Restaurantbesuch gestrichen


New York, 25. Juni 2008

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Kürzlich fragte ich Bekannte abends nach dem Joggen: „Habt Ihr Lust noch Essen zu gehen?“ – „Nein danke“, antworteten sie, „wir haben doch Rezession, wir müssen sparen.“ Die Mehrzahl der Amerikaner beginnt angesichts der ökonomischen Flaute, die Ausgaben zu senken. In keinem anderen Land der Welt gehen Menschen so oft außer Haus essen wie im Land der unbegrenzten Möglichkeit. Amerikaner nehmen eigentlich im Schnitt jede zweite Mahlzeit außerhalb der eigenen vier Wände ein. Doch dieser Trend schwächt sich derzeit ab. Der heimische Herd kommt wieder in Mode. Amis kochen öfter zuhause. Sie gehen in Supermärkte auf Schnäppchenjagd. Sie müssen sparen.
Kein Wunder, dass sich Restaurantaktien im freien Fall befinden. Besonders hochpreisige Ketten leiden. Auf dem Foto sehen Sie eine Mahlzeit des Steakhauses Morton’s. Die Aktie hat sich binnen Jahresfrist mehr als halbiert. Aktuell kostet das Papier 6,97 Dollar. Auf die Börsenwaage bringt die edle Restaurantkette nur noch lausige 117 Millionen Dollar. Dagegen weist die Gesellschaft ein Eigenkapital in Höhe von 155 Millionen Dollar aus. Mit anderen Worten können Sie den Betrieb unterhalb seines Buchwertes abstauben. Für Value-Investoren bietet sich hier eine attraktive Gelegenheit. Setzen Sie auf bessere Zeiten! 2007 setzte Morton’s immerhin 353 Millionen Dollar um und verdiente 13 Millionen Dollar nach Steuern.
Anfang März traf ich Konzernlenker Thomas Baldwin und Finanzvorstand Ronald DiNella auf einer Investorenkonferenz bei Bear Stearns. Beide Manager überzeugten mich. Der 1989 gegründete Restaurantbetrieb setzt voll und ganz auf edle Speisen. Im Schnitt zahlt ein Gast für sein Gericht mitsamt Getränken 94 Dollar. Das Steak kostet in der Regel zwischen 40 und 50 Dollar, für hochkarätige Weine geben die Kunden zusätzlich um die 50 Dollar aus. Das Imperium ist mittlerweile auf 78 Steakhäuser in 66 Städten angewachsen. Vor allem im Mittleren Westen ist der Betrieb präsent. Das Management hob hervor, die Strategie konsequent weiter fortzusetzen – trotz der Rezession. So planen sie im laufenden Jahr vier bis sechs neue Häuser zu eröffnen. Im Schnitt kostet eine neue Filiale 2,4 Millionen Dollar. Weil jede Niederlassung 4,4 Millionen Dollar pro Jahr an Einnahmen einspielt, sind die Anfangsinvestitionen schnell amortisiert. Im laufenden Jahr erwartet Baldwin fünf Millionen Gäste. Bislang haben die Manager vom Aktienrückkaufprogramm Gebrauch gemacht, auch das spricht für die Aktie.


tim schaefer (Author)

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