Shark Tank: Mr. Wonderful im Haifischbecken


New York, 6. Juni 2014

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Entschuldigen Sie bitte. Ich habe lange nichts von mir hören lassen. Ich war unterwegs. Habe etliche Interviews geführt. Einen Hedgefondsmanager besuchte ich am Central Park. Wir haben endlos lange über Aktien gesprochen. Als Journalist ist das natürlich toll. So einen privaten Einblick zu bekommen. Natürlich ist auch ein Profi-Anleger nicht perfekt. Wir machen alle Fehler. Aber die Erfahrung und Kontakte sind natürlich viel wert.
Je mehr ich mich in die Materie einarbeite, desto mehr finde ich heraus, worauf es eigentlich ankommt. Natürlich steht im Zentrum des Ganzen der freie Cashflow. Nicht der Gewinn. Nicht der Umsatz. Nicht die Kundenzahl. Nicht die Zahl der Facebook-Freunde. Nein. Nein. Nein. Aber der Cashflow muss ja irgendwie zurück an den Aktionär fließen. Das passiert meist über Dividenden. Oder über den Kursanstieg (indirekt). Also passen Sie gut auf die Flockenrechnung (Kapitalflussrechnung) auf.
Übrigens hat mein Kollege Florian Westermann den Erfolg Warren Buffetts gut auf den Punkt gebracht. Sein Artikel ist spitze.
Fasziniert bin ich von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Ich halte ihn für ein Genie. Wie Mark Zuckerberg. Wie Bill Gates. Steve Jobs. Elon Musk.
Amazon könnte vermutlich schon heute Geld wie Heu verdienen. Das möchte Jeff Bezos aber nicht. Er wächst lieber mit seinem Online-Kaufhaus. So schnell wie möglich. Der Kunde ist bei ihm König. Er will am schnellsten, am fairsten sein, wenn es darum geht, Ware zu liefern. Der jüngste, dramatische Kursrutsch um rund 100 Dollar schien mir eine gute Einstiegsgelegenheit zu sein. Daher schrieb ich kürzlich einen Artikel über Amazon. Ich besitze keine Amazon-Aktien. (Nur so nebenbei.)
Was gibt es sonst Neues? Im TV ist eine neue Serie ein Selbstläufer geworden. Sie heißt „Shark Tank“, also Haifischbecken. Dort stellen vor laufender Kamera Entrepreneure ihre Geschäftsideen vor. Sie haben fünf bis zehn Minuten Zeit. Mehr nicht.
Manchmal handelt es sich nur um eine Idee. Manchmal sind es funktionierende Firmen, die Geld abwerfen. In der Sendung sitzen den Entrepreneuren eine Handvoll Investoren gegenüber. Die Reichen möchten natürlich in die besten Ideen frühzeitig investieren, um noch reicher zu werden. Und die Entrepreneure wollen Geschäftskontakte, frisches Geld, Rat und selbstverständlich eine große TV-Öffentlichkeit.
Die Sendung bricht alle Zuschauerrekorde. Mehr als acht Millionen Menschen schalten freitags ein. Es werden immer mehr.
Der Erfolg hat wohl mit dem Traum zu tun, schnell reich werden zu wollen. Die Zuschauer denken wohl: „Mensch, das könnte ich auch.“ Beim Disney-Kanalableger ABC können Sie sich einige Episoden reinziehen.
Knallhart finde ich Investor Kevin Oleary, der den Spitznahmen „Mr. Wonderful“ hat (Foto: Wikipedia, User Pummax). Der Typ nimmt kein Blatt vor den Mund. So sagte Oleary zu einem hoffnungsvollen Gründer: „Du wirst mit Deinem Geschäft zerdrückt wie eine Kakerlake. Vergiss das! Hör auf mit dem Mist!“ (Das war ein Zitat aus meiner Erinnerung). Einen Schmuckdesigner fragte der Star-Investor knallhart: „Was passiert, wenn Du vom Bus überfahren wirst?“
Sehen Sie selbst, was Mr. Wonderful so alles von sich gibt:

Es geht nur ums Geld. Um Millionen. Um Träume. Vergessen wird dabei, dass es harte Arbeit ist. Vergessen wird, wie viele Gründer scheitern.
Und schließlich: Geld ist nicht alles im Leben. Gemeinschaft, Freundschaft, Familie, Gesundheit sind wichtiger. Wichtiger als alles andere. Ich glaube, das ist das wahre Wunder, was zu ergründen ist. Wir suchen alle nur nach Anerkennung und nicht nach Geld.
Haarsträubend ist wie sich Kevin Oleary in der Show aufführt, der scheint auf einem anderen Dampfer zu sein. Der redet dummes Zeug. Greift Menschen an. Erniedrigt sie. Einen nach dem anderen.
Wie kann er andere Menschen mit einer Kakerlake vergleichen? Ist das ein Witz oder Gehässigkeit? Geht es um die Einschaltquote? Oder nimmt der uns auf den Arm?… Ich glaube, der nimmt alle auf den Arm.
Es ist seine Strategie. Eine PR-Strategie. Justin Bieber bekommt auch immer mehr Fans. Je mehr Unsinn der redet. Das geht eine zeitlang gut. Bis… ja, bis die Stimmung irgendwann dreht.
Ich wünsche mir mehr Menschlichkeit, Gemeinschaft und Anstand – am Finanzmarkt. Es herrscht ja schließlich kein Krieg. Oder etwa doch?


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Shark Tank: Mr. Wonderful im Haifischbecken

  1. Felix

    In D heißt Mr. Wonderful Dieter Bohlen und die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“.
    OK, ist nicht ganz dasgleiche.

  2. Chris

    Die Punkte die Oleary anführt, sind in meinen Augen immer sehr valide. Er nimmt halt kein Blatt vor den Mund und ist immer sehr direkt und vermutlich auch verletzend.
    Aber im Endeffekt müssen die Leute das so wollen, sonst würden sie ihre Geschäftsideen nicht vor ihm vorstellen.

    Dazu gibt es zwar keine Untersuchungen, aber ich bin mir sicher, dass man deutlich mehr Geld einsammeln könnte, wenn man sich lediglich einen VC oder Business-Angel im stillen Kämmerchen sucht.

    Cheers

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Felix
    @ Chris

    Danke für die Anmerkungen. Ich stimme zu.

    Ich glaube, dass das Fernsehpublikum sich daran ergötzt, wenn Leute abgekanzelt werden. Es ist etwas Schadenfreude hier im Spiel. Deshalb sind bei solchen Typen wie dem Dieter Bohlen oder Mr. Wonderful die Einschaltquoten so hoch.

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