So finden Sie Firmen, die vor der Übernahme stehen


New York, 5. Mai 2012

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Mir liegt es nicht, mich zu beweihräuchern. Als Börsenjournalist, der immer wieder über interessante Aktien schreibt, können Sie nicht permanent einen Treffer landen. Selbst wenn ein Journalist nur über die allerbesten Aktien schreiben würde, so muss das nicht unbedingt bedeuten, dass die Kurse gleich nach einer Empfehlung abheben.
Kurse schwanken nun einmal. Es kann dauern, bis sich eine Aktie in die richtige Richtung bewegt. Jahre können ins Land gehen … Und außerdem kann man Fehler machen, Dinge falsch einschätzen. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass Nokia einmal den Anschluss verpasst? Wer hätte ahnen können, dass die Commerzbank von 35 auf 1,50 Euro abstürzt?
Wer hat in den 1980er und 90er Jahren vorhergesehen, was einmal aus Apple werden würde? Jahrelang litt das IT-Unternehmen unter horrenden Verlusten, stand fast vor dem Aus. Apple-Gründer Steve Jobs musste bei Milliardären um Geld betteln gehen, um den Fortbestand seiner Firma zu sichern. Der Texaner Ross Perot ließ sich von Jobs beknien, Perot investierte schließlich 20 Millionen Dollar. Das war die Rettung. Nun ist aus dem siechenden Unternehmen ein Weltstar geworden. Ohne den superreichen Texaner wären wohl die Lichter bei Apple ausgegangen.
Wer sich intensiv mit der Börse beschäftigt, der kann durchaus ausgebombte Kurse, sprich Aktien mit erheblichem Potential, entdecken. Das ist kein Kunststück.
Mir fiel beispielsweise die Frankfurter Immobiliengesellschaft AIRE auf. Da notierte der Konzern zum halben Buchwert, das Ergebnis war schwarz, alles schien auf dem Weg der Besserung zu sein, der Kurs kletterte kräftig. Wie kann diese krasse Unterbewertung zustande kommen, dachte ich mir. Also schrieb ich im Dezember diesen Artikel. Mitte April 2012, kurz vor Bekanntgabe der Jahresabschlusszahlen, machte ich mir erneut Gedanken zu dem merkwürdigen Bewertungsunterschied zwischen Buchwert und Marktkapitalisierung. Der Vorstand wollte meine Fragen wieder nicht beantworten. Also schrieb ich abermals über das Unternehmen. Vor wenigen Tagen legte der verbundene New Yorker AIG-Konzern ein Übernahmeangebot vor. Der AIRE-Kurs explodierte. Mich wunderte das nicht. Das war glasklar zu erkennen. Man braucht an der Börse kein Insider zu sein. Manchmal reicht es, nachzudenken.
Wie finden Sie Übernahmekandidaten? Ganz einfach: Der Kurs befindet sich im Aufwind. Die Perspektiven sind gut bis exzellent, die Aktie ist günstig, es sind Synergien möglich, der Vorstand schweigt wie ein Grab. Journalistenanfragen werden geblockt.
Im Endeffekt ist das Aufstöbern solcher Kandidaten einfach. Ein weiteres Signal: Überall, wo ein Großaktionär mit von der Partie ist, der fleißig aufstockt! Das war beim Bergbauer Graphit Kropfmühl derart offenkundig, dass ich die Aktie im November 2011 zum Kauf empfahl. Im März 2012 flatterte dann das Übernahmeangebot auf dem Tisch, der Kurs ging durch die Decke.
Als Value-Jäger suchen Sie eigentlich nicht gezielt nach potentiellen Übernahmekandidaten. Stattdessen suchen Sie nach Aktien, die ein schönes Potential haben, weil sie günstig bewertet sind und über eine exzellente Marktstellung verfügen.
Ich habe über all die Jahre als Börsenjournalist ein gutes Fingerspitzengefühl für Übernahmekandidaten entwickelt. Ich schreibe gerne über solch heiße Firmen. Drei Objekte, die im Visier eines Käufers sind, nenne ich Ihnen: Puma, Porsche, MAN. Ja klar, das weiß ohnehin jeder. Firmen aus der zweiten Reihe nenne ich im Blog jetzt besser nicht. Sonst machen mich meine Medienkunden einen Kopf kürzer. Die kleinen Mittelständler haben im Falle einer Offerte mehr Potential, weil sie von weniger Investoren beobachtet werden.


tim schaefer (Author)

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