Smartes Investieren kann ziemlich langweilig sein


New York, 8. März 2013

bild

Jedes Jahr geistert ein besonderer Börsenspruch durch die Finanzmedien. Sie kennen ihn sicherlich: „Sell in May and go away“. Im Endeffekt steht hinter dem Spruch, Aktien im Mai zu verkaufen und den Sommer mit dem Cash unter dem Kopfkissen abzuwarten, um im Herbst wieder einzusteigen. Die Amis nennen dieses Timing der Börse den „Halloween Indikator“.
Es steckt die Idee dahinter, dass im Sommer die Menschen ihre Aktien verkaufen (vielleicht weil sie in den Urlaub fahren und den Kopf frei haben wollen von der Börse). Wegen des massenhaften Verkaufs leidet natürlich die Wall Street. Wenn Sie mich fragen, halte ich die Strategie („Sell in May and go away“) für Unsinn. Wenn die Börse so einfach ticken würde, wären wir alle superreich.
Ich glaube, der Markt lässt sich nicht auf Monatsbasis timen. Es ist ein Wunschdenken. Vergessen Sie bei jeder Transaktion nicht die Nebenkosten einschließlich der eventuell fälligen Steuern.
Ich rate, langfristig in starke Unternehmen zu investieren. All das Hin und Her bringt unterm Strich meiner Meinung nach nichts.
Anfang der 1990er Jahre war ich Mitglied im Arbeitskreis Börse an der Uni Mannheim. Hätte ich nur meine Aktien durchgehalten. Wir hielten damals Aktien wie Nestle oder Procter & Gamble für ausgezeichnet. Der Langfristchart schaut bei diesen supersoliden Haushaltsnamen einfach genial aus.
Was bringt es, über einen Zeitrum von Jahrzehnten rein- und rauszuspringen aus solch starken Aktien? Ich sehe jedenfalls keinen Vorteil darin, das zu tun. Besser bleiben Sie investiert und lassen sich nicht von den Marktschwankungen, die völlig normal sind, verrückt machen.
Investieren kann eine ziemlich langweilige Angelegenheit sein. Von George Soros gibt es das Zitat: „If investing is entertaining, if you are having fun, you are probably not making any money. Good investing is boring.“ Grob übersetzt heißt das so viel wie: „Wenn Investieren unterhaltsam wäre, wenn Du Spass daran hast, verdienst Du womöglich kein Geld. Gutes Investieren ist langweilig.“
Value-Anleger Charlie Munger sagte mal: „Investing is where you find a few great companies and then sit on your ass.“ Auf Deutsch heißt das: „Investieren bedeutet, ein paar großartige Firmen zu finden und anschließend auf Deinem Hintern zu sitzen.“
Es gibt einige Konzerne, die erhöhen seit 25 Jahren ihre Dividende. Sie werden als „Dividenden Aristokraten“ bezeichnet. Auf diesem Link ist eine gute Aufstellung dieser amerikanischen Dividendenstars aus dem S&P-500-Index zu finden. Aber Vorsicht: Die höchste Dividendenrendite bedeutet aber nicht automatisch die besten Performanceaussichten zu haben.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Smartes Investieren kann ziemlich langweilig sein

  1. David

    Wie sagte schon damals Andre Kostolany: „An der Börse macht man mehr Gewinn mit dem Hintern, als mit dem Hirn!“

    Gruß

  2. Sams

    Wieso langweilig? Ich finde das Beobachten allein doch schon spannend.
    Der Jäger sitzt doch auch auf dem Hochsitz und warte lange auf den guten Schuss.
    Er ballert doch nicht wild mit dem MG auf gut Glück in den Wald!
    Anstatt nur gelangweilt vorm Depot zu sitzten und mal Action zu machen kann man seine Zeit doch auch sinnvoll nutzten. Die Einkommenssteuerklärung machen z.B.
    Weil grad daa FA den Bescheid geschickt hat kommt mir das in den Sinn. Einen schönen Gruß. mfg

  3. Reinhard

    Ich kann das nur bestätigen. Großartige Aktien kaufen und liegen lassen lohnt sich. Ich habe P&G seit ca. 20 Jahren im Depot. Seither haben sie mir über die Dividenden meine Investition mehr als zurückbezahlt. D.h. ich habe Wertpapiere in meinem Portfolio, in denen ich gar ein eigenes Geld mehr stecken habe.
    Und während der ganzen Zeit sind Dividende und Kurs kontinuierlich gestiegen. Anfänglich merkt man den Zuwachs kaum, mit Zeit wird daraus aber ein ansehnlicher Geldfluss.
    Um es mit Charlie Munger zu sagen, in großartige Unternehmen investieren und diese dann für die Ewigkeit halten.
    Man wird damit nicht über Nacht reich, aber über Altersarmut muss man sich keine Sorgen machen. Meine Dividendenrendite liegt bei P&G bezogen aus meine ursprünglichen Investition inzwischen bei ca 50 %. Und das Jahr für Jahr. Ich betrachte diese Investitionen in die amerikanischen Multis (und die sind in dieser Hinsicht unübertroffen) als meine Festgeldanlagen.

  4. Sams

    Nach dem Minitief Ende letzten Jahres habe ich, ich gebe zu mit ein klein wenig Bachschmerzen, mir erschien die Bewertung nicht billig mein Weihnachtsgeld gespart und in P%G investiert. Was macht P%G ohne große Nachrichten! Jetzt wart ich einfach ab und lass mal laufen. Unilever finde ich auch interessant und schaue mal weiter zu und sammel Liquidität derweil. mfg

  5. Martin

    @Matthäus: danke, das ist sehr gut erklärt in dem Video

    Allerdings ist das auch nur ein möglicher Investmentansatz. Entpricht auch sehr gut dem von Tim propagierten Ansatz.

  6. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Gut das ich diese Strategie auch schon seit Jahren verfolge. Du musst es umbedingt auch in Deinem Blog Tim immer wieder schreiben, wie wichtig es ist die Dividenden Cash Maschine mit US Dividenden Aristokraten aufzubauen. Am Anfang mag die Rendite bei 4% p.a. liegen, aber die Leute müssen begreifen, dass die meisten US Aristokraten in den letzten 20-50 Jahren jedes Jahr ihre Dividendenauszahlungen angehoben haben und auch viele US Unternehmen in unregelmässigen Abständen Aktiensplits durchführen und 1 Jahr später wieder die Dividendenzahlungen anheben.

    Value Investing:
    Zeit + Dividendensteigerung + Aktiensplits = CASH MASCHINE !

  7. Markus

    Ich glaube das große Problem ist dass sich die Anleger von Problemen zu einfach beeinflussen lassen und dann überhastet verkaufen. Gerade wenn die Medien wieder brüllen dass die nächste Krise kommt und der Dax gerade wieder ein paar Prozente verloren hat, geht bei vielen die Sicherung durch und es wird verkauft.

    Dabei bin ich der Meinung dass man sich bei soliden Unternehmen garnicht vom Gesamtmarkt stressen lassen darf. Klar wird es immer wieder Dellen im Aktienkurs geben, aber da muss man einfach Tief durchatmen und einen kühlen Kopf bewahren!!

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Markus

    Zum Beispiel haben uns die letzten 4 Jahre gezeigt: Die Börse belohnt diejenigen, die Geduld haben und bestraft die Nervösen/Aktiven.

    Wer die schwerste Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg einfach aussaß, hat mittlerweile einen Gewinn erzielt. Mehr noch: Wer nahe am Tiefpunkt und in der späteren Erholungsphase aufstockte, hat den Deal seines Lebens gemacht.

    Die nervösen Händen haben dagegen den schlimmsten Deal ihres Lebens gemacht.

  9. Thomas

    Na schonmal in die DTCC gesehen und festgestellt, wem die Aktien eigentlich gehören?

  10. StefanStefan

    Kann mal jemand dem Finanzielle Freiheit mit Dividenden die Rechtschreibregeln erklären?

    „Gut das ich diese Strategie auch schon seit Jahren verfolge.“

    Es nervt…

  11. Markus

    Ja, smartes Investieren kann immer mal wieder recht langweilig werden. Vor allem wenn man die Geduld verliert und denkt, mann müsste doch 15 % oder mehr Rendite erwirtschaften. Man möchte doch das fette Depot in einem jüngeren Alter, als mit 50 Jahren usw.
    Allein der Findungsprozess bis man seine Strategie gefunden hat, dauert manchmal 10 Jahre. Selbst dann ist man immer wieder den Sirenengesängen von den hohen Renditen von Finanzblättchen, Börsenbriefen und dubiosen Anlageberatern ausgesetzt.
    Deswegen ist ein ständiges wiederholen von den wohl bedachten Anlageentscheidungen nicht verkehrt.

    Sorry Stefan… aber Komma und dass und das ist leider auch nicht mein Ding trotz ner höheren Schulbildung mit guten Deutsch Noten… 😉

  12. StefanStefan

    Ich bin wahrlich kein Oberlehrertyp. Mache selbst Fehler. Mir geht es nur darum, dass das heute scheinbar gar nicht mehr unterschieden wird. Egal wo man liest. Auch im Spiegel Online Forum: fast keiner schreibt mehr „dass“ wenn es nunmal ein „dass“ ist. Auch grausam finde ich die Unsitte alles im SMS-Stil klein zu schreiben…

    Aber egal. Kümmern wir uns lieber um unsere Investments…

    Gruss und nix für Ungut,(gell Finanzielle Freiheit mit Dividenden 🙂 !?)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *