Pennystocks: Achtung vor Räubern und Verbrechern


New York, 7. September 2010

Passen Sie mit Pennystocks auf. In den USA gibt es haufenweise Ermittlungen der SEC gegen Manager, die diese Micro-Firmen steuern. Im Mai legte die Börsenaufsicht Betrügern der Firma Spongetech das Handwerk. Sie hatten mit falschen Erfolgsmeldungen den Kurs nach oben getrieben und sich später im großen Stil von ihren Stücken getrennt. Man spricht von „Pump and Dump“ – Aufblasen und Fallenlassen. Ich selbst bin von den Spongetech-Vorständen vor einiger Zeit zum Mittagessen in den exquisiten Rainbow Room in den Rockefeller Center eingeladen worden. Mir kam das Ganze schon damals komisch vor, den Betrug erkannte ich jedoch zugegebenermaßen nicht. Jetzt ist die Firma pleite und hat jede Menge Schulden hinterlassen. Selbst große Konzerne und Fernsehsender fielen auf die Gauner herein. Die Vorstände landeten im Knast. Als ich mit den Krimminellen sprach, da stand die Aktie noch bei zwei Cent. Mit ihren Lügenmärchen trieben sie die Aktie später bis auf knapp 30 Cent. Etwas Gutes hat mein Treffen mit den Pennystock-Promotoren jedoch: Meine Putzfrau war von dem gelben Schwamm mit der eingebauten Seife richtig angetan. Eigentlich ist der Spongetech für die Autowäsche bestimmt, aber sie putzt mit dem Schwamm jetzt das Bad. Ein Auto habe ich nicht mehr. In New York City ist der Öffentliche Nahverkehr so gut, da brauchen Sie kein Auto.
Ich kann Ihnen nach meinem Erlebnis nur einen Rat geben: Wenn Sie eine Firma beziehungsweise deren Produkte nicht kennen oder verstehen, lassen Sie besser die Finger weg. Wenn Sie dem Vorstand nicht vertrauen, dann dürfen Sie keinesfalls investieren. Achten Sie darauf, was Ihnen Ihre Intuition signalisiert. Vertrauen Sie Ihrer inneren Stimme, die ist sehr erfahren und verarbeitet all Ihre Informationen und Erfahrungen in Sekundenschnelle. Was Sie als Ausschlusskriterium wählen können, ist das Börsensegment: Alles, was im OTCBB-Segment gelistet ist, da müssen Sie aufpassen. Hier tummeln sich die krummen Hunde. Es wäre jedoch nicht fair, alle Firmen zu verdächtigen. Denken Sie immer daran: Alle Großen haben mal klein angefangen. Nehmen Sie nur Starbucks. Der Kaffeeröster hatte es nicht einfach, als er an den Start ging. Ich kenne einen PR-Profi, der Starbucks von der ersten Stunde an als Kunde betreut hatte. In Börsensegmenten wie der Nasdaq oder der New York Stock Exchange (NYSE) herrschen natürlich strengere Regeln. Hier sind Sie gleichwohl nicht zu 100 Prozent vor Gaunern sicher. Aber: Es ist schwerer zu schummeln. Das gleiche finden Sie in Deutschland vor mit dem General Standard beziehungsweise Prime Standard. Je besser das Börsensegment, desto höher ist die Qualität der Firmen.
Ich selbst habe mir mit Mini-Aktien schon gewaltig die Finger verbrannt. Seither bin ich extrem skeptisch. Es gibt hier so viele Betrüger, das können Sie sich kaum vorstellen. Aufpassen würde ich etwa vor heißen Bergbaufirmen aus Vancouver. Sie müssen sich im Minensektor super auskennen, sonst würde ich hier nicht blindlings einsteigen.
Kaufen Sie grundsätzlich lieber Hausmannskost! Am besten gefallen mir Mittelständler mit langweiligen Geschäftsmodellen. Etwa Hersteller von Möbeln, Toilettenschüsseln oder Konsumriesen, die Getränke oder Cremes vertickern. In diesen traditionellen Sektoren können Sie massenweise Aktien finden, die mit spottbilligen KGVs von acht oder zehn gehandelt werden. Darüber hinaus zahlen viele Unternehmen eine schöne Dividende von vier oder fünf Prozent per annum. Da können Sie nicht viel falsch machen. Auch bei Blue Chips sind die Risiken gering und die Chancen gar nicht so übel. Achten Sie zudem auf eine gesunde Bilanz, sprich wenig Schulden und viel Cash. Um Tech-Titel wie Google oder Apple mache ich persönlich einen Bogen. Freilich sind das exzellent geführte Konzerne, jedoch ist die Masse der Anleger hellauf begeistert von diesen Titeln. Aus diesem Grund glaube ich: Die Tech-Aktien sind einfach zu hoch bewertet. Völlig ausgebombt sind dagegen die großen Banken oder die Hausbaufirmen in den USA. Diese Titel sind vollkomen aus der Mode. Meiner Meinung nach bieten sich hier für antizyklische Investoren mit langem Atem schöne Chancen. Das Magazin Stern hat in einem aktuellen Beitrag die Grundregeln des Investierens gut zusammengefasst.
Hier können Sie sich die Schwämme der Firma Spongetech einmal anschauen:


tim schaefer (Author)

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