Sie sparen, nehmen keine Kredite mehr auf, streichen den Urlaub


New York, 1. April 2009

bild

Trotz des Dauerregens setzte die Börse am Mittwoch ihren Erholungskurs fort. Um 152 Punkte oder zwei Prozent kletterte der Dow Jones zum Handelsschluss auf 7.761 Zähler. Es ist psychologisch unheimlich wichtig, wenn die ruckartigen Bewegungen nach unten ein Ende nehmen. Amerikaner haben ihre Altersvorsorge zu einem beträchtlichen Teil an der Börse gebunkert. Je tiefer die Kurse rutschen, desto nervöser werden sie. Aber selbst die Superreichen schnallen den Gürtel enger, wenn ständig der Madoff-Betrugsfall oder der Dow-Crash durch die Medien geistert.
Sobald sich die Börse beruhigt hat und Boden gut macht, geben die Konsumenten auch wieder mehr Geld aus. Sie gewinnen schließlich an einem Kursanstieg kräftig mit.
Woran sparen die Amerikaner in den vergangenen Monaten am meisten? An neuer Kleidung und Restaurantbesuchen. Ebenfalls treten sie bei Urlauben und Ausflügen kürzer. Auf der Streichliste stehen außerdem Öko-Nahrungsmittel, Luxushandtaschen, Maniküren und Pediküren. Auch sparen etliche ihre Putzfrau ein. Die Spendenbereitschaft hat zudem nachgelassen. Das alles zeigen Befragungen und Untersuchungen der Marktforscher.
Mit den Einsparungen verfolgen die Verbraucher folgende Ziele: Sie wollen ihre Schulden abbauen und ihre Ersparnisse erhöhen. Dabei ist zu beobachten, dass die sonst so häufig genutzte Kreditkarte von vielen verstärkt gemieden wird. Statt mit dem Plastikgeld zu zahlen, nehmen die Amerikaner wieder Cash in die Hand. Die Karten verleiten ohnehin dazu, mehr Geld auszugeben. Die Kreditraten auf den Karten sind extrem teuer in den USA. Bei uns in Deutschland würde man bei manch einem Anbieter gar von Wucher sprechen können. Kürzlich berichtete ein Einzelhändler, dass bei ihm die Ein-Dollar-Noten sehr schnell ausgegangen waren. Überraschenderweise hatten die Kunden mehrheitlich mit Cash bezahlt. Dann ging dem Krämer das Wechselgeld aus.
Keinesfalls auf der Streichliste stehen allerdings drei Dinge: Internet, Kabelfernsehen und Handy. Darauf möchte keiner verzichten. Daher haben sich Telekomkonzerne wie beispielsweise Verizon in dieser Krise besser gehalten als der Gesamtmarkt. Am Internet festzuhalten, macht ja Sinn, lassen sich doch hier Schnäppchen ausfindig machen. Auf den Haarschnitt und das Fast Food will auch niemand verzichten. Das muss einfach sein. Die Aktien von McDonalds oder Burger King laufen nicht ohne Grund exzellent.
Rabattmarkensammeln ist wieder in Mode gekommen. Die Verbraucher lassen häufiger ihr Auto in der Garage stehen und fahren öfter mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder einfach seltener. Trotz des gesunkenen Ölpreises sind die Amerikaner immer noch von dem jüngsten Ölpreisrekord geschockt. Alles in allem geht es den Menschen um das Lebensnotwendige. Lebensmittelkäufe sind daher das A und O. Wurde noch vor gut einem Jahr jede zweite Mahlzeit außerhalb der eigenen vier Wände eingenommen, hat sich das Verhältnis zum heimischen Herd verschoben. Und das wird die nächsten Jahre so bleiben. Daheim heben die Hausfrauen wieder Essensreste auf. Die Wegwerfgesellschaft wird schwäbisch. Sparen ist in. Punkt. Schluss.


tim schaefer (Author)

drucken


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *