dach, sondern in einen schönen ETF. Bei gleicher Sparquote (Dynamik 2% p.a.) und einer unterstellten Portfolioentwicklung von 7% steht demgegenüber ein Aktienvermögen in Höhe von 1,1 Mio. Euro vor Steuern. Wahnsinn!

Ganz lieben Dank für all Deine Arbeit!

Stefan


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Stefan verdient mit seiner Frau 5800 Euro netto. Die beiden Beamten haben 3 Wohnungen vermietet, sie sparen per ETF und Aktien. Das Ziel ist 1,1 Millionen Aktienvermögen

  1. Ralf

    Hier ist der deutliche Nettovorteil von Beamten im gehobenen und höheren Dienst klar zu erkennen. Ich selbst wäre gerne Beamter geworden, leider gab es nach Ende des Studiums keine Perspektive auf dauerhafte Übernahme in den Beamtenstatus im meinem Fachbereich. Damit war die Beamtenlaufbahn futsch.

    Für mich der neue Geldadel in D dank bestimmter Privilegien. Ob in Zukunft das alles aber so weiter gehen wird kann man nicht mit Sicherheit sagen. Auch bei Beamten werden Einschnitte kommen müssen (drohende Pensionslasten etc.).

    Auch so eine Erbschaft verschafft natürlich etwas Komfort. Da könnte man schon ein wenig neidisch werden. Aber es gilt auch hier: Daumen hoch und weiterhin viel Erfolg!

  2. martin

    @Ralf
    Ja, als Beamter zahlst Du keine Arbeitslosenversicherung und in keine Rentenvorsorge ein. Dadurch ist das Brutto niedriger als bei Angestellten und damit dann auch die Steuerlast. Damit kann man theoretisch mehr sparen, dafü rmuss eben die Krankenkasse selbst gezahlt werden (vermutlich 50%, Rest dann Beihilfe).

    Einschnitte kommen hier sicher, aber warum jetzt über Einschnitte in der Zukunft grübeln. Eher alles was geht in die Sparraten, dann können die Einschnitte „ruhig“ kommen.

    @Beitrag
    Motivierend, auch wenn für mich ETW icht in Frage kommen, da ich gerne mobil bleiben möchte. Weiter so!

     

  3. Matze

    Hallo Stefan,

     

    danke für für deine Offenheit und ebenfalls inspirierenden Beitrag. Ich finde die Lesergeschichten super, wenn es auch manchmal etwas wehmütig oder nachdenklich macht, welchen Weg man beruflich hätte einschlagen können…und auch zeigt, dass man selbst manchmal erst am Anfang steht mit der FF. Doch wie heißt es so schön, wenn der erste Schritt gemacht ist…stop starting, start finishing 🙂

    Ich habe Fragen an dich und hoffe du beantwortest diese.

    Sparst du automatisiert in Etfs? Welche Art von Etf (swap, replizierend) besparst bzw. bevorzugst du? Bei welchem Broker machst du dies? Wie setzt sich dein Aktieninvestment zusammen?

    Viele Grüße

     

    Mathias

  4. steve

    Hallo Stefan,

    Glückwunsch da kann wenig schiefgehen hoffentlich gar nichts. Was mir nicht klar ist die Einstellung zu Immobilien,verstehe nicht was der Vorteil der Vermietung im Vergleich zur Eigennutzung ist? Für die Mieteinnahmen zahlst du Steuer, renovieren musst du auch da irgendwann. Dann zahlst du für deine Wohnung Miete bekommst aber nichts gegengerechnet. Für mich klar wenn du praktisch Miete an dich selbst zahlst bleibt mehr Geld bei dir.

  5. Jan

    Hallo Stefan,

    klasse, wie ihr an einem Strang zieht. Macht weiter so! Das autonome Fahren habe auch ich auf der Agenda, bin aber bei Tesla vorsichtig. Bei der Aktie ist mir zu viel Phantasie an Bord. Bist du da drin? Ich gehe davon aus, dass die dt. Automobilbauer das noch aufholen werden, hoffe ich jedenfalls. Ansonsten könnte es mit Alphabet auch spannend werden und diese Einbrüche wieder auffangen. Wie ist da deine Strategie?

    Habt ihr Kinderwunsch? Wie sieht das denn eigentlich bei den Beamten mit der Krankenversicherung der Kinder aus? Bezuschusst das der Staat oder ist das dann eine reine private Angelegenheit?

    Schöne Grüße

    Jan

  6. Ex-Studentin

    @Stefan

    Ich drücke euch die Daumen, dass ihr bald das Glück mit euren Kindern genießen dürft! Knapp 6.000€ netto ist tatsächlich eine gute Basis fürs restliche Leben. Vor allem finde ich es gut, dass ihr theoretisch beide Teilzeit arbeiten könntet und das Geld immer noch ausreicht.

  7. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Jan

    Danke für den Link. Super.

    Ja, hohe Gebühren und Transaktionshektik vernichten Rendite.

    ETFs ist das beste für die meisten Anleger. Stur und stetig ETFs kaufen. Fertig.

     

    @ Markos

    Ja, im Grunde kann jeder viel erreichen. Es fängt im Kopf an. Es geht um die Einstellung/Motivation. Die meisten strengen sich nicht an. Sie haben keine Ziele. Die Masse hat zudem Angst zu scheitern. Deshalb versuchen sie erst gar nicht voran zu kommen. Dabei ist das Scheitern gar nicht schlimm. Du darfst nur nie aufgeben.

     

    @ Ex-Studentin

    Danke für die netten Wünsche. Das ist das Schöne an meinen Lesern. Wir helfen uns gegenseitig. Wir haben Ziele. Wir motivieren uns gegenseitig.

  8. Andrea

    Das läuft ja gut bei Stefan und seiner Frau. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg! Den Neid der anderen muss man sich erst einmal erarbeiten, lach. Prima, dass ihr auch noch vermietete Immobilien habt. Das dürfte doch wohl klappen mit der finanziellen Freiheit.

  9. Oliver

    Hallo Stefan,

    dein Bericht zeigt, dass man mit einer soliden Lebensführung nach und nach ein sehr gutes Vermögen aufbauen kann. OK, die Verbeamtung bringt euch eine Sicherheit, die ein Angestellter oder Freiberufler nicht hat. Andererseits zeigst Du sehr gut auf, dass die Steigerungsraten bis zum Ende moderat sind und ggü. z.B. eines erfolgreichen Freiberuflers gedeckelt sind. Man kann nicht alles im Leben haben. In eurem Fall ist das auch nicht nötig, da ihr durch eure Lebensweise und vor allem dem Investitionsverhalten zukünftige Steigerungen in eurem Einkommen einbaut. Sehr gute Konstellation, da ihr beide das wollt, was sehr wichtig ist und bei weitem nicht selbstverständlich. Ich kenne so einige Frauen mit Kauffimmel. Da kann man es weitaus schlechter erwischen.

    Was mich noch interessieren würde: Habt ihr besondere Pläne, wenn ihr die finanzielle Freiheit erreicht habe? Oder wollt ihr normal weiter arbeiten und es genügt das Wissen, dass man jederzeit aufhören könnte?

    Ich überlege momentan immer hin und her, da es bei mir soweit ist. Meine Arbeit macht mir noch Spass, obwohl wie bei jedem Job auch ein paar Ärgernisse dabei sind. Ich habe festgestellt, dass die Ärgernisse mental bei mir sehr viel weniger geworden sind und mir manches und auch manche Personen inzwischen vollkommen wurscht sind, da sie mir eh nichts anhaben können. Bei finanziellen Verpflichtungen oder dem Zwang, das nächste Gehalt bekommen zu müssen sähe das sicher anders aus. Ich kann mir auch vorstellen, wenn man 20 Jahre als Lehrer gearbeitet hat, dass die Tätigkeiten sich wiederholen und so viel neues auch nicht mehr dazu kommt.

     

     

  10. Stefan

    Danke für die bestärkenden Kommentare! Ich freue mich über jeden Denkanstoß!

    @Matze:

    Ja, ich bespare die beiden Standard-ETFs (World+EM) monatlich automatisch. Alles, was sonst so übrig bleibt oder durch Überstunden bzw. einen Nebenjob dazukommt, sowie alle Dividenden, fließt zum Jahresende in die anderen ETFs. Hierbei bevorzuge ich weder Replizierer noch Swapper. Leitlinie ist bei all der Uneinigkeit in der Frage „Et hätt noch emmer jot jejange!“, sodass mir „nur“ wichtig ist, dass der ETF groß (Wahrscheinlichkeit irgendwann abgesägt zu werden, sinkt) und günstig ist.

    @Matze und Jan

    Einzelaktien halte ich von Nokia, Intel, Mobileye, Alphabet, Leoni, Amazon, Elmos, Delphi und STMicroelectronics. Tesla halte ich im Moment für überbewertet. Da warte ich auf eine günstige Einstiegsmöglichkeit. Sonst bleibe ich aber schwerpunktmäßig (>80%) auf ETFs.

    @Steve

    Damit machst du ein riesiges Fass auf. Ich empfehle dazu den „Finanzwesir rockt“-Podcast Nr. 20 zu Immobilien und in meinem Leserbrief genanntes Buch von Kommer „Kaufen oder mieten?“. Vermietete, nicht selbstgenutzte Immobilien schneiden für mich super ab, weil sie a) bei unserer Jobsicherheit + Einkommen + EK stark gehebelt werden können, b) sämtliche Kosten um die Immobile (Renovierung, Zins (!!!) etc.) unsere Steuer senkt, c) unser Gesamtportfolio diversifiziert, d) es Spaß macht, so ein Kleinunternehmen zu managen, e) die Immobilie die im Prinzip einzige, legale Möglichkeit ist, als Beamter ein zusätzliches Einkommen durch eine „Selbstständigkeit“ auch im Sinne von Zeit gegen Geld zu erwirtschaften.

    Recht hast du zum Teil in dem Fall, in dem ein Eigennutz soviel kostet wie Kaltmiete + Rücklage. Wir zahlen gerade 800€ KM. Bei einer unterstellten Rücklage von mindestens 10%, die ich auf jeden Fall kalkuliere (bei unseren vermieteten Objekten kalkulieren wir 20%) haben wir ein Budget von 8640€ im Jahr für den Kapitaldienst (Zins+Tilgung).

    Daraus folgt: Wir könnten uns ein 180.000 € Objekt + ca. 19.000 € Kaufnebenkosten leisten, um den Anforderungen zu  entsprechen. Dazu müssten wir  40k € aus EK  nehmen (da das sonst in Aktien stecken würde, verzichten wir bei 7% Jahresrendite über 20 Jahre auf 114k € Zinsen) , monatliche Rate läge bei 3,5% Tilgung bei ca. 720€. Damit wäre das Objekt nach 20 Jahren unseres und anschließend müssten wir nur NK (für ein dann 20 Jahre altes, evtl. zu sanierendes, sicher zu renovierendes Objekt) bezahlen.

    Nun bekomme ich aber da, wo wir wohnen möchten, für 180k € nicht mal annähernd das, was wir jetzt haben und ich verzichte auf die angesprochene Flexibilität – was ist bei Umzug mit dem Objekt im Bestand? Was ist mit evtl. Wertverlust? Was wenn unser Kind einen Rollstuhl und Pflege braucht? Wenn wir krank werden? Aktien liquidiert man schnell; bei Immobilien geht das nicht so leicht, gerade wenn sie dann nicht in einer Lage oder Art (Einfamilienhaus) sind, die gut vermietbar sind?

    @Jan und Ex-Studentin

    Unser Kinderwunsch hält sich momentan noch in Grenzen, da wir gerne (nachdem wir in unseren 20ern im Prinzip kein Geld übrig hatten) erst sehr viel reisen würden und sich Kinder und Fernreisen gerade die ersten Jahre unserer Ansicht nach ausschließen.

    Die Krankenversicherung stellt sich wie folgt dar: Im Augenblick, ohne Kinder, bekommen wir 50% Beihilfe und sichern die anderen 50% über die private Krankenversicherung ab. Sobald Nachwuchs kommt, erhöht sich die Beihilfe (z. B. meiner Frau) auf 70%, PKV 30%. Das Kind wird dann durch meine Frau privat im selben Verhältnis versichert. Damit wird sich an den Beiträgen nicht viel ändern. Bei mir ändert sich nichts.

    @Oliver

    Erstmal herzlichen Glückwunsch!!! Gute Frage! Zunächst würden wir es so halten wie du. Solange es Spaß macht, sind wir dabei. Auch als Lehrer hat man ja noch Möglichkeiten, in andere Bereiche zu gelangen, die vielleicht auch eine Herausforderung sein können und nochmal Schwung reinbringen (Schulleitung, Verwaltung, Dezernat, Lehrerausbildung, Abordnung an die Universität und einige mehr). Ich denke, dass es tatsächlich schön ist, nicht mehr zu müssen, sondern zu dürfen. Uns bieten sich einige denkbare Möglichkeiten, die auch einschließen, den Beamtenstatus mit allen Vor- und Nachteilen nicht zu verlieren: a) Teilzeit in Form von Sabbatjahren (1-4 Jahre voll arbeiten, 1-4 Jahre frei bei 50% Besoldung, b) Beurlaubung bis zu 10 Jahre aus familienpolitischen Gründen, c) normale Teilzeit bis zu mindestens 50% des Regeldeputats (dann reden wir von 12,5 Stunden Unterricht pro Woche, idR verteilt auf 2-3 Wochentage). Vom jetzigen Standpunkt her betrachtet würde ich wahrscheinlich meine Stunden leicht reduzieren und in Richtung Leitungsfunktion gehen. „Privatier“ wird schon alleine durch die PKV schwierig, weil die Beiträge bis zum Lebensende sicher äußerst hoch gehen werden und wir diese 2 x zu 100% ohne sonstige Absicherung bezahlen müssen, da wir vermutlich (zu recht) nicht mehr in die GKV kommen werden. Sollte der Beamtenstatus und die gesamte soziale Absicherung absolut unwichtig sein (z. B. dadurch, dass wir doch verstärkt Cashflow durch mehrere Mehrfamilienhäuser erwirtschaften oder das Aktienvermögen viel (!) stärker wächst etc.) wäre natürlich auch die Privatierschiene denkbar.

     

  11. Mahtchello

    Bezüglich Kinderwunsch vs Reisen
    Das schließt sich meiner Meinung nach überhaupt nicht aus. Ganz im Gegenteil, es bereichert Große und Kleine ein lebenslang ungemein.Selbst Fernreisen waren kein Problem, man muss alles nur etwas langsamer angehen.
    Und auch wenn man sich oft  vorhalten lassen muss, es wäre egoistisch so etwas mit Kindern zu machen. Dem möchte ich sagen, Blödsinn. Da sind meistens die, die selber noch keine Erfahrungen gemacht haben. Weder mit Kindern, noch damals selber als Kind in ferne Länder unterwegs gewesen zu sein.
    In Bezug auf das aufschieben des Eltern werdens und den vermeintlichen Gründen die man dafür sieht, obwohl der Wunsch da ist, empfehle ich hier gerne das Buch
    Seid fruchtbar und beschwert euch
    von Malte Welding 😉 
     

  12. Jan

    @Stefan,

     

    Ach jeder so, wie er möchte. Kinder sollten in Wunsch sein. Sobald sie da sind, werdet ihr erst merken, was euch im Leben gefehlt hat. Aber das muss jeder selbst erfahren und schlaue Sprüche helfen da wenig. Wir selbst sind ja auch nicht die jüngsten Vorzeigeeltern.

    Unsere Kleine hat heute die ganze Nacht gespuckt. Drei mal hieß es alles umziehen, das Bettchen neu beziehen und die Kullertränen vom Gesicht bekommen. An Schlaf war nicht zu denken. Aber irgendwie, keine Ahnung wie man das als Eltern macht, reicht es dann doch.

    Schöne Grüße
    Jan

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