Nach der Dividende bricht der Kurs ein – mehr als er sollte


New York, 24. Juni 2012

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Dividendenaktien machen seit jeher Sinn. Nun ist aber ein regelrechter Dividendenwahn zu beobachten. Jeder spricht über Dividendenaktien. Alle scheinen den besten Dividendenzahlern hinterherzujagen – auf der Suche nach Rendite. Warum? Für Sparbücher, „kapitalbildende“ Lebensversicherungen, Festgelder und so weiter gibt es kaum noch Zinsen. Insofern sind starke Dividendenaktien als Alternative gefragt. Sie sind in Mode gekommen.
Selbst nach dem Run auf Dividendenaktien sehe ich keine Überbewertung in diesem Bereich. Als Anleger sollten Sie natürlich aufpassen, dass Sie nicht blindlings die höchsten Dividendenrenditen herauspicken, denn es kann einen Pferdefuß geben. Analysieren Sie also genau, bevor Sie einsteigen, wie hoch die Ausschüttungsquote ist, wie es um die Kapitalflussrechnung bestellt ist und wie sich das operative Geschäft entwickelt. Schrumpft ein Unternehmen seit Jahren, ist das für Buy-and-Hold-Anleger logischerweise unattraktiv. Kaufen Sie nur kerngesunde Unternehmen mit exzellenten Perspektiven. Mit diesen Firmen können Sie selbst gut Finanzkrisen aussitzen.
Mir fiel nun auf, dass bei guten Dividendenzahlern direkt nach der Hauptversammlung ein dramatischer Kurssturz folgt. Mir ist klar, dass nach der Hauptversammlung die Aktie logischerweise um die ausgeschüttete Dividende rein theoretisch sinken muss, man spricht auch vom „Dividendenabschlag“. Doch fallen etliche Aktien deutlich tiefer, als sie eigentlich müssten.
Ein gutes Beispiel ist die Deutsche Telekom. Die Bonner schütteten am 25. Mai 70 Cent aus. Der Kurs sank indes von 8,80 auf 7,75 Euro, also um 1,05 Euro.
Bei der Frankfurter Zeitarbeitsfirma Amadeus Fire rauschte der Kurs nach der Hauptversammlung von 36 auf 29 Euro. Ausgekehrt wurden „nur“ 2,84 Euro, während der Kurs seit dem 31. Mai um 7 Euro einbrach. Schauen Sie sich den Kursverlauf von Amadeus Fire in der Illustration oben an. Nun hat der Titel die Lücke fast wieder ausgeglichen.
Was lernen wir daraus? Es macht Sinn, in den Wochen nach der Ausschüttung starke Dividendenzahler zu kaufen, denn der Abschlag scheint übertrieben hoch auszufallen. Fast hysterisch flüchten die Anleger nach der Ausschüttung aus dem Papier. Woran mag das liegen? Vielleicht steigen Momentum-Anhänger aus. Oder aber kaufen Dividendenfans in den Wochen vor der Ausschüttung wie verrückt das Papier und steigen dann enttäuscht aus, wenn sich der Kursrutsch verschärft. Sind die Angsthasen raus, erholt sich so eine Aktie schneller, als man denkt.
Einen ähnlich übertriebenen Abschlag finden Sie bei Münchener Rück. Die Hauptversammlung war am 26. April, ausgeschüttet wurden 6,25 Euro. Der Kurs sank jedoch um 20 Euro in den Folgewochen. Der Chart zeigt schön den Sturz von 117 auf 97 Euro. Ich könnte weitere Beispiele bringen…
Übrigens fällt der Dividendenabschlag in den USA geringer aus, weil über dem großen Teich in der Regel quartalsweise Dividenden ausgekehrt werden. Es gibt in Nordamerika gar Unternehmen, die monatlich ausschütten. In Deutschland ist hingegen nur einmal jährlich Zahltag.
Nachtrag: Natürlich können sich die Perspektiven einer Firma ändern. So kann es auf der Hauptversammlung vorkommen, dass der Vorstand seine Prognosen senkt. Dies habe ich in meiner Betrachtung ausgeklammert.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Nach der Dividende bricht der Kurs ein – mehr als er sollte

  1. Ulrich

    Guter Artikel. Den Fehler, den viele machen, ist eben, dass nur noch auf Dividenden-Renidten geschaut wird. Auf Fundamentaldaten wird da wenig geschaut. Dann wird kurz vor der Dividendenzahlung gekauft, egal was es kostet. Dann kommt das böse Erwachen wenn der Kurs danach total abrutscht.

    lg Ulrich

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Ulrich,

    Danke für die Anmerkung. Genau!

    Was ebenfalls zu beobachten ist: Selbst bei super-guten Aktien werden die Anleger nervös, wenn das Papier unter Druck gerät. Dann werden Verluste realisiert von 10, 20 oder 30 Prozent. Hätten die Börsianer nur etwas Geduld, könnten Sie aus einem zwischenzeitlichen Verlust einen Gewinn machen.

    Starke Unternehmen erholen sich nach jedem Sturm.

    lg
    Tim

  3. Stefan Mohr

    Hallo Tim,

    daneben gibt es einen weiteren Grund, lieber nach der Dividendenausschüttung zu kaufen: die Steuern.

    Die Dividende versteuert man sofort, Kursgewinne dagegen erst, wenn man wieder verkauft. Insbesondere für Langfristanleger ist es also deutlich günstiger, auf die Dividende zu verzichten und lieber mit Dividendenabschlag zu kaufen.

    Grüße,

    Stefan Mohr

  4. Sascha Huber

    Hallo!

    Die höchsten Dividendenrenditen gibt es meist bei eigentlich weniger attraktiven Unternehmen, sieh z.B. die T-Aktie oder auch Drillisch/freenet (warum diese Aktien zum Kauf empfohlen werden, wo sie kaum Phantasie haben, verstehe ich absolut nicht). Dagegen bieten wirklich gute Aktien wie z.B. die beiden Fresenius Papiere aus dem DAX (Fresenius Medical Care und die Fresenius SE) eher niedrige Dividendenrenditen. Dies liegt daran, dass beide Unternehmen recht stark wachsen und deshalb der Kurs auch stark gestiegen ist. Insofern ist es nicht unbedingt klug, die Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen zu kaufen, zumal die Dividende ja als Dividendenabschlag vom Kurs abgezogen wird. Daher sollte man sich eher das Wachstum eines Unternehmens anschauen als nur die reine Dividendenrendite. Denn dies kann, siehe die T-Aktie, böse ins Auge gehen!

    Gruß, Sascha!

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