So können wir den Menschen ganz schön Angst einjagen


New York, 4. Dezember 2012

Es gibt jetzt vermehrt Hiobsbotschaften. Griechenland steht angeblich schon wieder vor dem Euro-Austritt. Deutschland und Japan droht die Rezession. Die Demokraten und Republikaner können sich bislang in Washington nicht einigen, somit folgt der Absturz von der Klippe zum 1. Januar 2013. Womöglich. Vielleicht auch nicht. Die Verwirrung ist groß. Die Angst noch größer.
So oder so ähnlich lauten jedenfalls die Schlagzeilen. Hinzu kommen Mahnungen wie: Aktiencrash nicht ausgeschlossen (hinter dem Link verbirgt sich übrigens ein sehr gutes Interview mit Professor Max Otte).
Lassen Sie sich nicht verrückt machen. Die Stimmung ist eben negativ. Was solls? Deshalb würde ich niemals meine Aktienbestände verkaufen. Das wäre aus meiner Sicht völliger Unsinn. Denn die Angst und die möglichen Rückschläge sind in den Kursen meiner Meinung nach eingepreist. Selbst wenn die Kurse um zehn oder 20 Prozent fallen sollten, warum sollte ich verkaufen? Die Kurse werden sich auch wieder erholen. Wer gute Unternehmen besitzt, für den besteht kein Grund zur Sorge.
Wichtig ist es in solchen Situationen Mut zu haben und falls es tatsächlich zum Crash kommen sollte, beherzt am Aktienmarkt zuzukaufen (sofern Sie das nötige Kleingeld hierfür haben). Nur aufgrund dieser schlechten Stimmungslage würde ich jedenfalls nicht meine Aktien versilbern.
Studien belegen (wie diese hier), Privatanleger verhalten sich gleichgerichtet, wie in einer Herde. Ein weiteres Kernproblem von Privatanlegern ist, dass sie zu aktiv an der Börse sind, sprich zu oft ihre Depots umschichten. Erstens neigen wir dazu, immer zu einer Unzeit aktiv zu werden. Zweitens kosten Transaktionen Geld (Steuern, Transaktionskosten, Bid and Ask Spread). Bewahren Sie besser Ruhe. Die Horde ist schon ganz hektisch und nervös. Lassen Sie die Herde rennen, egal wohin es sie treibt.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „So können wir den Menschen ganz schön Angst einjagen

  1. Matthäus Piksa

    Wenn es in einem Bullenmarkt zu Verschnaufpausen kommt und die Korrektur ca. 10-15% des Indexstandes abknabbert, dann ist diese Entwicklung als Kaufsignal zu werten, wenn die Stimmung und das Sentiment sich verschlechtern. Das ist derzeit der Fall, da die Marktteilnehmer sich wieder verstärkt auf die Negativmeldungen konzentrieren, obwohl wir alle wissen, dass sowohl die Regierungen als auch die Notenbanken Gewehr bei Fuß stehen, um Crashsituationen zu vermeiden. Dieser Pessimismus zeigt letzten Endes nur, dass noch genügend potentielle Käufer vorhanden sind, die Dax/Dow/S&P&Co. nach oben hieven werden, sobald ein paar positive Meldungen von Unternehmensseite her, zum fiscal cliff oder den €-Krisenländern vermeldet werden.

    Eine positive Meldung aus dem spanischen Bankensektor gab es diese Tage bereits: Warren Buffet hat irgendein Bankenportfolio in dreistelliger Millionenhöhe aufgekauft.

  2. Peter

    Hierzu mein ultimativer Crash Tip

    Wenn es nach unten geht, hole ich „Überlegen Investieren“ von Jeremy Siegel aus dem Bücherregal. Schlage Kapitel 10 (Reinvestierte Dividenden: Schutz in der Baisse und Renditeturbo)
    auf und fange an zu lesen.
    Probiert's aus.

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus
    @ Peter
    @ Ulrich

    Diese ständige Angst vor der nächsten Krise ist im Endeffekt sehr gefährlich. Denn der Anleger neigt aufgrund der Sorgen dazu, genau das Gegenteil zu tun, was rational betrachtet Sinn machen würde.

    Im Klartext: Wenn die Angst um sich greift, wenn die Kurse fallen, sind das generell gute Nachkaufkurse. Je tiefer die Kurse fallen, desto besser.

    Eigentlich müsste man sich als smarter Schnäppchenjäger über jeden Crash freuen.

  4. Jack

    @ Peter

    Das Buch und das Kapitel ist klasse.
    So kann man ganz entspannt investieren und es ist völlig egal wie sich die Börsen entwickeln.

    Nur ein ist sicher, Langfristig steigen die Börsenkurse und die Dividenden

    Der beste Tipp für die Börse: Abwarten und Tee trinken 🙂

  5. Jack

    Für diejenigen die das Buch „Überlegen Investieren“ nicht haben:

    S. 158-173

    Mit ETF Sparplänen und einen Anlagehorizont von > 20 Jahre bis zur „Gesetzlichen Rente“ kann man entspannt in die Zukunft sehen 😉

  6. Markus

    zudem schlägt Siegel noch eine Aufweichung von der strengen Portfoliotheorie (etf`s 50 %) in Form von Aktien aus den Ur-Dow (Altria), Nichtzykliker aus Konsum und Pharma (Procter, Nestle, Pfizer) und Dividendenstrategie vor. Gibt es irgendwo seriöse Studien, ob alpha Strategien wie macd oder optimierte o`higgens auch noch nach der tollen Abgeltungssteuer, normalen low cost indexstrategien (buy & hold) für deutsche Anleger noch überlegen sind?
    In der Capital oder Focus Money sind ja oft tolle überrenditen-Strategien (in Backtest) welche oft keine Steuern und Kosten bei den jährlichen Wechseln berücksichtigen… Für die Zukunft gibt es natürlich wie immer keine Garantie 😉

  7. StefanStefan

    @ Peter:

    Das Buch habe ich auch gelesen. Meiner Meinung nach eines der besten überhaupt. Es ist wirklich beruhigend zu sehen, dass man trotz sinkender Kurse über reinvestierte Dividenden schöne Renditen erzielen kann.

    Auf Seite 201 schreibt Siegel allerdings über das Problem der ÜBeralterung. Auf dieses Thema hatte ich hier ja auch schon aufmerksam gemacht: in ein paar Jahren geht die Babyboomer-Generation in Rente. Werfen die alle massenhaft ihre Aktien auf den Markt kann es ein Drama werden! Hoffen wir, dass dieses Szenario durch weitsichtige Politik verhindert werden kann!

    Gruss

  8. Matthäus Piksa

    Für alle Börsenphasen und insb. die Nachrichten, die die unterschiedlichen Phasen mit sich bringen gilt: André Kostolany sagte mal, dass man an der Börse gute Aktien kaufen soll und sie dann Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte lang liegen lassen soll. Dies gelänge am besten, wenn man sich Schlaftabletten einschmeißt. => Buy&Hold funktioniert immer! Es gab auch schon immer lange und bleierne Seitwärtsphasen, zB 60er-80er Jahre. Fast 20 Jahre lang ging es damals volatil seitwärts. In einem logarithmischen Langfristchart sieht man das heute noch.

  9. Christian

    @ Markus
    die Geschichte zeigt, dass sobald eine „richtige“ Strategie an die breite Öffentlichkeit kommt, mit der man ganz einfach den Markt schlagen kann, wird sie ineffektiv bzw. funktioniert nicht mehr.

    Das ist auch einer der Gründe, wieso Trading/Chartmagie nicht funktionieren kann. Wenn der Markt weiß, dass sich der Kurs von 8 auf 15 bewegen müsste (nach irgendwelchen Linien) würde der Markt das sofort realisieren, und bevor der Hobby Chartmagier seine Order einstellt müsste der Kurs auf 15 springen.

    Viele Grüße, Chris

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