So lässt sich die Altersarmut eindämmen


New York, 27. Februar 2013

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Wir werden eine zunehmende Altersarmut in Deutschland bekommen. Ich habe mir einen Dreipunkteplan ausgedacht. Dieser setzt bei den Bürgern, dem Staat und den Arbeitgebern an. Wenn alle drei Instanzen nach einer Lösung für die wachsende Altersarmut suchen, kann es gelingen, das Problem einzudämmen. Allerdings ist wichtig, dass alle drei Einheiten an einem Strang ziehen.
1. Der Bürger
Fangen wir bei den Bürgern an. Das Aktiensparen verspricht auf lange Sicht eine der besten Renditen. Trotz aller Warnungen, trotz aller Krisen, trotz der Katastrophen bleibt die Börse eine Gewinnmaschine. Im Schnitt legt die Wall Street um ca. zehn Prozent pro Jahr zu. Das Genie Warren Buffett hat es sogar geschafft, eine Rendite von 20 Prozent per annum in die Scheune zu fahren. Einfach sagenhaft.
Durch den Effekt des Zinseszinses entfaltet sich ein gewaltiger Hebel. Es ist wie ein Schneeball, der ins Rollen kommt und sich zu einer Lawine entwickelt.
Die langfristige Anlage in Aktien über die Jahrzehnte hinweg ist allerdings Grundvoraussetzung für diese beeindruckende Entwicklung. Ebenso ist der umsichtige Umgang mit Gebühren und Nebenkosten wichtig.
Wie wir sahen, stagnierten die Kurse für mehr als zehn Jahre aufgrund der Wirtschaftskrise. Jetzt stehen wir meiner Einschätzung zufolge vor einer neuen Erholungsrallye, die etliche Jahre anhalten könnte. Warum? Die Bilanzen der Unternehmen sind so stark wie seit Jahren nicht mehr. Die Schulden sind niedrig, die Kriegskassen proppenvoll. Zahlreiche Konzerne haben ihre Gewinne (auf Aktienbasis) im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt. Ebenfalls sind die Dividenden massiv gestiegen.
Auf jede Krisenphase folgte bislang immer eine massive Erholung. Jedoch gehören vorübergehende Rückschläge von 20 Prozent und mehr jedes Jahr dazu. Abstellen lässt sich diese Volatilität leider nicht. Das Auf und Ab der Kurse gehört einfach dazu. Man muss sich daran gewöhnen, es dulden.
Leider nutzt die Mehrheit der Menschen die Verdienstmöglichkeiten an der Börse nicht.
Die Vermögensberatung Bel Air aus Los Angeles fand in einer faszinierenden Analyse heraus: Wer eine Million Dollar im Jahr 1935 in den USA investiert hat, der hat bis heute ein Vermögen von 2,4 Milliarden Dollar aufgebaut. Das hat nur über „Buy and Hold“ funktioniert.
Kriege, Krisen, Seuchen, Skandale, Crashs usw. halten die Börse nicht auf. Der Mensch neigt aber dazu, sich auf die Probleme zu konzentrieren, was ihn folglich vom Aktiensparen abhält.
Ein Alarmsignal ist: Jeder zehnte Deutsche hat keinen Cent für die Erben übrig.
Ein weiteres Alarmsignal: Es schrumpfte die Zahl der deutschen Aktionäre von 12,85 auf 8,8 Millionen. Für die generelle Skepsis besteht kein Grund. Die Aktie ist in Deutschland eine phantastische Anlageform. Seit den 1980er Jahren stieg der DAX von 1.000 auf 7.700 Punkte. Hypothetisch zurückgerechnet hat sich der deutsche Leitindex seit 1959 geradezu prächtig entwickelt. Der DAX ging in den gut 50 Jahren um 2.000 Prozent rauf. Aus 370 wären 7.700 Euro herangewachsen. Wie am Schnürchen gezogen marschiert der DAX einfach immer höher. Es ist unglaublich.
Das Aktiensparen bedeutet für den einzelnen natürlich den Verzicht auf Konsum. Das muss jedem einleuchten. Wer heute Geld zurück legt, verschiebt seinen Konsum in die Zukunft. Gerade für den kleinen Mann ist die Börse eine ideale Möglichkeit, um sich am Produktivkapital zu beteiligen. Alternativen bestehen für den Otto Normalverbraucher kaum. Mit Festgeldern, Bausparverträgen, Kapitallebensversicherungen und Sparbüchern ist ein Vermögensaufbau schwieriger, weil die Rendite nach Abzug der Inflation mickrig ausfällt (sofern sie überhaupt positiv ist).
2. Der Staat
Die Bundesregierung sollte das Aktiensparen für die Rente fördern. In Berlin wird leider der Kapitalmarkt nicht fair behandelt. Früher waren Aktiengewinne, die nach einem Jahr erzielt worden sind, steuerfrei. Diese Steuerfreiheit hat die ehemalige schwarz-rote Koalition abgeschafft. Was wir in Europa und Deutschland brauchen, ist ein steuerliches gefördertes Aktienspardepot für das Alter. Wir können von den Amerikanern lernen. In den USA existiert ein ganzes Bündel solcher Programme neben der gesetzlichen Rente. Sie heißen 401(k), SEP IRA, Roth IRA usw. Deutschland wach auf! Wach auf im Sinne Deiner Bürger. Von unserer Regierung müssen wir sinnvolle Lösungen erwarten können auf die großen Herausforderungen unserer Zeit.
Wenn der Staat die Aktie endlich als Instrument zur Altersvorsorge würdigt, können die Menschen das nachvollziehen. Wie soll die Bevölkerung die Börse entdecken, wenn schon der Staat nicht als positives Beispiel voranschreitet? Es wäre zum Vorteil des gesamten deutschen Kapitalmarkts einschließlich unserer Banken und Versicherungen. Es wäre ein gigantisches Konjunkturprogramm.
Ich glaube, ein Hindernis ist ein erschreckendes Unwissen unserer Beamten, unserer Politiker. Aus Gesprächen mit zum Teil führenden Politstrategen aus unserer Hauptstadt habe ich Wissenslücken festgestellt. Leider. Das geht über alle Parteigrenzen hinweg.
Das Wort Aktie ist ein Unwort im Parlament. Ich vermute, deutsche Politiker besitzen so gut wie keine Aktien. Wie soll der Bürger vernünftig Vorsorge treffen, wenn die Mächtigen nicht wissen, wie es funktioniert?
Ich empfehle aus Gründen der Fairness, die Sonderbehandlung der Beamten bei der Pension abzuschaffen. Alle Menschen sollten Teil der gesetzlichen Rente werden. Ich betone alle, auch die Politiker. Die Zweiteilung des Rentensystems ist unseriös, unzeitgemäss, finde ich.
Die Einführung der Riester- und Rürup-Rente war durchaus ein Weg in die richtige Richtung. Nur müssen hier Staat, Sparer und Privatwirtschaft besser zusammenarbeiten. Ich halte die Abschlussprovisionen und laufenden Gebühren für teilweise abenteuerlich hoch. Die Interessen des Sparers müssen von allen besser gewürdigt werden. Wird der Sparer fair behandelt, hat das eine höhere Akzeptanz zur Folge.
3. Die Arbeitgeber
Von den Arbeitgebern erwarte ich die Übernahme einer Leitfunktion. Börsennotierte Großkonzerne wie Procter & Gamble, SAP oder BASF bieten ihren Mitarbeitern in Europa Aktiensparpläne an. Ich halte das für ein Instrument der Mitarbeiterbindung. Zudem eröffnet sich für den Arbeitnehmer eine herrliche Renditechance. Mittelständler sollten dem Beispiel folgen. Die Mitarbeiter am Produktivkapital zu beteiligen, kann eine Win-Win-Situation zur Folge haben.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „So lässt sich die Altersarmut eindämmen

  1. Matthäus Piksa

    @Tim

    Dem stimme ich zu! Eine Umsetzung würde dazu führen, dass mehr Geld in den Aktienmarkt fließen würde. Die Kurse stünden ungleich höher.

    In Kombination mit den abgeschafften Privilegien bei der GRV (in der Schweiz Realität), die weiterhin als absoluter Grundstock gebraucht wird, weil es auch in Zukunft langjährige volatile Seitwärtsphasen geben wird, würde das die Altersarmut senken.

    Gruß Matthäus

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    danke für den Hinweis mit der Schweiz. Ich habe einen Link zu Abschaffung des Beamtentums in der Schweiz: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/abschied-per-volksabstimmung-die-schweiz-hat-beamte-abgeschafft/472156.html.

    Was mir nicht einleuchtet: Wenn die Umstellung in der Schweiz kostenneutral geht, warum geht das nicht in Deutschland kostenneutral?

    Das Argument mit den höheren Kosten verstehe ich in dem Artikel nicht. Ob der Staat nun zu 100 Prozent die Pensionen bezahlt oder 50% der Rentenbeiträge, da sehe ich eher in den 50% einen Vorteil. VG Tim

  3. Matthäus Piksa

    @Tim

    Ja eben, der Artikel leuchtet mir bei diesem Punkt nicht ein.

    Die Pensionen der Beamten werden aus den laufenden Steuereinnahmen ausbezahlt. Der Staat hat hierfür nichts gespart, hier warten Milliardenbelastungen auf die Länder- und den Staatshaushalt.

    Aber auch die Renten der ArbeitnehmerInnen werden aus den laufenden Beitragszahlungen ausbezahlt.
    Der Staat müsste also tatsächlich die Hälfte des Beitragssatzes übernehmen und in die GRV einzahlen. Die andere Seite der Medaille wäre aber, dass er den Beamten keinen einzigen Cent aus dem laufenden Steueraufkommen zahlen müsste.

    Gruß

  4. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Tim, ich habe es heute erst im Buch „Der größte Raubzug der Geschichte gelesen“. Der Staat und die Versicherungen wollen, dass wir unser Geld in Produkte wie Riester Rente, Rürup Rente, Lebensversicherungen usw. investieren, damit die unser Kapital unter Kontrolle haben !

    Vielen ist das wohl noch nicht bewusst. Ich kenne keine Alternative, als in Dividenden Aktien zu investieren. Dividend Growth Aktien inkl. Aktiensplits sind der Turbo für das Dividenden Depot. Entweder man erkennt die Macht dieser Dividenden Cash Machine und fängt an die kontinuierlich auszubauen, oder man investiert weiter in Produkte wie LVs, Aktienfonds, Mischfonds, Dachfonds usw. …..

  5. ZaVodou

    zu 3.
    Das kann aber auch ganz schön in die Hose gehen. Ich erinnere mal an GM, Enron oder hierzulande eine Philipp Holzmann.
    Dann ist man nicht nur seinen Job los, sondern auch seine Ersparnisse.

    Woher soll das Vertrauen der Deutschen in die Aktie auch kommen? Etwa durch so glänzende Beispiele wie die der Volksaktie Dt. Telekom, die der Staat seinen Bürgern für 100 Euro schmackhaft gemacht hat?
    So was prägt sich bei dem Bürger ein.
    Man sieht dann nicht mehr die Chancen, sondern nur noch die Risiken.

  6. Markus

    Leider waren die politischen Signale der letzten Jahre genau das Gegenteil von einer Förderung des Leistungsprinzips für Großteile der Mittelschicht.

    Es wird eher auf eine stärkere Belastung der Mittelschicht rauslaufen… Evtl. blühen uns auch noch die ganzen Reformen, die aktuell noch die PIGS-Staaten betreffen.

    Bin gespannt, was uns noch mit Europa alles lustiges aufgetischt wird, bevor in wenigen Jahren eine Währungsreform immer wahrscheinlicher wird.

    Evtl. wäre sogar eine finanzielle Repression noch die beste Lösung… Allerdings erwischt es dann die vorsichtigen Sparer.

    @Tim
    Es fehlt vielen Menschen in Deutschland das Vertrauen in die Aktienmärkte. Ich laufe selbst bei meinen Freunden und Bekannten auf taube Ohren mit Aktien. Die lassen sich lieber von einem Bank- oder Versicherungsverkäufer das sauer verdiente Geld rausleiern… Da fehlt ein Umdenken bzw. auch die nötige Sorgfalt sich selbst auch bezahlen zu wollen…

  7. Thomas

    Wie sollen die Menschen auch Vertrauen in die Aktienmärkte bekommen, nach solchen Ereignissen?

    – Von 2000-2003 ungefähr -75% Verlust
    – Von 2007-2009 ungefähr 70% Verlust
    – Volksaktie Telekom
    – dann die ganzen Quellenbesteuerungen bei Dividenden,Verkäufen etc.

    Ist das so unverständlich?

  8. Matthäus Piksa

    @Markus

    Ob es zu einer Währungsreform kommt, kann glaub ich niemand genau sagen.

    Meiner Meinung nach eher nein. Warum auch?

    Der Euro wird in einer „solidarischen“ Gemeinschaftsaktion der europäischen Steuerzahler gerettet. Der spanische Steuerzahler schießt seinen Anteil dazu, der finnische, niederländische genauso, natürlich auch der deutsche etc.

    Griechenland, heißt es immer, sei ein Sonderfall. Der griechischen Finanzverwaltung gelänge es nicht, die Steuern einzutreiben, wird ergänzt. Da frage ich mich, gerade im Hinblick auf die Schweiz, was in Deutschland eigentlich besser läuft. Ständig kursieren Steuerdaten-CDs weil einige wohlhabende Steuerhinterzieher und Steuerbetrüger mit ihren Koffern voller Geld in der Schweiz Urlaub gemacht haben. Die Luft sei dort so sauber.

    Dafür funktioniert die Finanzverwaltung knallhart, wenn es um die millionenfachen Forderungen gegenüber dem sog. „kleinen Mann“ geht. Der hat kaum Absetzmöglichkeiten und verdient auch nicht genug, um sein Geld in der Schweiz anzulegen.

    Aber ich wundere mich überhaupt nicht, dass diejenigen die in Deutschland zu den Besserverdienenden gehören, tricksen. Wenn man bedenkt, dass von jedem Steuer-Cent pensionierte Beamte durchgefüttert werden müssen, kommt man schon mal auf „dumme“ Gedanken.

    Es stellt sich die Frage, wann das marode und ungerechte Rentensystem in Deutschland endlich umfassend reformiert wird und die Steuerverwendungsungerechtigkeit an dieser Stelle beseitigt wird.

    Ich frage mich, was eher passiert: Griechenland baut eine funktionierende Finanzverwaltung auf oder Deutschland baut das marode Rentensystem um…

    Hat jemand einen Tipp?

  9. tim schaefertim schaefer

    @ ZaVodou
    GM, Enron, Holzmann… Da hast Du ein paar Horror-Fälle herausgegriffen. Klar, Pleiten, Pech und Pannen gehören an der Börse dazu. Daher ist das Streuen sehr wichtig. Die eigenen Ersparnisse sollten immer schön ausbalanciert investiert sein. Niemals all sein Geld in ein Nest legen.

    Der Volksmund sagt dazu: Nicht alle Eier in einen Korb legen. Oder: Vielfalt schafft Sicherheit.

  10. David Absalon

    Hey Tim,

    zu deiner Aussage: „Ich glaube, ein Hindernis ist ein erschreckendes Unwissen unserer Beamten, unserer Politiker. Aus Gesprächen mit zum Teil führenden Politstrategen aus unserer Hauptstadt habe ich Wissenslücken festgestellt. Leider. Das geht über alle Parteigrenzen hinweg.

    Das Wort Aktie ist ein Unwort im Parlament. Ich vermute, deutsche Politiker besitzen so gut wie keine Aktien. Wie soll der Bürger vernünftig Vorsorge treffen, wenn die Mächtigen nicht wissen, wie es funktioniert?“

    meine Antwort des „Handelsblatts“:

    Am meisten verdient Wolfgang Schäuble

    „Noch mehr Geld kassiert nur Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Der Staat ist nicht nur Großaktionär ausschüttungsfreudiger Dax-Mitglieder wie der Deutschen Post und der Deutschen Telekom. Privatpersonen müssen zudem Abgeltungssteuer auf ihre Dividendeneinnahmen zahlen. Alle Angaben zu Deutschlands Dividendenmillionären verstehen sich daher als Schätzungen auf Bruttobasis, wobei in Einzelfällen Verzerrungen möglich sind, sofern Stimmrechte über Derivate und Optionsscheine ausgeübt werden. Ausländische Aktienengagements sowie Beteiligungen unterhalb der Meldeschwellen blieben in der Regel unberücksichtigt.“

    Quelle: http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/zahltag-am-meisten-verdient-wolfgang-schaeuble/4268952-2.html

    Gruß David

  11. tim schaefertim schaefer

    Hi David,

    danke. Das stimmt. Die ehemaligen Staats-Aktien hat der Herr Schäuble von seinem Vorgänger im Bundeshaushalt geerbt.

    Mich würde sein privates Depot interessieren. Welche Aktien besitzt Herr Schäuble oder Frau Merkel? Unsere Staatsdiener kaufen, so meine Vermutung, selten direkt Aktien. Es liegt mitunter an deren hohen Versorgung.

  12. Markus

    @Thomas

    Na ja, wenn man nur für 3 Jahre Geld anlegen will, dann ist man an der Börse gewaltig falsch.
    Auch ist man nicht davor befreit seinen gesunden Menschenverstand einzuschalten. Wenn 2000 in vielen Bereichen das 40fache des Jahresgewinns als Kaufpreis bezahlt wurde. Oder es wurden blind Neuemissionen gezeichnet, die noch nicht mal Gewinn gemacht haben usw. usw. usw.
    Am Stammtisch wurde über Aktien schwadroniert und man wusst nicht mal was die Firma genau macht…
    Telekom… Eine meiner Lieblingsfirmen bei der ich Kunde bin. Das war jetzt sehr ironisch. Du kannst genauso gut Coke, McDo, Berkshire als Beispiel wählen. Im Jahre 1990 10.000 € investiert…das wären heute gewaltige Summen.

    Börse ist nicht für jeden geeignet. Viele Leute haben nie gelernt mit Geld umzugehen bzw. sehen dies als lästig an und haben negative Glaubenssätze. Man kann seinen finanziellen Erfolg sehr gut durch negatives Denken sabotieren. Aber auch alles durch die rosarote Brille zu sehen hilft auch nicht. Eigene Gedanken machen, lesen, lernen, Geduld und schwäbisches wirtschaften bringen sehr viel. 😉 Nur weil irgendwelche Promis für die Telekom geworben haben, kaufe ich doch nicht den ganzen Laden. 😉

    Auch sollte ein gewisses Liquiditätsmanagement betrieben werden um für alle Eventualitäten flüssig zu sein.

    Die Schuld wird zu gern immer bei den Anderen gesucht. Erst mal muss man selber aktiv werden!!! Ich sehs bei unseren wirtschaftlich schlechten Kunden immer wieder. Es sind immer die anderen schuld. Darum muss man sich auch nicht selbst am Kragen wieder rausziehen. Es ist viel bequemer zu motzen.

    @M-P

    Ja, das ist Wahrsagerei mit der Währungsreform. In Italien hat allerdings nur jeder 10. Italiener lust den Herrn mit den Reformen zu wählen bzw. Schulden zurück zu zahlen. Das ist die 3. größte Volkswirtschaft unserer Währungsunion…

    Spanien hat eine solch gewaltige Jugendarbeitslosigkeit, da wird es schwierig ohne Reformen Wachstum und Steuereinnahmen zu generieren. Auch die Immo-Blase ist noch nicht kuriert.

    In Frankreich gehen die Leute die Barikaden, wenn sie bis 63 arbeiten sollen… usw. usw. usw.

    Griechenland… Ne, da fehlen einem Nordeuropäer sämtliche Worte… Komisch das die auch schon mal eine Währungsunion gesprängt haben. Allerdings sind sie wirtschaftlich wirklich sehr klein.

    Sorry, ich finde ein friedliches Europa sehr erstrebenswert. Allerdings so unterschiedlich starke Volkswirtschaften in eine gemeinsame noch starke Währung zu schicken ohne eine Gemeinschaftsgefühl. Keine einheitliche handlungsfähige Regierung, keine Abwertungsmöglichkeiten für die schwachen usw. usw. usw. Es wird sehr spannend, ob dieses durchgedrückte Prestigeprojekt aus seinen Fehlern rechtzeitig noch lernt…

  13. Mario

    Hallo zusammen,

    zum Thema Euro-Währungssystem habe ich das Buch von Thilo Sarrazin „Europa braucht den Euro nicht“ gelesen. Dort werden die Fehler des Euros dargestellt. Das Problem sind die unterschiedlich entwickelten Wirtschaftssysteme. Vor der wirtschaftlichen Einigung hätte die politische kommen müssen. Denn so kann jeder Staat einfach machen was er will. Nachdem dann auch die Maastricht-Verträge gebrochen wurden, war der Damm der Verfehlungen geöffnet. In Bezug auf unser Geldsystem kann ich dieses Buch empfehlen. Obwohl sehr wissenswert, ist allerdings es etwas trocken geschrieben.

    VG Mario

  14. Felix

    Die Börse als Altersversorgung für ein 80 Millionen Volk als Allheilmittel. Daran glaube ich nicht!

    Natürlich würden, wenn alle ihre Ersparnisse an die Börsen brächten, die Kurse in gigantische Höhen getrieben, eine entsprechende Blasenbildung wäre die Folge. Die Höhe der Kurse richtete sich nicht nach dem Wert einer Firma, sondern nach der Nachfrage nach den Aktien an der Börse – wir kennen das hinlänglich.
    Und wer soll in einigen Jahrzehnten in einem schrumpfenden Volk den in Rente gehenden Aktionären dann ihre Aktien abkaufen und zu welchen Preisen. Man braucht nur nach Japan zu schauen, um zu wissen, dass Börsen auch länger als ein paar Jahre in die Knie gehen können und sich nicht mehr erholen müssen (der Nikkei stand schon bei fast 40.000, jetzt bewegt er sich um die 10.000). Die Japaner, die ihre Rente vor 20 Jahren in die damals starke japanische Wirtschaft investiert haben und jetzt in Rente gehen, wären froh, wenn sie das dt. Rentensystem hätten.
    Und überhaupt, wer sollte diesen Staatsfonds verwalten. Norwegen, ein 5 Millionen Volk, hat einen Staatsfonds. Sie wissen gar nicht mehr, wo sie noch sinnvoll investieren können.
    Ich bin mit Leib und Seele Börsianer. Das ist interessant, macht Spaß und bringt Kohle, aber die Altersversorgung eines Volkes am Finanzmarkt anlegen zu wollen, das hielte ich für ein gewagtes Spiel. Unsere Politiker sind nicht ignorant, sondern einfach vorsichtig. Welcher Bundeskanzler sollte das verantworten, wenn der Staatsfonds kurz mal 25% in zwei Wochen einbricht, weil Italien „falsch“ wählt oder sonst eine Sau durch's Dorf getrieben wird.
    Natürlich gibt es Warren Buffett. Die tausende auf den einen bekannten Buffett kommenden Aktionäre, die an der Börse ihr gesamtes Erspartes verloren haben, weil sie Enron, Kodak, AEG oder was weiß ich im Portfolio hatten, kennt man freilich nicht.

  15. Günter

    Tim for president! 😉

    Das wäre wirklich wünschenswert, wenn unsere Politiker so denken würden.

    Wenn allerdings Wissensdefizite seitens unserer Politiker vorhanden sind, dann wundert mich wenig, dass hierzulande die altersvorsorge mittels Aktiensparen ein derartiges Schattendasein führt. Getreu dem Motto: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht!“.

    So betrachtet kann es nur noch besser werden! 🙂

    Erfolgreiche Investments!

    Günter

  16. Matthäus Piksa

    @Markus

    Ich bin Anhänger der Bundesregierung, der EZB und der EU.

    Polen sollte meiner Meinung nach, nach dem EU-Beitritt nun auch der €-Zone beitreten. Als eines der größten verbliebenen europäischen Länder, die noch nicht drin sind.

    Klar kann man, so wie sie es tun, sich auf die Probleme und Schwachstellen konzentrieren.

    Ich bin aber der Meinung, dass die EU und der Euro-Währungsraum umso stabiler sind, je mehr mitmachen.

  17. tim schaefertim schaefer

    @ Felix

    Das Aktiendepot für die Rente funktioniert in den USA so: Der Bürger kann entscheiden, wie viel Geld pro Jahr gespart wird. Der Bürger entscheidet völlig frei, wie er dort sparen will: Anleihen, Aktien, Fonds, Cash, Indexprodukte, griechische oder indonesische Aktien, Exxon oder was auch immer.

    Der Staat stellt die Sparsumme für das Rentendepot von der Ek-Steuer frei. Der Staat besteuert keine Kursgewinne, keine Dividenden. Alle Gewinne sind steuerfrei. Es belohnt also jeden, der für die Rente spart. Der Entnahmeplan ist allerdings strikt geregelt (gebunden an Alter, Summe etc.)

    Der Kapitalmarkt funktioniert in den USA viel besser. Es ist kein Wunder, dass die größten Erfindungen von dort kommen. Trendsetter wie Google, IBM, Apple, Facebook usw. werden dort gegründet und nicht in Deutschland.

    Wo wurde die Satelliten-Navi erfunden, der Laptop, progr. Taschenrechner, Floppy Disk, Genom-Projekt, Solarzelle, Mikrowellenherd, Sofortbild-Kamera? Richtig in den USA. Das Risikokapital funktioniert dort.

    Deutschland blockiert sich mit seiner Sparbuch-Mentalität selbst. Wie sollen die Kinder das Investieren lernen, wenn die Erwachsenen es ihnen nicht erklären können?

  18. Markus

    @Matthäus Piksa

    Ok, die Aussage mit dem „Fan sein“ von EU, Bundesregierung und EZB wäre sehr mutig, diese in einer Demonstration zwischen arbeitslosen Spaniern oder Griechen zu machen…

    Es fehlt mir größtenteils an einer simplen Verständigung der Politik mit dem Volk und einer gemeinsamen und verlässlichen Europapolitik. Das wäre super und würde mehr Leute für Europa begeistern. Ich war im Oktober in Brüssel und fragen Sie nicht, wie sich die Brüssler über die EU-Diplomaten begeistern… Ist selbst in jedem Marco Polo zu lesen. Einfach immer neue Mitglieder aufnehmen, ohne die Gründungsfehler zu korrigieren soll alles verbessern??? Dazu brauch ich eine Erklärung für mein durchschnittlich veranlagtes Köpfchen.;-)

    Zum Thema mit Japan und der Asset Meltdown Theorie bzw. den Pleitekandidaten aus Aktien… Das selbe kann auch mit dem Dax passieren.

    Dafür gibt es eine Asset Allokation mit zusätzlich Emerging Markets, World-etf`s, Immos, Rohstoffen, meinetwegen auch Anleihen, Vermeidung eines Home Bias, Tagesgeld bzw. Kurzläufer mit AAA Rating usw. usw. usw.

    Die ganzen Produkte in einem sinnvollen Mix für die persönliche Lebenssituation anzupassen, setzt natürlich ein wenig Erfahrung und Lernbereitschaft voraus.

  19. Felix

    @ Tim
    Ich bin ein ausgesprochener Fan des „American Way of Life“. Und was Sie über die US-Unternehmen schreiben stimmt natürlich. Sowohl bei der Innovationsfähigkeit als auch beim unternehmerischen Risiko gibt es in den USA einzigartige und unerreichbare Firmen, sie haben einige genannt.
    Ob das allerdings in erster Linie am Kapitalmarkt liegt, weiß ich nicht so recht.
    Als ich das letzte mal, vor 2 Jahren, in den USA war, hat mich die Verelendung in den Städten, ich war in Washington und Philadelphia, erschüttert. Das ist leider die Kehrseite der glitzernden Businesswelt.

  20. Günter

    @Thomas

    Zumindest das Deutsche Aktieninstitut (DAI) kommt in ihrer Kurzstudie vom 26.02.2013 auch zu diesem Schluss (auf S.2 im vorletzten Abschnitt).

    Publikationen des DAI, nach unten scrollen

    Auch im Dialog mit Anderen stosse ich immer wieder auf das „Argument“, die Börse sei doch nur ein Spielkasino und dort könne man nur Geld verlieren. Die Glaubenssätze sind also extrem negativ und es dürfte wohl noch einige Zeit dauern, bis diese über Bord geworfen werden. Vermutlich dann, wenn in der Bild-„Zeitung“ steht, dass jeder unbedingt sofort heute noch Aktien kaufen muss, um morgen reich zu sein 😉

    Viele Grüsse

    Günter

  21. Matthäus Piksa

    @Markus

    1. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die mich steinigen würden, lol. Die würden mich vielleicht ausbuhen oder so, keine Ahnung. Was sollte sonst noch passieren? Ich meine, wir reden hier über europäische Länder, nicht über den aufgeheizten Mob in Afghanistan, Pakistan oder sonst wo, wo nach Erscheinen eines Mohammed-Videos gleich Menschen ermordet werden.

    Fahren Sie doch mal nach Griechenland oder Spanien und testen das. Ich denke, dass das Wahrscheinlichste, was passieren würde, ist, dass ihnen einer nach dem anderen seine Lebensgeschichte erzählen wollen würde und es (endlos) lange politische Diskussionen gäbe. Als Außenstehender helfen sie einem Arbeitslosen am ehesten, wenn sie ihm zuhören. Das haben viele in unserer egoistischen Gesellschaft leider verlernt.

    2. Die EU wird gemeinhin auf Bananenverordnungen und üppige Beamten-Diäten reduziert. Wenn der EuGH eine Kartellstrafe gegen Microsoft verhängt, um eine Monopolisierung des Marktes zu verhindern, interessiert das niemanden.

  22. tim schaefertim schaefer

    @ Felix

    Geisterstädte und Armut gibt es in Deutschland ebenso. Etwa in manchen Städten in Ostdeutschland. Es ist eine Tragödie. Und bedauerlich.

    Ich beschönige an den USA nichts. Ich meine nur, dass der Kapitalmarkt besser funktioniert, weil er die Mutigen, Tüchtigen, Smarten motiviert. Das Belohnungssystem über Geldströme funktioniert einfach besser. Unsere deutsche Sparbuch-Denke bringt nicht das Geld an die richtigen Stellen. Es ist ziemlich totes Kapital. Da kann sich nichts entfalten.

    Schwachpunkte in den USA gibt es: hartes Krankenkassensystem, überfüllte Gefängnisse…

  23. Markus

    @Matthäus Piksa

    Na ja, so ein großer Fan um das zu testen bin nun auch wieder nicht. 😉

    Ja, ich streite nicht ab, dass es durchaus auch gute Seiten der EU gibt!
    Ich bin kein Hardliner in irgendeiner Richtung. Es gibt nur sehr viele Dinge zu verbessern. Auch auf die gerade hochgelobte USA und Ihren exzellenten Kapitalismus gibt es genügend und auch angebrachte Kritik. Die Defizite sind zum Teil sogar deutlich größer als die der EU.

    Riestern ist ja laut Ökotest mit durchschnittlich 1 % Rendite nach Kosten für den Vertrieb sehr spannend und lohnenswert für unsere Bürger…

    Auch Aktien sind nichts für Leute, die nicht bereit sind, sich Geduld und Wissen anzueignen.

    Evtl. ist in 30 Jahren China oder Indien die neue Weltwirtschaftsmacht…

    Geld ist wie Mist, man sollte es streuen.

    Und ich verherrliche weder die EU, USA, China, Aktien, Politiker noch sonstwas… Alles hat seine Vor- und auch Nachteile.

  24. Matthäus Piksa

    @Markus

    Langsam nähern wir uns…

    Sie sprachen vorhin von Gründungsfehlern, die begangen wurden, als die EU gegründet wurde. Wann war das nochmal, irgendwann in den 50-ern. Damals gab es andere Politiker, die andere Erfahrungen gemacht haben. Ich weiß nicht was in den Gründungsentwürfen drin steht. Fest steht nur, dass die Mitgliedsstaaten im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Kompetenzen an die EU abgaben. => Die Idee vom Nationalstaat aus dem 19. Jahrhundert ist gescheitert. Das wissen wir heute. Und das wissen auch die Politker von heute.

  25. Matthäus Piksa

    Diesen essay hat gerade der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski, der nebenbei in Oxford studiert hat, getwittert.

    Es ist interessant wie Europa aus den jeweiligen Mitgliedsstaaten der EU heraus betrachtet wird.

    In den osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten, die längst aus dem Schatten des 20. Jahrhunderts herausgetreten sind, macht man sich logischerweise auch Gedanken zur Zukunft der EU und dem Ist-Zustand einiger angeschlagener Länder.

    Übrigens: Deutsche Konzerne, das dürfte klar sein, profitieren enorm von der EU-Osterweiterung und den neuen Märkten. Das spiegelt sich nicht zuletzt in gestiegenen Umsätzen und sprudelnden Gewinnen vieler Dax-Konzerne wieder.

  26. franjo

    Mit großem Interesse verfolgen ich Ihre Seite und kann in vielen Punkten übereinstimmen. Die folgende Aussage provoziert aber nun doch einen ersten Kommentar von mir, denn, entschuldigen Sie den Ausdruck, einen größeren Schwachsinn habe ich bislang noch nicht gelesen:

    Die Vermögensberatung Bel Air aus Los Angeles fand in einer faszinierenden Analyse heraus: Wer eine Million Dollar im Jahr 1935 in den USA investiert hat, der hat bis heute ein Vermögen von 2,4 Milliarden Dollar aufgebaut. Das hat nur über „Buy and Hold“ funktioniert.

    Wer 1935 eine Million nach der Weltwirtschaftskrise mal so locker übrig hatte, war vermutlich kein Armer. Er war wohl mindestens 20 Jahre alt und dürfte statistisch bereits seit einigen Jahren tot sein. Vielleicht starb er ja sogar in ärmlichen Verhältnissen, nur um das exponentielle Wachstum seines Reichtums nicht zu gefährden!

  27. tim schaefertim schaefer

    @ franjo

    Das ist eine symbolische Darstellung des Hebels. Mehr nicht. Es geht darum, zu zeigen, dass die Börse eine herrliche Chance bietet (neben all den Problemen).

    Klar, eine Million Dollar war damals sehr viel Geld. Und der Zeitraum ist extrem lang. Ja, ich weiß.

    Ich empfehle keine Produkte auf meiner Website, ich verkaufe nichts. Es ist mein Hobby. Ich möchte zum Nachdenken anregen. Mehr nicht.

  28. Matthäus Piksa

    @franjo

    Sagen Sie, Sie wissen schon, dass Äußerungen herabsetzender Werturteile gegenüber dem Ehrträger den Tatbestand der Beleidigung erfüllen?

    Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, hier gelten dieselben Anstands- und Rechtsregeln wie sonst auch. Googlen Sie außerdem mal den Begriff „Netiquette“.

  29. GertGert

    @ Tim

    Du schreibst weiter oben:
    „Deutschland blockiert sich mit seiner Sparbuch-Mentalität selbst. Wie sollen die Kinder das Investieren lernen, wenn die Erwachsenen es ihnen nicht erklären können?“

    Du sprichst mir aus der Seele. Manchmal kommt es mir so vor, als ob die komplette deutsche Bevölkerung ein einziger, spießerischer Sparkästchenverein ist. Und wehe, es kommt einer auf die Idee, mal was Neues zu testen:-))
    Zum 2. Punkt: Ich glaube manchmal, dass ich der einzige im ganzen Land bin, der versucht, seinen Kindern das Investieren zu erklären. Ich will mich damit nicht selbst loben, sondern aufzeigen, dass das ansonsten im ganzen Land nicht vorkommt.

  30. franjo

    @Tim,

    haben Sie vielen Dank für die Erläuterungen.

    Meine Kritik bezog sich ja auch nicht auf Sie, das war hoffentlich bereits aufgrund meiner einleitenden Worte klar, sondern auf das Ergebnis der Analyse der Vermögensberatung Bel Air aus Los Angeles. Das Ergebnis wäre vermutlich bereits völlig anders, wen genannter Anleger im Jahre 1928 investiert und man in Jahre 2001 Bilanz gezogen hätte; aber dies ist nur eine Marginalie. 😉

    Ansonsten auch ein Dankeschön für die vielen interessanten und zum Nachdenken anregenden Artikel, die in seit Monaten fast täglich als stiller Leser verfolge.

  31. franjo

    @ Matthäus Piksa,

    Sie wissen schon, dass derartige Belehrungen einen sehr unfreundlichen Stil darstellen? Aber vermutlich sind Sie ein sehr freundlicher Mensch.

  32. Matthäus Piksa

    @Tim

    Ich möchte nochmal auf die Ausgangsthematik zurückkommen. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen hat ausgerechnet, dass auf den deutschen Staat Forderungen aus eingegangenen Pensionsverpflichtungen für Beamte iHv ca. 1,5 Billionen Euro bis 2050 zukommen.
    Der Bund der Steuerzahler moniert schon seit Längerem, dass das Problem nicht angegangen wird und insb. keine ausreichenden Rückstellungen gebildet wurden.

    Es ist jetzt schon abzusehen, dass es zu Leistungskürzungen kommen muss und dass die Staatsverschuldung infolgedessen weiter ansteigen wird.

    Neben der Energiewende und dem demografischen Wandel, beispielhaft, gehört das mit zu den drängendsten Problemen.

    Gleichwohl verstehe ich das Bestreben des Staates seine Erfüllungsgehilfen fürstlich zu entlohnen, weil er sie nur so bei Laune halten kann und diese ihm dafür mit Treue und Pflichtbewusstsein danken. Hier gibt es ein klares Dilemma.

    Fest steht aber auch, dass die Schweizer das Problem gelöst haben, ohne dass 1. die Wirtschaft zusammengebrochen ist, 2. der Staat seine Funktionsfähigkeit verloren hat und 3. soziale Tumulte ausgebrochen sind.

    Zu Raffelhüschen verlinke ich hier noch den Eintrag zu seiner Person auf dem Portal lobbypedia.

    Dort heißt es u.a. er äußere sich in seinen Vorträgen und Veröffentlichungen stets gegen die gesetzliche, umlagenfinanzierte Rente und propagiere eine private, kapitalbasierte Rente.

    @franjo
    Letztlich sind wir ja auch keine Freunde. Verstehen Sie meinen Hinweis als Aufforderung zu mehr Sachlichkeit, so war es nämlich gemeint.

  33. - M -

    „Früher waren Aktiengewinne, die nach einem Jahr erzielt worden sind, steuerfrei. Diese Steuerfreiheit hat Schwarz-Gelb abgeschafft.“

    Nein das war Schwarz-Rot.

    Schwarz-Gelb war an der Macht, als das Gesetz in Kraft trat (2009).

  34. franjo

    @Matthäus Piksa

    vermutlich werden wir auch keine Freunde werden. Aber zumindest gleicher Meinung sind wir nun schon einmal; denn mit meinem Kommentar wollte ich lediglich darauf hinweisen, dass der zitierten Analyse leider die Sachlichkeit im Sinne von praxisrelevanter Übertragung fehlt.

    Als Beamter fühle ich mich aber durch Ihre folgenden Aussagen sehr irritiert:

    Wenn man bedenkt, dass von jedem Steuer-Cent pensionierte Beamte durchgefüttert werden müssen, kommt man schon mal auf „dumme“ Gedanken. Gleichwohl verstehe ich das Bestreben des Staates seine Erfüllungsgehilfen fürstlich zu entlohnen, weil er sie nur so bei Laune halten kann und diese ihm dafür mit Treue und Pflichtbewusstsein danken.

    Das sind Parolen, mit denen man vielleicht am Stammtisch für einen Lacher sorgen kann; leider gehen sie jedoch an der Realität vorbei. Weder sehe ich mich als einen Erfüllungsgehilfen, noch habe ich es wie vermutlich alle Beamten nötig, durchgefüttert zu werden. Dass die Gehälter der Beamten einen deutlichen Abschlag zu vergleichbaren Positionen in der Wirtschaft haben ist Ihnen hoffentlich bekannt.

  35. Matthäus Piksa

    @franjo

    @franjo

    Das ist gut, wenn ich sie irritiere. Was mich nämlich irritiert ist, dass der Staat ein unfaires Rentensystem geschaffen hat, das permanent ausgebessert werden muss und sich hervorragend eignet, um Angehörige der verschiedenen Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen.

    => Ich bin für ein 2-Säulen-Rentensystem nach gemischt amerikanisch-schweizerischem Vorbild.

    1. Jeder soll für's Alter in Aktien und Aktien-Sparpläne investieren dürfen. Und zwar steuerfrei! In 3 Härtefällen darf ausnahmsweise auch vorher Geld „rausgenommen“ werden, und zwar ebenfalls steuerfrei: Krankheit, Scheidung, Arbeitslosigkeit.
    Alle anderen, die Spekulanten und Trader, sollen Steuern zahlen.

    2. Das Umlageverfahren im Rentensystem führt dazu, dass das was reinkommt, von denen die reinbezahlen müssen (=die Jungen), an diejenigen, die nicht mehr können (=die Alten), ausbezahlt wird. Generationenvertrag heißt das Ganze. Insofern, da gebe ich ihrem Einspruch statt, werden nicht die pensionierten Beamten durchgefüttert, sondern alle Alten.

    Der Grund für meine Polemik: Andere machen es besser, wir machen es aber nicht nach.

    Bsp. Schweiz: Einkünfte aus allen Einkunftsarten werden am Umlageverfahren der GRV beteiligt. Es ist also egal, wie und woher das Geld reinkommt, ein kleiner Teil wird zwecks Altersvorsorge in's Rentensystem gesteuert. Hier ist kein Platz mehr für Ausnahmetatbestände, Privilegien etc.
    Dann spielt es auch überhaupt keine Rolle, wer wann wo in welcher Funktion wie viel Geld scheffelt, um ihren Vergleich Beamtengehalt < -> Gehälter in der freien Wirtschaft aufzugreifen. Dieses Argument ist ein Besitzstandswahrungsargument und zeigt mir, dass sie von der Unbezahlbarkeit der zukünftigen Pensionen ablenken wollen.

  36. Matthäus Piksa

    @Markus

    Im Handelsblatt erschien kürzlich ein Artikel mit dem Auszug einer Rede Draghis vor der Katholischen Akademie in München.

    Sie sprachen oben davon, dass es in Europa kein Gemeinschaftsgefühl gäbe. Dem möchte ich hier an dieser Stelle ebenfalls widersprechen, auch wenn ich lieber von Gemeinschaftswerten, entstanden aus einer christlich-jüdischen Prägung Europas beeinflusst und ergänzt durch die Werte der Aufklärung, spreche.

    Hier der Link.

  37. Markus

    @Matthäus Piksa

    Leider kommt das Draghi Interview nicht so publikumswirksam bei den Menschen an wie z. B. die unschönen Vergleiche von den Griechen über Frau Merkel…

    Auch die Konzepte, wie die Krise gelöst werden soll, sind doch sehr nach Nord-Südgefällen geprägt. Und den Großteilen der Bevölkerung ist eine so große Politikverdrossenheit nicht zu verdenken. Lügen, Machtkämpfe, fehlende Kommunikation mit dem Volk, Politik für Wahlkämpfe, nicht für den Wähler, Lobby-politik, Dr. Titel Späßchen usw. usw. usw.

    Stolz, eine gemeinsame Sprache, Zusammengehörigkeitsgefühl auf ein vereingigtes Europa… dass sind alles Fremdwörter für die Mehrheit.

    Nationale Souvernitäten abzugeben ist natürlich ein Riesenprojekt. Es ist natürlich auch eine Frage, ob man dem Volk alle Wahrheiten zumuten will, bzw. man denkt, es ist besser wir machen manche Prozesse schleichend um eine Gewöhnung herbeizuführen…

    Allerdings betreffen viele Punkte natürlich die Politik weltweit und nicht nur Europa.

  38. Matthäus Piksa

    @Markus

    Mir gefallen die spieltheoretischen Erklärungsansätze zur Euro-Krise.

    Zur Spieltheorie aus wikipedia:
    „In der Spieltheorie werden Entscheidungssituationen modelliert, in denen sich mehrere Beteiligte gegenseitig beeinflussen. Sie versucht dabei unter anderem das rationale Entscheidungsverhalten in sozialen Konfliktsituationen abzuleiten.“

    Zwei Alternativen zur gegenwärtigen Situation wären zB:

    1. Deutschland führt die MArk wieder ein.
    2. Die schwachen Euro-Länder werden rausgeschmissen (der Euro als „atmende“ Währung)

    Mögen clevere Investmentbanker auch noch so viel von Absicherungsgeschäften (Hedging) faseln. Die meisten börsennotierten und erst recht die nicht börsennotierten Mittelständler, die im Exportgeschäft tätig sind, würden wegen der in beiden Fällen erfolgenden Aufwertung weniger Umsätze und Gewinne erwirtschaften.

    Auch hier hilft der Vergleich mit den anderen:

    Japan versucht nicht zuletzt wegen seiner stark exportorientierten Wirtschaft den Yen abzuwerten.

    Die USA wollen schon seit jeher den Dollar abwerten, weil dann ihre Schulden weniger wert sind.

    England wertet den Pfund auch ab.

    Nur in Deutschland diskutieren wir Maßnahmen, die zur Aufwertung derjenigen Währung führen würde, die, zum Zeitpunkt der Maßnahme, gesetzliches Zahlungsmittel wäre.

    Übrigens: Wegen seiner genialen wissenschaftlichen Arbeiten zur Spieltheorie erhielt der US-Mathematiker John Forbes Nash 1994 den Wirtschaftsnobelpreis. Seine tragische Geschichte, er erkrankte mit 30 an Schizophrenie, wurde auch von Hollywood entdeckt und mittlerweile verfilmt. Russel Crowe spielt in „A Beautiful Mind“ den genialen Mathematiker.

  39. Matthäus Piksa

    Nur damit mich niemand falsch versteht:

    Ich schrieb, dass Investmentbanker von Absicherungsgeschäften faseln.

    Das sollte keine Generalkritik am Investmentbankinggeschäft sein.

    Im Gegenteil: Gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten wie jetzt, mit Währungsabwertungswettläufen, machen Absicherungsgeschäfte viel Sinn!

    Meine flapsige Bemerkung war insofern so gemeint als ich mit diesen den Unternehmern zur Verfügung stehenden Hedging-Geschäften, nicht meine PRO-Euro-Argumentation untergraben wollte. 🙂

    Denn wie bereits dargestellt, würde eine Währungsreform imho nicht nur möglicherweise zu Exporteinbrüchen führen, sondern darüber hinaus einen viel schlimmeren, weil unkontrollierbaren, Verrtauensverlust an den Finanzmärkten auslösen.

    Gruß Matthäus

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