Ruhe nach dem Sturm


New York, 18. März 2008

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Heute erholt sich die Wall Street nach dem Rutsch gestern. Die Fed wird heute die Leitzinsen senken, ein neues Signal setzen. Hoffentlich verschießt sie nicht ihr Pulver. Was bleibt ihr eigentlich, außer die Zinsen zu senken?
Gut möglich, dass der Markt noch öfter in den nächsten Tagen und Monaten neue Tiefs markiert. Alles in allem scheint sich aber alles zu beruhigen. J.P. Morgan hat nach der schnellen Übernahme der maroden Investmentbank Bear Stearns ein Schnäppchen gemacht. Gestern zählte J.P. Morgan zu den besten Werten im Dow Jones. Um zehn Prozent stieg der Primus unter den US-Banken, obwohl der gesamte Markt zusammenstürzte.
Die Gerüchte um eine neue Pleite bei Lehman Brothers haben sich nun beruhigt. Die Bank hat die Zahlen heute vorgelegt, der Quartalsgewinn lag sogar über den Erwartungen.
Bei Bear Stearn werden wohl die Hälfte der Angestellten ihren Job verlieren. Viele sind verärgert, dass ihre Bank für nur zwei Dollar verkloppt wurde. Die meisten sind Aktienbesitzer, ein Drittel der Anteilsscheine liegen bei den Mitarbeitern. Gestern wurde bekannt, dass gegen den Deal geklagt wird. Weil der Verkauf der Bank über das Wochenende abgewickelt wurde, gab es gar keine Möglichkeiten, die Aktien zu handeln beziehungsweise nach einem anderen Käufer zu suchen. Zudem rätseln viele hier, wie der Bear-Stearns-Vorstandschef noch vor wenigen Tagen in die Kameras sagen konnte, dass es keine Liquiditätsprobleme gibt und dass das Eigenkapital pro Aktie bei mehr als 80 Dollar liegt.
Anleger machen die besten Investments auf lange Sicht in Korrekturphasen. Also legen Sie sich auf die Lauer. Aber angesichts der hektischen Schwankungen ist das Parkett nichts für schwache Nerven.


tim schaefer (Author)

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Ruhe nach dem Sturm


New York, 29. Januar 2008

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Das Börsenparkett ist nichts für schwache Nerven. Es gab in den zurückliegenden Wochen immer mal wieder Tage, an denen es zu panikartigen Verkäufen kam. Der Liebling vieler Anleger, Apple, brach beispielsweise ein. Zu Jahresbeginn touchierte der Apple-Kurs noch die 200-Dollar-Marke. Nun steht der Titel bei 131 Dollar. Apple-Chef Steve Jobs nahm das Kursdesaster zum Anlass für eine email. Darin äußerte sich der Apple-Mitbegründer zuversichtlich über die Zukunftschancen des Mac- und iPhone-Herstellers. Der Schock sitzt also auch ihm im Nacken. Ich rate zur Gelassenheit! Die Krisenstimmung bietet grundsätzlich gute Gelegenheiten für Käufe.
Als ich vorige Woche am Dienstagfrüh, 22. Januar 2008, im New Yorker Penn Club auf der 44. Straße eine Nebenwertekonferenz besuchte, waren nur rund 20 Investoren anwesend. So wenig Leute – kaum zu fassen. Die überraschende Zinssenkung der FED um einen Dreiviertelpunkt auf 3,5 Prozent sowie der verheerende Kursrutsch in Europa vom Vortag jagte den Wall-Street-Leuten offenbar einen gehörigen Schrecken ein. Wer will sich in einer solchen Situation schon neue Anlagemöglichkeiten anschauen?
In der Tat bewegt die Rezessionsangst, die Inflation, das lausige Weihnachtsgeschäft, die Immobilien- und Bankenkrise die Gemüter. Um die besonders tief gestürzten Finanzwerte wie beispielsweise Citigroup machen viele einen weiten Bogen. Die Sorge vor weiteren Abschreibungen im Zuge der subprime-Krise ist groß. Doch das Schlimmste scheint ausgestanden zu sein. Schwimmen Sie also gegen den Strom und decken Sie sich ein! Aktuell notiert der Citigroup-Gigant bei 27,91 Dollar. Gerade Titel aus dem Finanzsektor hat es schwer getroffen. Hier lohnt es sich zu wildern: Der US-Bankriese Wachovia stürzte binnen Jahresfrist von 57 auf aktuell 37,90 Dollar. Hier könnte sich ebenfalls langfristig ein Einstieg auszahlen.
Sechs Billionen Dollar sind durch den Kursrutsch rund um den Globus an Papierverlusten aufgetürmt worden in den ersten Börsentagen des neuen Jahres. In den US-Zeitungen auf Seite eins erscheinen tagtäglich Hiobsbotschaften. Selbst im Weißen Haus glühten die Drähte. Jedenfalls telefonierten vor gut einer Woche Finanzminister Henry Paulson und Präsident George Bush miteinander – beide hatten Sorgen wegen der weltweiten Panikverkäufe. Die Angst war groß, dass der Ausverkauf aus Fernost und Europa am Dienstag, 22. Januar 2008, sich an der Wall Street fortsetzt. Doch der Zinsschnitt beruhigte zunächst die Gemüter.
Am Mittwochmorgen, 23. Januar 2008, vor der Börsensitzung nahmen dann die Sorgen wieder zu in New York. In Europa standen die Leitbörsen mit Abschlägen von fünf Prozent und mehr tief im Minus. Im führenden Wirtschaftskanal CNBC sagten die Reporter, es gebe Gerüchte um weiteren Abschreibungsbedarf bei den europäischen Banken. Aber die Börsen haben sich seither etwas erholen können. Es riecht nach einer Bodenbildung. Versöhnlich endete jedenfalls der Mittwoch, 23. Januar 2008. Der Dow-Jones-Index schloss mit einem Plus von 2,5 Prozent bei 12.270 Punkten. Die Weltleitbörse atmete auf. Das kann’s schon gewesen sein, das Gröbste der Korrektur scheint vorerst vorüber zu sein. Heute schloss der Dow Jones bei 12.480 Punkten mit 0,8 Prozent im Plus. Im schlimmsten Fall sehe ich das Szenario so: Der Dow-Jones-Index kann durchaus noch einmal um zehn Prozent korrigieren.
Alles in allem sehe ich trotz aller Aufregung Licht am Ende des Tunnels. Es ist jetzt nicht die Zeit für Panik. Im Gegenteil. Wer Krisentage nutzt, kann einen guten Schnitt machen. Suchen Sie nach value-Aktien, etwa gefragte Markenhersteller, die profitabel sind. Es gibt hier so sehr viele. Besonders die Titel mit herben Kurseinbrüchen bieten sich an. Gut möglich, dass die Banken zum Beispiel in zwei, drei Jahren ihre Renaissance erleben.
Viel stärker als die Finanzwerte stehen indes Industriegiganten wie Pepsi (akt. 68,63 Dollar), der Ketchup-Produzent Heinz (akt. 43,30 Dollar) oder der Cornflakes-Produzent General Mills (54,70 Dollar) da. Alle drei sind ein Kauf für mich. Die meisten Bilanzen der US-Flaggschiffe waren noch nie so solide wie derzeit. Die Firmen horten soviel Geld wie nie zuvor in ihren Kriegskassen. Sie kaufen Aktien zurück, stemmen reihenweise Akquisitionen und setzten Kostenkürzungen durch. Und vergessen Sie nicht: Egal, ob wir nun eine Konjunkturschwäche haben oder nicht, gegessen wird immer.
Eines ist ebenfalls klar: Die fünfjährige Hausse an der Weltleitbörse, die im Frühjahr 2003 begann, ist nun vorerst zu Ende gegangen. Was nun folgt sind starke Kursschwankungen in beide Richtungen. Ein paar Monate dürfte das dauern. Auf lange Sicht wird der Dow Jones wieder neue Rekordmarken ausbilden. Das macht der Index seit mehr als einhundert Jahren. Geduld ist also Trumpf!


tim schaefer (Author)

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