Spanien wackelt. Wer ist der nächste? Es knirscht. Was tun?


New York, 21. April 2012

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Es sieht so aus, als ob bald Spanien pleite geht. Offiziell lehnt die Madrider Regierung noch Hilfen ab. Doch das wird sich ändern. Spanien ist für Europa ein großer Brocken. Der europäische Rettungsfonds hat nur noch 248 Milliarden Euro zur Verfügung. Ursprünglich lagen 440 Milliarden Euro für Rettungsaktionen bereit. Die Pleitestaaten Irland, Portugal und Griechenland haben sich bereits Mittel aus dem Topf genommen.
Spanische Banken haben Immobilien im Wert von 323 Milliarden Euro in ihren Büchern schlummern. Davon sind mindestens 175 Milliarden Euro angeschlagen. Anders ausgedrückt: Das Kartenhaus kann bald zusammenfallen. Die Hypothekenkunden zahlen nicht mehr pünktlich ihre Zinsen. Angesichts einer offiziellen Arbeitslosenquote von fast 24 Prozent ist es kein Wunder, dass alles aus dem Ruder läuft.
Spanien erlebte wie die USA eine Immobilienblase, die jetzt geplatzt ist. Das ganze Ausmaß der Miesere können Sie schön am IBEX, dem spanischen Leitindex, erkennen. Das Börsenbarometer ist dramatisch abgestürzt. Um Ihnen das zu verdeutlichen, habe ich oben in der Graphik den IBEX herausgefischt. Der Zehn-Jahres-Chart zeigt ganz klar, dass die Börse auf dem Lehman-Niveau angekommen ist.
Unsere Politiker schenken uns keinen reinen Wein ein. Wie sollen wir all die Löcher in den Wackelstaaten stopfen? Uns geht das Geld aus. Wer fällt nach Spanien um? Wer soll das dann bezahlen? Wir können nicht endlos neues Geld drucken. Es muss eine gigantische Inflation folgen. Was soll sonst passieren? Eine andere Lösung wäre: Lasst einfach die Staaten pleite gehen, die bankrott sind. Die Gefahr bei dieser drastischen Lösung wäre: Chaos bricht aus, wir haben einen Run auf die Banken, einen Aktiencrash, Rekordarbeitslosigkeit, eine neue Weltwirtschaftskrise, Unruhen, womöglich Krieg.
Politiker denken nicht an langfristige Lösungen. Sie denken immer nur an die nächste Wahl. Sie tendieren dazu, den Bürgern nicht die Wahrheit zu sagen.
Daher herrscht beispielsweise in Washington Stillstand. Ende diesen Jahres sind die Wahlen. Demokraten und Republikaner kämpfen um die Gunst der Wähler. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen und die Bürger auf schwere Zeiten vorzubereiten, giften sich beide Parteien an. Sie schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Keine Reform ist verabschiedet worden. Die Steuersätze für die Reichen wurden nicht erhöht. Es wurde nicht entschieden, wie die Dividenden und die Unternehmen künftig besteuert werden. Nichts, rein gar nichts passiert mehr auf dem Capitol Hill. Es herrscht Ruhe vor dem Sturm.
Sind wir doch ehrlich: Im Endeffekt sind selbst die „Musterschüler“ USA und Deutschland überschuldet. Es gibt nur keiner zu. Spanien, Griechenland, Irland, Portugal – das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir zahlen schon heute einen Großteil unserer Steuern nur für die Zinsdienste. Das System hat versagt. Wie kommen wir aus dem Desaster raus? Knallhartes Sparen! Aber das möchte leider kein Politiker durchsetzen, sonst steht die Wiederwahl auf dem Spiel. Daher drucken sie lieber weiter neue Geldnoten.
Unterdessen verlieren die Bürger das Vertrauen in die Politik. Ein Run auf die Banken ist schon in Grundzügen zu erkennen. Die Griechen haben 17 Prozent ihrer Einlagen bei den Banken abgezogen. Das ist eine brisant hohe Quote. Auch in anderen Ländern ziehen die Sparer ihr Cash ab und legen es im wahrsten Sinne des Wortes unter die Matratze oder in den Safe.
Es ist sehr instabil geworden. Wenn man sich die Parlamente und Regierungen anschaut, werden zig Lösungswege durchdiskutiert. Jeden Tag, jede Woche gibt es mindestens einen neuen Vorschlag. Ob in Madrid, Paris, Berlin oder Washington – es liegt eine enorme Unkenntnis bei den Machthabern darüber vor, was eigentlich das Problem ist. Keiner blickt wirklich durch. Die Bildung unserer Politiker mit Blick auf die Finanzwissenschaften ist eine Katastrophe. Schauen Sie nur mal in unser Berliner Kabinett. Wie sollen diese Menschen eine Lösung finden, wenn sie nicht mal wissen, worum es eigentlich geht ? Es ist der Wahnsinn!
Ein New Yorker Hedgefondsmanager sagte mir, dass sein lokaler Senator ihn in einem Telefonat allen Ernstes gefragt hat, was der Unterschied zwischen „Equities“ und „Bonds“, sprich zwischen Aktien und Anleihen, ist. Und so jemand sitzt im Parlament und soll über neue Gesetze beraten und abstimmen? Das ist kein Witz. Das ist traurig, aber wahr.
Wir brauchen Experten, Wissenschaftler, Praktiker, die nach Lösungswegen suchen und nicht Parteisoldaten, denen das Hemd näher als der Rock ist. Wir brauchen die hellsten Köpfe an der Macht – gerade in einer solch kritischen Situation. Der Schaden, der momentan angerichtet wird, den müssen künftige Generationen ausbügeln.
Was würde ich als Anleger tun angesichts des Desasters? Sachwerte sind ein weitgehend sicherer Hafen. Sprich Aktien oder Immobilien. Hohe Bargeldbestände, Anleihen oder Sparbucheinlagen würde ich nicht halten. Die Inflation kann ein Problem werden. Sachwerte dürften steigen. Eine Beimischung „Rohstoffe“ (Kupfer, Silber, Öl, Platin etc.) kann sicherlich langfristig nicht schaden. Streuen Sie ausreichend über verschiedene Asset-Klassen hinweg Ihr Vermögen. Je mehr Sie streuen, desto besser!
Komischerweise laufen die Aktienkurse in Deutschland oder den USA recht flott nach oben. Das zeigt Ihnen die Sorge vor Inflation! Der Anstieg kann ein paar Jahre durchaus weitergehen. Es handelt sich schließlich um eine Flucht aus Cash. Es befinden sich gigantische Liquiditätsbestände unterm Volk und bei den Firmen.
In ein paar Jahren folgt dann der nächste Aktiencrash. Vielleicht im Jahr 2014, 2015 oder 2016. Achtung, das ist nur meine Meinung, nur eine Vermutung! Wenn die breite Masse die Börse für sich entdeckt hat und hineingestürmt ist, knirscht es zügig im Gebälk. Die Horde ist nämlich immer zur falschen Zeit, am falschen Ort. Die Masse verliert nur Geld an der Börse. Derzeit halten die Lemminge eben Cash, Versicherungen, Bausparverträge, Sparbücher, Festgelder. Die Aktien werden sie erst später entdecken.
Euphorie und Angst wechseln sich immer ab. Es ist ein Wechselbad der Gefühle. Das sehen Sie auch daran, dass Kurse in der Regel nicht jeden Monat konstant um 1,00 Prozent anziehen. Es sind stattdessen schwungvollere Reaktionen zu beobachten. Es sind überproportionale Bewegungen. Entweder aufwärts oder abwärts. Wer diesen Zusammenhang verstanden hat, kann die Sahne abschöpfen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Spanien wackelt. Wer ist der nächste? Es knirscht. Was tun?

  1. Christian

    Was tun?

    -> KAUFEN! Telefonica, Portugal Telecom, mit etwas mehr Risiko Banco Santander – fast alle Aktien der iberischen Halbinsel gibt es derzeit zu Schleuderpreisen! Zumindest für den portugiesischen Markt gibt es auch einen ETF!

    Also Chancen nutzen und nicht jammern, die südeuropäischen Unternehmen haben einiges aufzuholen! Denn wie sagt Tim Schäfer sehr richtig; in Südeuropa werden die Probleme angegangen, was dagegen macht man in den USA?

    Viel Erfolg mit Euren Engagements,

    Christian

  2. willihope

    am ibex sieht man nur das der mensch vom affen abstammt und der hypotalamus jetzt den fluchtreflex auslöst!

    der artikel reiht sich mehr in die weltuntergangsscenarien ein, also möchte ich endlich das datum wissen wann es geschehen soll! gibt es in 10 jahren kein spanien und keine eu mehr? dann am besten gleich die konsequenzen ziehen und alles in gold anlegen! da kann man dann reinbeissen wenn es kein brot mehr gibt! 🙂
    ich schule dann auf zahnarzt um und nehme ein kilo gold pro zahnreparatur! auf kleinere einheiten kann ich nicht rausgeben! hahahahahaha

    solange bsch milliarden verdient werde ich die niemals verkaufen!

    alles wird gut!

  3. Reinhard

    Hallo Tim,

    Weltuntergangsstimmung wegen Systemchrash? Eigenlich komisch, letztlich geht es uns allen gut (zumindest denen, die Fiananzblogs lesen), wir hben genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und sonst noch einiges, ach ja ein Aktiendepot haben wir auch noch.
    Das soll jetzt nicht das Wort zum Sonntag werden, aber offensichtlich ist es gerade dieser Besitzstand, die Angst, ihn zu verlieren, der uns unglücklich macht.
    Dabei sind wir (im Westen) jetzt mit über 60 Jahren Frieden, wirtschaflichen und vor allem technischen Fortschritt sowie ständig zunehmenden Wohlstand unterwegs. Ich glaube nich, dass es eine Generation gab, die bessere Bedingungen hatte. Und jetz machen wir uns wieder Sorgen, dass der Himmel einstürzt und unsere schöne Welt in Trümmer legt.

    Ich gehe davon aus, dass sich die Welt weiterdrehen wird. Dass jeder im Alter ein Millionedepot haben wird, das wird nicht funktionieren, weil die Ressourcen der Welt endlich sind. Also, wir sollten Leben und uns nicht ständig mit der Apokalypse beschäftigen. Ich denke, dass vieles der mediale Overkill ist. Wenn ich morgens den Rechner anmache und Spiegel-Online anschaue, dann wei0 ich vorher schon, dass wieder ein Weltuntergang bevorsteht, das ist der tägliche mediale Wahnsinn.

    mfg

  4. Matthäus Piksa

    Hallo Tim.

    Der Chart zeigt eindrucksvoll, dass auch in Spanien die zittrigen Anleger aus dem Markt gekegelt werden. Doch auch in Spanien werden die Konsumenten in Zukunft Pampers und Rasierklingen kaufen. Die Anleger sehen es derzeit wohl anders.

    Auf Mallorca hat derweil der Ex-Vorstandsvorsitzende der HRE ein neues Leben begonnen. Georg Funke versucht sein Glück nun als Immobilien-Makler im hochpreisigen Premium-Segement ab 1 Mio. € aufwärts. Mehr dazu und zu den anhängenden Klagen gegen ihn hier: http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2012/03/01/georg-funke-pleitebankier-edelmakler/22700.html

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Christian!

    Ich stimme grundsätzlich zu: Immer das Gegenteil der Masse zu machen. Sprich, wenn die Herde aus spanischen Aktien flüchtet, ist es ratsam natürlich zu kaufen.

    Nur dauert diese Krise länger als jene in den USA. Es gibt eine erschreckend hohe Arbeitslosigkeit. Die ist mehr als doppelt so so hoch wie in den USA auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Es kann also sehr lange dauern, bis sich der Markt erholt. Die Arbeitslosigkeit wird etliche Jahre auf einem hohen Niveau sein. Anleger brauchen verdammt viel Geduld. Ob das der Tiefpunkt ist, wird sich zeigen.

    Auch bin ich langfristig optimistisch. Die Welt geht nicht unter. Auf Regen folgt Sonnenschein. Bleibt zu hoffen, dass die Politiker in der Lage sind, die Situation schnell zu stabilisieren. Was helfen würde: Den Menschen reinen Wein einschenken. Aufklären, informieren, die Lage erklären. Und nicht täuschen, tricksen, tarnen. Aber genau das macht die Madrider Regierung meiner Meinung nach.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ willihope

    Das ist kein Weltuntergangsszenario. Auf jeden Crash folgt ein Boom. Fakt ist aber auch: Die Situation ist nun einmal ziemlich dramatisch. Wenn jeder vierte Arbeitnehmer ohne Job ist, ist das brisant. Zumal das nur die offizielle Statistik der spanischen Behörden ist.

    Mit geht es in diesem Blog darum, kritisch zu schreiben. Mit Schönrederei ist niemanden geholfen. In Südeuropa sieht es kritisch aus. Wir haben auch in Deutschland eine krasse Staatsverschuldung. Das kann man nicht bestreiten.

    VG

  7. tim schaefertim schaefer

    @ Reinhard.

    Ich wollte nicht den Untergang der Welt skizzieren. Ich schrieb über die hohen Staatsschulden, die Wackelländer der EU, die Arbeitslosen und die Unkenntnis unserer Politiker.

    Es ist ein heftiges Problem. Allein die Zinsen, die wir Steuerzahler für die Staatsschulden aufbringen müssen, sind immens. Das ist eine Hypothek für folgende Generationen.

    Langfristig wird es uns immer besser gehen. Da stimme ich zu. Ich bin auf lange Sicht durchaus optimistisch. Daher rate ich ja auch, in Aktien zu investieren. Das tat ich übrigens in diesem Blogbeitrag. Aktien sind ein exzellentes Investment für eine Zeit der Inflation.

  8. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    klar werden die Spanier Waschmittel, Windeln und Rasierer kaufen. Logisch.

    Es ist ratsam immer das Gegenteil der Masse zu tun. Solch ein Absturz hat seinen Charme. Wenngleich die Erholung in Spanien meiner Meinung nach länger dauern wird als in den USA.

    Wow. Immobilienmakler in Spanien! Das ist sicherlich aufregend. Sicherlich kann man dort, nachdem die Immo-Blase geplatzt ist, ein paar Schnäppchen finden.

  9. Stefan

    Hallo,

    ich halte die Krise in Spanien aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit auch für kritischer als die in den USA. Aber viele spanische Unternehmen aus dem Ibex35 sind auch stark international präsent, vor allem in dem Wachstumsmarkt Südamerika.

    Daher würde ich bei Investments in Spanien darauf achten Unternehmen zu kaufen die auch ausreichend Umsatz außerhalb Spaniens machen und die nicht zu hoch verschuldet sind. Wenn die spanischen Anleihezinsen durch die Decke gehen kann das nämlich auch, zum Teil ungerechtfertigter Weise, die Zinssätze beeinflussen, zu denen sich spanische Unternehmen finanzieren können.

    Aber super Schnäppchen gibt es eben vorwiegend wenn es Stürmt und nicht bei Sonnenschein und ein Neun-Jahres-Tief bei einem so großen Index gibt es nicht alle Tage. Zumindest auf Wachstum ist man bei zweistelligen Dividendenrenditen nicht mehr angewiesen um sein Kapital anständig versinst zu bekommen.

    Am Ende werden die Probleme wahrscheinlich ohnehin weginflationiert. Das halte ich zumnidest für ein kleineres Übel als einen großen Crash. Das die Staaten ihre Schulden jemals durch intensives Sparen zurückzahlen können (ohne neue Aufzunehmen) glaubt wohl keiner und würden sie es versuchen, würde dies vorraussichtlich zu einer fürchterlichen Rezession führen. Am Ende müssen die Kleinsparer (die die keine Sachwerte kaufen) zahlen.

    MfG
    Stefan

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus,

    dass der König sich auf einer Baller-Safari vergnügt – zu einer Zeit, wenn sich sein Land in einer seiner schwersten Krisen befindet, ist traurig. Daran sieht man, dass diese Menschen in einer anderen Welt leben und mit dem Volk wenig zu tun haben.

    Solche Leute haben eine Vorbild-Funktion. Wenn der Typ dann Wildtiere aus Jux abknallt, fällt mir dazu echt nix mehr ein.

  11. tim schaefertim schaefer

    Hi Stefan,

    dem stimme ich zu.

    Ich finde die Situation mit den horrenden Staatsschulden ist vergleichbar mit einem Hausbesitzer, der ständig neue Hypotheken auf ein Objekt aufnimmt. Wenn die Kredite jahrzehntelang klettern, kein Wunder, dass eines Tages das Schuldengebäude zusammenbricht.

    Der Westen hat es mit den Schulden übertrieben. Wir leihen uns inzwischen das Geld von „armen“ Ländern wie China. Die Zinsen amerikanischer Staatsanleihen kassieren die Chinesen. Der amerikanische Steuerzahler arbeitet damit ein paar Wochen im Jahr für Peking.

    Asien und Südamerika übernehmen mehr und mehr die Führungsrolle weltweit.

  12. Matthäus Piksa

    Ich sehe es genauso. Der Blaublüter müsste jetzt einen ganzen Aufgabenkatalog abarbeiten. Die Royalen sind oftmals exzellent vernetzt, in den Bereichen Politik/Finanzen+Banken+etc./Gewerkschaften/Arbeitgeberverbände erst recht mit den anderen Königshäusern.
    Jetzt wäre es an der Zeit, diese Kontakte zu nutzen, um Konferenzen/Kongresse/Krisengipfel einzuberufen, das Gespräch mit den Bankmanagern/Unternehmern aber auch den Arbeitslosen zu suchen und Lösungen zu erarbeiten.

    Mit Sicherheit ist es derzeit der falscheste Zeitpunkt, um als Vertreter des WWF Wildtiere abzuknallen, die womöglich noch auf dem Index bedrohter Tierarten stehen.

    Kein Wunder, dass jetzt der Ruf nach seinem Rücktritt lauter wird, dessen Verdienste für sein Land, als er es Anfang der 80er Jahre aus der Franco-Diktatur in die Demokratie führte auch schon wahrlich lange her sind.

  13. Matthäus Piksa

    @Tim
    „Asien und Südamerika übernehmen mehr und mehr die Führungsrolle weltweit.“

    Das China eine Fürhungsrolle einnimmt, bezweifele ich stark. Klar sind sie reich geworden, durch den Konsum der Menschen im Westen.
    Aber die Zinszahlungen könnten erstens jederzeit eingestellt werden, theoretisch.

    Und ganz wichtig: Das amerikanische Millitär ist weltweit präsent, es gibt überall Millitärbasen. Die Kriegsschiffe sind überall anzutreffen, auch vor dem chinesischen Meer. Mit anderen Worten sind die Amerikaner in ständiger Kriegsbereitschaft.
    Umgekehrt gilt das nicht.

    Wo siehst du hier die Führungsrolle Chinas?

  14. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    die Chinesen haben das Cash, das dem Westen fehlt. Finanziell geht es den Asiaten blendend. Militärisch (noch) nicht.

    VG
    Tim

  15. Matthäus Piksa

    @Tim

    Klar hast du recht, dass es denen finanziell ausgezeichnet geht. Wie dem letzten Bericht zu den weltweiten Militärausgaben zu entnehmen war, steigern sie im Gegensatz zum Westen ihre Ausgaben. Daher ist davon auszugehen, dass sie in Zukunft auch in diesem Bereich präsenter und politisch gewichtiger werden.

    Darüber hinaus spricht schon allein der Umstand, dass in China ca. 1,4 Mrd. Menschen leben für eine gewichtige Rolle des gelben Riesenreichs. Es ist den Chinesen sogar zu gönnen, dass sie sich im Zuge der Globalisierung aus zum Teil bitterster Armut herausgearbeitet haben.

    Nur irgendwann kommt, und das zeigt auch die Geschichte, der Punkt an dem auch Rechtsstaatlichkeit, eine marktwirtschaftliche Grundordnung und die Bürger- und Freiheitsrechte essentiell für das weitere Gedeihen eines Staates sind. Und genau hier sehe ich die Chinesen noch im Entwicklungsstand, diplomatisch formuliert.

    Daher sehe ich China auf einer Zeitskala von bis zu 10 Jahren nicht in einer globalen Führungsposition. Dieses Ziel kann allerdings durchaus erreicht werden. Jedoch müsste sich das Land hin zu einer Bürgergesellschaft wandeln. Hier sieht es allerdings ganz mau aus. Auch die Tatsache, dass über eine Million Chinesen Jahr für Jahr in die Vereinigten Staaten auswandern wollen, spricht doch eine eindeutige Sprache.

    Man könnte zum Thema China auch folgende Fragen stellen:
    1. Möchte man dorthin auswandern (dauerhaft)? Lieber nach China oder in die USA evtl.EU?
    2. Legt man Geld lieber an europäischen und amerikanischen Aktienmärkten an, oder in China?

    Die letzte Frage ist im Grunde rein rhetorisch und verdeutlicht, dass die Chinesen noch einiges tun müssen, um an Vertrauen zu gewinnen.

    Ich bin hier eher skeptisch. Gleichwohl beneide ich diejenigen, die frühzeitig mit dem Erlernen dieser schwierigen Sprache begonnen haben und von den positiven Beziehungen zu China langfristig profitieren werden.

    Bis dann. Matthäus

  16. Flux

    Hallo Tim,

    danke für den Rundumschlag. Unabhängig davon wie der aktuellste Rettungskandidat heißt, setzt der industrialisierte Westen doch mit seiner Reformunfähigkeit oder auch -unwilligkeit ganz massiv seine globalen Einfluss aufs Spiel. Das betrifft vielleicht nicht so sehr die USA, die auch langfristig – wenn auch bisweilen auf Pump finanziert – ihre Wirtschafts- und Militärmacht behaupten wird.

    Viel mehr zu verlieren hat hier Europa. Die zunehmende Anzahl ins Wanken geratener Euro-Staaten und ein möglicher Bruch der Eurozone mindert die Wahrscheinlichkeit langfristig noch als 'Global Player' ernst- und wahrgenommen zu werden.

    Und nochwas zum schon diskutierten finanziellen 'Gewicht' Chinas: Im globalen Ranking der nationalen, privaten Geldvermögen liegt China mittlerweile auf Platz 5 und damit nur einen Rang hinter Deutschlang (Allianz Global Wealth Report 2011, S. 91)

    Grüße

  17. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus.

    Klar hat China in vielen Punkten Nachholbedarf (Umwelt, Demokratie, etc.) Aber die holen verdammt schnell auf. Mit der krassen Verschuldung des Westens verlieren wir ganz schnell den Boden unter den Füßen.

    Was in Ländern wie Spanien oder Griechenland derzeit los ist, das ist mit der Weimarer Republik fast vergleichbar. Jeder weiß was die Folge war…. Wenn die Amis mit ihrem Dollar nicht ähnliche Probleme hätten, könnten wir jetzt den Euro nur noch als Klopapier oder zum Tapezieren benutzen. Im Endeffekt kann Europa den USA dankbar sein – für das dortige Schuldendilemma.

  18. tim schaefertim schaefer

    @ Flux

    danke für den exzellenten Link!

    Da steht es schwarz auf weiß. In den USA befinden sich nur noch ein Drittel des Weltvermögens. Der Anteil schrumpft.

    Ein großer Teil des Schrumpfungsprozess des Westens ist auf unsere unfähigen Politiker zurückzuführen. Schuldenrekorde und Inflationssorgen lösen Zweifel an den Währungen des Westens aus. Das treibt immer mehr Geld nach Asien und Südamerika. Kein Wunder, dass Gold in die Höhe geschossen ist. Der Westen ist nicht fähig, sich zu sanieren.

    Schauen wir doch nur ins deutsche Kabinett. Unser Wirtschaftsminister Rösler ist ein Arzt. Ein junger Mann mit Erfahrungen im Gesundheitswesen, der aber von Wirtschaft meiner Meinung nach keine Ahnung hat. Ich habe einen enormen Respekt vor Herrn Dr. Phillipp Rösler (Er wurde in Vietnam geboren, kam ins Waisenhaus, wurde von einem deutschen Ehepaar adoptiert….) Aber warum wurde Herr Rösler Wirtschaftsminister?

    Frau Merkel, was machen Sie eigentlich in einer solch heiklen Situation? Ich glaube, in Berlin ist noch nicht angekommen, wie ernst die Lage ist. Das kann man nicht mehr mit „liberaler“ oder „christlich-konservativer“ Parteibuch-Politik lösen. Springen Sie endlich über Ihren Schatten und holen Sie Leute ins Kabinett, die das Schiff vor dem Untergang retten können. Es ist die schwerste Krise Europas. Es herrscht Seenot.

    PS: Um eines klar zu sagen: Rot-Grün hätte vermutlich keine bessere Mannschaft an Bord.

  19. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus

    Mit Blick auf die USA verlieren die immer mehr Boden unter den Füßen. Es besteht ein starker Trend unter jungen Immigranten, das Land wieder zu verlassen. Sie ziehen zurück nach Indien, nach China, Singapore. Sie sehen dort mehr Chancen. Die „New York Times“ hatte einen ausführlichen Artikel dazu. Der amerikanische Traum bekommt Risse.

    Ich habe einen Bekannten, der arbeitete viele Jahre bei einer großen Investmentbank in Manhattan. Als er seinen Job verlor, zog er zügig zurück in die Heimat: Nach Asien. Dort fand er in Windeseile einen neuen Job und ist zufrieden.

  20. Matthäus Piksa

    Wow Tim, das sind natürlich fantastische Heldengeschichten von globalen Bürgern! (Absurderweise wird in unserem Innenministerium darüber diskutiert, die Schengengrenzen wieder kontrollieren zu lassen. Unglaublich wofür die eigentlich bezahlt werden.) Klar, wer zweisprachig aufgewachsen ist hat Vorteile, erst recht wenn er sich in der Schule noch eine dritte Sprache aneignete.

    Gruß Matthäus.

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