Sparprogramm bei American Express: Karten werden neu gemischt


New York, 24. Juni 2009

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Nach der scharfen Kurskorrektur des Kreditkartenanbieters auf aktuell 22,93 Dollar lohnt sich ein genauer Blick: Amex gab kürzlich bekannt, 4.000 Mitarbeiter vor die Tür zu setzen. Das sind sechs Prozent der Belegschaft. Bereits im Oktober hatte Vorstandschef Kenneth Chenault den Abbau von 7.000 Stellen angekündigt. Mit dem Schnitt sollen 2,5 Milliarden Dollar eingespart werden. Es kann also nur besser werden.
In den 1980er Jahren glich der Kartengigant einem Finanzkonglomerat. Zum Portfolio zählte auch die Investmentbank Lehman Brothers. Doch trennte sich die Führungsspitze zügig von den Randaktivitäten und fokussierte sich auf das Geschäft mit den Plastikkarten für Firmen- und Privatkunden. Das war ein gutes Timing. Der Vorteil: Weder im Immobilienmarkt noch in andere toxische Papiere sind die New Yorker involviert. Dennoch kommt der Konzern nicht ungeschoren davon. Als nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers der Interbankenmarkt zusammenbrach, musste sich Chenault bei der US-Regierung ähnlich wie die anderen Großbanken Geld borgen. Er erhielt 3,4 Milliarden Dollar aus Washington. Beim Stresstest der Regierung soll Amex angeblich eine der stabilsten Banken gewesen sein.
Freilich leidet Amex unter der Krise. Kunden zücken seltener die Amex-Karte. Die Amis sparen mehr denn je – obwohl die meisten Kunden recht vermögend sind. Zudem kommen immer mehr Kunden mit ihren Rückzahlungen in Verzug. Kein Wunder, dass seit sechs Quartalen in Folge der Gewinn sinkt. Doch wird das umfangreiche Sparprogramm, das neben dem Personalabbau auch die Kürzung von Verwaltungs- und Marketingkosten beinhaltet, den Abwärtstrend stoppen.
Im vergangenen Jahr fiel der Überschuss von 4,0 auf 2,7 Milliarden Dollar. Bis Dezember kann der Gewinn durchaus auf eine Milliarde Dollar sinken. Im nächsten Jahr kann wieder dank der Konjunkturbelebung ein Profit von drei bis vier Milliarden Dollar drin sein. Beim aktuellen Börsenwert von knapp 26 Milliarden Dollar beträgt das Kursgewinnverhältnis demnach nur sieben. Das ist recht moderat. Ebenfalls ist die Dividendenrendite mit 3,1 Prozent attraktiv. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate halbierte sich der Kurs. Das scheint übertrieben. Größter Anteilseigener ist mit knapp 13 Prozent Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Buffett stieg 1964 ein, als sich der Kurs des Finanzdienstleisters nach einer internen Krise halbiert hatte. Es scheint, als ob wir eine ähnliche Krise haben, die bald überwunden sein dürfte.


tim schaefer (Author)

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