Nike: Ein günstiger Dauerläufer


New York, 3. Juli 2008

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Als begeisterter Langstreckenläufer sind mir freilich die Aktien von Sportartikelhersteller ans Herz gewachsen. Wer sich die Papiere der drei führenden Marken Nike, Adidas oder Puma ins Depot legt, sollte auf lange Sicht eine schöne Performance machen können. Immer mehr Menschen entdecken den Sport. Immer mehr Städte organisieren rund um den Globus Marathons. Entsprechend ist der Bedarf an ständig neuen Laufschuhen enorm. Ich selbst kaufe alle zwei Monate mindestens ein neues Paar. Die Margen der Markenhersteller sind prächtig. Sie lassen die Treter in Billiglohnländern fertigen und verkaufen Sie größtenteils in der reichen westlichen Hemisphäre.
Die Nike-Aktie litt zuletzt heftig, nachdem der Weltmarktführer mit seinen jüngsten Quartalszahlen enttäuscht hatte. Wie auch immer, der Sportartikel-Titan steht auf einem grundsoliden Fundament. Die Aktie notiert mit 58,09 Dollar. Auf die Börsenwaage bringt Nike 28,5 Milliarden Dollar. Im Geschäftsjahr 2007/08 (endete im Mai) summierte sich der Umsatz auf 18,6 Milliarden Dollar. 14 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr. Unterm Strich klingelten fast 1,9 Milliarden in der Kasse.
Ich möchte Ihnen nun kurz ein paar Tipps zur Bewertung geben: Einer meiner ersten Prüfziffern ist das Kurs-/Umsatzverhältnis. Sie nehmen also den Börsenwert und teilen ihn durch den Umsatz: 28,5 Milliarden dividiert durch 18,6 Milliarden, ergibt eine Kennziffer von 1,5. Sprich Sie müssen den 1,5-fachen Umsatz zahlen, wenn Sie zum derzeitigen Kurs Nike kaufen. Wenn ein Bäcker sein Geschäft verkauft, kann er allenfalls mit einem einzigen Umsatz rechnen. Nike dagegen ist den 1,5-fachen Umsatz wert. Insofern zahlen Sie eine Prämie von 50 Prozent, was ich aber absolut für gerechtfertigt halte angesichts der rasanten Zuwachsraten und hohen Profitabilität.
Nun im zweiten Schritt sehe ich mir in der Regel das Kurs-/Gewinnverhältnis an: Sie setzen den Börsenwert ins Verhältnis zum Nettogewinn. 28,5 dividiert durch 1,9 macht ein KGV von 15. Sie müssen also 15 Jahre warten, bis Sie Ihr Investment zurückverdient haben. Auch das halte ich für vertretbar. Immerhin legte der Nettogewinn im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr um 26 Prozent zu.
Mag sein, dass die Gewinne in der laufenden Periode langsamer wachsen oder sogar stagnieren können angesichts der Konjunkturkrise. Das ist aber meiner Meinung nach größtenteils im Kurs eingepreist. Die Bilanz gleicht einer Bank. Wenn Sie die Barmittel mit den Schulden verrechnen, verbleiben unterm Strich knapp zwei Milliarden Cash. Nike hat also mehr Barvermögen als Schulden. Die Firma ist eine Cashmaschine. Die Dividende bringt Ihnen zusätzlich 1,5 Prozent Rendite ein. Die operativen Margen liegen stets um die 13 Prozent, die Nettoumsatzrendite beträgt um die zehn Prozent. Kerngesund!
Finanzinvestoren wie Warren Buffett schauen indes auf andere Kennziffern: Sie blicken gerne auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Diese Kennziffer zeigt bei Nike 2,77 Milliarden Dollar an. Investoren setzen diese Ertragskennzahl dann ins Verhältnis zum bereinigten Börsenwert (bereinigt bedeutet: abzüglich des Barvermögens). Also 28,5 Milliarden Börsenwert minus zwei Milliarden Cash ergibt 26,5 Milliarden. Dieser bereinigte Börsenwert, im Fachjargon Enterprise Value genannt, dividieren Sie durch das EBITDA: Ergibt eine Kennziffer von 9,5.
Warum ist für die Investoren diese Ziffer so wichtig? Sie wollen einfach sehen, wenn sie ihr Objekt der Begierde übernommen haben, wie viel Cash das Unternehmen für sie pro Jahr abwirft. Die Barmittelströme zeigen sich in der Regel recht gut anhand der EBITDA-Zahl. Diesen Kapitalfluss nutzen die Heuschrecken meistens, um neue Deals zu finanzieren. Der Überschuss ist dagegen in der Regel eine niedrigere Kennziffer gegenüber dem EBITDA, weil Abschreibungen und andere nicht-Cashwirksame Aufwendungen abgezogen werden. Sprich ein Investor hätte rein theoretisch sein Nike-Investment in nur 9,5 Jahren zurückverdient. Das ist eine sehr attraktive Bewertung. Für mich ist Nike ein Kauf. Aber in diesen turbulenten Zeiten kann das Papier freilich noch tiefer laufen.


tim schaefer (Author)

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