Sparen Sie für die goldenen Jahre


New York, 13. November 2013

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Wenn Sie Ihre wohlverdiente Rente antreten, haben Sie unglaublich viel Zeit. Sie wollen sich bestimmt vieles gönnen, das Leben in vollen Zügen genießen. Reisen und Feiern. Wer hat schon Lust, jeden Cent zwei Mal umdrehen zu müssen? Aus diesem Grund sollten Sie in jungen Jahren auf Ihr Rentendasein Rücksicht nehmen. Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Hobbys werden teurer mit der Zeit.
Rechnen Sie aus, was Sie grob brauchen werden an Einnahmen im Monat. Denken Sie nach, was von der gesetzlichen Rente und Ihren Ersparnissen zu erwarten ist. Ich möchte Ihnen die Augen öffnen. Millionen von Senioren stehen vor dem Problem, dass ihnen das Geld nicht reicht. Die Lebenshaltungskosten klettern stetig.
Fangen Sie früh an zu sparen
Ich kenne genug Leute, die sich zu wenig Gedanken darüber machen. Sie sagen: „Was soll das? Ich lebe jetzt und heute. Im nächsten Jahr fange ich mit dem Sparen an.“ Und ein Jahr später höre ich den selben Spruch. Sie schieben das Sparen für das Alter auf. Nicht einmal eine Notreserve haben sie. So etwas sollten Sie unbedingt haben. Es lebt sich mit Hilfe einer kleinen Kriegskasse einfach leichter. Ich glaube, es erhöht nebenbei das Selbstbewusstsein.
Wer sein Sparen monatlich automatisiert, ist erfolgreicher beim Vermögensaufbau. Keine Ausreden! Keine Ausnahmen!
Einfach länger zu arbeiten im Alter, wenn das Geld nicht reicht, kann eine Lösung sein. Eine Garantie gibt es aber dafür nicht. Gut möglich, Sie finden keinen Job, der Ihnen Spass macht. Was ist, wenn Sie krank werden? Die meisten hören ohnehin mit dem Arbeiten früher als geplant auf. Das ist Realität.
Gebührengräber meiden
Legen Sie Ihre Ersparnisse gut an. Behalten Sie unbedingt die Kosten im Auge. Passen Sie auf, keine Gebührenfresser zu erwischen. Grundsätzlich gilt: Je höher die Kosten, desto geringer die Rendite.
Es gibt unglaublich viele Gebührenschinder. Der Finanzmarkt ist ein Dschungel. Warum sollten Sie einem Fondsmanager Ihr Geld anvertrauen, wenn der Manager seit Jahren den Markt nicht übertrifft? Ein Indexprodukt für ein Bruchteil der Gebühren ist eine gute Alternative.
Erzielen Sie eine solide Rendite mit den Ersparnissen, schließt sich die Versorgungslücke bequemer. Passen Sie auf, nicht einem Betrüger auf den Leim zu gehen.
Nicht alles auf das Girokonto oder Sparbuch
Sie sollten sich eben intensiv um Ihre Finanzen kümmern. Unterlassen Sie das, werden Sie das später bereuen. Lassen Sie Ihre gesamten Ersparnisse besser nicht auf Sparbüchern, Festgeldkonten, Kapitallebensversicherungen, Bausparverträgen oder Girokonten schlummern. Ja, etwas Cash als Reserve zu haben, das ist ratsam. Allerdings muss nicht Ihr gesamtes Finanzpolster „flüssig“ sein. Denn mit nahezu Null Prozent Zinsen nagt die Geldentwertung unentwegt an Ihrem Polster. Auf lange Sicht ist die Inflation eine große Gefahr für Ihr Geld. Investieren Sie deshalb – sicher, solide, smart.
Was ist die Lösung? Ich halte konservative Dividendentitel für eine ideale Form der Altersvorsorge, wenn die Strategie langfristig ausgerichtet ist.
Leider unterstützt die Bundesregierung diese Form des Aktiensparens nicht. Berlin fördert stattdessen massenweise intransparente, teure Finanzprodukte (wie Riester). In der Bundesregierung ist nicht angekommen, dass Produktivkapital wirklich produktiv ist. Schade. Ich hoffe, dass Schwarz-Rot hier dazu lernen möchte. Es ist ja geradezu blödsinnig, die beste Anlageform nicht zu fördern. Warum sind die Amerikaner dazu seit Jahrzehnten in der Lage? Washington fördert das Aktiensparen für die Rente mit großzügigen Steuergeschenken. Wir Deutsche können das nicht?
Ein weiterer Rat: Versuchen Sie, ein paar unnötige Kosten in Ihrem Alltag einzusparen. Das meiste tut nicht mal weh. Der gute Nebeneffekt: Es kann gesund sein.
Wofür muss jedes Jahr ein neues Handy her?
Früher haben die Konsumenten lange gespart, um sich etwas Besonderes leisten zu können. Da wurde lange Geld auf die Seite gelegt für einen neuen Kühlschrank oder TV. Heute geht das im Handumdrehen. Das finde ich nicht gut. Früher gab es den Ratenkauf nicht. Heute gehört der zum Alltag.
Ein weiteres Problem: Die heutige Technologie scheint so konstruiert zu sein, dass sie schnell den Geist aufgibt. Früher hielt der Kühlschrank, Staubsauger oder das Fernsehgerät Jahrzehnte. Heute ist nach einigen Jahren Sendepause.
Auf Apple sind viele Handy-Kunden sauer. Die Batterien gehen nach einiger Zeit futsch. Austauschen kann die niemand zuhause. Im Laden kostet der Austausch 79 Dollar. Ist es reiner Zufall, dass die Software auf dem alten Handy nicht mehr einwandfrei funktioniert, just zu einem Zeitpunkt, wenn das neue Modell auf den Markt kommt?
Ist die Software auf dem Apple-Phone installiert, geht sie nicht mehr runter. Apple sollte lernen: Behandle Deine „alten“ Kunden fair. Zocke sie nicht ab. Die heutige Welt scheint so konstruiert zu sein, dass Konsumenten ständig neues Zeug kaufen müssen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Es geht unglaublich viel Geld flöten, um hipp zu sein.
Sparziergang zum Shoppen nutzen
Unser Röhren-Fernseher, unsere Couch sind jeweils mehr als ein Jahrzehnt alt. Mein Handy ist vier Jahre alt. Mein Auto verkaufte ich vor acht Jahren. Seither lebe ich gesünder. Zu Fuss, per Rad oder U-Bahn unterwegs zu sein, ist gut für die Gesundheit. Lassen Sie hin und wieder das Auto stehen, gehen Sie zu Fuß oder mit dem Rad zum Shoppen (wenn der Supermarkt in der Nähe ist). Was manch einer für sein Auto ausgibt, dafür könnte ich mir einen täglichen Limousinenservice gönnen.
Fertigessen reduzieren
Fertigessen kommt bei mir nicht (mehr) in die Tüte. Das ist teuer und ungesund. 7.000 Amerikaner sterben jedes Jahr, weil sie im großen Stil künstliche Fette verspeisen, die die Industrie in die Lebensmittel gießt. 20.0000 Herzinfarkte sind auf die Kunstfette zurückzuführen, sagt die Gesundheitsbehörde FDA. Das Zeug steckt in Fertigpizzen, in der Kaffeesahne, in Margarine, klebt an Pommes. Mahlzeit!
Von Soda-Getränken halte ich mich fern. Zucker plus Chemikalien. Nein Danke. Wie ungesund. Teuer. Kalorienreich. Ich trinke stattdessen Wasser, Kaffee, Tee. (Sorry, liebe Coca-Cola- und Pepsi-Aktionäre.)
Meinen schönen Kapsel-Kaffeeautomat nutze ich nicht mehr. Warum? Eine Tasse Kaffee ist zu teuer, es entsteht zu viel Müll. (Sorry, Ihr Nestle-Aktionäre.)
Ja, manchmal kaufe ich etwas vom Nestle-Konzern. Ja, manchmal trinke ich etwas vom Coca-Cola-Konzern. Ich kaufe bei Starbucks hin und wieder was Heißes. Ganz lässt sich das nicht vermeiden. Ich halte es jedoch in Grenzen.
Second Hand
Es gibt das Vorurteil, dass Amerikaner verschwenderisch leben. In New York habe ich das Gegenteil kennen gelernt. Im Waschraum hängen jede Menge Zettel mit Angeboten. Die Leute helfen sich gegenseitig. Sie bieten gebrauchte Möbel an – für einen Minibetrag oder geschenkt. Ich habe etliches von Nachbarn gekauft. So habe ich mir die Schlepperei mitsamt dem Aufbau erspart. Meine zwei Ikea-Schränke und Geschirr erspähte ich auf der Pinnwand. Als ein Restaurant nebenan aufgelöst wurde, deckte ich mich mit hochwertigen Kochutensilien ein.
Es werden hier im Haus Konzertkarten, Pflanzen, Bücher verschenkt. Der Hund vom Nachbarn wird ausgeführt. Im Gegenzug gibt es einen Kaffeeplausch. Einige renovieren die Wohnungen gemeinsam. Es ist wie eine große Familie.
Ja, nur krampfhaft zu Sparen – das kann öde sein. Jeder sollte seinen eigenen Weg finden. Zwischendurch sollten Sie sich natürlich etwas gönnen. Es ist also ein Mittelmaß ratsam.
Conclusio: Denken Sie an die Zukunft. Im Alter wollen Sie bestimmt vermeiden, am Hungertuch zu nagen. Hobbys, Theateraufführungen, Urlaube, all das wollen Sie sich gönnen. Die goldenen Jahre sollen Spass machen.
Meine Prioritäten sind: 1. Menschen, 2. Geld, 3. Sachen. (Das habe ich von Vermögensberaterin Suze Orman gelernt.)


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Sparen Sie für die goldenen Jahre

  1. Stefan Müller

    Ĥabe diesbezüglich in der letzten Regierungsperiode fast alle Parteien unter Abgeordnetenwatch angeschrieben. Wollte Statements zu einer Wiedereinführung der Spekulationsfrist, um langfriste Altervorsorge in Aktien/Fonds zu unterstützen.

    Statement der FDP:
    http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_volker_wissing-575-38052–f377466.html#q377466

    Für eine Spekulationsfrist, können diese aber nicht durchsetzen (trotz damaliger Regierungsbeteiligung)

    Statement der CDU:
    http://www.abgeordnetenwatch.de/clemens_binninger-1031-70402–f396323.html#q396323

    Riesterprodukte und Co reichen als Förderung aus, hält steuerfreie Gewinne grundsätzlich für falsch.

    Statement der Grünen:
    http://www.abgeordnetenwatch.de/volker_beck-575-37470–f367979.html#q367979

    Wollen eine grundsätzliche Reduzierung von Vermögen durch Steuern. Abgeltungssteuer abschaffen.

    Statement der SPD:
    Link finde ich nicht.
    Wollen Abgeltungssteuer weiter erhöhen, ohne Wiedereinführung einer Spekulationsfrist oder Erhöhung der Freibeträge.

    Insgesamt lässt sich leider sagen, dass keine Partei bis auf die FDP ein Interesse daran hatte, Vorsorge fürs Alter besser zu stellen bzw. für einen Inflationsausgleich zu sorgen.
    Die FDP hat allerdings nur viel angekündigt und nichts geändert und ist jetzt aus dem Parlament geflogen (bis auf wenige Länderstimmen).

  2. Turing

    Ich finde es ziemlich frech, dass ich meine Aktieninvestments nicht von der Steuer absetzen kann. Ich habe auch schon überlegt, eine kleine Firma zu gründen, um so mit gewerblichen Anlegern steuerrechtlich gleichzuziehen.

  3. StefanStefan

    Ich habe auch noch einen alten Röhrenfernseher! Glaube damit gehört man langsam zur Aussterbenden Gattung.
    Sehe aber nicht ein den wegzuschmeissen nur weil ein Flachbildschirm schicker ist. Der Fernseher hat bei uns eh nicht den riesen Stellenwert…

    Mein Handy geht jetzt auch ins dritte Jahr. Sehe keinen Grund das zu erneuern. Es kann alles was ich brauche. Dass man die Akkus nicht tauschen kann betrifft aber doch nahezu jedes Modell, oder? Kann man bei den Nokia Lumias die Akkus wechseln?

    In Heidelberg gibt nen Laden(theiphonedoc) die wechseln einem dem Akku für 49,- €.

  4. tim schaefertim schaefer

    Hi Stefan,

    ich habe mal einen coolen Spruch gehört:

    Sei grundsätzlich vorsichtig beim Geldausgeben, außer bei Geschenken oder frischen Lebensmitteln.

  5. tim schaefertim schaefer

    Hi Stefan Müller,

    ich denke, es liegt an einer gravierenden Unkenntnis. Unsere Politiker verstehen vermutlich mehrheitlich die Börse nicht. Die meisten Abgeordneten kommen aus der Verwaltung: Lehrer, Polizisten… Dann haben wir Anwälte, Notare, Landwirte, Handwerker. Nur wenige sind aus der Wirtschaft. VG

  6. Der goldene Adler

    Meiner Meinung nach muss die Abgeltungsteuer für die langfristigen Geldanleger abgeschafft werden (wie in den USA). Die Angebote müssen nicht mit Riesterrente limitiert sein. Die Gebühren der Riesterrenten sind viel mehr als die Steuervorteile. Ich sehe aber keine Hoffnung mit der kommender Regierung. Wir müssen froh sein, wenn keine neue Steuern kommen.

  7. wurstbrot

    In einer Großstadt U-Bahn oder Rad fahren ist gesund? Kauf dir ein Haus auf dem Land. Dort lebst du gesund, alles ist etwas günstiger und durch den eingebauten „Naturchillout“ erlebst du vielleicht auch noch ausreichend viele deiner Rententage um die angesparten Millionen ausgeben zu können 😉

  8. Turing

    Ein gutes Beispiel für Gelassenheit, Geduld und genügsames Leben ist Cornelius Gurlitt. Ein Ungeduldiger hätte schon in den 50ern und 60ern das Erbe zum schmalen Preis verhökert.

    🙂

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