Nach dem Blutbad: Jetzt Aktien kaufen?


New York, 20. August 2011

Die Talfahrt geht weiter. Frankfurt, New York, London, Tokio – rund um den Globus schließen die Börsen im Minus. Ständig werden neue Tiefstände markiert. Der Dow Jones Industrial schloss am Freitag um 1,5 Prozent tiefer bei 10.817 Punkten. Der deutsche Leitindex DAX verliert ebenfalls Boden unter den Füßen. Am Freitag summierte sich das Minus im DAX auf 2,2 Prozent, der Index ging bei 5.480 Punkten ins Wochenende. Die Charts von DAX, Dow Jones & Co sehen angeschlagen aus.
Besonders heftig hat es den PC-Bauer Hewlett-Packard (HP) erwischt. Am Freitag brach der Kurs um 21 Prozent auf 23,60 Dollar ein. Der IT-Riese will seine Privatkunden-PC-Sparte abstoßen. HP sieht wohl keine Chance, den Kampf gegen den übermächtigen Rivalen Apple zu gewinnen.
Was ist der Grund für das Börsenbeben? Es mehren sich die Hinweise auf eine Abkühlung der Konjunktur. Manch ein Experte warnt gar vor einer neuen Rezession.
Es stellt sich die Frage: Was tun nach diesen massiven Kursverlusten? Grundsätzlich ist es so: Je niedriger die Kurse, desto geringer das Risiko. Für Langfristanleger wird es nun interessant. Ich rate, jetzt über Zukäufe nachzudenken. Ich verfolge nicht einen Zeitraum von drei Monaten, sondern eher einen von drei Jahren und länger. Den tiefsten Kursstand erwischt ohnehin niemand. Ich rechne mit volatilen Tagen und Wochen. Value-Jäger sollten sich gedanklich damit auseinandersetzen, ein paar solide ausgebombte Dividendentitel einzusammeln. Die gibt es haufenweise. Im Schnitt liegt nun das KGV im S&P-500-Index bei ca. elf. Das ist im langfristigen Schnitt eine Schnäppchen-Bewertung. Ein Großteil der Firmen hat blitzsaubere Bilanzen. Wenig Schulden, viel Cash. Sie finden derzeit reihenweise Qualitätsfirmen mit KGVs von acht oder neun. Zudem sprudeln schöne Dividenden. Das ist eine schöne Zeit, um ein passives Einkommen aufzubauen.
Angenommen Sie haben einen soliden Konzern im DAX oder Dow Jones entdeckt mit einer Dividendenrendite von 4,0 Prozent. Sie legen also 100.000 Euro an. Das bringt Ihnen dann 4.000 Euro jährlich allein an Dividenden ein. Vor Steuern natürlich. Ich finde, das ist ein schönes Zubrot. Pro Monat sind das immerhin 333 Euro brutto. Langfristig wird sowohl der Kurs als auch die Ausschüttung weiter steigen. Keine schlechten Aussichten also.
Wer jetzt einsteigt, braucht freilich Nerven wie Drahtseile. Gut möglich, dass die Börsen um weitere zehn oder 15 Prozent einbrechen. Das weiß im Grunde niemand. Und es kann noch schlimmer kommen. Aber grundsätzlich scheint die Zeit gut. Zwei wichtige Indizien sprechen dafür: Erstens gehen Insider immer häufiger auf Schnäppchenjagd. Vorstände und Aufsichtsräte decken sich derzeit im großen Stil mit Anteilen ihrer Unternehmen ein. Zweitens beschließen immer mehr Konzerne, von ihren Aktienrückkaufprogrammen Gebrauch zu machen.
Überstürzen brauchen Sie freilich nichts. Lassen Sie sich Zeit! Ich selbst habe praktisch all meine Taler investiert. Vor eineinhalb Jahren hatte ich hier in einem Blogbeitrag meine Aktien bis zur Rente vorgestellt, zwei dieser vier Titel befinden sich in meinem Depot. Bitte kaufen Sie nicht diese Aktien! Sie müssen schon Ihre eigenen Lieblinge finden. Es soll Ihnen nur beispielhaft zeigen, wie Value Investing meiner Meinung nach funktioniert.
Mir bleibt derzeit nichts anderes übrig, als dieses hektisches Auf und Ab zu ertragen. Die Börse ist eben nichts für Warmduscher. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Geschäfte an der Börse.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Nach dem Blutbad: Jetzt Aktien kaufen?

  1. Philipp S.

    Hallo Tim,

    ich bin vor ein paar Tagen erst auf deinen Blog gestossen.
    Wollte hiermit mein positives Feedback mitteilen.

    Viele Grüße und Danke für die zahlreichen lesenswerten Artikel,

    Philipp

  2. tim schaefertim schaefer

    Danke Philipp für das Lob.
    Viele Grüße aus dem Katastrophengebiet Financial District. Hier wird in 24 Stunden der Monster-Sturm Irene erwartet. Mal sehen, ob ich auch zu denen zähle, die evakuiert werden müssen. Hoffentlich nicht…Derzeit wird das größte Nahverkehrsnetz der Welt (NYC) stillgelegt. Wahnsinn, wie diese Großstadt auf den Sturm wartet. Wasserflaschen sind in vielen Supermärkten ausverkauft.

  3. Philipp S.

    Hallo Tim,

    das ist auch in den deutschen Medien inzwischen überall zu sehen. Hoffentlich hält sich der Schaden in Grenzen.

    Alles Gute,

    Philipp

  4. tim schaefertim schaefer

    Hi Philipp, der Sturm „Irene“ hat sich zum Glück doch nicht in NYC ausgetobt. Es gibt wohl in Manhattan weniger Schäden, als zunächst befürchtet. Best Tim

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