Rostlauben auf den Straßen


New York, 19. Februar 2013

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Auf Amerikas Straßen sind jede Menge Rostlauben unterwegs. Im Schnitt sind die Autos elf Jahre alt. Noch nie zuvor waren die Fahrzeuge so alt. In dem rollenden Schrotthaufen liegt eine Chance. Die Verbraucher müssen ihre Autos erneuern. Das Foto machte ich vor einiger Zeit am Central Park, die „rote Schüssel“ in der Bildmitte sieht uralt aus.
Eine Zeitlang können Verbraucher sicherlich alte Sitze, Beulen und Rost ertragen. Irgendwann kommt aber der Tag, an dem das alte Ding mit einem neuen Wagen eingetauscht werden muss. Endlos einen Wagenkauf aufzuschieben, macht ab einem gewissen Stadium keinen Sinn mehr – dann nämlich, wenn die Reparaturen massiv zunehmen. Ein schöner Nebeneffekt: Die neuen Dinger verbrauchen weniger Sprit, was Geld spart.
Im Jahr 2007 wurden noch 16 Millionen Neuwagen verkauft. Dann kam die Finanzkrise. Anschließend die Große Depression. Auf dem Höhepunkt des Desasters, im Jahr 2009, verließen nur 9 Millionen Autos die Verkaufshallen. Jetzt sind es wieder 15 Millionen Stück.
Aufgrund des massiven Nachholbedarfs schrieb ich einen Artikel über General Motors. Nach dem Erscheinen des Artikels stockte Warren Buffett sein Aktienpaket um 60 Prozent auf. Dem Genie gehören nun über seine Beteiligungsgruppe Berkshire Hathaway 25 Millionen Aktien im Wert von 720 Millionen Dollar. Mich wundert Buffetts wachsendes Interesse kaum: GMs Bilanz ist nach dem Insolvenzverfahren bärenstark. Es gibt unterm Strich keinerlei Schulden mehr. Der Riese schwimmt im Geld. Es liegen elf Milliarden Dollar in der Kasse. Daher kann GM das Aktienpaket des Staates zurückkaufen. GM ist profitabel. Der Marktführer steuert auf neue Erfolge zu. Nur in Europa steckt die Tochter Opel in den roten Zahlen. Aufgrund gigantischer Verlustvorträge muss GM Insiderschätzungen zufolge in den kommenden Jahren so gut wie keine Steuern an den US-Fiskus abführen. Sprich der Vorsteuergewinn landet mehr oder weniger direkt in der Netto-Zeile.
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) ist mit 0,25 spottbillig. Im Vergleich mit der Konkurrenz ist das wenig. Im Branchenschnitt erreicht das KUV 0,63, ist also mehr als doppelt so teuer. Volkswagen bekommt den 0,42-fachen Umsatz zugebilligt.
Ebenfalls schrieb ich über Ford. In dem Kurs der Ikone mit dem blauen Logo steckt Potential. Die US-Autobauer sind noch nicht in die Gänge gekommen. Verglichen mit BMW und VW sind sie zurückgeblieben.
In den USA gab es einstmals tausende Automobilbauer. Daraus sind ganze 3 in Detroit hervorgegangen: GM, Ford, Chrysler. Ich denke, es gibt genug Platz im Markt für das Trio. Nach dem Ende der Wirtschaftskrise spricht jedenfalls viel dafür.
Vor 100 Jahren schossen die Kfz-Hersteller in den USA wie Pilze aus dem Boden. Das ist immer so, wenn eine neue Industrie entsteht. Es ist wie im Goldrausch. Es entsteht eine Aufbruchstimmung. Eine unglaubliche Euphorie. Das war auch bei den Eisenbahnen zu beobachten. All die Autofirmen verschwanden schnell wieder.
Das zeigt uns: Es lohnt sich nicht, wenn eine neue Industrie entsteht, als Anleger von Anbeginn dabei zu sein. Das ist im Internet, in der Biotechnologie und anderen Bereichen zu beobachten. Die meisten Buden werden binnen ein paar Jahren verschwinden. Den knallharten Ausleseprozess überlebt immer nur eine Handvoll Anbieter.
Ich bin der Meinung: Das meiste Geld wird an der Börse mit den Qualitätsfirmen, mit den Marktführern, verdient. Natürlich gibt es unter den Mittelständlern etliche Perlen, sogar Marktführer. Meinen Depotschwerpunkt lege ich auf die ganz starken Konzerne. Bei den Minis (Small Caps) sollten Sie besonders vorsichtig sein. Logisch, alle Großen fingen mal klein an. Trotzdem denken Sie an den ständigen Kampf ums Überleben.
Gibt es eine bahnbrechende Entdeckung, ein neues Spezialgebiet, kommen übrigens jede Menge Betrüger auf die Idee, aus der allgemeinen Euphorie Gewinne zu ziehen. Ich empfehle zum Beispiel bei den Versprechen unseriöser Stammzellentherapeuten vorsichtig zu sein. Dubiose Behandlungsmethoden gibt es leider wie Sand am Meer. Diese US-Doku zeigt das Problem auf.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Rostlauben auf den Straßen

  1. Thomas

    Ja warum sind die Autos so alt auf den Straßen? WEil die Leute vermutlich kein Geld haben. Und wenn Autos gekauft werden um die alten Kisten auszutauschen dann vermutlich wohl eher wieder Gebrauchte.

    Zu den Boomfirmen. Der nächste wird wohl bei den Gasfirmen sein. Da wirds dann bald so sein wie bei den Solarfirmen.

  2. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Ich fahre privat einen BMW 318i Limousine EZ 08/2002. Damals habe ich den Wagen sogar als Neuwagen gekauft und mein BMW ist jetzt über 10 Jahre alt und er läuft und läuft und zeilos schön. Ich habe gar nicht das Bedürfniss mir einen neuen gebrauchten Wagen zu kaufen.

    Lieber investiere ich mein Erspartes weiterhin konsequent in Value Aktien wie z.B. Pfizer, MCD,Coca Cola usw.

  3. Jan

    Ich denke es ist egal ob die Leute sich Neuwagen oder Gebrauchtwagen kaufen, denn in den meisten Fällen bedeutet der Verkauf eines Gebrauchten auch wieder den Kauf eines Neuen auf der anderen Seite.

    Der von dir beschrieben Branchenzyklus läuft in der Tat immer sehr ähnlich ab, weshalb sich zum Beispiel gerade die Solarbranche ein wenig konsolidiert. Im Kontext der KFZ-Hersteller ist dieser Zeitpunkt schon lange überschritten. Hier kann ich mir aber vorstellen, dass es im Bereich electromobility einen „Zukunftsmarkt“ gibt, es bleibt abzuwarten, ob es die alten Markenhersteller schaffen oder ob es viele neue Unternehmen geben wird.

    Warren Buffet sagte zu diesem Branchenzyklus neulich, dass es vor 100 Jahren nicht schlau gewesen wäre auf einen Autohersteller zu setzen, viel besser wäre es gewesen Pferde zu shorten 🙂

  4. Chris

    Ich habe es hier schonmal erwähnt und gerne wieder:
    Ein Laden der schon einmal an die Wand gefahren wurde, wird vermutlich wieder an die Wand gefahren.
    Das ist zum einem dem Management geschuldet und zum anderen liegen hier oft strukturelle Probleme vor.

  5. Matthäus Piksa

    Am Cleversten ist es aus Verbrauchersicht neue Gebrauchtwagen zu kaufen, sprich 1-3-jährige scheckheftgepflegte Fahrzeuge.

    Keinen Sinn macht es sich einen Neuwagen anzuschaffen, da diese bereits beim Verlassen des Autohauses deutlich an Wert verloren haben.

  6. Martin

    Auch die LKWs in den USA sind relativ alt.

    Ich finde immernoch BMW Vz am besten, habe aber reduziert.
    Die Branche ist zyklisch und ein gewisser Abschlag ist da gerechtfertigt, denn die Fixkosten sind relativ hoch. Muss man eben wissen, ob man so einen Hebel möchte.

    Verdient GM denn außer in den USA noch irgendwoanders Geld? Ich dachte die Finanzsparte macht da das Geld.

  7. Turing

    Ich möchte auch noch auf einen weiteren möglichen Vorteil hinweisen: Autos, die mit Gas betrieben werden. Ein altes Auto wird eher ersetzt als ein frisch gekauftes und wenn es Gas-Autos werden, dann werden die Vereinigten Staaten enorm profitieren.

    Gas muss nicht teuer aufbereitet werden wie beispielsweise Benzin aus Öl gewonnen wird. Bekanntlich haben die USA sehr große Gas-Vorkommen. Sollte diese Entwicklung eingeschlagen werden, dann profitieren die Vereinigten Staaten mehrfach vom Erdgas-Boom:

    1. Import von Rohstoffen werden minimiert.

    2. Die Reindustrialisierung führt zu neuen Jobs, auch für Geringqualifizierte.

    3. Und die könnten günstiger Auto fahren.

    Sollten die Amerikaner auch wieder ein gemäßigteres Konsumverhalten an den Tag legen und ich vermute, viele Amerikaner haben in den letzten Jahren ihren persönlichen Denkzettel erhalten, dann ist die wirtschaftliche, politische, kulturelle und militärische Vormachtstellung der USA gesichert.

    Krisen können sehr heilvoll sein.

  8. Christoph

    Hach, da kommen doch wieder alte Erinnerungen zum Vorschein. Die Einleitung erinnert mich doch glatt an die mittleren Jahre von Peter Lynchs Buch „Beating the street“, als er 1982 zum ersten Mal in größerem Stil in die Automobilwerte investiert.
    Aber wie schon einige vor mir gesagt haben, es wird ein langsamer Prozeß werden bis sich das Durchschnittsalter merklich senken wird. Nur ist es diesmal nicht so, dass die amerikanischen Hersteller in dem Maße davon profitieren werden. Heute sind auch die ausländischen Autobauer stark in den USA vertreten, so dass ich nicht unbedingt auf Ford, GM oder Chrysler als großen Profiteur setzen möchte.

  9. Hansi

    Hallo Tim,

    Du betreibst ja Panikmache und Konsumankurbelung schon mit der Überschrift.

    Ein 10 Jahre altes Modell sieht eben anders aus.
    Vom Aussehen daraus gleich ein schlechtes Fahrzeug zu machen finde ich nicht gut.
    Rostlaube, ist das erwiesen, wie ist der technische Zustand?
    Die Hersteller geben lange Garantien auf ihre Fahrzeuge und ich fahre meine Fahrzeuge mindesten 15 Jahre, ohne Rost und technische Probleme.
    Wenn ich es gekauft habe, muss ich es auch hin und wieder warten.
    Ansonsten gebe ich Dir schon einmal Recht. Auto kaufen und fahren bis es nicht mehr geht, ist das so in Amerika?

    Hansi

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Thomas
    Klar, die Menschen hatten eben keine Kohle für eine neue Karre übrig. Die Finanzierungsangebote der Autohäuser sind spottbillig geworden (wegen der niedrigen Leitzinsen). Und weil die Amis gerne finanzieren, wird jetzt wieder zugeschlagen. Auf Pump eben.

    @ Markos
    Ich fahre nur Bus, Rad und Bahn. Mein Auto habe ich vor 6 Jahren verkloppt. Ich vermisse es nicht.

    @ Jan
    Das Problem mit den neuen Sachen (Solar, Elektroauto etc.) ist, dass viele Firmen daran scheitern werden. Nur wenige gehen als Sieger hervor.

    Um ein Beispiel zu nennen: Die einen sagen der börsennotierten Firma Tesla einen Erfolg voraus, die anderen warnen schon vor einer Pleite. Tesla baut Elektroautos. Es steht der Entrepreneur und Milliardär Elon Musk dahinter.
    Hier machte eine gescheiterte Testfahrt mit einem Tesla-Auto Negativschlagzeilen.

    @ Chris
    Warten wir es ab. Wenn es weniger Wettbewerb gibt, können die Pleiten womöglich ausbleiben. Fusionen, Werkschließungen, Personalabbau helfen hierbei.

    Durch Fusionen gehen in der Regel die Preise rauf. Das sieht man in der ruinösen Airline-Branche derzeit. Seit der Konsolidierung (M&A) geht es den Fluglinien besser. Der harte Kampf um Preise ist in den USA vorbei. Die Zeche zahlt jetzt der Fluggast.

    @ Matthäus
    Das sehe ich genauso. Ich glaube, Warren Buffett kauft gerne 10 Jahre alte Autos. Niemals kauft er ein Neufahrzeug, obwohl er es sich vermutlich leisten könnte. Seine Frau drängt ihn immer, ein neueres Modell zu holen.

    @Martin
    GM ist sehr stark in China. Dort die Nummer 1.

    Bei BMW finde ich die Klatten-Quandt-Familien eine gute Sache. So eine Familie schützt einen. Da fühlt man sich als Kleinaktionär in guten Händen.

    @ Daniel Sochor
    Wie alt sind die Dinger denn? Vielleicht fahre ich dann lieber mit der Bahn…

    @ Larry
    Was ist mit Traktoren, Flugzeugherstellern, Reifenherstellern ? Was ist übrigens Deine Regel Nummer 1 und 2?

    @ Turing
    Gastankstellen kommen langsam, aber sicher. Sie fangen in einzelnen Bundesstaaten mit LKWs an. Da lohnt es sich eher als bei PKW. Die Anlaufkosten (Tankstellennetz, Erdgas-Pipelines) sind sauteuer. Es rechnet sich also noch nicht ganz. Es sind eher Prestigeprojekte. Aber Du hast vermutlich Recht: Es wird zum Erdgas einen großen Trend hin geben, weil es so viel günstiger gegenüber dem Erdöl und Strom ist. Etliche Häuser rüsten schon auf Erdgas-Kessel zur Beheizung um, weil die Verbrauchskosten ein Drittel billiger sind.

    @ Christoph
    Das stimmt. Toyota. Und die deutschen Marken sind ziemlich stark.

    @ Hansi
    Ne, die Amis konsumieren gerne. Am liebsten auf Pump. ich denke, die alten Autos werden nach und nach vom Straßenbild verschwinden. Es hängt mit der „Großen Depression“ zusammen.

    Ich denke, es sind viele WGs aus der Not heraus entstanden, erwachsene Kinder sind zurück in den Keller des Elternhauses gezogen usw.

  11. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Eigentlich brauch ich auch kein Auto. Ich muss jeden Tag gerade mal 7 km fahren. 3,5 km je Strecke zum Hbf und Abends zurück zur Wohnung. Im Frühling werde ich mein Fahrrad dafür nehmen.

    Ist schon skurril. Ich brauch kein Auto und arbeite als selbständiger IT-Berater seit Mitte 2006 für die Deutsche Automobilindustrie 😉

  12. Martin

    GM hat ein ttm KGV von 7,7, aber BMW Vz sind noch billiger. GM produziert in JVs in China und hat Rekordzahlen für Januar gemeldet. Jedoch verkauft BMW mit höheren Margen im gehobenen Segment. Wenn Stückzahlen begrenzt werden in Chinas Städten, werden erfahrungsgemäß die ärmeren Kunden getroffen und die reicheren BMW Kunden umgehen die Quote. Persönlich sehe ich viel mehr Risiko für GM.

  13. Larry

    Hallo Tim,
    ja das bezieht sich auch auf Traktoren, Airlines, Reifenhersteller, Motorräder u.ä.

    Im Grunde genommen möchte ich damit sagen, dass ich ein langfristiges Investment in kapitalintensive und stark zyklische Branchen generell im vorhinein ausschließe. Und mein flappsiger Einwurf „nicht in Reifen investieren“ deckt schon einen guten Teil davon ab und hat mich in meinem Investmentleben schon vor manch großem Fehler bewahrt… 😉

  14. tim schaefertim schaefer

    @ finanzielle-freiheit-dividende-blog.de/
    Das ist witzig. Ein Rad hat positive Nebeneffekte. Es ist gesund, günstig, cool (solange es nicht regnet).

    @ Martin
    Mag sein. Spannend ist ja, wo mehr Erhöhungspotential (Margenausbau) drin steckt.

    @ Larry
    Die Strategie leuchtet ein.

    @ alle
    Übrigens bekommt der „Mann mit dem Kuckuck“ weniger zu tun in den USA. Die Verbraucher zahlen wieder brav ihre Leasing-Raten fürs Auto. Das zeigt uns: Es geht aufwärts.

    In den USA gab es jede Menge TV-Reportagen über die Auto-Beschlagnahme. Das war aufregend zu sehen. Ich vermute, dass die Szenen für die Kamera gestellt waren.
    Siehe hier ein Streifen von True TV.

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