Selten reden Politiker Klartext: Der Brite Nigel Farage tat es


New York, 14. April 2012

Eineinhalb Jahre ist es her, als der britische Politiker Nigel Farage im EU-Parlament in Straßburg die Wahrheit ansprach. Es ist eine beeindruckende, ehrliche Rede. Schon damals ahnte er, dass Portugal und Spanien nach dem Niedergang von Griechenland die nächsten Pleiteländer sein können.
Und nun sieht es wirklich so aus, als ob Spanien in der Tat umfallen könnte. Was für ein Desaster diese Währungsunion geworden ist. Vielleicht wird der Dollar wieder stärker. Seit Tagen klettert der Dollar gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung. Der Euro kann gewaltig unter Druck geraten. Mit all den Problemstaaten. Die Südländer können Europa in eine Rezession reißen. Spanien ist ein Pulverfass geworden. Wir können nur hoffen, dass sich der Flächenbrand nicht weiter ausbreitet.
Sehen Sie hier die Rede von Nigel Farage:


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Selten reden Politiker Klartext: Der Brite Nigel Farage tat es

  1. Matthäus Piksa

    Auf youtube habe ich mal eine Rede, kann sein, dass es sogar diese hier war, gesehen.

    Ein Auseinanderbrechen des € und der EU würde wohl im Chaos enden. – Naja, was heißt schon Chaos, es würde auch dann weitergehen, nur eben anders, nationalistischer eventuell protektionistischer. Genau aus diesem Grund wird seit 2 Jahren mit aller Macht insb. mit allem zur Verfügung stehendem Geld dagegengesteuert. Ausgang offen.

    Wenn es nach dem Willen der Unions-, FDP- und SPD-Fraktionen geht wird es Reden von Abweichlern in Zukunft nicht mehr geben. Oder höchtens in Ausnahmefällen:http://www.sueddeutsche.de/politik/rederecht-im-bundestag-fraktionen-planen-maulkorb-fuer-abgeordnete-1.1332338

    Bis dann.

  2. tim schaefertim schaefer

    @ willihope, gute Frage: Was ist die Wahrheit?

    @ Matthäus: Das ist ein spannender Link. Ein Einheitsbrei im Bundestag. Überall nur noch Parteisoldaten. Keiner darf mehr öffentlich seine eigene Meinung vertreten. Schon komisch! Mit einer solchen Strategie schaden sich die großen Parteien selbst. Die Wähler sind nicht dumm.

  3. Matthäus Piksa

    Hi Tim.

    Ich kenne die Hintergründe zu dieser Entscheidung nicht. – Als ich mich vor einiger Zeit in einer universitären Hochschulgruppe engagierte, durfte auch jeder reden solange wie er wollte. Irgendwann saß man dann um 1 Uhr nachts noch in der Uni, kaum etwas war entschieden. Manche Themen wurden wochenlang durchgekaut, Beschlüsse wieder in Frage gestellt. Manchen haben die Marathonsitzungen auch noch Spaß gemacht.
    Die Moral von der Geschichte ist, dass es manchmal effizienter ist, schnell entscheiden zu können.
    Ich kann diesen Schritt insofern schon nachvollziehen, ob die Fraktionen sich dadurch schaden weiß ich nicht. Aber souverän ist es wirklich nicht so recht.

    Bis dann. Matthäus

  4. willihope

    ganz einfach, es gibt die ultimative reine wahrheit nicht! jeder sieht seine eigene wahrheit in der welt und darüber wird dann in der demokratie gestritten. das hatte man im ostblock nicht, da gabs die ultimative wahrheit (von der spinner wie die linken immer noch träumen) und desshalb ging er unter.

    wer die ultimative wahrheit verkündet der hat immer keinen schimmer von der welt.

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus, ja klar. Der Fraktionszwang hat Vorteile. Problem ist aber, dass kritische Parlamentarier darunter leiden, sie werden benachteiligt. Kommen praktisch kaum zu Wort.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ willihope.

    Das stimmt. Jeder lebt in seiner eigenen Gedankenwelt, in seiner eigenen Umgebung. Ich natürlich auch. Jeder wird durch sein Umfeld (Familie, Freunde, Kollegen) beeinflusst, durch eigene Erfahrungen etc.

  7. Matthäus Piksa

    @willihope

    Darüber, ob es im Ostblock nur eine Wahrheit gab, ließe sich auch streiten. Wenn das so wäre, dann hätte es zB die Stasi nicht geben müssen. Eher war es so, dass es in den Unrechtsregimen im Warschauer Pakt, genauso wie in allen derzeit noch existierenden, eine staatlich vorgegebene Wahrheit gab und viele größtenteils unausgesprochene. Alle die sie aussprachen riskierten Haftstrafen oder irgendetwas vergleichbares. Mal sehen wie lange sich Unrechtsregime oder unrechtsähnliche Regierungsformen wie bspw. Russland, China, Kuba, Nordkorea, Iran, Syrien noch halten können.
    Andererseits: Selbst wenn es zu Umbrüchen kommt, heißt es noch lange nicht, dass es so endet wie wir uns das im Westen vorstellen.

    So oder so: Wir können das relativ entspannt verfolgen, kämpfen und in's Risiko gehen müssen die Anderen, sprich die Russen, Chinesen etc. – Dabei wollen gerade letztere mit Ziel USA auswandern, jedenfalls stellen sie nach den Mexikanern die meisten Visa-Anträge.

  8. Jo Becker

    Hallo,

    was hier wie nebenbei erscheint, ist in der Tat ein weiterer von vielen kleinen Angriffen auf die Demokratie …

    Unser Grundgesetz nennt das Volk den Souverän. Tatsächlich sehen wir immer mehr bürokratische Schiebereien, ein Großteil der Entscheidungen wird in Europa ohne Demokratische Legitimation getroffen. Gelder, die Deutschland auf Generationen nicht mehr erwirtschaften können, werden durchs Parlament mit Fraktionzwang gepaukt, Gegenstimmen sind Abweichler, die man mundtot machen möchte. Die Presse als Kontrollorgan versagt vollkommen, gibt es doch zur „alternativlosen“ Regierungspolitik scheinbar keine Alternative.

    Ich sage: Aufwachen!

    Wer etwas dagegen tun will, kann die Initiative zu etwas mehr direkter Demokratie unterstützen. Unsere südlichen Nachbarn, die Eidgenossen, haben uns leider so manches voraus.
    Grüße
    Jo

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus, das sind gute Argumente. Danke!

    Natürlich ist an dem Kapitalismus in den USA nicht alles wunderbar. Er hat Schwächen. Insgesamt überwiegen aber die Vorteile: Unternehmergeist, Zuzwendung zum Kapitalmarkt, 1A-Forschung etc.

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Jo Becker,

    Ich glaube auch, dass die Demokratie gelitten hat. Das Vertrauen der Wähler in die großen Parteien hat gelitten. Und das hat Gründe. Daher befinden sich ja unerfahrene Parteien wie Die Piraten im Höhenflug. VG

  11. Matthäus Piksa

    @Tim

    Genau, das hast du gut zwischen den Zeilen herausgelesen.
    Noch was: Im Zuge des EU-Beitritts der osteuropäischen Länder hat Deutschland eine Sonderregelung herausgehandelt. Erst 7 Jahre nach der EU-Erweiterung, also seit Mai letzten Jahres, ließ man die Arbeitnehmer aus den neuen Staaten legal in den Arbeitsmarkt. Das war aus meiner Sicht ein eklatanter Fehler. Man hätte diese Barriere nicht aufstellen dürfen. So kam es wie es kommen musste und die ganzen motivierten Arbeitnehmer vornehmlich jungen Alters wanderten nach Irland und UK aus. Hier haben wohl wieder irgendwelche deutschen Ängste eine Rolle gespielt, die ich nicht nachvollziehen kann. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass die Amerikaner sich immer wieder über die sog. German Angst lustig machen. – Wie gesagt, aus meiner Sicht war das ein Fehler.

  12. Jo Becker

    Hallo Tim,

    Danke für Deinen Kommentar. Zum Thema Demokratie-Verlust:

    Der Hinweis auf die Piraten ist natürlich wichtig. Sie könnten das politische „Gefügee“ durcheinanderschütteln.

    Für mich sind sie allerdings noch zu unklar in ihrer politischen Ausrichtung. Zwar unterstützte ich die Initiative, freie Meinungsäußerung zu stärken und Beschneidungen der Freiheit im Internet zu verhindern, mit anderen Themen kann ich die Piraten aber noch nicht greifen …

    Was aber auch bemerkenswert ist: die Themen Demokratische Rechte und Freiheitsrechte sind historisch immmer DAS Thema der Liberalen gewesen. Diese glänzen mit völliger Abwesenheit bzw. Konzeptlosigkeit und überlassen dieses Feld komplett Dritten. Gleichzeitig sucht die Partei verzweifelt nach ihrer Linie … die doch so offensichtlich wäre, würde sie sich an die eigenen Traditionen erinnern. Scheinbar vernebelt die Position an der Seite der Regierung Merkel den Blick …

    So kann es passieren, dass die Liberalen in der Bedeutungslosigkeit versinken.

    Viele Grüße
    Jo

  13. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,
    die Details kenne ich nicht. Ich finde grundsätzlich: Je liberaler die (Arbeits-)Märkte sind, desto besser. Abschottung hat noch nie geholfen (Nordkorea, Iran…).

  14. tim schaefertim schaefer

    Hallo Jo Becker,

    ich bin kein Fan der Piraten. Der Erfolg dieser Protest-Partei zeigt nur, wie unzufrieden die Menschen mit der Politik sind.

    Ich glaube, die traurigen Geschäfte unseres Bundespräsidenten Christian Wulff brachte das Fass zum Überlaufen. Täuschen, tricksen, tarnen – das geht vielen auf die Nerven.

    Die Bürger fragen sich, dient die Politik in erster Linie der Oberschicht? Nutzen die Politiker ihre Machtstellung zum eigenen Vorteil aus? Warum wurden die Steuersätze für Hoteliers gesenkt? Warum konnte Wulff zu Sonderkonditionen sein Haus finanzieren? Warum kassierte unser Finanzminister Wolfgang Schäuble von einem kriminellen Waffenhändler Schwarzgeld?

    Korruption ist in Deutschland ein großes Problem geworden. In Statistiken schneiden die nordeuropäischen Länder in Sachen Korruption viel besser ab. Ich frage mich, warum ist das so? Vermutlich spielt dort aufrichtiges Handeln (Ethik) eine viel größere Rolle.

    VG Tim

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