Staatsanwalt hat womöglich neuen Insiderbetrüger an der Angel


New York, 28. Juli 2012

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Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara (rechts auf dem Foto) hat offenbar einen neuen heißen Insiderfall kurz vor der Anklage. Seit Wochen kursieren Gerüchte auf dem Börsenparkett, dass dem „Sheriff der Wall Street“ ein neuer Schlag gegen einen Betrüger gelungen ist. Offiziell hüllt sich Bharara in Schweigen. Als der Staatsanwalt auf der Investorenkonferenz „Delivering Alpha“ des Börsensenders CNBC im „Pierre Hotel“ aus dem Nähkästchen plauderte, deutete er gegenüber Journalisten an, die mehr wissen wollten über neue Fälle: „Bleiben Sie am Ball.“
Seit Jahren verfolgt er einen harten Kurs gegen Banken und Hedgefonds. Es gibt den Witz, dass der halbe Handelssaal von ihm verkabelt worden ist. Sprich, die Staatsanwaltschaft hört überall mit. Zu seiner Taktik zählt, Gespräche abzuhören und andere ausgeklügelte Methoden.
Bharara wurde vom „Time Magazin“ zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gewählt. Seit dem Jahr 2009 hat er 71 Personen angeklagt, wovon 65 verurteilt worden sind. Es handelt sich um die bislang größte Insider-Ermittlung in der Geschichte der Wall Street.
Zu seinen größten Erfolgen zählt die Verurteilung des indischstämmigen Hedgefondsmanager Raj Rajaratnam und dessen Informanten Rajat Gupta, der Mitglied des Aufsichtsrats bei Goldman Sachs war. Gupta hatte seinen Freund Rajaratnam auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vorab darüber informiert, dass Warren Buffett sich an Goldman Sachs beteiligen wird. Daraufhin hat der Hedgefonds-Gründer noch blitzschnell Goldman-Anteile geordert, bevor die Nachricht offiziell über die Ticker lief. Der Gewinn fiel anschließend prächtig aus.
Preet Bharara machte auf mich einen sehr sympathischen Eindruck. Er plauderte nett, erzählte von seiner Vorliebe für Kaffee. Er appellierte an die Banker und an die Institute Fairness walten zu lassen. Alle sollten sich doch an die Regeln halten. Ethisches Verhalten wäre zum Nutzen aller.
Im Endeffekt ist es gut, was dieser ehrgeizige Ermittler macht. Er legt den Betrügern das Handwerk. So erhalten wir Privatanleger wenigstens ein wenig mehr Gewicht. Ohnehin haben die institutionellen Anleger so viele Vorteile gegenüber uns Privataktionäre: Sie haben viel bessere Informationsquellen, sie haben den direkten Kontakt zum Vorstand. Privatanleger müssen sich dagegen auf die offiziellen Mitteilungen verlassen können.
Wer hierbei Grenzen zur Illegalität überschreitet, muss zu Recht mit dem Staatsanwalt rechnen. Das ist aus Gründen der Gleichbehandlung der Marktteilnehmer (sofern es sie denn überhaupt gibt) wünschenswert.
Lesen Sie hier, was ich für die „Euro am Sonntag“ über den „Sheriff der Wall Street“ schrieb.


tim schaefer (Author)

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