Saudi Arabien, Iran, Afghanistan: Bestien am Werk


New York, 7. Januar 2016
Präsident Barack Obama, Außenminister John Kerry und Vize-Präsident Joe Biden: Sie wollen Frieden in der Welt. Doch haben westliche Staatsmänner wie sie ein Problem mit Despoten zu verhandeln. Wenn Menschenrechte mit Fßen getreten werden, wie wollen sie da verhandeln?

Präsident Barack Obama, Vize-Präsident Joe Biden, Außenminister John Kerry. Das Trio will Frieden in der Welt. Doch haben westliche Staatsmänner wie sie ein Problem mit Despoten zu verhandeln. Wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden, wie wollen sie da verhandeln?

Die Kurse zittern rund um den Globus. Die Angst geht um. Nordkoreas Diktatur Kim Jong UN spielt mal wieder mit Atombomben herum. In Syrien kommen die Friedensbemühungen zum Stillstand. Mehr noch: Saudi Arabien ließ 47 Regimegegner hinrichten. Nun nimmt der Zorn im Nahen Osten zu. Vor allem zeigt sich der Iran empört. Dazu müssen Sie wissen, dass im Februar wichtige Wahlen im Iran anstehen. Beide Staaten sind kein Kind von Traurigkeit, wenn es um Menschenrechte geht.

Warum Deutschland mit Saudi Arabien umfangreiche Waffengeschäfte genehmigt, ist mir ein Rätsel. Der Königsstaat ist brutal wie kaum ein anderer. Eine hässliche Intolleranz ist sein Markenzeichen. Einen kritischen Blogger ließ der saudische Herrscher in der Öffentlichkeit auspeitschen. Menschen werden gekreuzigt. Dieses verlinkte Video ist aufgrund der Brutalität nicht jedermanns Sache: Ein Henker schlägt einer Frau auf einem Parkplatz mit einem Säbel den Kopf ab. Sie brüllt vor lauter Angst und wehrt sich. Die saudische Polizei schaut zu.

In diesen Ländern ist das menschliche Miteinander ein blutiger, bestialischer Kampf. Es ist eine mörderische Kultur. Der Religionsfanatismus kommt hinzu: Im Iran werden Schwule gehängt.

In Afghanistan wird eine unschuldige Frau von einer Horde Menschen grauenhaft getötet: Die Polizei schaut zu, als die 27-jährige Studentin Farkhunda Malikzada von einer aufgebrachten Menge attackiert wird. Die Meute wirft der jungen Frau vor, einen Koran verbrannt zu haben, was sie gar nicht getan hat.

Warum sendet Deutschland Soldaten und Waffen nach Afghanistan? Es ist ein Land, indem Frauen keine Rechte haben. Steinigungen gehören zur Kultur. Warum kann sich der Westen nicht für Menschenrechte in diesen Ländern stark machen? Warum macht der Westen ständig Geschäfte mit diesen blutigen Herrschern?

Natürlich setzen sich die USA, Deutschland, die EU und andere Staaten für Frieden ein. Doch ist es im Grunde nahezu unmöglich mit Fanatikern friedliche Lösungen anzustreben. Die Kultur ist eine andere. Sie haben nicht unsere Wertvorstellungen.

Fazit: Ich bin für einen sofortigen Waffenstopp an Saudi Arabien und andere Fanatiker. In mein Aktiendepot kommt keine Rüstungsfirma. Viele ETF- und Indexfonds-Sparer besitzen indirekt Waffenhersteller und wissen es nicht mal.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Saudi Arabien, Iran, Afghanistan: Bestien am Werk

  1. Fabian S.

    Hallo Tim,

    ich schätze Dich und Deine seite sehr. Aber finde in dem Punkt bist Du etw. naiv. Dann dürftest Du auch keine Pharmakonzerne im Depot haben, weil die die Verbraucher abzocken und unseriösen Lobbyismus betreiben oder keine Auotkonzerne oder Rohölunternehmen aus rein moralischen Gründen. Außerdem sind die asozialen Poltiker doch alles Heuchler…sie predigen Moral und machen immer schon geschäfte mit solchen Regimen..auch die USA…früher waren Saddam Hussein, Gaddafi und Assad ja alles unsere Freunde, dann plötzlich nicht mehr…

    Aber hast teilweise Recht…durch diese menschenverachtende Politik werden auch keine Flüchtlinge aufgenommen, obwohl sie aus deren Kulturkreisen stammen und das gleiche Frauenbild verkörpern…man sieht ja jetzt in Deutschland was man von dieser rechtswidrigen Politik hat…

  2. Nik

    Seht es doch mal so: Durch Euren Aktienkauf unterstützt Ihr ja nicht das Unternehmen – irgendwem gehört die Aktie ja sowieso. Mit Buy&Hold aber entzieht Ihr die Aktie quasi dem Markt und könnt mit den Unternehmensgewinnen sinnvolle Sachen machen. Ist doch prima!?

  3. StefanStefan

    Diese Länder gehören strikt isoliert von der Weltgemeinschaft. Widerlich was da passiert!

    Aber was kaum Erwähnung findet momentan: in Syrien sind gerade ca 40.000 Menschen am Verhungern! Die sind in Städten eingeschlossen, es ist keine Nahrung mehr vorhanden. Augenzeugen sprechen von Zuständen wie im KZ.

    Kinder sterben in Zeitlupe.

    Warum schickt Obama, der mächtigste Mann der Welt, nicht Nahrungsmittelpakete?! Die müsste man nur abwerfen über den Städten. Das sollte doch möglich sein, oder!?

    Stattdessen trifft sich die ganze Sippe, ob EU, UN oder was auch immer zum Debattieren…

    da schämt man sich echt…

    Grauenhafte Welt…

  4. Valueer

    „In der internationalen Politik geht es nie um Menschenrechte, sondern immer nur um Interessen (Macht, Einflußspähren etc.)“

    Das sagte Egon Bar, der langjährige Berater von Willy Brand.

    Mit Menschenrechten werden wir politisch und medial immer nur eingelullt. Wenn es tatsächlich mal passt ist das natürlich ein super Grund der vorgeschoben werden kann und dazu noch stimmt.

    Mich widert die Doppelzüngigkeit daher immer an.

    Ich prophezei, dass wir weiter mit jedem Diktator Geschäfte machen werden, sofern es einer einflussreichen Kaste nur genug dient.

    @Tim: Die Einstellung zu Waffenherstellern teile ich, ich halte auch keine ETFs. Das find ich stark von dir!

    Waffen sind ja per se nichts schlechtes, es ist immer der Mensch der den Abzug zieht. Ich kann mich damit verteidigen und meine Familie schützen oder schrekliches Leid verursachen. Es ist die Intention mit der die Waffe geführt wird, die entscheidend ist.

    Ich verstehe (aus rein menschlicher Sicht) daher absolut nicht wie man Waffengeschäfte mit Saudi-Arabien genhemnigen kann. Das zeigt wieder was für kranke Leute an der Regierung sitzen!

    @Nik: Ist eine alternative Sicht, die ich nicht wegwischen möchte. Wie erklärst du aber deiner Tochter, wenn du ihr ein Eis kaufst, dass das Geld evtl. mit dem Tod eines anderen Mädchens zusammen hängt?

    Valueer

  5. vdb

    @alle

    Dann dürfte man auch keine Aktien von Tabackunternehmen im Depot halten. Oder auch keine ETFs wo Tabackunternehmen enthalten sind. In Deutschland sterben rund 120.000 Menschen jedes Jahr durch das Rauchen. Weltweit sind das sechs Millionen Tote Menschen duch Taback. Das gleiche gilt für Aktien von Autoherstellern, rund 270 Verkehrstote in Deutschland usw..

    vdb

  6. Valueer

    @vdb: Kommt auf deinen moralischen Kompass an.

    Auf der einen Seite töten sowohl Tabakfirmen und Waffenhersteller indirekt Menschen.
    Die Tabakfirma tötet aber ihren eigenen Kunden, der Waffenhersteller meist nicht.
    Der Waffenhersteller dafür z.T. unschuldige Unbeteiligte. Die Kunden der Tabakfirma kommen aber freiwillig, die unschuldigen, unbeteiligten Opfer der Waffenfirma nicht.

    Das Thema Moral und Investment ist so kontrovers, dass es keine allgemeine gültige Richtlinie gibt. Legal sind schließlich sowohl Waffenhersteller und Tabakfirmen als auch Glücksspiel oder Alkoholikahersteller etc.

    Am Ende des Tages musst du dir mit deinen Investments immer selbst in den Spiegel sehen können.

    Ich für meinen Teil halte mich von Tabak und Waffenproduzenten fern, habe mit Alkoholherstellern aber keine Probleme.

    Valueer

  7. Vali

    Tim, deine Einwände kann ich nachvollziehen 🙂

    Allerdings frage ich mich, wie man das Ganze getrennt von den bis zu den Zähnen bewaffneten Amerikanern betrachten kann.

    In dem Moment, indem der Mensch aktiv wird, baut er schon Mist. Umweltschädigungen kommen an erster Stelle. Öl, (Atom)Energie, Autos, Produktion, Technologie, Pharma, Futterindustrie,  usw. darf ich dann aus meinen Investments ausschließen.

    Und wenn ich aber den anderen nicht schaden, sondern nur Gutes tun will, dann müssten Tabak, Alkohol, fette Chips und Cola auch verboten werden.

    Ich schätze, die Raucher werden sich als erstes beschweren. Denen ist es viel egaler, was mit ihrer Gesundheit passiert, als mir und meiner Moral, ob ich Tabakaktien besitze oder nicht… irgendwo hört es auf.

    Und weil ich ein Mensch bin und sowieso dieser Erde nur Mist zuführe, habe ich mit meinem ersten Aktienkauf praktisch meine Unschuld abgelegt 😉

    Mittlerweile ist es mir einfach nur wichtig, dass ich die Firma als Investment mag.

    Ich müsste ja auch das gesamte Netz verteufeln, denn darin tummeln sich auch noch diese ganzen Mistkerle und verbreiten Grausames. Deine Videos habe ich nicht angesehen. Ich kann das nicht.

    Bildung. Das ist meine Lösung.

    PS: In Waffen investiere ich nicht aktiv, aber wissen kann ich es nicht, welche dieser Firmen ein Rohstoffzulieferer ist und indirekt doch Waffen produziert…

     

  8. Oliver

    Ehrlich gesagt finde ich diese Diskussionen ganz schwierig. Rüstungsaufträge  für Saudi-Arabien ist sicher nicht das, was man so gerne sieht. Bei Afghanistan denke ich mir, dass zumindest die Bundeswehr versucht hat, auch etwas für die Zivilgesellschaft zu erreichen. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, das die Einsätze dort etwas bringen. Die gesellschaftlichen Strukturen sind einfach zu unterschiedlich und weder die Afghanen noch wir verstehen einander und daher kommt es zu diesen Ereignissen. Alle die aufgeführten Länder vom Tim sind rückständig und nicht nur die. Andererseits ist es auch nicht besser, wenn man gar nicht interveniert, wie z.B. Syrien zeigt. Da macht jeder, was er will und die Menschen vor Ort haben keine Chance, aus eigener Kraft eine Besserung herbeizuführen.

    Was mir bei der ganzen Sache Sorge macht: die Einschläge kommen immer näher . Die Flüchtlingskrise hat damit zu tun aber auch die immer schneller zunehmende Bevölkerung, die keine Perspektive hat. Als Afghane schließe ich mich einem Warlord an, damit ich irgendwie überlebe. Andere Möglichkeiten hat man nicht.

    Was die Ethik beim Investieren betrifft, wird es unlösbar, wenn man seine moralischen Standpunkte mal wirklich überprüft. Es gibt viele Toyota-Pickups bei der IS und unsere ganze Elite an Firmen verkauft für die eine oder andere Seite oder zumeist sogar für alle Seiten ihre Produkte. Wenn es danach geht, braucht man in kein einziges Unternehmen zu investieren. Es macht keinen Unterschied, ob ich in Rheinmetall oder Deutsche Bank investiere. Jeder Firma ab einer bestimmten Größe ist grau. Von daher habe ich nur reine Rüstungskonzerne wie Rheinmetall ausgeschlossen. Auch das ist heuchlerisch, da es in anderen Sparten nicht besser ist. Es gibt keine korrekte Lösung und wie schon jemand geschrieben hat, in erster Linie Interessen. Man muß schon noch in den Spiegel schauen können, aber da zählen für mich andere Taten, als Aktien zu kaufen, die mir ein schlechtes Gewissen bereiten. Wenn sich Menschen gegeneinander totschlagen möchten, gibt es mit oder ohne Rheinmetall & Konsorten so viele Möglichkeiten, dies zu tun. In Ruanda wurden Tausende mit Macheten totgeschlagen und das hat nur ein paar Monate gedauert. Von daher finde ich es müßig, weil es keine Lösung gibt.

  9. Couponschneider

    @vdb

    Das ist ausgemachter Unfug, da die Todesursache nicht eindeutig bestimmbar ist, wie beispielsweise bei einem Mord, Verkehrsunfall oder durch Krieg.

  10. SL_Franziskus

    @ Tim: Ich bin hier bisher nur passiver Mitleser gewesen; aber das ist wieder einer dieser Artikel, wegen denen ich dieses Blog so mag! Das wollte ich jetzt auch einfach mal sagen ;-).

    @ Valueer:
    „Ich für meinen Teil halte mich von Tabak und Waffenproduzenten fern, habe mit Alkoholherstellern aber keine Probleme.“

    Das ist letztlich auch meine Position. Mit Alkohol schadet man vor allem sich selbst und höchstens indirekt anderen (auch wenn die Folgen natürlich verheerend sein können). Bei Waffen und meist auch bei Tabak (passiv mitrauchende Familie, Freunde oder sonstige Umstehende) sind andere Menschen (= eigentlich Unbeteiligte) direkt und ohne eigene Entscheidungsmöglichkeit betroffen.

    @ Vali:
    „Mittlerweile ist es mir einfach nur wichtig, dass ich die Firma als Investment mag.“

    Kann ich verstehen; ich brauche aber gerade auch den ethischen Aspekt, um mit einem Langzeitinvestment glücklich zu werden. Im Zweifelsfall (Grauzonen wie z. B. bei Ametek) lasse ich meinen Bauch entscheiden. Entsprechend investiere ich auch nicht in ETFs. Ich muss jedes einzelne meiner Investments genauer kennen, um mich damit wirklich wohlzufühlen ;-).

    @ Oliver:
    „Was die Ethik beim Investieren betrifft, wird es unlösbar, wenn man seine moralischen Standpunkte mal wirklich überprüft.“

    Das stimmt sicherlich, es wird niemals 100 % ’saubere‘ Lösungen geben (wie in allen anderen Lebensbereichen und -situationen auch, würde ich behaupten). Mein Anliegen ist aber schon, die „größten Sauereien“ auszuschließen. Die Kriterien sind da natürlich individuell.

     

  11. Felix

    Ich bin eigentlich froh, dass es im Westen (Deutschland und USA) technologisch überlegene Waffenhersteller gibt. Hätten wir die nicht, hätten die Gegner der freien Welt (und davon gibt es weiß Gott genug davon) uns Un- oder Andersgläubigen längst die Kehle durchgeschnitten. Wer in Freiheit leben will, muss auch bereit und vor allem fähig sein, sie und sich zu verteidigen.

    Da nützt es nichts, sich auf ein hohes moralisches Ross zu setzen. Darüber lachen sich die Schergen des IS höchstens kaputt und das ist nur eine von vielen terroristischen Organisationen, die unserer liberalen Welt den Garaus machen möchte, wenn sie denn in der Lage dazu wären. Und damit das bleibt, brauchen wir überlegene Waffentechnik.

  12. Vali

    @SL_Franziskus

    Willkommen im aktiven Schreiben 🙂 Freue mich :-9

    Ich glaube, dass wir hier alle gern umweltfreundlich, menschenwürdig, sauber und moralisch korrekt investieren würden. Ich glaube, dagegen hat keiner was.

    Die Frage ist nur wie?

    Ein Beispiel nur : Ich habe mir gerade Siemens gekauft, weil unsere Telefone von Siemens sind und demnächst ein neuer Kauf ansteht. Jetzt lese ich Rüstung als Zweitgeschäft-Diskret im Dienste der Bundeswehr.

    So! Was, soll ich jetzt auf Tims gute und berechtigte Artikel schreiben, wenn ich eigentlich als gute Langzeitinvestorin glänzen wollte. Ich nehme die Divis mit und verkaufe, hoffentlich bald mit Gewinn.

    Im Artikel sind DHL und Deutsche Bahn. Ich habe aufs Auto verzichtet, um umweltfreundlicher zu leben und pumpe in die Fahrkarten der Deutschen Bahn. Ich halte Aktien der Deutschen Post (DHL). Man kann nicht sauber bleiben.

    Und ganz ehrlich, stell dir folgende Situation vor. Der Raucher steht am Bahnhof in der Raucherzone. Ich atme seinen Rauch ein, das ist so, das kann man nicht vermeiden und denke: „Ich habe ein gutes Gewissen, denn ich habe nicht in  (die gutlaufenden) Tabakkonzerne investiert, nicht die üppige Dividende kassiert, um seine und meine Gesundheit zu schützen!“

    Der würde mich doch auslachen 😉

  13. SL_Franziskus

    @ Felix: Es ist ohne Zweifel ein moralisches Dilemma und natürlich dienen Waffen auch der Verteidigung, also unter Umständen einem in diesem konkreten Fall guten Zweck. Dennoch entsteht dabei immer ein Schaden, Waffen sind also per se destruktive Mittel (leider manchmal notwendig – ich bin kein Pazifist; aber eben kein Weg, um etwas aufzubauen). Deshalb hab ich einfach für mich beschlossen, damit kein Geld zu verdienen. Das möchte ich lieber mit konstruktiven Dingen tun. Für mich sind das insbesondere Essen und Trinken, Kleidung, Konsumgüter, Gesundheit/Medikamente/Medizintechnik, Bildung,… Mit allen moralischen Fallstricken, die das auch wieder mit sich bringt ;-). Ich finde es einfach wichtig, dass wir als Menschen und eben auch als Anleger/Investoren bewusst und achtsam handeln – das verändert meiner Meinung nach die Welt mehr in eine positive Richtung als alle dogmatischen Entscheidungen.

    @ Vali: Das ‚Wie‘ ist jeden Tag eine große Herausforderung ;-)! Die Hände macht man sich immer schmutzig, wie deine Beispiele ja schön zeigen. Wir sind halt Menschen und begrenzt und fehlbar und die Welt ist nicht perfekt (dadurch aber auch spannend).
    Ich investiere sehr viel Zeit in Recherche, bevor ich eine Aktie kaufe. Und hab dennoch in Einzelfällen auch später nochmal verkauft, weil das Papier von der ethischen Ausrichtung her doch nicht zu mir gepasst hat. Grade bei den Mischkonzernen wird’s halt schwierig. Ich habe z. B. eben nicht in Ametek investiert, obwohl mir die Aktie an sich gut gefällt und es ja alles andere als ein reiner Rüstungskonzern ist. Aber sie passt nicht zu mir, sagt mein Bauchgefühl. Kann man jetzt für Spinnerei halten; hab es aber trotzdem zu einem diversifizierten Portfolio mit ca. 35 Werten gebracht ;-). Tabak ist sicher nochmal ambivalenter (nicht nur destruktiv, sondern eben auch Genussmittel). Dennoch mag ich daran nicht mitverdienen.

  14. Ozwalt Schmitt

    Ich glaube, eine ethische Diskussion über Aktienbesitz ist äußerst schwierig. Das Geld, das man für die Aktie zahlt, kommt ja nicht dem Unternehmen zugute, so unterstützt man es eben auch nicht.

     

    Allerdings profitiert man durch Kursgewinne und Dividenden eben doch davon und das ist evtl. für den einen oder anderen eine harte Nuss zu knacken.

     

    Man kann aber doch etwas tun, jeder ganz persönlich: Geht zu den Hauptversammlungen (wenn sie denn in der Nähe sind), fordert Euer Rederecht ein und stellt der Geschäftsführung Fragen. Unangenehme Fragen. Alle vollkommen unabhängig voneinander und bitte auch ausreichend elaboriert, damit Ihr nicht für Spinner gehalten werdet.

     

    Wer es nicht so recht mit dem öffentlichen Reden hat, kann wenigstens sein Stimmrecht wahrnehmen. Wenn genügend mitmachen, kann das eine Art Graswurzelbewegung werden, über die dann auch die Medien berichten und spätestens wenn es schlechte Publicity zu befürchten gibt, wird etwas passieren.

     

    Darüber hinaus kann man übrigens auch pazifistische Parteien wählen. Die aktuell im Parlament vertretenen Parteien, insbesondere die Regierungskoalition, kann man da sofort ausschließen. AfD und Konsorten natürlich ebenfalls. Vielleicht die Linken? Möglicherweise die Piraten? Die Partei? Müsst Ihr selbst entscheiden, lest die Wahlprogramme, tretet selbst ein, werdet aktiv.

     

    Und vor allem: Geht dann auch wählen. Bei einem Nichtwähleranteil von über 40% braucht man sich nicht zu wundern. Die Politiker fühlen sich damit bestätigt, dass es eh keinen interessiert, was die so machen.

     

    So. Sorry. Mein erster Post und gleich so ein Sermon 😉

    Grüße,

    Oz

  15. wirtschaftswaisewirtschaftswaise

    @Felix

    Danke für die klaren Worte.

    Wir sitzen alle bei stabiler Internetverbindung, vollem Kühlschrank und warmer Heizung an unseren Laptops und lesen Finanzblogs. Und das ist sicher nicht so, weil Leute wie Claudia Roth am liebsten mit dem IS über die Relativierung von unseren westlichen Werten verhandeln würden, sondern weil es auf diesem Planeten noch eine paar fähige und gut ausgerüstete Steitkräfte (vor allem USA, Israel, GB und Frankreich) gibt, die immer wieder die Köpfe hinhalten und Gefahren eindämmen.

    Natürlich hätte man den Saudis niemals Waffen verkaufen dürfen. Wenn man nicht verlogen klingen möchte, sollte man aber auch erkennen, dass man ihnen nie auch nur ein Fass Öl hätte abkaufen dürfen.

    Ich stehe zu meinen Lockheed-Aktien. Sie sind rentabel und sorgen zu einem winzigen Teil dafür, dass wir hier so leben können, wie wir es uns wünschen.

  16. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Danke für die vielen Kommentare. Jeder greift hier etwas Nachdenkliches auf. Ein Anfang ist geschaffen, wenn wir Menschen nachdenken.

    Ich besitze keine Rüstungs-, Tabak- und Alkoholhersteller. Klar ist es schwer eine Linie zu ziehen. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Ich finde den Vorschlag von Oz gut, sich als Aktionär bei Unternehmen kritisch einzubringen, Fragen zu stellen, vom Stimmrecht Gebrauch zu machen.

    Einem Fonds sollten wir als Anteilseigner Fragen stellen. Schließlich bezahlen wir den Fonds: Wo investieren Sie? Wie ist Ihre Haltung zu…?

  17. Patently Absurd

    Ich hätte persönlich keine Probleme, Anteile eines Tabakhersteller zu halten, wenn sie wirklich günstig zu haben sind. Außerdem ist es immer eine gute Idee, sich kritisch als Aktionär einzubringen – langfristig dient dies auch zum Wohle des Unternehmens.

    Es ist allerdings nicht Aufgabe des Unternehmens, des Unternehmers oder eines Aktionärs, den Markt zu regulieren.

    Bei Konsumgütern sollte der Kunde mit seinen Kaufentscheidungen den Markt steuern, dies auch letztlich in seinem ureigenen Interesse. Wer ein Huhn für 2 EUR/Kilo kauft, sollte sich in der Tat fragen, wie das Huhn so günstig hergestellt werden konnte und ob er nicht freiwillig etwas mehr für gutes Fleisch ausgeben kann. Essen, Getränke von hoher Qualität sollten ihren Preis haben. Gleiches gilt für Kleidung, Presseprodukte/Informationen und viele andere Produkte oder Dienstleistungen, die wir als Konsumenten kaufen können. In den Branchen der Wirtschaft, in denen der Konsument keine Kaufentscheidungen treffen kann, z.B. in der Rüstungsindustrie, sind aus meiner Sicht die Politiker gefragt – diese treffen die Investitionsentscheidungen für den Steuerzahler und müssen sich von der Wählerschaft hierfür verantworten.
    Anders wird es nicht gehen. Wer den Alkohol- oder Tabakkonsum wirksam in Deutschland unterbinden will, muss sich politisch für die Prohibition einsetzen.

  18. Thomas

    Wie wir ja gerade leider festellen müßen werden westliche Werte wie Demokatie, Toleranz, Respekt dem anderen Geschlecht gegenüber und Weltoffenheit von anderen Menschgruppen als schwäche angesehen. Insofern stimme ich @Felix vollkommen zu.

  19. Anna

    @ Patently Absurd

    Deinem Beitrag ist nichts hinzuzufügen.

    Allerdings: Für die Prohibition wird sich keiner politisch einsetzen (wäre politischer Selbstmord). Man denke nur an den Ausfall an Nikotin- und Alkoholsteuer und demzufolgende auch fehlende Mwst.-Einnahmen.

    Ein großes Problem wäre dann das organisierte Verbrechen. Schwarzhandel, Bandenkämpfe usw. Prohibition hat damals in den USA und auch anderen Ländern nicht funktioniert. Gesünder werden die Leute nicht, im Gegenteil, es wird z.B. mehr Methanoltote geben durch die Schwarzbrennerei. Geraucht wird dann alles mögliche (selbstgedreht mit Kräutern, Bahndamm 3. Ernte).

     

  20. dieter

    Hallo,

    aller Übel der Sache ist das ÖL, im Irak ,Saudi Arabien.

    Die Amis waren wegen Bin Laden in Afghanistan,was wir Deutschen dort machten, ist ein bischen Rumfahren und zuschauen, mehr aber nicht.

     

    Hätte man im nachhinein die Despoten wie zb Hussein, Gaddafi am Leben gelassen,würde es uns allen besser gehen,oder besser gesagt Friedlicher.

    Aber das wusste keiner vorher.

     

    lg Dieter

  21. Peter

    Willkommen im Kapitalismus, Leute.

    Waffen sind auch nur ein Produkt, das zur Gewinnmaximierung dient. Nicht umsonst besitzen viele Vertreter der Rüstungsindustrie Zugang zur Bundesregierung, den sie auch wöchentlich nutzen! Nur mal bei abgeordnetenwatch schauen.

    @SL_Franziskus

    Was ist mit Wal-Mart? Die verkaufen Waffen.

  22. SL_Franziskus

    @ Peter: Bei Wal-Mart kommt so einiges zusammen, weswegen ich diese Aktie niemals haben möchte. Waffen sind da nur ein Thema. Das gilt aus anderen Gründen z. B. auch für Nestlé. Am Ende ist es für mich immer eine Einzelfallentscheidung, ob ein Unternehmen unter dem Strich (ökonomisch und ethisch) zu mir passt.

  23. Vali

    @SL_Franziskus

    Welche bleiben denn dann übrig (ökonomisch und ethisch)?

    Wasser, Wald und grüne Energie?

    Gib uns ein paar Beispiele… bitte 🙂

  24. Peter

    @SL_Franziskus

    Schwieriges Thema, da so subjektiv.

    Wäre auch mal auf Deine Beispiele gespannt.

    Nehmen wir mal Solarworld – wie bewertest Du die? Produkt „ethisch“, aber auch nur, wenn man den Müll und die Entsorgung ausblendet. Wie stehst mit dem Chef und seinem Verhalten? Auch ethisch ok?

    Gut, nehmen wir eine Starbucks. Propagiert Fair Trade bei Kaffee. Oder Wholefoods?

    Pharmawerte dürftest Du auch keine haben. Autos – außer vielleicht Tesla, wobei was ist mit dem Thema Batterieentsorgung? – auch nicht. Nahrung? Vielleicht eine Hain Celestial?

    Für Dich könnten – ohne Witz – Investitionen in Kooperativen oder Syndikate etwas sein.

  25. SL_Franziskus

    @ Vali und Peter: Also Solarworld hat schon mal keine Chance – aus verschiedensten Gründen ;-). Ich bin bei solch politisierten Märkten wie Energie sowieso eher skeptisch. Ganz interessant ist noch Capital Stage; bin aber zurzeit nicht investiert.
    Tatsächlich bin ich bei ein paar Genossenschaften dabei, weil ich den Ansatz sehr unterstützenswert finde und zusätzlich auch die 2-3 % Dividende gern mitnehme.

    Jetzt aber zu den Aktien: Starbucks finde ich unter dem Strich gut, auch wenn man die Steuertricks kritisieren kann. Wholefoods hatte ich mal eine Zeit. Könnte jetzt wieder günstig zum Einstieg sein, aber mein Bauch ist eher dagegen, da zu volatil und letztlich doch vielleicht zu sehr Nische. Tesla ist faszinierend, aber mir zu spekulativ. Gegen Pharma hab ich grundsätzlich nichts, das ist natürlich aber auch wieder Ansichtssache.

    Einige meiner „Lieblinge“ sind z. B. Fresenius, P&G, J&J, Colgate-Palmolive, Reckitt Benckiser, Church & Dwight, Ecolab, Novo Nordisk, Visa, Geberit, O‘ Reilly Automotive, Stericycle oder Henry Schein (bei den letzten drei allerdings keine Dividende). Grade in Deutschland gibt es meiner Meinung nach zudem in der zweiten und dritten Reihe sehr interessante Werte, z. B. Fielmann, Amadeus Fire, Rational, Fuchs Petrolub, Umweltbank oder CTS Eventim. Anschauen kann man sich auch mal Svenska Cellulosa oder Rosenbauer. Besonders spannend finde ich zurzeit außerdem Halma aus GB.

    Wie gesagt, eine rein persönliche Auswahl. Sicher wird man auch zu diesen Unternehmen ethische (und ggf. auch ökonomische) Einwände finden können. Die Welt ist halt nicht perfekt, das muss sie aber auch gar nicht sein :-). Mein Ziel ist einfach, die (aus meiner Sicht) größten Sauereien rauszulassen und trotzdem in solide Unternehmen zu investieren.

     

     

  26. Vali

    @SL_Franziskus , danke dir! Gute Unternehmen.

    Dazu habe ich trotzdem ABERs und das wird dir beweisen, dass die ethische und moralische Aktienauswahl sehr subjektiv ist.

    Ich halte P&G und einige Zeit habe ich versucht auch nur ihre Produkte zu kaufen, als gute Konsumentin und zufriedene Aktionärin 😉

    Ihre Shampoos sind voller Silikone. Die sechs größten Feinde unseres Trinkwassers  Mein (langes) Haar hat an Glanz verloren und ich habe ein wenig gegoogelt. Wundermittel-oder-Teufelszeug Chemische Substanzen wie Sodium Lauryl Sulfate, Sodium Laureth Sulfate oder Silikonöle sind aggressive Extrakte, welche die Kopfhaut eher schädigen als pflegen.

    Schadstoffe und bedenkliche Inhaltstoffe in Kosmetika

    Giftstoffe im Shampoo

    Ich benutze nur noch Naturkosmetik. Leider nicht Börsennotiert. Und leider auch nicht perfekt.

    P&G habe ich seitdem reduziert.

    Und hier auch Bayer und JNJ:

    Nivea, Bebe, Penaten: Gefährliche Substanzen in Cremes

    Die Umweltaspekte sind auch nicht zu vernachlässigen. Nicht in Öl zu investieren, bedeutet nicht, dass man einwandfreie Kosmetik oder nur umweltfreundliche gesundheitlich unbedenkliche Produkte benutzt.

    Trotzdem wünsche ich allen Aktionären gute Geschäfte!

    … mögen mir meine Kinder verzeihen…

     

  27. Vali

    Ach ja, und hier widerspreche ich meinem eigenen Widerspruch, dass Naturkosmetik besser ist 😉

    Die dreistesten Produktlügen – von Biotherm bis Yves Rocher

    Colgate-Palmolive wirbt für die Palmolive Naturals Olive & Feuchtigkeitsmilch Cremedusche auf der Verpackung „mit Inhaltsstoffen 100 % natürlichen Ursprungs“. Der Oliven- und Aloe-Vera-Extrakt steckt aber nur in Spuren in der Duschcreme. Beide Naturstoffe stehen in der Zutatenliste hinter dem Konservierer Sodium Salicylate, der auf 0,5 Prozent in Kosmetika begrenzt ist.

    Wie gesagt, leider nicht börsennotiert sind die richtig Guten:

    Echte Naturkosmetik mit dem Gütesiegel „kontrollierte Naturkosmetik“, Ecocert oder Natrue kaufen. Die Produkte sind etwa als Eigenmarken in Drogerien oder Öko-Supermärkten erhältlich und auch vom Preis her eine Alternative zu vermeintlich grünen Kosmetika.

  28. Peter

    @SL_Franziskus

    Danke für die Aufzählung. Grundsätzlich finde ich das sehr sympathisch, wenn jemand nach seiner persönlichen Überzeugung anlegt, denn Geld regiert die Welt und wenn man eben nur im Kleinen seinen Beitrag dazu leistet.

    Ich vermeide Unternehmen wie Monsanto oder Produzenten von Waffen und besonders Streumunition. Leider sind viele (nicht alle) „ethische“ ETFs und Fonds auch nur Mogelpackungen, die einen „best of“-Ansatz fahren. Also, die besten von den schlechten wählen.

    Henkel gilt z.B. als das nachhaltige Vorzeigeunternehmen in Deutschland. Das trifft sicherlich in vielen Bereichen auch zu (Ökobilanz etc.), nur kann man auch dort trefflich drüber streiten.

    Wholefoods ist zum Beispiel aus einigen Nachhaltigkeitsfonds/Pensionsfonds geflogen als sie angefangen haben Tabak zu verkaufen.

  29. SL_Franziskus

    @ Vali: Du hast Recht, nichts ist perfekt und Unternehmen nutzen viele fragwürdige Möglichkeiten, um die Gewinne zu steigern. Deshalb gebe ich mich nicht der Illusion des rundum „sauberen“ Investments hin. Und mein eigenes Einkaufsverhalten ist auch wesentlich strenger. Gleichwohl: Wir machen uns im Leben (nicht nur an der Börse) ständig die Finger schmutzig. Das wird sich aus meiner Sicht auch nicht elementar ändern können, der Mensch bleibt der Mensch.
    Ich bin auch ganz grundsätzlich kein Öko-Investor. Mein Ziel ist der Ausschluss gewisser von mir als destruktiv eingeschätzter Geschäfte, an denen ich nicht mitverdienen möchte. Zudem schaue ich mir immer mal die Most Controversial Companies von RepRisk an, um auch extrem kontroverse Geschäftspraktiken im Blick zu haben. Für alles andere sind bei mir die schon angesprochenen Genossenschaften zuständig, dazu kommt mit ganz kleinem Geld noch ein wenig „Impact Investing“. Auch wenn das alles manchmal sehr unzureichend und unbefriedigend ist, wie deine Beispiele so treffend illustrieren ;-)!
    Das Schöne an einer marktwirtschaftlichen Ordnung ist aber irgendwie auch, dass allzu dogmatische Vorstellungen schnell mit der harten Realität konfrontiert werden. Der Sozialismus hat ja gerade die besten menschlichen Eigenschaften wie Idealismus, Duldsamkeit und Bereitschaft zum Verzicht zugunsten anderer derart korrumpiert, bis es am Ende den meisten gleich schlecht ging. Da ist mir die heutige Realität im Zweifel immer noch etwas lieber.

    @ Peter: Die Kriterien bleiben ein Stück subjektiv. Ein gutes Beispiel ist hier auch Mayr-Melnhof. Weltweit größter Hersteller von Recyclingkarton – nicht zuletzt für die Tabakindustrie ;-)!
    Bei den ethischen ETFs finde ich den UBS MSCI World Socially Responsible noch am besten, weil er immerhin klare Ausschlusskriterien definiert (und dabei strenger ist als so mancher teure aktiv gemanagte Fonds).

     

     

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