Standardtitel: Je tiefer der Kurs, desto geringer das Risiko


New York, 18. März 2011

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Ich habe Ihnen hier einmal den Dow Jones seit 1930 herausgesucht. Ein Value-Jäger sieht in Krisen, Rezessionen und Katastrophen eine gigantische Chance. Je größer die Panik, desto besser, denken sich die Schnäppchenjäger. Krisen werden durch die Medien gerne mit großer Aufmerksamkeit behandelt. Und so verliert die Masse die Geduld und verkauft ihre Aktienbestände. Die Horde rennt immer zur Unzeit aus den Werten und zur Unzeit in die Aktien. In Krisen-Phasen werden also die größten Vermögen geschaffen. Denn clevere Anleger legen sich auf die Lauer. Sie sammeln dann die Papiere weit unter Buchwert ein und warten ab, bis sich die Lage wieder entspannt. Ich habe in dem Chart einmal die größten Kursrücksetzer gekennzeichnet. Im Detail können Sie sich hier ein paar markante Punkte auf der Zeitachse anschauen. Nach den Einbrüchen erholt sich der Index mit großer Dynamik und erklimmt in der Regel ein neues Allzeithoch. Der Dow ist eine Gelddruckmaschine. Der Index spiegelt wider, dass der Wohlstand auf diesem Globus wächst.
Die jüngste Strahlen-Katastrophe in Japan hat sich im Dow Jones kaum bemerkbar gemacht. An meinem Langfristchart sehen Sie so gut wie keinen Rücksetzer. Indes haben die Standardaktien in Japan gelitten. Ich glaube, wenn der Nikkei weiter stürzen sollte, werden wieder ein paar Value-Jäger ein unvorstellbares Vermögen schaffen können. Das Problem ist in solchen Phasen einen kühlen Kopf zu bewahren. Das können nur wenige. Die Masse lässt sich von der Panik anstecken. Das Gegenteil von den Verwandten, Nachbarn, Kollegen und Freuden zu tun ist die Kunst des Value Investings. Wenn Sie sich einmal die Historie von Warren Buffett anschauen, so sammelt der Milliardär am liebsten Aktien in (Unternehmens-)Krisen ein. Als die Versicherung Geico in eine Krise schlitterte und der Kurs auf zwei Dollar eingebrochen war, da schlug Buffett zu, schoss Cash in die leergefegte Kasse. Im Gegenzug erhielt er einen großen Anteil an dem angeschlagenen Laden. Sechs Monate später notierte die Aktie wieder bei acht Dollar.
Im Zusammenhang mit der Japan-Krise sind viele Versicherer rund um den Globus eingebrochen. Allen voran die Münchener Rück. Es kann in der Tat ein schlimmes Jahr für die Assekuranzen bevorstehen. Doch danach arbeiten sich in der Regel viele Konzerne mit Bravour wieder aus dem Tief. Oftmals gehen Giganten gestärkt aus solchen Phasen hervor. Sie sind schlanker, effektiver, erhöhen ihre Prämien. Übrigens bin ich kein Fan der Atomenergie. Diese Technik lässt sich einfach nicht beherrschen. Aber es stellt sich die Frage, wie können wir die halbe Weltbevölkerung ohne Uran elektrifizieren? So viele Menschen leben in einfachsten Verhältnissen und hätten auch gerne einen Kühlschrank, ein Telefon und TV-Gerät.
Fazit: Während Katastrophen macht es Sinn, sich die schlimmsten Kursverlierer anzuschauen. Also das wären zum Beispiel die Versicherer und die japanischen Standardwerte. Gut möglich, dass der Kursrutsch noch nicht zu Ende ist. Aber beginnen Sie die ausgebombten Titel einmal zu beobachten, solche natürlich, die überleben werden. Ändern Sie ihre Gedanken und stellen Sie sich vor: Je tiefer der Kurs, desto geringer das Risiko, dass der Kurs weiter einbrechen dürfte. Hier etwa am Beispiel der Münchener Rück (die ich nicht besitze, der DAX-Titel dient mir nur als anschauliches Beispiel). Je höher dagegen ein Kurs geschossen ist, desto größer ist das Risiko für einen Einbruch. In den USA ist beispielsweise ein Riesen-Hype um den Film-Verleiher Netflix entbrannt. Die Aktie ist auf eine absurde Höhe geschossen. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt abenteuerliche 39. Meiner Meinung nach ist die Rückschlagsgefahr bei Netflix größer als bei der Münchener Rück. Die Bayern gibt es derzeit unterhalb Ihres Buchwerts! Logisch, lässt sich das Geschäftsfeld beider Firmen nicht vergleichen. Aber die Kursentwicklung ist so schön konträr. Daher musste ich eben die Bayern und Kalifornier als Beispiel wählen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Standardtitel: Je tiefer der Kurs, desto geringer das Risiko

  1. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,
    gestern habe ich gemeinsam mit einem befreundeten Kaufmann und Geschäftspartner einen neuen Blog unter dem Namen welt-im-chaos.blogspot.com erstellt. Ziel des Blogs ist die kritische Auseinandersetzung mit politischen und finanzwirtschaftlichen Themen. Dabei möchten wir durch harte Arbeit den vielen im Internet kursierenden verschwörungstheoretischen und weltuntergangsprophetischen Denkansätzen auf den Grund gehen und über kurz oder lang realistische Szenarien herausfiltern bzw. entwickeln. Deshalb bin ich nunmehr zu der Erkenntnis gelangt, dass es sinnvoll erscheint sich verschiedene Szenarien auszumalen. Ich bleibe weiterhin dabei, dass die Indizes vor neuen Allzeithöchstständen stehen. Die Szenarienmodelle sollen mir dabei jedoch ermöglichen eine Einschätzung der weiteren Entwicklungen an den Finanzmärkten auf der Zeitachse vorzunehmen. Damit will ich sagen: Es kann durchaus sein, dass wir bereits dieses Jahr einen neuen Allzeithöchststand im Dow Jones sehen werden. Der sensationelle Anstieg des Dow Jones kann durchaus noch einige Monate, wenn nicht gar Jahre weitergehen; the trend is your friend! In Anbetracht der Tatsache, dass dem Dow Jones jetzt nur noch knapp über 15 % zu seinem bisherigen Allzeithoch fehlen, lassen mich jedoch vorsichtig werden.
    Die Gründe hierfür sehe ich in der nicht zu verkennenden exorbitanten Verschuldungssituation nahezu aller westlichen Länder, dem sehr hohen Öl-Preis, dem rapiden Goldpreisanstieg und der schlussfolgernden Fragestellung, ob dies nun eher zu einer starken Inflation (Szenario 1) oder Deflation (Szenario 2) führt oder ob, Alternative 3, beide Szenarien verhindert werden können. Ich habe zu Hause leider keine Glaskugel stehen in der ich die Zukunft sehen kann. Daher werde ich die Methoden einer fundierten Analyse anwenden. Insbesondere die laufenden Rettungsmaßnahmen einzelner €-Staaten sehe ich kritisch. Warum wird ein €-Peripherie-Land nach dem anderen finanziell gerettet, wieso diese immens altruistische Vorgehensweise? So etwas hat es meines Erachtens noch nie gegeben (vielleicht irre ich mich auch, ich weiß es nicht). Woher kommt diese nie zuvor gekannte Solidarität? Springt die Bundesregierung deshalb ein, weil sie sozusagen als politische Elite immernoch die grauenhaften Geschehnisse des 2. Weltkrieges in Erinnerung hat? Haben wir Deutsche also Schuldgefühle den Anderen gegenüber. Oder sind es doch schlicht wirtschaftliche Interessen? Sind deutsche Banken zu sehr in Griechenland, Irland, Spanien etc. investiert, so dass eine Staatsinsolvenz eines der Länder zu panikartigen Kettenreaktionen führen würde? Oder profitiert, wie in einigen Zeitungsartikeln beschrieben, Deutschland nur durch einen in € abgerechneten Export in diese Länder am Meisten. Es geht mir schlicht um die Wahrheitsfindung. Was ist die Wahrheit? Ich glaube nicht an Verschwörungen. Dazu ist die Wirtschaft und die Politik zu komplex, einen Weltuntergang wird es so schnell auch nicht geben, der wird höchstens von den Medien herbeigeredet um Geld zu verdienen. Also, wo liegt der Wahrheit Kern?

    Viele Grüße

    P.S.: Ich veröffentliche Beiträge in dem Blog unter dem Namen „Iron-Blog“. Wir haben uns bewusst für einen „panisch“ klingenden Blog-Namen entschieden, weil wir glauben, hierdurch mehr Leser zu erreichen. Vielleicht können auch wir eines Tages von dem Milliarden-Geschäft mit der Angst finanziell profitieren… 🙂

  2. tim schaefertim schaefer

    Hallo Matthäus ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Blog. Das ist ein spannendes Thema. Mich können Sie zu Ihren Lesern zählen! Was nun auf uns zukommt, eine Inflation oder Deflation, ist wahrlich die große Frage. In der Tat fällt mir die Antwort schwer. Aber schauen wir uns mal die Definition der Deflation an: Deflation heißt, dass Sachwerte kollabieren. Sprich Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Edelmetalle – alles fällt. Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Ich glaube vielmehr an die Inflation. Allein die Tatsache, dass die Erdbevölkerung wächst, führt zu einem Mehrbedarf an vielerlei Gütern. Angefangen an Nahrungsmitteln bis hin zu Elektronikartikeln, Maschinen und Autos… Insofern gehe ich von einer Geldentwertung aus. Obwohl die hohe Verschuldung der Staaten ein Riesenproblem ist. Die Schulden müssen abgebaut werden, sonst steht uns ein Chaos bevor.

  3. Robert

    Netflix ist Müll. Ich bin zur Zeit seit einigen Wochen (bei 136 US$) short in Salesforce. Hin und wieder, wenn es so offensichtlich ist, betreibe ich mit 1-2% meines Depots eine kleine long/short Strategie.

    guter Hinweis auf diese Explorerklitsche. DAs kannst Du gar nicht laut genug sagen. Die Leute sollen Ihre Finger von diesen Aktien lassen. 99% aller Unternehmen sind nur Betrug, der Vorstand saugt sich das Geld rein. Und die Aktionäre stehen nach einigen Monaten, und einigen weiteren Kapitalerhöhungen vor einem leeren Börsenmantel. Die Firmen sind operativ niemals profitabel.

    Weiter so.
    Robert

  4. tim schaefertim schaefer

    @Robert: Ja, ich wundere mich auch manchmal. Da treffe ich Mini-Explorer, die zig Jahre von der Produktion entfernt sind. Die wenig in der Kasse haben. Und die jeden Tag Geld ohne Ende verbrennen. Und da genehmigt sich der Vorstandschef 350.000 Dollar Jahressalär. Das ist manchmal echt der Wahnsinn! Ich frage mich, warum die Großaktionäre das mitmachen?

  5. Hubsen

    @ Tim
    „Atomkraft lässt sich nicht beherrschen“
    Eine sehr richtige Aussage mit weitreichenden Konsequenzen wie ich meine -> siehe auch: Perrow – Normale Katastophen – die Risiken der Großtechnologie – schon in 1987!!

    & ist weder verantwortungsvoll gegenüber Nachbarländer, gegenüber den nächsten Generationen,
    noch wirtschaftlich sinnvoll (Versicherung/Haftungen, Endlagerung, Abbau/Logistik, etc. einmal fair eingerechnet)

    In den Industrieländern ist das Gebot Nr1 die Energievermeidung!!: Niedrigenergiehäuser, Plus!nergiehäuser massivst fördern, verpflichtende Dämmung (alter) öffentlicher Gebäude, Maschinen- und Geräteeffizienz weiter steigern.
    …to be continued

    Und soviel Atomstrom(abhängigkeit)gibt es weltweit verteilt gar nicht, dass dieser nicht mittelfristig durch dezentrale Alternativenergieanlagen ersetzt werden könnte – wenn man nur will.
    Gerade ärmere Länder haben oft mehr Sonne, oft auch die Fläche, genauso Wind und an was sonst so noch alles geforscht wird, was der Stromerzeugung dient.

    Kennedy wollte auch Anfang der 60er Jahre bemannt auf den Mond fliegen.
    Hätte damals wer geglaubt, dass dies in dem damaligen vorsintflutlichen Computerzeitalter je möglich sein könnte?

    Konzentrierung der Kräfte & der Intelligenz kann Großes bewirken, vorausgesetzt die eindeutigen Vorgaben der Führungseliten sind da.
    Doch daran krankt noch das System, das von kfr. Wirtschaftsinteressen ohne jeden Weitblick getrieben ist.

  6. tim schaefertim schaefer

    @Hubsen: Ich sehe die Atomtechnik wie Sie sehr kritisch. Ich stimme Ihnen absolut zu. Die Öko-Alternativen (Solar, Wind, Biogas, Erdwärme…) sind leider nicht ausgereift. Hier wurde zu wenig investiert. Die Atomenergie wäre wohl ohne die Forschungsbudgets der Militärs auch nicht so weit. Ich hoffe, dass noch der große Durchbruch für den Öko-Strom kommt.

  7. Hubsen

    @Tim
    ausgereift/wirtschaftlich sind die von Ihnen genannten Öko-Alternativen (Solar, Wind, Biogas, Erdwärme…)eigentlich schon seit einiger Zeit, wobei weitere Optimierungen natürlich immer möglich sind (auch Deutschland hat dazu viel beigetragen und auch Z.B. Larry Hagman – der Dallas Bösewicht – setzt erfolgreich auf Solar & Co im eigenen US-Anwesen und macht Pro-Stimmung in Europa). Da gibt es aber noch weitere innovative in Entwicklung befindliche Ansätze wie z.B. (Stromgewinnung aus Fassadenanstrich/gestaltung …)

    Die Summe des Einsatztes aller sinnvoll nutzbaren Erzeugungsformen gleichzeitig mit der Nutzung der möglichen Energieeinsparungspotentiale macht es aus! und dies ist nahezu ohne dramatischen Komfortverlust möglich (Dämmung und Geräte/Maschineneffizienz kostet anfangs zwar etwas, spart aber dann auch Kosten UND bedeutet NICHT Komfortverzicht wie „Frieren im Schafwollpullover“).

    Woran es krankt ist der Gestaltungswille der Politik (Gesetzgebung), die nach wie vor an der herkömmlichen Energiepolitik festhält und die alternative Energiepolitik eher als Feigenblatt für „guten Willen zeigen“ benutzt.
    Klar reden wir hier bei der Umstellung von mittelfristigen Zeithorizonten – nur wenn diese nur zaghaft begonnen wird, stehen in wir in 20 Jahren noch immer vor den selben Ausstiegsproblemen und denselben Atom-Energie-Lobby-Argumenten dass es ja so schnell jetzt nicht geht…

    Klar werden die Angestellten der der Atomindustrie und alle bezahlten Forschungstätigen nicht aus sich selbst heraus Ihre eigene Job- und/Existenzberechtigung ernsthaft in Frage stellen.
    Da muss erst leider wieder etwas Dramatisches passieren, dass die Ausreden auf diverse „normalerweise beherrschbare“ Ursachen immer weniger werden.

    Der Super-Gau kommt aber wie ein Lottogewinn für den Einzelnen – extremst unwahrscheinlich, aber doch … und die Regierungen lassen uns alle mitspielen (Frankreich hat dabei sogar einen Systemschein ausgefüllt).

    Wir österreichischen „Lottospieler“ sind da zwangsbeglückt – wir dürfen kaum an den laufenden Einnahmen mitnaschen, sind aber beim Negativ-„Jackpot“ voll dabei.

    Beste Grüße nach N.Y.!
    Hubsen

  8. Hubsen

    Nachtrag:
    Als sehr informativ für wirtschaftlich Denkende ist folgende Google Suche zu empfehlen:
    „Die wahren Kosten der Kernkraft“

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