Pennystocks, Hausbauer, Lehman-Kollaps


New York, 5. September 2013

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Ich habe für das Finanzmagazin „Börse Online“ über zehn aussichtsreiche Pennystocks von der Wall Street geschrieben. Bewusst haben wir die Risiken bei diesen Minis überschaubar gehalten.
Die Börsenaufsicht SEC sieht grundsätzlich alle Aktien, die unterhalb von fünf Dollar notieren und im Regelfall in einem unregulierten Markt wie dem OTC gelistet sind, als Pennystocks an. Hier habe ich eine Ausnahme gemacht und mich für eine hohe Transparenz entschieden.
Das dunkelste Fallobst einzusammeln, ist nicht jedermanns Sache. Dazu gehört ein dickes Fell und viele Missgriffe. Daher habe ich mich lieber für ein paar grüne Äpfel mit einigen tiefen Druckstellen entschieden.
Keine der besprochenen Aktien befindet sich in meinem Depot, um Interessenkonflikte auszuschließen.
Ich empfehle Ihnen in diesem Zusammenhang das Buch über Die Templeton-Strategie: 21 Schritte in ein besseres Leben. Aufgeschrieben von James Ellison.
Der legendäre Investor sammelte zum Ende der Großen Depression massenweise Pennystocks ein und machte einen Reibach mit seiner mutigen Strategie. Das Buch schildert das Leben dieser beeindruckenden Persönlichkeit.
Ein Banker, wie wir ihn uns heute alle wünschen würden. Templeton ist jemand, für den Moral, Ethik, Anstand, Fairness überaus wichtig sind. Das waren keine Floskeln für ihn. Seine Familie war für ihn sein Ein und Alles. Das Buch öffnet einem die Augen für das, was wirklich wichtig ist im Leben.
Außerdem schrieb ich für „Börse Online“ über die amerikanischen Hausbauer einen Artikel. Der Sektor verlor bis zu 30 Prozent, als Fed-Chef Ben Bernanke vor wenigen Wochen deutlich machte, die Zinszügel anziehen zu wollen. Das verteuerte die Hypotheken für alle potentiellen Hauskäufer. Und ließ die Kurse purzeln. Es war ein kleiner Schock für die Börsianer. Ich sehe in dem Kursrückgang eher eine schöne Kaufchance. Denn dem Immobilienmarkt in den USA wird eine langjährige Erholungsphase nach dem dramatischen Kollaps vor fünf Jahren vorausgesagt. Viele Hausbaufirmen wie Toll Brothers existieren seit den 1960er bzw. 70er Jahren und sind zu einem guten Teil in Familienhand.
Im WirtschaftsBlatt wagte ich einen kleinen Rückblick auf den Untergang von Lehman Brothers vor fünf Jahren. Ich erlebte das Chaos vor der Lehman-Zentrale, als die Lichter im wahrsten Sinne des Wortes ausgingen, persönlich.
Es war im Rückblick ein großer Fehler der Regierung, Lehman pleite gehen zu lassen. Lehman wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen, war kontraproduktiv. Es löste eine sinnlose Panik aus. Stabilität und Vertrauen sind in schwierigen Zeiten immanent wichtig. Es hätte sicherlich eine elegantere Lösung gefunden werden können.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Pennystocks, Hausbauer, Lehman-Kollaps

  1. ZaVodou

    In deinem Blog empfiehlst du den Lesern Qualitätsaktien zu kaufen.
    Bei Börse-Online berichtest du über aussichtsreiche Pennystocks.

    Wie passt das zusammen?

  2. Markus

    Pennystocks kann man m. E. als Privatanleger nur mit großer Streuung anfassen.
    Micro-Caps haben bekanntlich sehr hohe Renditen, wenn man alle in einen Topf wirft (bei Einmalanlage ist der Zeitpunkt auch sehr wichtig). etf`s auf micro`s gibt es zumindest in Deutschland nicht. Handelbarkeit ist zudem auch eingeschränkt.

    25 % small caps im Depot können interessant sein… Positiv wie Negativ. 😉

    Tim`s Dickschiffe sind von der Strategie her, sicher nicht die übelste Variante für Privatanleger…
    Wenn eine starke Krise kommt, kommen diese im Normalfall weniger unter die Räder. Meistens haben die Dickschiffe mehr Cash, eine starke Marke, und höhere EK-Quote.

    Das Problem ist, dass jeder Anleger sich seine eigenen Gedanken zu seiner Risikomentalität, seinen finanziellen Zielen, seinem Zeithorizont, seiner Gläubigkeit gegenüber Finanzmedien machen muss!
    Verantwortung für das hart erarbeitete Geld muss man schon selber tragen oder tragen lernen.

    Auch wird die Risikomentalität oft genau umgekehrt zur Börsenständen wahr genommen.

    40 % Verlust in einem 100 k – Depot tun schon weh…

  3. tim schaefertim schaefer

    @ ZaVodou
    Ja, ich rate zu Qualitätsaktien. Zum langfristigen Investieren mit diesen. Wer ein paar Hot Stocks bzw. Pennystocks dem Depot beimischen will, soll das tun.

    Pennystocks sind eine extreme Form des Contrarian Investings. Mit ihnen schwimmt man gegen den Strom. Es ist eine Frage der Definition, was nun ein Pennystock ist. Die Commerzbank würde ohne den Reversesplit im Pennybereich notieren, glaube ich. So bei 90 Cent oder so. Die Citigroup notierte auf dem Höhepunkt der Krise bei 1,00 Dollar.

  4. ZaVodou

    Ich denke mal, dass genau dies die Artikel sind, warum ein Privatinvestor dann doch schlechter als der Markt abschneidet.
    Die Aktien wurden ja von einem „Börsenexperten“ empfohlen und sogar ein John Templeton ist mit Pennystocks reich geworden. Da muss man doch einfach kaufen.
    Ich würde mich für so einen Artikel nicht hergeben, wenn ich von einer anderen Strategie überzeugt bin.

    Bei Börse-Online hab ich zuletzt nur noch den Statistikteil interessant gefunden. Keine Strategie bei dieser Zeitschrift zu erkennen.

  5. tim schaefertim schaefer

    @ ZaVodou
    Ich beschäftige mich mit Pennystocks schon seit vielen Jahren. Man muss sich verdammt gut auskennen. Man muss smart mit dem enormen Risiko umgehen können.

    In dem Bereich lässt sich viel Geld verdienen, wenn man beide genannten Punkte oben befolgt.

    Während der Finanzkrise habe ich über endlos viele Pennystocks geschrieben und ich denke, es war kein Fehler.

    http://www.timschaefermedia.com/index.php?page=arts&art=2009_06_20_Pennystocks.txt
    Jeder ist seines Glückes Schmied! Jeder hat seine eigene Strategie.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ finanzielle-freiheit-dividende-blog.de

    Es ist eine Frage der Stückelung. In Australien sind die meisten Aktien Pennystocks, weil die Australier gerne optisch „günstige“ Aktien kaufen. Man kann die Miniaktien lange halten.

    In den USA wenden sich legendäre Investoren wie Peter Lynch, Wilbur Ross, John Templeton, George Soros … Pennystocks zu. Natürlich muss man sich in diesem Umfeld verdammt gut auskennen, sonst endet es im Fiasko.

  7. Robert Michel

    Die Kriterien, ob eine Aktie ein sicheres Investment ist, sind unabhängig davon, ob in welchen Bereich sie notiert und wie liquide der Handel mit ihr ist. Ein Penny-Stock eines Unternehmens, das ein solides Geschäftsmodell hat und konservativ finanziert ist, ist immer noch sicherer als ein hochgehebeltes Milliardenunternehmen.

  8. Matthäus Piksa

    @Tim

    Zur Lehman-Pleite las ich heute morgen diesen Artikel, in dem die Positionen und Meinungen einiger Fachleute und Spitzenleute aufgezeigt werden.

    Ich bin tendenziell auch eher auf der Seite derjenigen, die behaupten, dass es kein Fehler war. (Ohnehin lässt sich die Pleite nicht rückgängig machen.)

    Offensichtlich ist auch, dass es im Unterschied zu Europa in den Staaten ein (sicherlich hochkomplexes) Bankinsolvenzrecht gibt, worüber hierzulande (in Europa) erst diskutiert wird. – Anders gesagt: Die USA als Kern des Finanzsystems konnte sich die Pleite erstens leisten und hatte zweitens auch die rechtlichen Regeln, um die Abwicklung durchzuführen.

    Schwarz-weiß kann man den Fall aber, denke ich, ohnehin nicht sehen.

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus

    Ich fand, die Insolvenz lief dramatisch ab. Da wäre es Aufgabe des Staates gewesen von Anbeginn für Ruhe und Stabilität zu sorgen.

    Die Gefahr ist ein Bankrun. Wenn alle ihr Geld plötzlich abziehen, kann das in einer Katastrophe enden.

  10. Matthäus Piksa

    @Tim

    Aufgabe des Staates wäre es zunächst einmal gewesen, es erst gar nicht wo weit kommen zu lassen, Stichwort „Deregulierung“.

    Insofern hat der Staat mindestens einmal versagt. Andererseits ist bei der Deregulierung sicherlich auch nicht alles Humbug. Zum Beispiel wurden in Deutschland im Zuge der Regulierung auch HedgeFonds erstmals zugelassen. Ich sehe hieran keinen Nachteil. Zum Beispiel.

    Wer weiß, vielleicht hätten wir Griechenland, Portugal & Co. längst aus dem Euro-Raum verjagt, ohne den mahnenden Präzedenzfall Lehman. Ich halte das durchaus für ein realistisches Alternativ-Szenario, das sich dann ereignet hätte. Das wäre mMn ungleich dramatischer.

    Wo wir mit Sicherheit einer Meinung sind ist, dass die Lehman-Pleite das Vertrauen an den Finanzmärkten zerstörte. Einen BankRun hat es aber nicht gegeben, weil doch die Einlagensicherung schon 2008 bestand und Spareinlagen bis zu 100.000 US-$ schützte.

  11. Matthäus Piksa

    @Tim

    Was hälst du eigentlich von den Euro-Bonds? Hast du vielleicht auch mal einen Interview-Partner hierzu befragt?

    Oberflächlich betrachtet sieht es für mich so aus, als könnte dieses Instrument, bei wem auch immer angesiedelt (EU oder ESM – EZB kommt als Notenbank logischerweise nicht in Frage), dafür sorgen, dass es zukünftig keine Spreaddifferenzen mehr gibt.

    Jedoch hat Angela Merkel im Wahlkampf (TV-Duell) die Einführung der Euro-Bonds bereits ausgeschlossen. Das Hauptargument ist bekanntlich, dass sich die Refinanzierung des deutschen Staates verteuern würde.

    Ich schließe trotzdem nicht aus, dass sie über kurz oder lang kommen werden.

    Gruß

  12. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus

    Ich muss gestehen zum Thema Euro-Bonds kann ich wenig sagen. Ich kenne mich nicht sonderlich gut aus. George Soros redet endlos über solche Themen. Soros ist ziemlich skeptisch was den Euro angeht.

    Ich finde den Euro als gemeinsame Währung für Europa eine gute Sache. Das macht den Handel und das Reisen einfacher. Erhöht den Waren- und Geldtransfer. Wenn wir nur nicht die Probleme mit den Staatsschulden hätten…

  13. Matthäus Piksa

    @Tim

    John Paulson hat sich mit Spekulationen gegen den Euro ja bereits die Finger verbrannt. Um nur ein prominentes Beispiel zu nennen. Ich denke, dass er nicht der Einzige ist. Ob der Soros jedoch gegen den Euro spekuliert weiß ich nicht. Wundern würde es mich nicht. Berühmt würde er ja, weil er einst gegen das britische Pfund spekulierte.

    Ich denke, dass es nichts bringt gegen den Euro zu sein und zu spekulieren. Der politische Wille die Gemeinschaftswährung zu erhalten ist gigantisch.

    Ob die Euro-Bonds kommen oder nicht, die Rendite (aus Anlegersicht) wäre vermutlich ohnehin überschaubar, so dass das Thema nur für politische Diskussionen, als Baustein der Krisenbewältigung, interessant ist.

  14. tim schaefertim schaefer

    Soros hat ein unglaubliches Fingerspitzengefühl für Währungen. Der hat eine geniale Gabe Verwerfungen zu erkennen. Ich finde das beeindruckend. Wie der das wohl macht?

  15. Matthäus Piksa

    @Tim

    Ehrlich gesagt ist es mir egal was Soros macht. Ich kenne die Geschichte mit der Pfund-Spekulation. Das war es fast schon was ich über den gebürtigen Ungarn weiß.

    Ganz allgemein gesprochen ist bekannt, dass die Alten und Uralten (zu denen auch Soros gehört) der jüngeren Generation gigantische Schulden hinterlassen haben.

  16. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus
    Ich finde die Treffsicherheit von Soros phänomenal.

    Er hat nicht die Schulden in den europäischen Staaten hinterlassen. Das ist nicht seine Schuld. Ich glaube, er ist einer der größten Spender unter den Hedgefondsleuten weltweit.

  17. Matthäus Piksa

    @Tim

    Ich habe auch nicht behauptet, dass Soros verantwortlich für die Schulden ist. Fakt ist aber, dass er der Generation der Alten angehört, die nunmal für die Schulden auch die Verantwortung trägt.

    Soros ist es im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gelungen von dem System nicht nur ein paar Millionen sondern Milliarden für sich abzuzwacken. Es hat zugegebenermaßen einen genialen Moment, wenn er einen Teil davon nunmehr wieder zurückgibt und sich hierfür feiern lässt.

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