Schlammschlacht: Ex-Merrill-Chef fliegt im hohen Bogen raus


New York, 25. Januar 2009

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Schmutzige Wäsche wurde diese Woche bei der Bank of America gewaschen. Nach dem Rauswurf von John Thain aus der Führungsriege der Bank gelangten Firmeninterna an die Medien. Thain hatte als Chef von Merrill Lynch das Bankhaus im September 2008 in einer Nacht-und-Nebelaktion an die Bank of America verkauft. Erst später kristallisierte sich heraus, dass die Probleme bei Merrill Lynch viel größer waren, als zunächst vermutet: Bei Merrill lief im vierten Quartal ein gigantischer Verlust von 15,31 Milliarden Dollar auf. Wahnsinn! Der Käufer, Bank-of-America-Chef Kenneth Lewis, war wie vor dem Kopf gestoßen, als er von dem Milliardengrab erfuhr und bat die US-Regierung um Unterstützung – sonst hätte er Merrill Lynch wohl wie eine heiße Kartoffel fallen lassen. Vermutlich wäre das Investmenthaus pleite gegangen, wenn die Regierung nicht mit Milliardenhilfen eingeschritten wäre.
Nach der hundsmiserablen Übernahme kommt es nun zur Schlammschlacht: Thain flog hochkant bei Bank of America raus. Zeitgleich geisterten interne Dokumente durch die Medien. Beispielsweise wurde bekannt, dass Thains Fahrer über 200.000 Dollar Jahresgehalt mitsamt Überstunden und Prämien bezog. Zudem ließ Thain vor circa einem Jahr sein Büro und sein Besprechungszimmer für über eine Million Dollar renovieren. Der Auftrag, die Räume neu zu gestalten, ging an den bekannten Designer Michael S. Smith. Der ließ sich nicht lumpen und bestellte beispielsweise einen Papiereimer für 1.405 Dollar, einen Mahagoni-Tisch für 25.713 Dollar und einen Kaffeetisch für stolze 5.852 Dollar. Viele weitere irrsinnig teure Büromöbel wurden angeschafft. Es ist in der Tat verwunderlich, dass Thain diese Geldverschwendung betrieb. Aber ich halte es ebenfalls nicht für OK, nach dem erfolgten Rauswurf mit Schmutz zu schmeißen. Firmeninterna an die Medien zu geben, ist ein Verstoß gegen Datenschutzbestimmungen und hinterlässt Dreck auf beiden Seiten. Der Fernsehsender CNBC zitierte genüsslich den ganzen Tag aus Rechnungen und Papieren. Auf der Internetseite des TV-Kanals konnte man die Dokumente als PDF runterladen – im Briefkopf der Merrill Lynch Bulle. Sofern Thain gegen interne Vorgaben verstoßen hat, ist das intern zu klären und die Kosten sind hierfür von ihm gegebenenfalls zu erstatten. Es ist aber in keinem Fall eine Sache der TV-Sender, solche Dinge zu diskutieren.
Dass Lewis so schnell Merrill Lynch akquirierte, ist ihm anzulasten. Nach dem Pleitefall von Lehman Brothers und der Schieflage bei Bear Stearns kam die gesamte Branche ins Schlingern. Dass Deals wie dieser mit Risiken verbunden sind, hätte ihm klar sein müssen. Der Gerechtigkeit wegen frage ich: Was kostet der Fahrer von Lewis? Wann hat Lewis zuletzt sein Büro erneuern lassen? Was hat das gekostet? Wo war er wann im Urlaub – und mit wem? Fazit: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Ich glaube, dass Lewis in den kommenden Tagen selbst seinen Chefsessel räumen muss. Der ganze Wirbel um Thain scheint mir ein Ablenkungsmanöver zu sein. Ich bin gespannt.


tim schaefer (Author)

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