Sparsamkeit ist ein Schutzschild


New York, 18. Juli 2012

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Was lehrt uns diese verdammte Krise? Eigentlich sind es vier Lehren: Erstens sparen Sie, sorgen Sie für die Zukunft vor, meiden Sie Schulden. Zweitens investieren Sie in Ihre Ausbildung, investieren in sich, glauben Sie an sich. Drittens bleiben Sie optimistisch – egal, was auch immer passiert. Viertens bereiten Sie sich zumindest gedanklich auf ein Worst-Case-Szenario vor.
Wer in seinen Gedanken ein schlimmes Szenario abspielen lässt, macht meiner Meinung nach keine Dummheiten. Zu diesen Dummheiten zähle ich absurde Schuldenberge, die einem aus der Hand gleiten können. Auch verlieren Sie in einem Crash nicht die Nerven, denn Sie wissen ja, dass es wieder aufwärts gehen muss.
Sparen Sie in guten Zeiten so viel, wie Sie können. Sie wissen nämlich nie… Investieren Sie das Ersparte in sinnvolle, solide Anlagen. Sachwerte, Firmenanteile, Immobilien. Millionäre sind deshalb so vermögend, weil sie das Geld nicht zum Fenster hinauswerfen. Die meisten Superreichen sind ziemlich geizig und konservativ. Sie geben nicht leichtfertig ihr hart verdientes Geld für irgendwelche Hirngespinste her. Sie arbeiten hart. Und sind felsenfest von sich überzeugt.
Wenn Sie sich mal an der Börse umschauen, werden Sie sehen, dass gerade die konservativen Aktientitel derzeit anziehen. Es handelt sich um jene Wertpapiere, die ein kerngesundes Basisgeschäft haben, die eine schöne Dividende auskehren, die uralt sind. Die Anleger vertrauen Managern, die mit beiden Beinen im Leben stehen und nicht irgendwelchen Überfliegern wie Mark Zuckerberg, der viel Phantasie, aber wenig Substanz zu bieten hat. Facebook ist zu jung, zu anfällig für Trendwechsel. Facebook zahlt keine Dividende. Es handelt sich um sehr riskantes Geschäftsmodell. Die Facebook-Nutzer haben kein Abo abgeschlossen. Kommt ein besseres Angebot auf den Markt, siedeln die Nutzer zur Konkurrenz über. Kundenbindung Fehlanzeige.
Ich kaufe lieber ein 150 Jahre altes Unternehmen als ein fünf Jahre altes.
Auf neue Kurshochs bewegen sich der Einzelhändler Wal-Mart, der Versicherungskonzern Travelers, der Medienriese Walt Disney und so weiter zu. Wohlgemerkt nicht die Internettitel oder Sozialen Medien, sondern Hausmannskost, traditionsreiche Alltagsgeschäfte.
Was ich persönlich gelernt habe: Seien Sie in Ihrem Alltag nicht zu geizig. Ich machte voriges Jahr den Fehler, nach Super-Schnäppchen Ausschau zu halten. Ich orderte ein neues Fahrrad auf dem Amazon.com-Portal. Der Drahtesel kam aus China. OK, der Preis war superbillig, nur hatte ich am falschen Ende gespart. Denn in dem riesigen Karton fehlte der Sattel. Mehr noch: Die Einzelteile des Rades in der Box konnte ich nicht selbst zusammenschrauben, weil mir die Fachkenntnisse hierfür fehlen. So musste ich zu einem Fahrradladen in Manhattan, das kostete mich ein kleines Vermögen. Nun habe ich ein klappriges Fahrrad. Hätte ich nur ein hochwertiges Rad gekauft!
Das gleiche gilt für Aktien. Qualitätsaktien sind ein wenig teurer als durchschnittliche Unternehmen. Qualität ist den höheren Preis wert.
Ob nun eine neue Rezession in den USA vor der Türe steht oder nicht, das ändert nichts an den guten Perspektiven von soliden Dividendentiteln. In Europa scheint längst die Rezession zu wüten. Auch hier gilt: Aktien bieten eine herrliche Chance. Vorausgesetzt natürlich Sie haben Geduld.
Wenn es ganz schlimm kommt, bewegt sich Ihr Wertpapierdepot die nächsten zehn Jahre nicht nach oben. Was solls? In der Zwischenzeit kassieren Sie wenigstens die schönen Dividenden.
Zusatz: Die Yacht entdeckte ich im Norden Floridas.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Sparsamkeit ist ein Schutzschild

  1. finanziell umdenken

    Hi Tim,

    wer verschuldet ist oder sein Geld im Standardfall im Laufe des Monats komplett ausgibt, der sollte meiner Meinung nach den Gürtel im Alltag wirklich deutlich enger schnallen, zumindest vorübergehend.

    Wenn man eh bereits dauerhaft unter seinen Verhältnissen lebt, dann kann man es mit der Sparsamkeit im Alltag auch übertreiben. Vor ein paar Jahren ging es mir ähnlich wie Dir und ich hatte teilweise am falschen Ende gespart.

    Trotz grundsätzlicher Bescheidenheit nicht zu übertrieben auf den Dollar oder Euro zu schauen, wirkt bereits befreiend. Selbst wenn man noch nicht ganz in der finanziellen Freiheit angekommen ist. Wer in jeder Situation, die Geld kosten könnte, zu geizig agiert, setzt sich selbst ständig unter Druck und beraubt sich somit ein gutes Stück der Lebensqualität.

    Kurz zum Fahrrad. Hier in Berlin ist es offenbar ein Volkssport Fahrräder unerlaubt zu entwenden. Daher fahre ich ein eher mittelpreisliches Rad. Denn zusätzlich sind mindestens zwei gute Schlösser im Wert von rund 100 Euro notwendig. Die kommen beim Fahrradkauf noch obendrauf 😉

    Viele Grüße
    Lars

  2. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    bei der Qualität ihrer Produkte haben die Chinesen noch enormen Aufholbedarf. Seit einigen Jahren versuchen sie sich auch auf dem Automarkt, eine „bekannte“ Marke heißt Build Your Dreams, kurz BYD.

    Allerdings wäre ich vorsichtig beim Kauf dieser Autos. So kann es sein, dass dieser Qualitätsschrott schon mal nach einem simplen Auffahrunfall in Luft fliegt: http://www.handelsblatt.com/auto/test-technik/modell-von-build-your-dreams-byd-chinesisches-elektroauto-explodiert-bei-crash/6683694.html

    Gruß Matthäus

  3. Thomas

    Geizig bin ich in vielen Dingen schon. Ich versuche immer erst eine kostenlose Lösung zu finden. Wenn ich keine finde, gebe ich gern Geld aus, achte dann aber auf Qualität, die auch etwas mehr kosten darf.

    Zum Stichpunkt Sparsamkeit möchte ich an die 10%-Regel erinnern, die ich sehr schätze. Will man z.B. 100 € am Automaten abheben, sollte man nur 90 € abheben, also 10% weniger. Meist kommt man mit dem Geld auch aus. Andersrum wenn man Geld einzahlen will bzw. sein Depot mit Bargeld füllen will. Dann sollte man 10% mehr dazu geben, als man sich ursprünglich vorgenommen hat.

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Lars,
    Lebensqualität muss sein. Stimme Dir zu. Und Farräder werden in NYC auch geklaut wie verrückt. Die haben hier alle riesige Schlösser.

    @ Mario,
    danke für den Link. Ja, Kreditzinsen können einem das Leben zur Hölle machen. Jetzt besteht aufgrund der niedrigen Zinsphase die Gefahr, dass die Konsumenten nicht an steigende Leitzinsen denken.

    @ Matthäus,
    was? Autoexplosion nach dem Crash! Das ist ja das Gegenteil vom Airbageffekt.

    @ Thomas,
    die 10%-Regel ist super. Danke für den Tipp.

    Herzliche Grüße an alle
    Tim

  5. Markus

    Hallo Tim,

    das ist ein sehr Interessanter Beitrag. Solange man seine Ausgabenseite unter Kontrolle hat ist alles ok. Wenn die mal außer Kontrolle gerät ist es egal ob man am Ende 1.500 oder 15.000 EUR netto im Monat hat. Das Geld wird nicht reichen.

    Deshalb hebe ich jede Woche einen fixen Betrag ab. Das MUSS reichen, ohne wenn und aber 🙂

    Ich wünsche weiterhin viel Erfolg. Und ein altes klappriges Fahrrad kann auch gut fahren. Je schlimmer es aussieht desto unwahrscheinlicher ist die Gefahr dass es geklaut wird 😉

    Beste Grüße,

    Markus

  6. tim schaefertim schaefer

    Hallo Markus,

    danke für den Kommentar. Das mit dem fixen Betraf ist eine gute Idee.

    Du gibst dann nur Bargeld im Alltag aus?

    Das ist in den USA ein Problem. Kaum noch jemand mag bar bezahlen. Die Geldbeutel hier haben schon gar kein Münzfach mehr.

    Selbst Minibeträge werden mit der Kreditkarte bezahlt. Mit den Plastikkarten geben die Menschen viel schneller und unkontrollierter ihre Kohle aus. Das ist ziemlich gefährlich. Aber gut für Mastercard und Visa…

    VG
    Tim

  7. Anna

    Hallo,
    auch mir ist Bargeld lieber, man behält die Übersicht. Besser ist es, Dispozinsen sind die Milchkühe der Banken, da verdienen sie gut dran.

    Wenn man aber die Charts der beiden Kreditkartengesellschaften anschaut, wäre eine Investition in diese auch nicht die schlechteste Idee gewesen.

    VG

  8. tim schaefertim schaefer

    Anna,

    ja das stimmt schon: Nur Bares ist Wahres.

    Ich habe mich übrigens an das Plastikgeld gewöhnt. Hier in den USA gibt es so viele Bonuspunkte für alles … nun, das macht abhängig. Ziemlich clever wie das die Banker machen.

    Vg
    Tim

  9. Markus

    Hallo Tim,

    ich mache alles Bar. Mit der Kreditkarte wird nur getankt und wenn mal außerordentliche Aufwendungen anfallen. Wenn ich Sie mal im Alltag benutze, hebe ich das nächstemal einfach weniger ab um das auszugleichen.

    In den USA ist das natürlich nicht ohne weiteres möglich. Da verliert man natürlich gerne mal den Überblick. Gerade wenn man soviele Kleckerbeträge mit der Karte bezahlt, summiert sich das dann doch recht schnell!

    Ich wünsch dir weiterhin alles gute.

    Viele Grüße,

    Markus

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