Sechs Gründe für einen Super-Boom


New York, 13. November 2012

Ich glaube, vor uns liegt eine Boomphase. In den kommenden fünf bis sieben Jahren kann eine flotte Aktienrallye ins Rollen kommen. Nach dem „verlorenen Jahrzehnt“ ist es an der Zeit. Wir haben überall diesen massiven Pessimismus. Ich finde: Das ist ein schönes positives Signal.
Experten warnen reihenweise vor der Dauerkrise in Spanien, vor dem Euro-Austritt Griechenlands, vor dem Kollaps in den USA. Sie warnen vor dem „fiskalpolitischen Absturz“ zum Jahreswechsel in Washington. Im Süden Europas ist die Arbeitslosenquote auf 25 Prozent explodiert. Gleichzeitig sind die Staatsschulden auf Rekordniveau.
Angst, Hektik, Sorgen. Die Volatilität nimmt zu.
Die Märkte brauchen diesen enormen Pessimismus, um in einem Boommarkt münden zu können. Die „Wand der Angst“ bremst alle. Die Meute ist in vermeintlich sichere Anlagen geflüchtet. Ein Irrsinn. Die Meute hortet Cash, Staatsanleihen, Sparbücher, Versicherungen. Zeug, das keine Rendite bringt. Ja, Leute verkauft Eure letzten Aktien! Bunkert alles auf dem Girokonto, kauft Anleihen, vergrabt ein paar Goldmünzen im Garten. Alle scheinen mit dem nächsten Bankkollaps zu rechnen. Dabei hatten wir den gerade erlebt.
Es ist doch viel zu emotional geworden. Klar, es werden neue Naturkatastrophen ganze Landstriche in Schutt und Asche legen. Dürren und Fluten werden kommen. Wer wusste schon, dass der Wirbelsturm „Sandy“ New York und New Jersey heimsucht und Millionen Menschen für Wochen ohne Strom sein werden? Klar, gehen die Aufstände in Afrika, im Nahen Osten weiter. Bürgerkriege erschüttern Länder mitsamt ihren Nachbarstaaten. Ein Krieg kann im Iran und woanders drohen. Logisch.
Eine Seuche kann ausbrechen.
Aber das hat die Börse doch längst eskomptiert. Jeder Börsianer weiß das. Naturkatastrophen gibt es seit dem Urknall. Schon im Alten Testament werden sie beschrieben. Ein ganzes Volk musste laut der Bibel Ägypten verlassen, weil die Nahrungsmittel nicht mehr ausreichten.
Wir wissen alle, Terroranschläge können durchaus überraschend kommen. Die gibt es seit Jahrtausenden, ebenso die Kriege. Ebenso die Zyklen. Ebenso die Seuchen. Ebenso das Auf und Ab an der Börse. Konzentrieren Sie sich in Ihren Gedanken besser nicht auf diese negativen Events.
Seien Sie optimistisch in dieser schwierigen Zeit. Was bringt uns nach vorne? Ich nenne Ihnen sechs Gründe.
Erstens flutet das billige Geld der Zentralbanken die Märkte
Die Zentralbanken überfluten die Finanzmärkte mit billigem Geld. Das muss investiert werden. In der Konzernkasse nutzt all das Geld nichts.
Zweitens explodiert die Mittelschicht in den aufstrebenden Staaten
Die Mittelschicht in aufstrebenden Märkten wie Brasilien, China oder Indien ist die treibende Kraft. Die Nachfrage nach Waschmaschinen, Autos, Parfüm, Bier, Smart Phones usw. nimmt rasant zu.
Drittens wächst die Weltbevölkerung
Die Weltbevölkerung nimmt stürmisch zu. Eine neue motivierte Generation der Konsumenten ist auf dem Weg.
Viertens kommt die USA voran
Nach dem Platzen der Immobilienblase und dem Finanzchaos macht die reichste Volkswirtschaft der Welt Fortschritte. Die Arbeitslosenquote sinkt in den USA, der zusammengebrochenen Immobilienmarkt erholt sich langsam. JP-Morgan-Boss Jamie Dimon spricht schon von einem möglichen Super-Boom.
Fünftens setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Staatsschulden zu hoch sind
Die Staaten müssen ihre Schulden begrenzen, sie müssen sie abbauen. Diese Erkenntnis hat sich durchgesetzt. Es muss etwas getan werden. Gleichzeitig muss in die Infrastruktur (Brücken, Straßen, Energie etc.) und in die Bildung investiert werden.
Sechstens ist der Forschritt die treibende Kraft
Innovationen, neue Entdeckungen, die IT bringen den Wandel schneller denn je voran.
Ich glaube nicht, dass wir die japanische Krankheit kriegen. Zwanzig Jahre Stagnation wie in Japan ist kaum weltweit vorstellbar bei diesem enormen Bevölkerungswachstum. Japan ist überaltert. Japan ist ein isolierter Fall.
Fazit: Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Sechs Gründe für einen Super-Boom

  1. Frank

    Hallo,
    ich glaube nicht daß die Börse evtl.auftretende Katastrophen eskomptiert. Vielmehr scheint es so zu sein daß auf unvorhergesehene Ereignisse viel extremer reagiert wird als früher. Für mich ist daher eine Cash Position (die wenns kracht dann auch konsequent investiert werden muß)noch wichtiger als früher.
    Frank

  2. Ingolf

    Sehr gut argumentiert! Das sehe ich ähnlich, wobei ich für die USA optimistischer als für Europa bin. Hier wird uns die Demografie noch arg zu schaffen machen.

    Anders in den USA: Der „American Dream“ wird dafür sorgen, dass auch in Zukunft junge Menschen in das Land einwandern werden, obwohl die Probleme des Staates sicherlich noch erdrückender sind. Viele konzentrieren sich jedoch zu sehr- wie ich finde- auf diese Themen und übersehen dabei ganz, dass es nach wie vor- frei nach Warren Buffett- „wunderbare Unternehmen“ gibt, die ihre Hausaufgaben- anders als die Staaten- erledigt haben.

    Was mich noch interessiert: Warum laufen JP Morgan die Manager weg? Liegt dort etwas etwas im argen?

  3. Peter

    Vier Gründe gegen einen Super Boom (in den nächsten sechs Jahren)
    1. Schuldensuperzyklus (vor allem USD)
    2. wir befinden uns in einem Seitwärtsmarkt seit 2000 (wie 1968 – 1982).
    3. 2012 S&P 500 KGV=19 durchschnitt=15
    4. Für eine große Hausse Anfangs KGV=12 oder weniger (1982 S&P 500 KGV=10)

  4. Alex

    bei http://www.multpl.com/ steht der S&P mit einem KGV von 15…also Durchschnitt

    Der lange seitwertstrend wird nicht ewig weitergehen… die fundamentalen geschäftszahlen steigen weiter.

    die hohen schulden werden über niedrige Zinsen abgebaut (niedriger als die Inflation), der niedrige zinssatz zwingt die leute in aktien zu gehen

    für jedes argument gibt es ein gegenargument, und dagegen gibt es wieder welche…

  5. Turing

    Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und ich sehe die Krise tatsächlich als eine große Chance, denn viele Politiker, in den USA wie in Europa dürfen sich von liebgewonnenen Ideen verabschieden.

    Beispiele:

    1. Die Förderung von Wohneigentum in den USA würde man nicht mehr so machen, wie es jahrelang praktiziert wurde und zur Immobilienblase führte.

    2. Die Tea Party hat enorme der Regierung Obama Einschnitte abverlangt, u.a. wurde der Militärhaushalt enorm gekürzt.

    3. In Griechenland wurden endlich Rentenbetrüger überführt, Beamte bekamen Gehälter gekürzt, es wird über Privatisierungen zumindest nachgedacht.

    4. Italien, dessen Wirtschaft stark unterschätzt wird, hat einige gute Reformen hinter sich und endlich werden relevante Probleme angegangen. Mit durchschnittlich 1200 Tagen sind Gerichtsprozesse in Italien die langwierigsten Europas und das gerät nun in den Fokus. Sehr gut!

    5. Spanien ist aus der Förderung der „erneuerbaren Energien“ ausgestiegen.

    Die Volkswirtschaften, die nur wenig von der Krise zu spüren bekamen, machen weiter wie bisher, auch wenn es nicht gut ist. In Deutschland und Österreich beispielsweise wird jede Menge Geld für Gender Mainstreaming verbraten. In Deutschland sind auch die politischen Kräfte zu stark, die die Subventionierung von Solar- und Windstrom befürworten. Meines Erachtens ist das EEG ein Pulverfass. Diese Blase wird in den nächsten fünf Jahren platzen, aber gewaltig.

  6. Reinhard

    Es ist wunderbar, wie sich jeder die Zukunft so ausmalt. Da gibt es die Daueroptimisten, die Berufspessimisten, nicht zu vergessen sind die Weltuntergangspropheten und vieles mehr. Manche meinen mit Aktienanlagen alle Probleme lösen zu können, andere halten Aktieninvestments für reines Glücksspiel, ein bisschen ist es das wohl auch. Der Durchschnittsanleger wird wie der Durchschnittsfonds auch, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht reich werden. Das Schlaraffenland für alle ist und bleibt wohl ein Märchen.
    Erstaunlich wenig wird zur Zeit über das Ende des Mayakalenders berichtet, wo doch dieses Ereignis noch vor Weihnachten eintreten wird.
    Wahrscheinlich wird alles so ähnlich weitergehen wie bisher: Weder wird ein goldenes Zeitalter bevorstehen, noch der totale Kollaps. Warum auch?
    Was aber immer öfter zu kommen scheint sind Aktienchrash, von denen sich die Kurse dann erstaunlich schnell wieder erholen.
    Beispielsweise e-on heute mit -12%, ohne dass irgendetwas Gravierendes passiert ist. Es sollte sich also lohnen, sein Pulver trocken, sprich Cash, zu halten und nach dem nächste Chrash (wie 2008, Dow bei 6500, DAX 3000) massiv einzusteigen.

  7. musti

    Hallo Tim,

    es mag richtig sein,dass es einen super Boom geben könnte.
    Was man aber auch beachten sollte ist, dass sehr große Hedgefunds massiv Aktien im letzten Quartal verkauft haben.
    Auch ein Warren Buffett hat mehr verkauft und Seth Klarmann hat einen Großteil seiner Positionen abgestoßen.

    gruss

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Frank
    Etwas Cash zu bunkern für den Crash ist immer gut. Da stimme ich zu. Richtig, die Vola ist größer als sonst.

    @ Ingolf
    Überall rennen die Manager und Mitarbeiter bei den Banken weg. Die Branche wird schlanker. Die Bilanzsummen sind einfach zu irre geworden. Ich glaube nicht an ein isoliertes Problem bei JP Morgan.

    @ Peter
    Die reine KGV-Betrachtung lässt die enorme Bilanzstärke außer acht. Es lag noch nie zuvor so viel Geld in den Kriegskassen. Die Bilanzen sind bärenstark. Das KGV ist für 2013 moderat im S&P-500.

    @ Alex
    Danke. Das sind gute Argumente. Klar, es findet eine Umschuldung und Entschuldung bei den Konzernen derzeit statt.

    @ Turing
    Oh, ja. Optimismus zahlt sich an der Börse immer aus, weil sie langfristig nur steigt.

    @ Reinhard
    Die Masse liegt in der Tat immer daneben. Ihr fehlt die Geduld und die Disziplin. Wer kann schon mehr als zehn Jahre Standardtitel halten?

    @ musti
    Buffett wollte dieses Jahr 2 Super-Deals mit je 20 Milliarden Dollar einfädeln. Die Deals sind geplatzt. Das Genie ist somit kein Verkäufer, sondern ein (potentieller) Käufer.

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