Regierung muss das Renteneintrittsalter erhöhen. Bald arbeiten bis 70?


New York, 17. Oktober 2014
Auf dem Weg zur Arbeit oder in die Oper? Sie sollen früh mit dem Sparen beginnen und das Durchziehen. Leben Sie unterhalb Ihrer Verhältnisse. Aktien versprechen eine gute Rendite, sofern Sie die nötige Geduld mitbringen.

Auf dem Weg zur Arbeit oder in die Oper? Das Foto machte ich in New York am Lincoln Center. Sie sollen früh mit dem Sparen beginnen und das Durchziehen. Leben Sie unterhalb Ihrer Verhältnisse. Aktien versprechen eine gute Rendite, sofern Sie die nötige Geduld mitbringen. Hoffentlich werden Sie nicht bis 70 gezwungenermaßen arbeiten müssen.

Bereiten Sie sich schon mal gedanklich darauf vor, länger zu arbeiten, als Sie sich heute ausmalen können. Es liegt an der alternden Gesellschaft. Die Gesetzliche Rente wird magerer ausfallen, weil es weniger Beitragszahler geben wird, aber gleichzeitig mehr Rentner.

Wir haben ein alterndes Volk. Nach Japan und Italien ist Deutschland ein Land mit den ältesten Einwohnern weltweit. Insofern gehe ich davon aus, dass die Bundesregierung das Renteneintrittsalter mittelfristig schrittweise auf 70 Jahre erhöhen wird. Das ist eine logische Fortschreibung des bisherigen Trends.

War es früher üblich mit 65 Jahren den „vollen“ Rentenanspruch zu bekommen, hat die Regierung das um zwei Jahre erhöht. Alle Arbeitnehmer ab Jahrgang 1964 und jünger müssen arbeiten, bis sie 67 Jahre alt sind. Irgendwann werden wir bis 70 schuften müssen.

Unsere Politiker sind davon kaum betroffen. Sie erwerben Pensionsansprüche ähnlich wie unsere Beamten. Aus Gründen der Fairness würde ich die Staatspensionen abschaffen. Alle sollten in die Gesetzliche Rente einzahlen. Das wäre fair. Die Schweiz schuf das Beamtentum ab. Warum ist das in Deutschland nicht möglich? Geht es um die Wahrung von Besitzständen?

Dieses Zwei-Klassen-System ist ein Apparat, der Jahrhunderte alt ist. Das passt nicht mehr in die heutige Zeit. Aber Sie sehen in Berlin an vielen Stellen, wie unmodern unsere Politik ist. Die leben, so mein Eindruck, in der Vergangenheit. Das muss ich immer wieder feststellen.

Schauen Sie sich an, wie unmodern die privaten Altersvorsorgemöglichkeiten mit den Riester Renten gestaltet sind. Ich finde, es ist ein intransparentes, unflexibles Gebühren- und Papiermonster entstanden. Die Riester Rente wurde nach meinem Dafürhalten in erster Linie geschaffen, um Finanzvertrieben mitsamt Versicherungen eine neue lukrative Einnahmequelle an die Hand zu geben. Die Interessen der Bürger kamen an letzter Stelle. Warum hat Deutschland sich nicht ein Beispiel an Großbritannien, Australien oder den USA genommen? Diese Länder zeigen, wie man vernünftig eine private Altersvorsorge aufbauen kann.

Es wäre ja geradezu naiv zu glauben, unsere Politiker setzten sich mit aller Kraft nur für das Volk ein. Nein, mitnichten. Unsere Politiker denken in erster Linie an sich selbst. An ihre Karriere. An den eigenen Geldbeutel. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Denken Sie an die vielen Seitenwechsler. Dirk Niebel ist so ein unschöner Fall. Erst war er Entwicklungshilfeminister, jetzt ist er oberster Waffenlobbyist. Warum kann Herr Niebel nicht für eine Stiftung oder Wohltätigkeitsorganisation arbeiten? (Ich habe Respekt vor Bill Gates, Michael Bloomberg, Bill & Hillary Clinton, Warren Buffett, die viel für die Gemeinschaft tun.)

Zurück zu Ihrem Ruhestand: Natürlich können Sie als Arbeitnehmer jederzeit den Ruhestand beginnen. Es stellt sich aber die Frage, wie viel Cash bzw. Reserven Sie haben.

Die Gesetzliche Rente ist eine ziemliche unfaire Angelegenheit für jüngere Beitragszahler, finde ich. Die müssen nämlich blechen und bekommen am Ende des Tages wenig heraus (wenn überhaupt). Der Generationenvertrag funktioniert nicht so recht, wenn ein Volk vergreist. Eine Öffnung gegenüber Immigranten könnte Berlin helfen. So wie es Australien, Kanada oder die USA uns vormachen. Weil daran aber wenig Interesse besteht, wird unsere Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten dramatisch schrumpfen.

In Berlin kennt jeder insgeheim die Lösung des Problems. Sie wollen im Kern, dass wir sterben, bevor wir überhaupt etwas aus dem Rententopf beziehen können. Daher wird das Eintrittsalter immer weiter steigen.



Das sollten Sie tun.

Acht Tipps um die goldenen Jahre genießen zu können:

1. Fangen Sie früh mit dem Sparen an. Im Idealfall Aktien.

2. Leben Sie unterhalb Ihrer Verhältnisse.

3. Haben Sie einen Plan, ein Ziel.

4. Investieren Sie langfristig, vermeiden Sie das Zocken. Achten Sie auf die Gebühren. Selbst Profis, die viel umschichten, schneiden tendenziell schlechter ab als geduldige Profis.

5. Vermeiden Sie nach Möglichkeit Schulden aller Art.

6. Stellen Sie viele Fragen. Achten Sie auf Steuern, Gebühren, Provisionen. Je niedriger die sind, desto besser für Sie.

7. Haben Sie die richtige Einstellung. Es ist hart. Manchmal müssen Sie eben auf etwas verzichten.

8. Diversifizieren Sie. Neben grundsoliden Dividendentiteln und Indexfonds bietet sich zum Beispiel ein abbezahltes Eigenheim im Alter an.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Regierung muss das Renteneintrittsalter erhöhen. Bald arbeiten bis 70?

  1. Mario

    Hallo Tim,
    in dem Zusammenhang mit Politikern denke ich an Helmut Kohl. Er hatte noch nie meine Sympathien. Er sagte jedoch mal einen Satz den ich versuche zu berücksichtigen, „Nimm dich nicht so wichtig“. Damit hat er Recht. Jedoch seine Äußerungen zum 25. Jahrestag der Montagsdemos die in Leipzig begangen wurden, zeigen sein wahres Denken.
    Ich denke fasst, dass alle Politiker nur an sich und ihre Bezüge, Pensionen bzw. ihr Ego denken. In diesem Zusammenhang fällt mir eine Begegnung mit einem sehr bekannten Politiker ein. Er kam mal zu einer Buchlesung und bot mir vor der Tür eine Zigarette an. Auf meine Antwort, dass ich Nichtraucher sei entgegnete er, es ist nicht gut, da ich damit nicht die Zigarettensteuer unterstütze. Auch Äußerungen im Anschluss der Buchlesung zu Wirrungen innerhalb seiner Partei lassen nur diesen Schluss zu. Dies ist mittlerweile ziemlich 10 Jahre her, jedoch glaube ich nicht, dass sich die Welt gebessert hat.
    Mario

  2. Fabian S.

    Hallo Tim,

     

    Dein Artikel ist wie immer toll! Du hast mit fast Allem vollkommen Recht…daher verabscheue ich die Politiker ja auch so…es sind die größten Lügner, die für das Lügen am wenigsten bestraft werden…kleinen Kindern bringt man schon bei es nicht zu tun…eine Schande dann die Wahlkämpfe zu sehen…

     

    Darüber hinaus halte ich das Deutsche Rentensystem für ein „schlechtes Geschäft“…eine Wette auf die Zukunft…besser fände ich es, wenn jeder selbst vorsorgen müsste und das Geld an den Arbeitnehmer ausbezahlt werden würde, statt es zwangsweise für die Rente einzuziehen. Dann könnte es jeder nach Lust und aLune am besten anlegen wie er mag.

     

    Denn wäre der Staat ein Vertragspartner würde man nie wieder mit ihm ein Geschäft tätigen, wenn man sieht wie er tatsächlich mit uns umgeht!!!

  3. Thomas D. S.

    zu Mario:

    Den Satz „Man soll sich selbst nicht so wichtig nehmen“ findet man oft, auch gern in irgend welchen Ratgebern. Dabei ist dieser Satz einer der verkehrtesten, den es gibt.

    Wenn ich mich selbst nicht so wichtig nehme, was oder wen kann ich dann in meinem Leben für wichtig erachten? Das Wichtigste in meinem Leben bin ich doch selbst. Wenn ich mich nicht wichtig nehme, habe ich auch kein Ziel im Leben. Ergo erreiche ich nichts bzw. nur wenig und ich bleibe bestenfalls Durchschnitt, wie ca. 90% der Bevölkerung. (über den Prozentsatz lässt sich streiten, nur beispielhaft)

    Vergessen Sie den Satz unbedingt!

  4. Mario

    @Thomas D. S.

     

    Der Satz ist schon berechtigt. Ich interpretiere ihn jedoch dahingehend, dass nicht nur meine Meinung die richtige Meinung ist. Unter diesem Aspekt habe ich den Satz immer interpretiert. Darum versuche ich die Meinungen anderer zu akzeptieren und gegeben falls zu argumentieren. Sollte dies nicht von Erfolg gekrönt sein, werde ich nicht auf meiner Meinung beharren. Dann nehme ich mich zurück. „Nimm dich nicht so wichtig“

     

    Mario

  5. Alois

    @ Tim

    Naja, jetzt müssen wir langsam aufpassen nicht auf Stammtischniveau abzugleiten. Politiker Bashing kommt immer gut an (da ist einem der Beifall sicher). Erst mal haben wir unsere Politiker mehr oder weniger selbst gewählt. Jede(r) kann in die Politik gehen, zumal, wenn er mit den aktuellen Leuten unzufrieden. Ob die USA so ein vorbildliches Rentensystem haben, weiß ich nicht. Die Berichte, die ich so lese, sagen eigentlich was anderes. Da grassiert doch im weiten Bereichen schon die Armut während des Erwerbslebens. Natürlich nicht bei den Gates, Buffetts, Bloombergs, …, die sind so reich, dass es ihnen selbst schon peinlich ist.

    @ Thomas

    Über den Prozentsatz lässt sich nicht streiten; er beträgt 68,27 % (siehe Standardabweichung der Normalverteilung)

    Ich behaupte einfach mal, die meisten Katastrophen dieser Welt sind entstanden aus der Missachtung des Satzes „Nimm dich nicht so wichtig!“.
    Dazu braucht man sich nur die Entstehungsgeschichten diverser Kriege anschauen. Meist steckt übersteigerte Wichtigtuerei, vermeintliche Sonderstellung (auserwähltes Volk, God’s own country, ..) u.ä. dahinter. Wenn man sich manchmal mit etwas weniger zufrieden gäbe, nicht auf Biegen und Brechen Recht behalten müsste, seinen Standpunkt nicht anderen aufdrücken müsste, wäre die Welt m.E. ein Stück friedlicher.

    Deshalb: Nimm dich nicht so wichtig!

     

     

  6. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Alois

    Ich finde ungeheuerlich, was Gerhard Schröder, Walter Riester, Helmut Kohl, Wolfgang Schäuble und all die anderen gemacht haben. Jeder von ihnen hat in einem Bereich Grenzen überschritten.

    In der deutschen Politik spielen Nebeneinkommen, Schwarzgelder und Seitenwechsel leider eine große Rolle. Was haben Kohl und Schröder nach dem Ausscheiden für die Menschheit getan? Es ist beschämend. Sie sollten sich ein Beispiel an Jimmy Carter oder den Clintons nehmen.

    Amerikas gesetzl. Rente funktioniert besser, weil die Bevölkerung wächst und verhältnismäßig jung ist verglichen mit Deutschland oder Japan.

    Hinzu kommt, dass Washington schon vor Jahrzehnten ein faires System für die eigene Vorsorge geschaffen hat. Jeder Amerikaner, der für die Rente aus eigenen Stücken spart, wird massiv finanziell unterstützt von Vater Staat.

    http://www.ici.org/pdf/ppr_13_strong_retirement.pdf

    Es gibt in den USA eine sehr arme Bevölkerungsschicht, der das Geld für die Eigenvorsorge fehlt. Das ist ein berechtigter Kritikpunkt.

  7. Couponschneider

    Ich bin ein Gegner des deutschen Rentensystem, weil in ihm die alte Feudalgesellschaft weiterlebt. Die Vermögenden brauchen nicht einzahlen, das „Künstlergelumpe“ hat eigene Kassen. Genauso ist es bei den Krankenkassen.

    Nichtsdestoweniger muss jeder vorsorgen. Und ja, jeder sollte sich zuförderst selber drum kümmern, um zu lernen.

    Traum der Sozialisten ist es doch, dass das Volks Eigentum an den Produktionsmitteln hat. Aktien wären die Chance! Stattdessen irren und wirren die Sozialisten durch die Gegenwart und es fallen deren eigenen Widersprüche nicht auf. Deren praktische Umsetzung zielte von Anfang an darauf ab, dass der Staat Eigentümer wird, da ja der Staat angeblich dem Volk gehört. Deswegen wird auch jede Privatisierung negativ gesehen.

    Wie kann der deutsche Michel denn selbstbewusst werden, wenn er nur Rentenansprüche erwartet, immer lieb bitte und danke sagen muss u.a. in Form des „richtigen“ Abstimmverhaltens in der Wahlkabine.

    Sozialist bin ich nicht, Gott bewahre. Ich bin Liberaler und könnte heulen, wenn die Deutschen stolz auf ihre Unternehmen sind, aber nicht deren Anteile erwerben. DAX-Konzerne sind großteils in ausländischer Hand.

    Das kann nicht gesund sein, ökonomisch nicht, politisch nicht und gesellschaftlich auch nicht.

  8. Sams1974

    Das ist eine steile These, den Gedanken hatte ich auch mal.

    Dann hab ich es aber geschnallt. Es geht nicht darum das alle an allem Beteiligt sind. Es geht nur darum das alles bei den richtigen ist weil die eben den Durchblick haben. Das ist die religiöse Dimension des Sozialismus.

    Was hilft das Gewäsch über die Rente, Rentenformeln, Gerechtigkeit…

    Man kann sie zwar best ager nennen, aber ein Haufen Scheiße stinkt halt auch wenn man ihn Rosen nennt. Also arbeiten mit 70, ne. Hoffe es gelingt mir.

    Tja Cäsh in the Täsch und Korrektur hinter (vor) uns. Über die Rente mach ich mir wieder Gedanken wenn die Kurse langweilig wieder nur hoch gehen.

    Gutes Gelingen allen. mfg

  9. Alexander

    Unser Rentensystem ist eine Erfindung der Neuzeit. Ich glaube Bismarck war es, der ein kapitalgedecktes Rentensystem eingeführt hat. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde das umlagenfinanzierte System eingeführt. In den letzten Jahrzehnten wurde sich seitens der Politiker immer wieder aus dem Topf bedient, also die Einzahler bestohlen.

    Es gibt prägende Erlebnisse, die man nicht vergisst. Unser lieber Norbert Blüm war in einem Fernsehinterview, nachdem er sich aus der aktiven Politik zurückgezogen hat. Er konnte also frei sprechen ohne Wählerverluste zu befürchten. Es war damals schon klar, dass es so nicht funktionieren kann, die heutigen Probleme und die künftigen Einschnitte zeichneten sich bereits vor 30 Jahren ab. Er hörte sich plötzlich sehr vernünftig und überlegt an, im Vergleich zu seinen politischen Zeiten.

    Naja, und die Riester-Rente ist Betrug am Volk. Ich bin froh, dass ich die Finger davon gelassen habe. Überall wo unser Staat mitmischt, hat es sich im Nachhinein als schlecht herausgestellt.

  10. Max

    Bis zur Vollendung des 67.-ten Lebensjahres, also bis 68 Jahre muss gearbeitet werden! Einfach nur clever formuliert.

  11. Felix

    @ Max

    Da ist dir wohl ein kleiner Denkfehler unterlaufen: wann hat ein Baby sein erstes Lebensjahr vollendet, doch dann, wenn es seinen 1. Geburtstag hat und wann hat dementsprechend jemand sein 67. Lebensjahr vollendet, genau an seinem 67. Geburtstag.

    Übrigens: Wer es nicht gemerkt hat, die ach so schlimmen Politikter haben gerade die Renteneintrittsgrenze auf  63 Jahre gesenk, was ich angesichts der Demografie für falsch halte.

     

  12. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Felix,

    diese Rente mit 63 ist eine reine Propagandaschau. Das können nur ein paar Tausend in Anspruch nehmen, nämlich, wenn sie Jahrgang 1951 oder 1952 sind und mindestens 45 Beitragsjahre haben,

    Ab Jahrgang 1953 kommen immer pro Jahr 2 Monate drauf. Mich betrifft das, deswegen. Ab Jahrgang 1964 ist das alles wieder egalisiert. Ich bin Jahrgang 57, das bedeutet, ich kann mit 63 und 10 Monaten gehen. Was bringt das schon. Die Beiträge zur Rentenberechnung fehlen ja dann trotzdem, auch wenn es eben keine Strafabschläge gibt. Es ist trotzdem eine verminderte Rente. Egal, ich werde es dann entscheiden müssen, ob es genug ist, was dabei rum kommt. Meine 45 Jahre bekomme ich zumindest zusammen bis dahin.

    Lasst Euch nicht entmutigen. In der Zukunft wird auch eine Lösung gefunden werden. Dann werden halt die Zuschüsse weiter steigen müssen im Haushalt. Es ist doch schon lange kein reines Umlagesystem mehr. dann müssen andere Haushaltsposten weiter abgeben. Am besten wäre, wenn mal alle Steuerschlupflöcher für Firmen geschlossen würden (Irland versucht es gerade mit dem Ende des „Double Irish“ Tax Schlupfloches, aber alles auch wieder halbherzig), dass wirklich alle ihren Obulus rechtmäßig entrichten. Dann sähe alles schon wieder anders aus. Die reine Not wird das mal schonungslos möglich machen, denke ich.

    MS

  13. Der Couponschneider

    @Alexander

    Natürlich ist das Rentensystem aus der Neuzeit, aber es war von Anfang an darauf ausgelegt, die gesellschaftliche Struktur zu erhalten. Eine Gruppe von Menschen, die nirgends einzahlt (aber auch nichts rausbekommt): Unternehmer. Auch Adlige, die ihre eigenen Güter bewirtschafteten. Arbeiter mussten ruhiggestellt werden und das zunehmende Selbstbewusstsein dieser Gruppe musste Tribut gezollt werden. Die zahlen ein. Künstler haben später ihre eigenen Kassen bekommen. Wie jeder weiß, stand früher der Haussegen schief, wenn sich die Tochter in einen Künstler verguckt hatte.Künstler waren nicht hoch angesehen.

    Und das meinte, als ich die Feudalgesellschaft erwähnte. Die Adligen waren im 19. Jahrhundert recht missmutig, als der Kapitalismus die feudale Strukturen infragestellte. Die Unternehmer akzeptierte man ja noch zähneknirschend, aber um die unteren Chargen still zu halten, musste was getan werden. Also Rente einführen, sodass die die Schnauze hielten und auf keinen Fall lernen, mit Geld umzugehen.

    Phillip Rösler antwortete mal auf die Frage nach der Sozialpolitik der FDP: „Wir lassen die Menschen Ruhe, aber wir lassen sie nicht im Stich.“ – Das gefällt mir, denn es bringt es auf dem Punkt, wie ich mir die Sozialpolitik wünsche. Ich bin für ein Sozialsystem, aber für ein vernünftiges, das sich an den richtet, der wirklich in Not ist. Aber unser Sozialsystem kümmert sich auch um Millionen von nicht in Not Geratene. Das ist teuer und das prägt leider auch die Menschen. Nirgends ist der Geschäftssinn so verkümmert wie bei deutschen Angestellten und Arbeitern. Angestellte sind ja noch schlimmer. Arbeiter, gerade Handwerker, erweisen dann guten Geschäftssinn, wenn sie am Wochenende noch schwarz arbeiten. Darauf ein Hoch 🙂

    Ich habe übrigens nichts dagegen, lange zu arbeiten. Das größte Glück ist es doch, eine Arbeit zu haben, die einen Spaß macht. Ich arbeite mit dem Kopf und finde es gerade beschämend, warum ich mit 67 in Rente gehen soll. Man sollte an die Renten an die geistige und körperliche Verfassung des Menschen koppeln und nicht alle über einen Kamm scheren. Wer freiwillig früher abtreten möchte, soll es dann gefälligst selber finanzieren. Wenn die Rentenbeiträge sinken, hat man dann auch genug zum Sparen.

    Aktien können mir helfen, dass mir der Spaß an der Arbeit erhalten bleibt. Ich sparen nicht für die Renten im hohen Alter, sondern für die Unabhängigkeit im mittleren Alter. Wenn ich dann 1000 € pro Monat an Dividenden erhalte, sind die meisten Ausgaben schon gedeckt. Sollte mir meine Arbeit dann nicht mehr Spaß machen, mache ich was anderes. Ich könnte auch eine geringer dotierte Stelle annehmen.

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