Sind Analystenstudien immer fair? Die Hoffnung stirbt zuletzt…


New York, 17. Februar 2012

Wer glaubt, Analysten sind unabhĂ€ngig und völlig frei in ihren Entscheidungen, der irrt. Das Gegenteil ist der Fall. Analysten sind eingebunden in den Bankenbetrieb, der natĂŒrlich Geld verdienen möchte. Was ist falsch daran? Gar nichts. Nur sollten Sie als Endkunde das im Hinterkopf haben. Leider ist dies nicht immer allen Parteien klar.
Einer, der in den USA den Interessenkonflikt zwischen dem Research und dem Investmentbanking aufgedeckt hat, war Eliot Spitzer. Als Spitzer Anfang 2000 Generalstaatsanwalt in New York war, da knöpfte er sich reihenweise die Großbanken vor und verhĂ€ngte saftige Strafen gegen sie, weil sie gegen Gesetze verstoßen hatten. Spitzer war ein KĂ€mpfer, der nicht klein beigab. Spitzer konnte belegen, dass Investmentbanker massiv Einfluss auf die hauseigenen Analysten nahmen.
Was folgte nach dem Skandal? Mehr und mehr wurde das Research aus den Banken ausgelagert, es wurde strikter getrennt. „UnabhĂ€ngige AnalysehĂ€user“ ĂŒbernahmen die Arbeit. Aber auch bei diesen muss die Arbeit nicht immer fair ablaufen. Es hat eben derjenige, der fĂŒr einen Service ein Entgelt bezahlt, einen gewissen Einfluss auf die „unabhĂ€ngige“ Arbeit. Das war schon immer so und das wird immer so bleiben. Denken Sie nur an die Ratingagenturen, die von Unternehmen bezahlt werden, um eine BonitĂ€tseinstufung zu erhalten.
Als ich Ende vorigen Jahres einige Bankveranstaltungen in New York besuchte, erfuhr ich den Fall zweier Analysten, die unter Druck gerieten, nachdem sie börsennotierte Unternehmen zum „Verkauf“ gestellt hatten. Zum einen wehrten sich die von ihnen gecoverten Firmen gegen das kritische Votum der Banker. Zum anderen mussten sie sich nach einiger Zeit einen neuen Arbeitgeber suchen, weil ihre Bank ihnen die UnterstĂŒtzung offenbar versagte.
Abgesehen von den Großbanken gibt es ebenso bei den kleinen, unabhĂ€ngigen Research-Agenturen Probleme. Die werden meist von börsennotierten Firmen fĂŒr neue Researchberichte bezahlt. Da fließen fĂŒr jeden neuen Report ein paar Tausender. Wie kann diese Arbeit neutral erfolgen, wenn ein direktes AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis zwischen der Aktiengesellschaft und dem Analystenhaus besteht?
Ich dachte, dass die Reformen unter Eliot Spitzer im Endeffekt besser auf die Branche gewirkt haben. Ich war geschockt, als ich die Geschichten der beiden New Yorker Analysten hörte. Wir mĂŒssen als Verbraucher, als Kunden, als Journalisten und als Banker fĂŒr einen fairen Umgang miteinander sorgen. Wir brauchen eine ehrliche und transparente Meinungsbildung.
Langfristig gewinnt Ehrlichkeit! Es ist im eigenen Interessen der Banken, ein ethisch einwandfreies Research zu betreiben. Sowohl auf gute, als auch schlechte Investments sollten Analysten hinweisen dĂŒrfen. Ich hoffe, dass wir in Frankfurt, ZĂŒrich, Wien und London nicht die gleichen MissstĂ€nde wie an der Wall Street haben.
Was wĂŒrde ich einem Analysten raten, wenn Druck erzeugt wird? Ich wĂŒrde das mit meinem Vorgesetzten abstimmen und darauf bestehen, dass ich als Analyst meine eigene Meinung aufgrund der Faktenlage bilden kann. Es gibt außerdem den Berufsverband DVFA, der sicherlich Hilfestellung gibt.

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