Nach dem Crash: Dividenden-Strategie zahlt sich aus


New York, 24. September 2011

Im Sturzflug befinden sich die Börsen. Anleger flüchten weltweit in Scharen, werfen ihre Papiere auf den Markt. Unter die Räder kommt alles, was sich zu Geld machen lässt. Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle, Baumwolle, Öl, Gold, Silber – alles fällt. Der Masse ist es egal, was sie für ihre Papiere kriegt. Hauptsache raus. Hauptsache weg. Hauptsache Cash. Cash ist King. Wie idiotisch! Das können Sie als Panik bezeichnen. Ein Crash! Nur weil es in den nächsten Tagen tiefer gehen kann, ziehen die Lemminge die Reißleine.
Wer mindestens fünf Jahre Zeit hat, sollte auf Schnäppchenjagd gehen. Bank of America (Kurs 6,31 Dollar) bringt nur schlappe 30 Prozent vom Buchwert auf die Börsenwaage. Citigroup und Deutsche Bank billigt die Börse lausige 40 Prozent des Eigenkapitals zu. So groß ist die Angst vor Abschreibungen und Risiken. Dabei kann nur überdurchschnittlich verdienen, wer Risiken eingeht. No risk, no fun! Ich weiß, ich rate seit Monaten dazu, sich im Finanzsektor umzuschauen. Und seither korrigieren die Kurse. Scheinbar ohne einen Boden gefunden zu haben. Klar haben die Banken massive Probleme. Aber die Krise wird eines Tages enden. In Krisen wird der Grundstein für spätere, unglaublich große Vermögen gelegt.
Neben Finanzwerten sind starke Dividendenzahler ein Bollwerk gegen Kursverluste. Sie sind ein Garant für außergewöhnlich hohe Renditen. Diese Aktien verhalten sich stabiler als der Gesamtmarkt. Es gibt unzählige wissenschaftliche Studien, die klar zeigen, dass Dividendenzahler besser abschneiden als Unternehmen, die keine Ausschüttungen vornehmen. Immer wieder kritisieren mich Blogger für mein Loblied auf die Dividenden. Der ein oder andere Kritiker kennt sich durchaus an der Börse aus, wie dieser. Doch leider fehlen am Ende der Argumentationskette die Fakten. Das ist jedenfalls mein Eindruck.
Anleger unterschätzen im allgemeinen die Dividende. Viele denken, es handelt sich um langweilige Geschäftsmodelle, um „Papiere für Oma und Opa“. Sie glauben, die Firmen wüssten nicht, was sie sonst mit dem Geld anstellen sollen. Mitnichten! Ihr Geschäft läuft rund. Sie wollen es so optimal lassen, wie es ist. Als Anteilseigner bin ich den Vorständen dankbar dafür, dass sie keine verrückten Übernahmen finanzieren, mir statt dessen ein passives Einkommen zur Verfügung stellen.
Wenn nahezu das gesamte Portfolio von Warren Buffett aus substanzstarken Dividendenpapieren besteht und er damit der beste Anleger aller Zeiten ist, dann muss das doch einen Grund haben. Ein Zufall kann das nicht sein. Mich wundert die aktuelle Flucht in Staatsanleihen: Warum soll ich meine Kohle in zehnjährige Bonds pumpen und dafür nur 1,7 Prozent kassieren? Das ist eine viel zu lausige Rendite, wenn ich in soliden Aktien vier oder fünf Prozent Rendite scheffeln kann?
Im Folgenden gehe ich auf zwei Studien zur Überlegenheit von Dividendenzahlern ein: Robert D. Arnott, der damalige Herausgeber des „The Financial Analysts Journal“, untersuchte die Performance von Aktien zwischen den Jahren 1802 und 2002. In den 200 Jahren erzielten Aktien im Schnitt 7,9 Prozent per annum. Davon stehen die Dividenden für stolze 5 Prozentpunkte. Sprich fast zwei Drittel der Gesamtperformance steuern sie bei. Arnott hat darüber hinaus ermittelt: Wer 100 Dollar vor 200 Jahren investierte, der kann sich heute (beziehungsweise die Erben) auf ein Vermögen von 459 Millionen Dollar freuen. Es wirkt der Zinseszins: Durch die Reinvestition der Dividenden entfaltet sich eine unglaubliche Kraft.
Eine weitere Studie von Ned Davis Research spricht eine klare Sprache: Die Experten untersuchten die Aktienperformance zwischen 1972 bis zum 30. Juni 2011. Seither brachten Dividendenzahler ihren Anlegern 8,92 Prozent ein. Das war spürbar mehr, als jene knauserigen Firmen, die nichts auskehrten, denn diese schnitten nur mit 1,83 Prozent ab. Was für ein Unterschied?
Ich argumentiere nicht gerne mit fadenscheinigen Argumenten. Um den heißen Brei reden im Internet leider zu viele. Ich verlasse mich auf Fakten und Studien.
Wenn Sie sich nun mit erstklassigen Wertpapieren eindecken, können Sie natürlich Fehler machen. Eine Erfolgsgarantie gibt es leider keine. Daher sollten Sie Ihr Depot mischen. Schöne Dividenden-Distributoren sind beispielsweise die großen Ölfirmen Exxon Mobil, Chevron und ConocoPhillips. Es gibt eine ganze Reihe von Dividenden-Königen, die seit mehr als einem halben Jahrhundert ohne Pause ausschütten und stetig einen Schnaps drauflegen. Darunter 3M, Procter & Gamble, Coca-Cola, Johnson & Johnson. Mit solchen Unternehmen besitzen Sie Gelddruckmaschinen. Freilich: Hatten Sie eine BP im Portfolio, dann mussten Sie eine schwere Zeit durchstehen. Der Titel brach nach der Öl-Pest im Golf von Mexiko ein, der Vorstand setzte die Dividende aus. Wer auf die Banken vertraute, der erlebte sein blaues Wunder. Deren Kurse sind implodiert. Von Dividenden ganz zu schweigen. Grundsätzlich stehe ich solche Phasen durch.
Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist es eh meist zu spät, um zu verkaufen. Wenn wir zurückblickend auf die Charts schauen, sind wir natürlich alle schlauer: Dann hätten wir am Tag x verkaufen müssen. Na klar! So hätten wir den Verlust vermeiden können. Und am Tag y hätten wir auf dem Tiefpunkt einsteigen müssen, dann wäre das alles gut ausgegangen. Hätte, könnte, würde … solche Überlegungen sind Käse. Das weiß niemand in solchen Phasen. Keiner kann vorhersehen, wie ein Aktienkurs reagiert. Es hängt von so vielen Faktoren ab.
2010 schütteten die Konzerne aus dem S&P 500 mehr als 200 Milliarden Dollar aus. Im laufenden Jahr kann die Summe höher ausfallen. Ich finde im Netz viele Quellen mit starken Argumenten. Leider sind Dividendenpapiere für viele nicht „sexy“ genug. Hier hat ein cleverer Autor ein Portfolio für die Ewigkeit zusammengestellt, seine Strategie (Anlage-Regel) ist extrem simpel, gleichzeitig geradezu genial. Zudem erscheint dieses Dividenden-Depot attraktiv.
Wenn Sie mehr über die Dividenden-Strategie mit dem Buy-and-Hold-Ansatz wissen wollen, empfehle ich abschließend folgenden Artikel. Seien Sie skeptisch, wenn Ihnen jemand weismachen will, man könne schnell reich an der Börse werden. Es ist ein langwieriger Prozess.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Nach dem Crash: Dividenden-Strategie zahlt sich aus

  1. Matthäus Piksa

    Hi Tim,

    eine nette Geschichte zum Zinseszins-Effekt ist die Geschichte vom sog. Josefspfennig, die ganz schnell erzählt ist: Hätte Josef bei der Geburt von Jesus einen Pfennig auf ein mit 5% verzinstes Sparbuch eingezahlt, dann wäre über die Jahre und mittlerweile Jahrhunderte ein stattliches Vermögen daraus entstanden, bis heute mehrere Milliarden! Erdkugeln aus Gold; im Internet kursieren hierzu zahlreiche Grafiken und weiterführende Hinweise; beeindruckend!

    Der Effekt wirkt natürlich gleichermaßen bei Schulden.

    Viele Grüße.
    Matthäus

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus. Danke für die interessante Ergänzung. Hier der Wikipedia-Eintrag zum Josephspfennig.
    Gut auch Ihr Zusatz, dass der Zinseszins-Effekt gegen einen arbeiten kann, wenn man Kreditnehmer ist. Das sehen wir ja gerade bei den Staatsschulden. Immer mehr Schulden, immer mehr Zinsen. Das wächst den Regierungen (und damit dem Bürger) über den Kopf. Jedes Jahr kommt eine Netto-Neuverschuldung hinzu, die nur noch dazu dient, die neuen Zinszahlungen leisten zu können.
    VG Tim

  3. Stefan

    Hallo,

    generell bin ich ihrer Meinung, ich möchte nur mal beiläufig erwähnen, dass im Moment die prozentual höchste Dividende im Dow Jones AT&T mit 6,2 % bezahlt. Im Eurostoxx zahlen hingegen derzeit die Hälfte der 50 Unternehmen 6 % und mehr und mehr als 1/3 zahlt sogar über 7,5 %. Sie erwähnen vorwiegend amerikanische Unternehmen, aber ich bin der Meinung, dass man zur Zeit als Dividenden- und Schnäppchenjäger auf Europa schauen sollte. Die aktuellen Dividenden europäischer Blue Chips sind einzigartig. Der Durchschnitt liegt etwa auf dem Niveau des S&P 500 von 1982 Dividendenrendite S&P 500 seit 1928 und 1982 war der Beginn der größten Hausse des letzten Jahrhunderts.

    Gruß
    Stefan

  4. EinAndererTim

    Hallo Tim.

    Ich beschäftige mich seit kurzem auch mit dem Aktienmarkt, da ich davon ausgehe, dass die Möglichkeiten derzeit gut sind. Da mir kurzfristige Anlagen zu zeitintensinv sind, verfolge ich eher eine Buy and Hold strategie mit einem Fokus auf Dividenden.

    Ich habe natürlich auch hier verschiedene kritische Meinungen zu gelesen. Zuletzt habe ich den Eintrag aus dem verlinkten Blog gelesen und mir dazu Gedanken gemacht, die ich nicht ausreichend diskutiert sehe. Dazu hätte gerne eine Meinung gehört.

    Wenn ich den Autor korrekt verstehe zieht er die folgende (vereinfachte) Argumentation heran, um Dividendenzahlungen als Nachteil für den Anleger zu bewerten.

    Die Dividende wird ausgezahlt -> Der kurs wird entsprechend nach unten korrigiert -> Es handelt sich um eine einmalige Auszahlung des Kursgewinns -> Es ist als Quasi ein Teilweiser Verkauf

    Für mich hinkt diese Annahme, da ich natürlich zuert mit der Auszahlung der Dividende einen Kursverlust hinnehmen muss. Unter der Annahme, dass sich der Kurs jedoch immer wieder dem Wert (nicht dem rein materiellen Wert) des Unternehmens angleicht, wird der Kursverlust ja wieder ausgeglichen werden. Die Dividende ist demnach ein realer Gewinn.

    P.S. Hast du vielleicht eine Empfehlung für einen deutschen oder europäischen Depotmeister, bei dem man ein wenig spicken kann? Da ich versuche die Unternehmen und die Märkte zu verstehen sagen mir die Amerikanischen Unternehmen weniger zu.

  5. tim schaefertim schaefer

    Danke Stefan für den Hinweis mit dem Zusammenhang zwischen den hohen Dividendenrenditen und den extrem guten Kursaussichten. Ihr Chart spricht Bände. Sieht wirklich fast wie im Jahr 1928 aus.
    Natürlich gibt es in Deutschland und Europa starke Dividendenzahler: Einerseits handelt es sich um den Vorteil dort, dass die Währungsschwankungen ausbleiben. Andererseits gehören auch starke US-Dividenzahler in jedes Depot.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ EinAndererTim: Danke für den Hinweis mit dem Dividendenabschlag nach der Ausschüttung. Wie Sie schon richtig feststellten, wird der Kursabschlag nach der HV in der Regel wieder zügig aufgeholt. Solide Dividendenzahler sind Cashmaschinen. Der Unternehmenswert steigt praktisch mit jedem Tag. Denn das Geschäft wirft Netto-Cash ab.
    Ein gutes deutsches Beispieldepot kann ich Ihnen leider momentan nicht nennen. Mir fällt gerade keines ein. Sorry. Ich rate, den DAX, MDAX und SDAX zu analysieren und dort starke Werte herauszufischen. Auch im Dow Jones und S&P 500 lohnt es sich, auf Dividenden-Jagd zu gehen.

  7. Henner

    Lieber Tim,

    Ihrem stetigen Plädoyer pro Dividendenstrategie stimme ich zu.

    Neben dem zweifelsohne wichtigen Zinseszins-Effekt kommt in vielen Darstellungen noch ein m.E. zentraler Aspekt hinzu, der nur selten ausdrücklich benannt wird. Sie deuten ihn an, wenn Sie darauf hinweisen, dass viele Blue Chips „stetig einen Schnaps drauflegen“: Wer heute einen Anteil eines Unternehmens kauft, das seit 10, 20, 30, 40 oder mehr Jahren die Dividende stetig erhöht, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass dies so bleibt.

    Allein ein Kaufen und Liegenlassen führt für diesen Investor dann aller Voraussicht nach dazu, dass sein einmaliges Investment ihm nach einem bestimmten Zeitraum eine am ursprünglichen Kaufpreis gemessene jährliche, kontinuierlich wachsende Dividendenrendite beschert. Einen anschaulichen Artikel habe ich unter

    http://www.dividendgrowthinvestor.com/2010/11/dividend-growth-stocks-best-kept-secret.html

    gefunden. Der Autor zeigt auf, wie allein die jährlich erhöhten Dividendenzahlungen einer einmaligen Investition in die (von Ihnen auch genannte) Johnson&Johnson-Aktie im Jahr 1990 dem Investor im Jahr 2010 eine jährliche Rendite von 23,53% auf den ursprünglichen Kaufpreis gebracht hätten. Und da ist eine eventuelle Reinvestition der Dividenden noch nicht reingerechnet.

    Das mag psychologisch schwer durchzuhalten sein – man wird dazu neigen, im Hier und jetzt die täglichen Kursschwankungen zu beobachten statt sich auf eine Strategie des Nichtstuns zu verlagern, die dazu führt, dass man sich erst in 10, 20 oder 30 Jahren über erstaunliche jährliche Erträge freuen kann. Aber vielleicht lohnt sich das Durchhalten ja. Sinnvoller als der Abschluss einer Riester-Rente scheint es mir derzeit allemal, um für später vorzusorgen.

    Viele Grüße
    Henner

  8. tim schaefertim schaefer

    Lieber Henner, das ist ein beeindruckendes Beispiel. Danke dafür. Vor 20 Jahren wurden also aus dem 100 Dollar Anfangsinvestment in Johnson & Johnson knapp 10.000 Dollar. Das ist der Wahnsinn! Daran kann man sehr gut erkennen, was für eine Power die Dividenden haben, die in diesem Fall reinvestiert worden sind. Ohne die Dividenden wäre das Kapital nur auf 6.592 Dollar angewachsen.
    Hier Ihr Link noch einmal! Beste Grüße

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