Reiche in New York: Kokosmilch, Psychiater, Luxuswohnung


New York, 20. Juni 2012

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New Yorker sind ein Trendsetter in vielerlei Hinsicht. Machen Sie sich schon mal darauf gefasst, dass Psychologen und Psychiater einen Boom weltweit erleben werden. In Manhattan ist es jedenfalls schick, einen Seelenklempner zu haben.
Ich traf kürzlich eine prominente Psychiaterin zum Plausch in einem Café am Central Park. Sie ist Professorin an einer renommierten Uni und hat jede Menge reiche Privatpatienten. Ihre Kunden sind Hollywoodstars, Hedgefondsmanager, Politiker, Banker, TV-Stars.
Als einer ihrer Patienten einen Oscar gewann, bedankte sich die Schauspielerin ausdrücklich in ihrer Rede für die mentale Unterstützung vor laufender Kamera. Sie können sich sicherlich vorstellen, wie das die Psychiaterin gefreut hat – so wichtig wie die engsten Familienmitglieder zu sein.
Ich fragte die Professorin Löcher in den Bauch. Mich interessierte, was die Probleme der Reichen sind und was sie anders machen als die „Normalbürger“. Die Probleme der Prominenten sind vielfältig, sie haben ab und an Schwierigkeiten in der Beziehung. Aber vor allem kommen die Promis mit all dem Trubel nicht klar. Die Paparazzi und die endlosen Medienberichten machen sie regelrecht fertig. Sie entwickeln daher Ängste. Der Druck ist enorm, sagt die Professorin.
Mit Blick auf das Vermögen denken und handeln die Reichen anders als der Durchschnittsbürger. So setzen sie sich ständig neue Ziele, sehr hohe sogar, sagt die Expertin. Sie haben Visionen, Pläne. Sie wollen immer besser werden, sie möchten ihre Fans nicht enttäuschen. Sie sind extrem motiviert.
Ein weiterer Unterschied ist, dass sie nicht von ihrem Gehalt abhängen, sondern von ihrem Kapitalstock. Das Vermögen wirft so viel Geld ab, dass die Reichen gar nicht arbeiten müssten, sondern von ihrem passiven Einkommen sorgenfrei leben könnten. Dennoch wollen sie immer weiter voran kommen. Sie sprechen mit ihren Freunden tendenziell über die Summe ihrer Assets und nicht über das Honorar oder die Bezüge. Vergleichen Sie das mal mit dem „Normalbürger“, der spricht gerne über sein Gehalt mit Kollegen beziehungsweise Freunden und nicht über den Gesamtbesitz.
Die Professorin sagt, dass die Superreichen in der Regel sehr optimistisch eingestellt sind. Je optimistischer sie sind (trotz der Ängste), desto erfolgreicher seien sie grundsätzlich.
Die Reichen sind intensive Netzwerker, sie schmieden Kontakte, pflegen sie. Sie versuchen ständig, neue hilfreiche Kontakte aufzubauen – vor allen Dingen mit Menschen, die einflussreicher und noch erfolgreicher als sie selbst sind.
Die Reichen handeln langfristig. Sie sind an kurzen Erfolgen nicht interessiert.
Sie kümmern sich intensiv um ihr Vermögen. Das leuchtet ein: Wenn man sich Musikstars wie Diana Ross, Barbra Streisand, Madonna oder Bono anschaut, dann sind das nicht nur gute Performer auf der Bühne, sondern auch exzellente Investoren. Diana Ross besitzt Minen, Madonna einen führenden Kokosmilch-Hersteller und Bono eine Beteiligungsfirma (Facebook usw).
Leidet das Talent, kommt es zu einem Flop oder sinkt die Zahl der Anhänger, geben sie nicht auf. Im Gegenteil, sie versuchen, aus den Fehlern zu lernen, sie greifen liebend gerne auf Berater zurück.
Die Supereichen haben ein Idol. Selbst die Megastars haben Idole. So himmelte Michael Jackson schon als Teenager die schwarze Sängerin Diana Ross an. Er besuchte sie in New York und lernte von ihr. Warren Buffett war von seinem Professor Benjamin Graham so sehr begeistert, dass er für Grahams Firma arbeitete, dessen Lehre sog er wie einen Schwamm auf. Steve Jobs war als Dreikäsehoch ein Fan von Bill Hewlett, den damaligen Chef des kalifornischen IT-Konzerns HP. Als Steve Jobs zwölf Jahre alt war, rief er den Vorstandslenker Hewlett an und bat ihn um Ratschläge und dessen Hilfe.
Im Endeffekt kopieren die Stars den Werdegang ihrer Idole. Steve Jobs kaufte vor seinem Tod Landpakete von Hewlett-Packard auf, um darauf sein neues Firmengebäude in der Form eines riesigen Ufos entstehen zu lassen.
Die Reichen leben im Eigenheim. In den USA gehört es natürlich zum guten Ton, ein Luxusobjekt in der Stadt und am Strand zu besitzen. Schulden haben sie in der Regel nicht, denn das macht aufgrund ihres hohen Vermögens keinen Sinn. Wer im Geld schwimmt, braucht keine Hypothek.
Begeistert vom Immobilienmarkt sind praktisch alle. In New York haben beispielsweise die beiden Google-Gründer einige Schmuckstücke aufgekauft. Sie erwarben zwischen dem Hudson und dem East River nicht nur Wohnungen, sondern auch für zwei Milliarden Dollar (!) ein Bürogebäude in Chelsea. Hier in meinem Blog können Sie sich Madonnas neue Bleibe in Manhattan anschauen.
Negativ bleibt anzumerken, dass die Promis ihre Psychiater nicht immer gut behandeln. „Die gehen als mit mir um, als ob ich deren Putzfrau oder Zimmermädchen bin. Aber daran habe ich mich schon gwöhnt“, klagt die Professorin über ein paar ruppige Patienten – freilich ohne Namen zu nennen.
Zusammenfassend können wir festhalten: Die Reichen kümmern sich persönlich um ihre Kohle, stecken sich hohe Ziele, sie betreiben Networking mit einflussreichen Persönlichkeiten, sie sind Optimisten, motiviert ohne Ende. Sie haben Idole, mit denen sie in jungen Jahren in Kontakt treten. Sie investieren direkt in Firmen, kaufen 1A-Immobilien, haben keine Schulden. Sie mögen Private Equity. Ein Seelenklempner und jede Menge Berater helfen ihnen durch schwierige Zeiten.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Reiche in New York: Kokosmilch, Psychiater, Luxuswohnung

  1. Matthäus Piksa

    Hi Tim,

    wie lauten denn deine Idole im Showbiz? Hast du welche in den Kategorien Musik/Schauspielerei/Sport?

    Ich zB finde George Clooney toll. Als er neulich für den Sudan in Washington demonstrierte wurde er für diese Aktion sogar verhaftet. Weil er wußte, dass die Medien das als Skandal werten würden, nahm er die Verhaftung in Kauf, um Aufmerksamkeit auf sein eigentliches Anliegen zu lenken.

    Weiteres Vorbild von mir ist der chinesische Künstler Ai Weiwei – mit seinen Aktionen provoziert er regelmäßig das Pekinger Regime und hat keine Angst auch mal verhaftet zu werden (nebenbei bemerkt: seine Mutter erleidet dadurch regelmäßig einen Nervenzusammenbruch) – Belohnung: Ein neuer Film (Regie führt eine Amerikanerin) über sein Leben und seine Aktionen läuft aktuell im Kino – Ai Weiwei:Never Sorry.

    Michael Schumacher war als Jugendlicher mein Vorbild, weil er beharrlich seine Ziele verfolgte und trotzdem bodenständig blieb.

    3 Bspe von mir, die verdeutlichen, dass die Erfolgreichen irgendetwas anders/besser machen, auf jeden Fall mutiger sind als der Durchschnitt.
    Ob die jetzt allerdings zum Psychologen oder Psychiater gehen weiß ich nicht. 😉

    Gruß Matthäus

  2. Jack

    Hi Tim, danke für den Artikel!

    Erinnert mich sehr an T Harv Eker „So denken Millionäre“. Es ist immer wieder wichtig zu wissen, wie erfolgreiche Menschen denken und seine Denkweise anzupassen!

    Meine Idole sind Will Smith und Richard Branson (vor allem wegen Virgin Galactic!)

    Ein sehr interessantes und inspirierendes Video von Will Smith
    http://www.youtube.com/watch?v=pfWGoLj1JCM

    Auffällig ist, dass viele erfolgreiche Menschen berichten, dass als sie sich wirklich ein Ziel /eine Vision gesetzt haben sich auf einmal alles „wie von selbst“ gefügt hat
    Und sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren

  3. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    so einen Star im Showbiz habe ich gar nicht, muss ich gestehen. Ich fand eine zeitlang Madonna cool. Jetzt bin ich aber auch nicht mehr so ein eingefleischter Fan von ihr.

    Ich war kürzlich auf einem Konzert von Marianne Evelyn Faithfull, die ist kultig. Fand das total super.

    Sie hatte mit Mick Jagger in jungen Jahren eine Beziehung. Nahm Drogen ohne Ende. Sie kann wirklich gut singen. Sie saß mit einer Weinflasche und Zigaretten hier in Manhattan auf der Bühne und erzählte von ihrem Leben. Sie residiert in Paris und London, im Winter ist sie auf einer Insel in der Karibik.

    Ich finde die total witzig, nett, so ehrlich. Ich bin nach dem Konzert hinter die Bühne, sprach noch mit ihr, ein Foto durfte ich nicht machen. Da ist sie eigen.

    Hier ist ein Song von ihr:

    VG
    Tim

  4. tim schaefertim schaefer

    Hi Jack,

    danke für das Video von Will Smith. Das ist super. Da sieht man mal wieder diese unendliche Motivation, diese Passion.

    Auch Donald Trump schrieb ein gutes Buch (mit seinem Freund): „Nicht kleckern, klotzen“. Darin geht es nur darum, was die Reichen von den Armen unterscheidet. Es ist ein schöner Ratgeber mit vielen Tipps.

    Ich glaube, was oft übersehen wird, ist das Umfeld, in dem die späteren Stars aufwachsen: Sie wachsen in einem sehr erfolgreichen Elternhaus auf. Siehe Warren Buffett, Donald Trump, Michael Douglas, Mark Zuckerberg etc.
    VG
    Tim

  5. Matthäus Piksa

    Hi Tim,

    Madonna versucht sich mittlerweile auch als Regisseurin.

    Ich höre derzeit gerne die New Yorker Sängerin Lana del Rey, die derzeit weltweit für Furore sorgt und die Music-Charts stürmt.

    Während ihrem Philosophie-Studium in NYC lebte sie in einem für 500 US-$ pro Monat gemieteten Wohnwagen und half Obdachlosen und Drogensüchtigen. Von ihrer ersten Gage iHv 10.000 US-Dollar ließ sie sich die Lippen aufspritzen (scheinbar weil sie sich dadurch mehr Erfolg erhoffte).

    In ihren Songs thematisiert sie auf melancholische Wiese die Liebe, die (ihre) Jugend und das typisch amerikanisch-kleinbürgerliche Leben. Sie versucht desweiteren ihren Charme und ihre Unbekümmertheit sprich ein Lolita-Image zu verkaufen.

    🙂

    Hier ein Song von ihr, in dem sie das liebe Geld thematisiert (leider gibt es noch kein offizielles Video, berühmt wurde sie übrigens mit dem mit Freunden selbst zusammengeschnittenen youtube-Video „Video-Games“): http://www.youtube.com/watch?v=_srJQiQqaQk

    Gruß Matthäus

  6. Matthäus Piksa

    Hi Tim,

    ich kann mir vorstellen, dass du vielbeschäftigt bist und wenig Zeit hast dir irgendwelche youtube-Videos anzusehn, aber schau dir den gerade erschienen Clip zu dem von mir favorisierten Song von oben an: http://www.youtube.com/watch?v=60cvtxwlJr8

    Lana del Rey imitiert hier eindeutig Marylin Monroe, singt dem Präsidenten ein Geburtstagslied und spätestens beim anschließenden Clip zum Song muss der Groschen fallen, wer gemeint ist…

    Gruß Matthäus

  7. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    danke für das Musik-Video. Sie scheint wohl aus einem ziemlich reichen Haus zu stammen. Nun sie spielt in dem Film die Gattin von JFK…

    Von wem wurde JFK ermordet? Es gibt in den USA mehrere Theorien:

    Manch einer vermutet vom eigenen Geheimdienst CIA.

    Andere sagen von der Mafia, mit der wohl ein paar Kennedys in Verbindung standen. Artikel in Time Magazin.

    Ging es Dir darum?
    VG
    Tim

  8. Matthäus Piksa

    Nein, also um die Mythen, die sich um den Tod JFK's ranken, ging es mir nicht.

    Ich find's nur kultig, dass sie sich dieses Thema's annimmt… – was sie damit bezweckt, weiß ich auch nicht. Will sie damit andeuten, dass sie in die Fußstapfen von Marylin Monroe tritt? – Und wäre sie geneigt etwas mit Barack Obama anzufangen?

    Egal, das ist nicht wirklich mein Thema. Der kometenhafte Aufstieg, den sie bisher hingelegt hat, kann jäh zu Ende gehen…

    Vielleicht hast du recht und sie stammt aus reichem Elternhaus, bei dem enormen Selbstvertrauen das sie hat ist das gut vorstellbar.

    Gruß

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