Sinnloser Konsumrausch: Mehr, mehr, mehr = weniger


New York, 31. Mai 2014

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Ich traf in den vergangenen Wochen etliche bekannte Ökonomen. Im Prinzip sagen sie alle das Gleiche, nämlich: „Leute spart fürs Alter.“ Die meisten Menschen scheinen den Ruhestand zu verdrängen. Dabei werden wir alle älter. Und die gesetzliche Rente ist nicht mehr das, was sie einmal war. Wir Konsumenten müssen unsere Einstellung ändern.
Wenn ich mir anschaue, was manch ein Haushalt für Konsumelektronik, Autos und Restaurantbesuche ausgibt, wird mir Angst und Bange. Der typische Konsument wirft das Geld zum Fenster hinaus. Wohnungs- und Hausgröße wächst dramatisch in der westlichen Welt. Mehr Fläche, mehr Luxus – das kostet alles Geld. Nebenkosten, Erhaltungsaufwand, Steuern, Miete bzw. Finanzierung.
Für Aufsehen sorgt in den USA ein Artikel über die Familie Johnson im Großraum Washington, die Probleme hat, mit ihrem 90.000-Dollar-Haushhaltseinkommen über die Runden zu kommen. Die Johnsons haben drei Kinder, alle unter 18. Sie können ihre Stromrechnungen nicht pünktlich bezahlen. Auto, Handys, Lebensmittel, Musikkurse, eine überraschende Reparatur – das Budget reicht nicht. Sie haben etliche Flachfernseher. Und vier Handys, die zusammen 300 Dollar im Monat kosten. Puh. Allein das ist eine Menge Geld. Der Familie reicht nicht mal das Geld, um ein Loch im Dach ihres Hauses reparieren zu lassen. Beim nächsten Sturm wird es vielleicht reinregnen. Die Gattin träumt derweil vom großen Lottogewinn. Bestimmt gibt sie Geld fürs Lottospielen aus. Sie handeln unverantwortlich, finde ich. Die Prioritäten stimmen bei den Johnsons nicht. Klar, kostet es viel, drei Kinder zu haben.
Machen Sie in Ihren Entscheidungen einen Unterschied zwischen „Was brauche ich wirklich?“ und „Was wäre schön zu haben?“ Verantwortliche Leute passen auf den Unterschied auf. Sie passen auf, wofür Sie Verantwortung zu tragen haben (Familie, Kinder, Altersvorsorge etc.). Unverantwortliche Menschen kümmern sich nur darum, was Sie als nächstes kaufen werden. Die Lebemenschen sind der Meinung, ein Anrecht zu haben zu konsumieren. Sie lassen sich das nicht nehmen.
Denken Sie darüber kritisch nach. Wir alle treffen jeden Tag Entscheidungen. Wir sollten uns dessen bewusst sein. Denn die täglichen Entscheidungen wirken sich auf unser Leben langfristig aus. Es fängt schon beim Mittagessen, beim Cafebesuch an. Natürlich machen wir alle Fehler. Natürlich sollten wie nicht nur sparen. Es geht um einen Mittelweg. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Zu planen, nach vorne zu schauen. Es geht darum, anderen in Not zu helfen.
Wenn wir nicht aufpassen, immer unserer Gier nach Konsum nachgeben, hat das Folgen. Kaufen Sie immer die Sachen, die Sie sich wünschen, kann Ihr Ruhestand ziemlich ärmlich enden. Überspanntes Wohnen, Autofahren, Urlauben, Speisen – das wird sich irgendwann rächen. Das sagt einem ja schon der gesunde Menschenverstand.
Das Problem heute ist, dass jeder glaubt, mit Kollegen, Freunden, Nachbarn konkurrieren zu müssen. Es geht um Statussymbole, um Anerkennung. Mit einer tollen Wohnung, Möbeln, Autos, Klamotten, Schmuck, Urlaub, Handys, Geschirrspülmaschine, Granitküche, Flachfernseher meinen wir, andere positiv zu beeindrucken. Dabei ist das ein Irrglaube. Dem Arbeitskollegen ist es, ehrlich gesagt, egal, ob Sie ein Schlafzimmer oder vier Schlafzimmer haben. All das Zeug macht uns gar nicht wirklich glücklich. Es hat keinerlei langfristige Bedeutung.
Trotzdem rennen Menschen diesem Zeug hinterher. Auf der stetigen Suche nach ultimativer Zufriedenheit. Zufriedenheit kommt nicht in unser Leben per Konsumrausch. Ich glaube, hinter dem Kaufwahn stecken eigene schlechte Gefühle, ein Unglücklichsein.
Das psychologische Problem beim Kaufrausch ist: Sie können sich niemals auf „Dinge“ freuen, wenn Sie sich immer alles gleich kaufen.
Ich glaube ohnehin, Erlebnisse machen uns glücklicher als „Dinge“. Wer im Konsumrausch lebt, dem rate ich: Kürzen Sie einfach Ihre unnötigen Ausgaben radikal zusammen. Schauen Sie, ob Sie damit zurechtkommen. Falls nötig, erhöhen Sie schrittweise mit Bedacht und Vorsicht die Ausgaben.
Ich habe kein Auto. Oft denke ich über das verschwenderische Leben in der westlichen Welt nach. Wozu braucht man einen begehbaren Kleiderschrank? In den USA ist das ein Trend.
Ich brauche das nicht. Ich gehe lieber früher in Rente. Dafür verzichte ich gerne auf zu viel Kleidung, das neuste Handy, schnellste Auto. Das nenne ich wahren Reichtum. Es ist ein Reichtum, wenn Sie über Ihre eigene Zeit frei entscheiden können. In den Ruhestand zu gehen, heißt selbstverständlich keineswegs für mich „Nichtstun“.
Sie werden nur finanziell reich, wenn Sie weniger ausgeben, als Sie einnehmen. Haben Sie einen Plan. Denken Sie nach. Legen Sie für einen Einschnitt in Ihrem Leben (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Unfall…) etwas zurück. Es kann passieren, dass die Konjunktur unter die Räder kommt. Die nächste harte Rezession ist womöglich im Anmarsch. Wer weiß.
Passen Sie auf, nicht im Hamsterrad eines typischen Konsumenten festzustecken. Der Kauf ständig neuer Sachen macht uns nicht glücklich. Das Gegenteil ist wohl eher der Fall.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Sinnloser Konsumrausch: Mehr, mehr, mehr = weniger

  1. Jens Okwieka

    Wer heute arbeitet und schon mehr als reichlich in die Rentenkasse einzahlt wird später im Rentenalter genau so eine Rente erhalten wie jeder der nichts eingezahlt hat , nur mit dem Unterschied das etliche 10.000 € mehr für die sogenannte Rente ausgegeben wurden. wer im Moment Arbeit hat sollte auch ein wenig das Leben geniessen oder halt auch ein bisschen mehr ausgeben. Ausserdem fördert das den Binnenkonsum.Wenn ich den Rest meines übriggebliebenen nettos noch spare warum sollte ich dann arbeiten da ich wahrscheinlich eh bei meiner Arbeit (Stress u.ä.) das Rentenalter nicht erreichen werde und meine eingezahlten Beiträge schon weg sind im Ar… von überbezahlten und unterqualifizierten Politikern

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Jens
    Es kommt auf einen gesunden Mittelweg an.

    Ich denke nach: „Brauche ich das wirklich?“ oder „Ist es schön zu haben?“ Auf dieser Basis entscheide ich.

    Was packen sich die Leute die Schränke voll mit Kleiderbergen. Ziemlich unnötig. Macht der Kleiderberg uns glücklicher? Nein. All das Geld gespart könnte Dir den Ruhestand angenehmer machen. Du könntest eventuell Deinen Kindern helfen, spenden, etwas Gutes tun.

    Was himmeln die Leute Warren Buffett an. Ich wette mit Dir, wenn seine Fans seinen Reichtum hätten, hätten sie einen unglaublichen Luxus: Yacht, Villen, Rolls-Royce, private Inseln… die würden keine alten Autos fahren, keine Burger von McDonalds essen (Buffett liebt das Zeug), nicht im selben Haus Jahrzehnte lang leben.

  3. Couponschneider

    @Jens

    Das ist ja der Standardvorwurf an die Sparsamen, dass sie das Leben nicht genössen. Ich lasse das nicht gelten. Ich gehöre zu den Sparsamen, meine Sparquote ist beachtlich. Dennoch habe ich es am Freitag krachen lassen. Neue Kleidung brauchte ich. Und ich habe nicht zum Billigsten gegriffen. Insbesondere bei den Socken bin ich schon seit Längerem qualitätsbewusst, aber zehn Euro für ein Paar Falke-Socken… heftig, aber ich denke sogar, dass sich das auszahlen wird, wegen der längeren Haltbarkeit und angenehmer tragen sich die Socken auch. Die Hose war auch viel teurer als sonst, aber sie trägt sich phänomenal. Zum Genießen gehört auch gutes Essen. Natürlich war ich dann auch noch im Feinkostladen und habe mir guten und teuren Käse einpacken lassen. Mein Kaffee darf ruhig auch etwas teurer sein, genauso wie der Tee.

    ABer zu dem Thema habe ich mich vor vier Wochen mal ausgelassen: http://couponschneider.blogspot.de/2014/05/ein-gutes-leben-fuhren.html

    Mich erinnern die Johnsons an meinen speziellen Kollegen, der herumjammert, er hätte kein Geld, der ganz abstrakt über Institution Geld herumjammert, der aber nicht versteht, dass nicht das Geld schuld ist an seinem Dilemma, sondern er selber. Denn wer als Student ein 19000 € teures Auto least, als Student schon ein iPhone mit sich herumträgt, Bafög bezieht, einen privaten Studienkredit in Anspruch nimmt, und nach 1,5 Jahren im Beruf mit gerade mal 10000 € auf der hohen Kante das Geld für ein Motorrad ausgibt, anstatt die Schulden zu tilgen, ist schlicht und ergreifend ein Konsumidiot, wie ihn Gerald Hörhan beschrieben hat. Vielleicht sind die Johnsons ferne Verwandte von ihm, wer weiß das denn schon? 🙂

    Ich habe innerhalb der letzten fünf Jahre ein Aktiendepot von über 100000 € aufbauen können. Die Zeit war geprägt von zwei Umzügen, zeitweise doppelter Haushaltsführung, teureren Anschaffungen für die Wohnung (Studentenbude ist nicht mehr), einem Monat Arbeitslosigkeit, eine finanzierte Beerdigung. Mein Einstieg in das Berufsleben war suboptimal und dennoch habe ich 100000 € geschafft. Und es geht weiter, denn langsam fängt es an, richtig Spaß zu machen, wenn ich Dividendenzahlungen unter 100 € schon als mickrig betrachte.

  4. Sams1974

    @couponschneider

    Herzlichen Glückwunsch. Wieder mal der Beweis, besser Jung und Schlau als Alt und Weise.

    Ich frage mich aber warum soviele Aufwendungen für die Altersversorge geistig und emotional von sich trennen.
    Konsumverzicht etc.
    Betrachte ich ein Unternehmen und es bildet Pensionsrücklagen trenne ich es doch auch nicht und sage das hat mit dem Unternehmen nicht´s zu tun!
    Ich sage doch nicht das Unternehmen liegt damit falsch.
    Ich sage doch eher hmm das operative Geschäft muss auch diese Kosten erwirtschaften. Wenn die Pensionsverplichtungen klar ersichtlich auflaufen bleibt nur ein richtiger Schluss, ich muss auch diese Kosten miteinkalkulieren.
    Aktiva, Passiva. Mir schon klar das eine Privatperson was anderes ist als ein Unternehmen aber ein wenig sich selber als Wirtschaftssubjekt begreifen kann einem die Augen öffnen.
    Ich sehe mich als ganzes.
    Was hilft die ganze denkerei über 30 Jahre vergessen nicht viele ein paar einfache Regeln?
    Langfristige Strategie, gut und schön.
    Aber was ist mit Periodengerecht?
    Überprüft man die Umsetzung der Strategie? Jahr für Jahr.
    Ich finde es blauäugig zu sagen die Rente ist nicht sicher. Heute alles raus weil man eh keine Chance hat.
    Auf welchen Level müssen die Ärmsten unter uns rummachen. 400-500 Euro.
    Das sollte doch das Ziel sein eben diese 400 Euro aus dem „Finanzergebnis“ jenseits der „normalen“ Geschäftstätigkeit zu bekommen. Oder hat jemand mit den Anteilen von Sabmiller bei Altria oder mit den 20% Rosneftanteilen bei BP ein Problem?
    Verweigern diese Unternehmen „Konsum“? Soll BP auf biegen und brechen unrentables Machen nur weil die Kasse gerade voll ist?

    PS Danke für die Freundschaftswerbung auf Lynx, ist diese Woche raus. Kleinvieh macht auch Mist^^

  5. Kayo

    Glückwunsch an Couponschneider, tolle Leistung. Du musst aber auch `nen ganz guten Job haben, sonst ginge das doch gar nicht.
    Das ist sicher nicht für jeden möglich, denn die meisten Menschen verdienen nicht sehr gut.
    Trotzdem ist die Masse wohl aber auch zu blöde dazu. Wenn ich nur an meine Schüler denke (bin Sportlehrer): Der „Beste“ besitzt ein Smartphone im Wert von 800,- € und ist natürlich sehr stolz darauf. Wenn ich denen mal mit sparen oder in Aktien anlegen komme … naja.

  6. Markus

    @Jens

    Die Menschen, die etwas wirklich wollen finden Wege.
    Die Menschen, die etwas nicht wollen finden Gründe.

    Das „Ganze“ summiert sich komischerweise noch über Jahre & Jahrzehnte. 😉

    Aber dann kann man ja über die Bonzen maulen und nicht an sich selbst arbeiten…

  7. Tino

    Ein paar nüchterne Zahlenspiele, der geschätzte/gewünschte Bedarf im Alter um zu wissen was geht und was überhaupt nicht geht. Rentenzahlung ist abschätzbar, wenn ich meine Berufung gefunden habe und voraussichtlich auch die nächsten 10, 20 Jahre ausleben kann. Einen Risikoaufschlag für unvorhersehbare Ereignisse, Inflation, mit Haushaltsbuch seh ich meine Historie, kann Schätzungen für die nächsten Jahre geben, es als Kontrollinstrument für unnötige Ausgaben verwenden. Es ist ein großer Anteil gesunder Menschenverstand nötig um das zu verstehen, keine komplizierte Arithmetik, auch keine Wahrsagerei, Schwarzmalerei, einfach nur etwas wie ein seriöser Versicherer denken, das Restrisiko des Scheiterns des Plans ignorieren, ohne den Wille geht's nicht. Gerade die, die meinen schon mit 30 tot zu sein, und deshalb ein vermeintliches Alibi für den Konsumrausch haben, leben dann doch noch 50 Jahre oder mehr länger..was dann, es gibt keine Rückspultaste? Ich kenne diese Spontankäufe aus Neid z. B. gut bei meinen Mitmenschen. Da wird plötzlich eine Spiegelreflexkamera gekauft, weil ich mir für die Familie eine Bridge besorgt hatte, obwohl keinerlei Ambitionen oder Kenntnisse im Bereich vorhanden sind. Ein 2. TV, wieder neues Auto usw..Wahnsinn!

  8. Christoph

    Ich finde die Familie mit dem 90.000 $-Einkommen echt krass. Es ist gut dargelegt, dass die Lebenshaltungskosten in Washington D.C. durchaus höher liegen als im Umland (ist hier in Deutschland ja nicht anders, siebe bspw. München), aber als ich dann im letzten Teil des Artikels las wo die Mutter äußerte dass man mit „60.000 $ mehr im Jahr“ (!!) etwas Raum zum Atmen hätte fiel mir ja nichts mehr ein. Ohne mit der Wimper zu zucken davon zu sprechen dass man 2/3 mehr braucht um überhaupt über die Runde zu kommen finde ich doch sehr blauäugig. Es ist ja durchaus verständlich dass ein fünfköpfige Familie eine gewisse Summe zum Leben braucht, aber wenn sich die Gedanken täglich darum drehen, welche Rechnungen als nächstes bezahlt und welchen man noch schieben kann würde ich eine Schlußstrich ziehen und erst einmal alles umkrempeln. In den Kommentaren zu dem Artikel wurde bereits angesprochen, dass sich z.B. die Telefonkosten von 300 $/Monat leicht um die Hälfte senken lassen. Wenn der Vater davon spricht, dass er ja seine Altersvorsorge in Anspruch nehmen könne um seiner Tochter den Collegebesuch zu ermöglichen stellen sich mir alle Nackenhaare auf. Irgendwo muss doch der Punkt erreicht sein wo man dann auch mal sagen muss, dass man sich das nicht leisten kann. Es mag zwar hart sein seinem Kind sagen zu müssen dass es die weiterführende Schule nicht besuchen kann. Aber irgendwo muss ja mal ein Anfang gemacht werden um aus diesem Loch rauszukommen. Allerdings scheinen die Eltern bei der ganzen Jongliererei mit den alltäglichen Rechnungen den Blick für die Zukunft verloren zu haben. Es ist ja nicht nur eine Tochter, was ist wenn die beiden anderen Mädchen auch auf´s College möchten ? Fragen über Fragen, aber keine Antworten.

    @ Tim:
    Wie immer Spitzenartikel. 🙂

  9. Tom

    hallo,

    wenn man selber nicht am eigenem leib erfahren hat, wie es ist Hunger und Durst zu leiden, ohne Geld zu sein – tja, da wird es schwierig den Menschen zu überzeugen er könne unter seinen Verhältnissen leben (und zwar gut).

    ich zeige meinen Kinder wie Personen den Abfall durchwühlen und hoffen dort noch was vernünftiges zu finden. interessanterweise finden diese Leute einiges an Zeug, was weggeworfen wird.. die Ansprüche in der westlichen Welt sind gestiegen und nur neues Zeug ist gut genug……Irre, oder?!
    …und das obwohl wir ein paar Generationen zuvor „selber“ (eltern, grosseltern..) sehr arm waren..
    meine Kinder sollen sehen, wie andere Leben..sie sollen darüber nachdenken..
    ..sie sollen selber erfahrungen machen..so ist der Lerneffekt am besten..

    heute sind die menschen so programmiert vom system, dass Sie selber glauben, dass Fernseher und Smartphone de facto Standard für das Leben ist.. und minimum zwei pro haushalt.. und natürlich zwei autos.. und tablets und laptops.. usw..
    …wer sich nicht finanziell aufklären lassen will, muss sich nicht wundern wenn er durch das system versklavt wird..

  10. Tino

    @Tom, ja, ich versuche auch meinen Kindern zu vermitteln, dass Wohlstand keine Selbstverständlichkeit ist und das dieser auch schnell vergeht, wenn durch Maßlosigkeit Vermögen vernichtet wird. Das geht bei Kindern auch schon mit den teuren Bonbons an der Kasse im Supermarkt los oder dem neuesten Spielzeug was gerade in der Werbung flimmert, was mit deutlichem Aufschlag verkauft wird.

    Bin selbst technikaffin und schaue mir die neuesten Entwicklungen auf dem Markt an, aber greife fast nie zum neuesten Produkt, wirklich nur wenn aus meiner Sicht der Mehrnutzen und der Preis stimmen, was für mich sehr selten der Fall ist. Und einmal gekauft wird das sorgfältig ausgewählte Produkt (Technik) dann auch 5 oder auch 10 Jahre gehalten, bis es z. B. kaputt ist oder einfach der gestiegenen technischen Anforderungen nicht mehr sinnvoll nutzbar ist. Kenne aber auch einige die immer dem kleinen Vorteil zu einem Premiumpreis nachjagen und so tausende und abertausende EUR jährlich verschwenden. Das tolle Produkt ist nach einem Jahr dann plötzlich nicht mehr so toll, man hat ja schon wieder was Neues, Besseres gesehen oder noch schlimmer ohne Recherche spontan gekauft und das Produkt entpuppt sich als Fehlinvestition, nicht mal unbedingt weil es mangelhaft ist, sondern einfach weil man feststellt, es ist gar nicht einsetzbar beim eigenen Benutzerverhalten, reiner Prestige-Kauf. In solchen Situationen sehe ich immer nur Opfer der eigenen Gier, des maßlosen Konsumrausches, des Neides. Und dann wird vor dem Neukauf nicht mal durchgerechnet ob sich der Kauf letztes Jahr überhaupt schon amortisiert hat, bzw. ob man bereit ist für diese Produktklasse jährlich xxxx EUR auszugeben. Es ist ja Vergangenheit, das Geld weg, wozu sich noch Gedanken machen..

  11. Mr. Cashflow

    Ein guter trick, bei Neuanschaffungen ist es auch, die Kosten des Produktes durch den eigenen Stundenlohn zu dividieren. Dann weiß man, wie viel Zeit man Arbeiten gehen muss, um sich das Produkt leisten zu können. Oft überdenkt man dann die eine oder andere Entscheidung nochmal, bzw. es wird einem schnell klar, wie teuer das Produkt „wirklich“ ist. Gemessen in Lebenszeit.

  12. Tom

    @Tino: es lohnt sich langfristig die Kinder richtig zu erziehen und sie finanziell aufzuklären..
    Meine sind froh wenn wir zusammen was unternehmen..(spaziergang im wald, sport, usw…kostet fast nix 😉

    für neue gadgets nutze ich Platformen wie ebay… mit geduld gibts gebrauchte aber qualitativ wertige produkte für einen bruchteil vom neupreis..
    teilweise kann ich die sachen fürs gleiche geld verkaufen (manchmal sogar etwas mehr)..
    viele haben das gefühl das risiko das was gebrauchtes kaputt geht ist grösser und kaufen lieber neues mit garantieerweiterung… ich mache das gegenteil und fahre finanziell besser.. 😉

  13. Couponschneider

    @Mr. Cashflow
    Ich weiß auch einen Trick: Man beim Kaufen von Konsumgütern verhält man sich durchschnittlich, bei der Nutzung aber sorgfältiger. Wenn die Leute im Mittel alle fünf Jahres ein neues Auto kaufen, dann fährt man seines sechs Jahre, selbst wenn es man sich nach fünf Jahren ein neues hätte leisten können. Wann kaufen die Leute ein neues Handy? Alle drei Jahre? Das heißt, man selbst muss versuchen, vier Jahre mit einem Gerät auszukommen.

    Und wenn man den Nutzungsdauerdurchschnitt um 20 % übertrifft, wird man langsam vermögend. Und wenn man auch noch schlau ist, stellt man das ein Gerät am Ende bei eBay rein. Und selbst wenn nur noch 20 € für einen alten Monitor gibt. Das ist besser als nix! Ich praktiziere das seit langem. Vor vier Jahren kaufte ich einen Monitor. Der alte wurde unverzüglich bei eBay reingestellt und ich bekam noch einen anständigen Preis. Den alten hatte ich fünf Jahre in Gebrauch, wahrscheinlich auch überdurchschnittlich lange Nutzung. Ich hätte das Gerät immer noch, wenn ich nicht für meinen Beruf einen besonders großen Monitor bräuchte.

    Oder als DVB-T bei uns kam. Ich habe mir einen DVB-T-Stick besorgt und die alte analoge TV-Karte (bis dahin acht Jahre alt) wurde obsolet. Ich bekam nur drei bis vier Euro für die TV-Karte, aber ich habe mich gefreut.

    Und manchmal ist verkaufen schwierig, aber man kann immer noch verschenken. Ich habe mal ein Sofa verschenkt. Ein Abstransport durch eine Müllfirma hätte extra gekostet, einen Umzug wollte ich nicht stämmen, weil zu hohe Kosten, die den Wert der Möbel weit überstiegen. Schenken kostet nichts und man hilft anderen wiederum beim Sparen.

  14. Frank

    Ich halte es wie Buffet. Für mich zählt nicht der Preis jetzt, sondern was wäre die ausgegebene Summe bei einer 8 % igen Verzinsung in 20 Jahren wert.
    Da verkneift man sich vieles.

  15. Tino

    der Wert liegt immer im Auge des Betrachters. Geld ist wichtig, aber es gibt auch noch andere Werte. Die Zinsrechnung auf den heutigen EUR hab ich auch im Hinterkopf, aber sie ist nicht immer das Maß für meine Entscheidung. Es hängt einfach vom Bedarf ab, aber sinnlose Spontankäufe kann man damit verringern, stimme ich zu. @Tom den Wiederverkauf zu einem höheren Wert als dem Einkaufspreis hatte ich auch schon ab und zu, das ist natürlich im Sinne von Buffett und bei alten Dingen die mir keinen Nutzen mehr bringen, aber vielleicht anderen, halte ich es genauso, verkaufen, verschenken. Geld reinvestieren.

  16. StefanStefan

    @ Couponschneider:

    wenn das Handy denn so lange hält…die sind ja auf zwei Jahre ausgelegt. Der durchschnittliche Handynutzer kauft wohl eher alle zwei Jahre neu als alle drei Jahre. Ich hab meins gerade reparieren lassen. Powerbutton und Akku waren hinüber. Denke das hält jetzt wieder ne ganze weile.

    Ein Auto nur sechs Jahre nutzen? Haha, meins ist 18 Jahre alt…

    Das mit dem Verkaufen bei Ebay mach ich auch. Allerdings scheitert es bei so großen Sachen wie Monitoren an der aufwändigen Verpackerei und Verschickerei.

    Ich hab zum Beispiel seit Ewigkeiten eine Rolle fürs Rennrad rumliegen die ich nicht nutze. Würde bei Ebay sicher um die 60-80 EUR bringen. Hab aber keinen so riesigen Karton um es zu verschicken. Dann weiss man nicht wieviel es kostet im Vorhinein. Ist schon nervig…

  17. Tino

    Fahrrad ist bei mir z. B. eine der besten Investitionen gewesen. Die Abnutzungs-/Reparaturkosten sind im Vergleich zu einem Mittelklasse-Pkw winzig bzw. vernachlässigbar. Mal Kette ölen, Pedale wechseln, Bremsbacken austauschen oder nach Jahren Zahnkranz wechseln oder einen Schlauch, das wars. Dazu noch ein günstiges Monats-Abo bei der Bahn und man spart hunderte über die Jahre tausende Euro, bleibt gesünder, hat mehr Zeit auf der Fahrt für andere Dinge. Wenn ich dagegen das Familienauto sehe, was da für Diesel, Wartung, Versicherung und Abnutzung/Reparatur (hab mal gelesen das Fahrschulen den 2-3fachen Spritpreis für die Abnutzung ansetzen, wenn man das pro km betrachtet, oioi) draufgeht schon fast ein Fass ohne Boden. Deswegen vermeide ich auch Fahrten wo es geht. Ich nutze auch nur ein Auto, da für Familie notwendig, aber die fixen und variablen Kosten sind wirklich sehr hoch.

  18. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Als einzige Form der extremen „Sparsamkeit“ kann ich mir das „Couponing“ vorstellen. Aber obwohl das deutsche Rabattgesetz ja offiziell nicht mehr existiert, so gibt es noch immer nicht diese Rabattschlacht mittels Coupons wie in Amerika. Mit wenig Mühe fast umsonst einkaufen, das wäre nach meinem Geschmack. 😉

    MS

  19. tim schaefertim schaefer

    @ Couponschneider

    Stimmt. Zu viel Geiz ist nicht gut. Es kann alles übertrieben werden. Es geht um die Balance. Als ich kürzlich beruflich verreist war, sah ich im Hotel per Zufall eine Doku auf dem Kanal TLC über Geizhälse und war geschockt. Es gibt Leute, die übertreiben beim Sparen:

    Erst kommen die Kinder ins Planschbecken, anschließend wird das Geschirr dort im Garten abgespült. Irre! Papiertaschentücher werden mehrmals benutzt. Sie suchen im Müll vorm Supermarkt nach Lebensmitteln usw.

    http://www.tlc.com/tv-shows/extreme-cheapskates

    Wo ich zum Beispiel nicht spare: Gutes, gesundes, frisches Essen muss sein. Und Geschenke. Ich finde, da sollte niemand sparen.

  20. Frank / Berlin

    es gibt auch Geschichten über Verwendung von Ohrenschmalz, dann wirds richtig eklig.
    wie Hans Geiz sollte man nicht leben.

  21. Couponschneider

    „Couponing“ spart nur, wenn ich Rabatt auf Dinge bekomme, die ich ohnehin benötige. Der Coupon sollte nicht Anlass sein, überhaupt zu kaufen. Wenn ich sehe, dass da gleich zehn Stifte gekauft werden, weil es Rabatt gibt… Auch wenn es Rabatt gibt, gibt man ja immer noch Geld aus.

    In Deutschland ist das weniger verbreitet, aber ich sehe eine andere Unsitte: Das Umsehen nach Sonderangeboten. Ich kenne Leute, die legen die Zeitung beiseite und lesen erstmal die Sonderangebot von Aldi, Lidl, Kaufland und Co. Und wenn da der Schweinebraten um 20 % herabgesetzt ist, dann wird Schweinebraten gekauft. Blöd nur, wenn man dann hinterher die Hälfte wieder wegwirft, weil man keinen Appetit darauf hatte.

    Und dann die Zeit, die darauf bedacht wird, die Sonderangebote zu finden. Man könnte so viel sinnvolles anstellen.

    Ich lebe sparsam, aber ich gebe auch gerne Geld aus, wenn ich eine Sache benötige und ich von der Qualität überzeugt bin. Wenn ich für 10 € das Paar Falke-Socken kaufe, dann weiß ich, dass ich beste Qualität bekomme und dass ein deutsches mittelständisches Unternehmen davon profitiert.

    Ich möchte nicht meine Zeit damit verschwenden, Ersatzsocken zu kaufen oder nach Sonderangeboten Ausschau zu halten. Ich konzentriere mich darauf, dass ich meinem eigentlichen Beruf besser werde und dass ich mein Geld in gute Firmen investiere.

  22. Patrick

    Hallo,
    ich bin schon länger hier am lesen. Nun ist der Punkt angelangt, an dem ich auch gerne mal was kommentieren möchte. Ich bin auch ein ziemlich sparsamer Mensch. Nur ist es so: wenn der Gedanke Schule macht und sich jeder bei jeder Konsumausgabe zu viele Gedanken machen würde, ob dieser Konsumwert nun sinnvoll ist oder nicht, dann hätten doch einige Unternehmen Probleme, von denen hier bestimmt einige auch Aktien haben. Ich denke da an bekannte Unternehmen aus der Lebensmittelbranche. Genauso die Tabakindustrie bzw. Coca-Cola und andere Getränkehersteller. Genausowenig benötigt man einen Mercedes, wenn es der Skoda(VW) auch tut. Wer braucht Prada, Gucci etc.?
    Das heißt als Aktionär profitiert man doch genau von diesem sinnlosen Konsumrausch.

    Gruß
    Patrick

  23. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Couponschneider
    So wie es schreibst stimmt das natürlich. aber bei dem Extreme Couponing kann man in Amerika nicht nur etwas Rabatt erhalten, sondern die Coupons gebündelt wie Geld benutzen. Man kann also einen geschickt zusammen gestellten Warenkorb für lau bekommen.
    Es kam ein TV-Beitrag (Anfang lässt sich leider nicht überspringen), wo das gezeigt wird. Nur etwas zu kaufen weil es billiger ist, man es aber nicht brauchen würde, das ist Blödsinn. Aber Waren für den täglichen Bedarf bunkern (kann man auch billig weiter verticken wenn man es nicht selber alles verbraucht), die man ansonsten teuer kaufen würde, das ist clever.

    @Patrick

    So ist es. Unser gesamtes System steht und fällt mit Konsum, Wachstum, mehr Konsum…

    MS

  24. Markus

    @Couponschneider

    Falke-Socken finde ich auch klasse.
    Allerdings gehen da auch schon die ersten kaputt…. Trotz 10 €…

  25. Couponschneider

    Aber Extreme Couponing ist auch harte Arbeit.

    1. Es wird viel Arbeit darauf verwendet, Coupons zu finden.

    2. Der Jugendliche im Video sagt, dass die Familie mehrere Zeitungen abonniert habe. Was mögen die kosten?

    3. Sicherlich häufen sich beim Extreme Couponing die Fahrten zum Supermarkt. Das kostet an Benzin und an Zeit, der Verschleiß des Fahrzeuges erhöht sich. Durch viele Coupons verbringt man bei einem einzelnen Einkauf.

    Wer keine Ambitionen mehr hat, kann ja gerne das Extreme Couponing betreiben. Ich nutze die Zeit lieber, um mich in meinem eigenen zu bilden und um das nächste Investment zu finden.

    Eine Frage ist aber auch, ob man denn auch gute Qualität bekommt. Die eine Frau mit den Schulsachen hat da auch so komische Bleistifte in der Tüte. Wenn das diese amerikanischen Billigbleistifte sind, sind sie nur als Brennholz wert. Ich hatte selbst mit diesen zu tun gehabt. Da bricht immer die Miene.

    Bei niedrigen Grundstückspreisen, kann man sich problemlos ein Lager einrichten. Tim Schäfer oder ein x-beliebiger anderer New Yorker wird in seiner teuren Wohnung bestimmt nicht 50 Rollen Haushaltspapier und 200 Getränkedosen stapeln.

    Im Video wird dazu leider nichts gesagt. Aber natürlich kann sich auf dem Rücken des Extreme-Couponings eine neue Form des Arbitrage-Geschäftes entwickeln. In New York werden weggeschmissene Zeitungen gesammelt, Coupons werden ausgeschnitten und bündelweise in die Provinz verschickt. 🙂 Das geht natürlich nur, wenn die Coupons bundesweit gültig sind.

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