Müll: Das stinkende Geschäft ist eine Goldgrube


New York, 3. März 2013

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Mein Schnappschuss zeigt Müllsäcke auf dem Gehweg im Finanzviertel. Ich habe das eben im Vorbeigehen mit dem Handy aufgenommen. Die Matratzen müssen alle in Folien eingewickelt werden. Das ist Pflicht. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem saftigen Strafzettel rechnen. So bekämpft die Stadtverwaltung die Verbreitung der Bettwanzen, die sich wie eine Plage in der Millionenmetropole ausbreiten. Nachts kommen die kleinen Plagegeister aus Ritzen und Ecken in den Wohnungen gekrochen, um Löcher unter die Haut zu bohren und menschliches Blut zu trinken.
Ich schrieb für die Finanzzeitung „€uro am Sonntag“ über die Müllbranche in den USA. Es handelt sich um eine Goldgrube. Ein paar wenige Firmen beherrschen den Markt. Es handelt sich fast um regionale Monopole.
Neue Lizenzen für Mülldeponien werden selten vergeben. Warum? Nun, die Öffentliche Hand hat Angst vor der Verunreinigung des Trinkwassers, der Umwelt.
Daher teilen die großen, verlässlichen Player den Markt unter sich auf. Das macht das Segment für Aktionäre spannend. Eben weil der Wettbewerb begrenzt ist.
Hinzu kommt: Das stinkende Geschäft ist krisenfest. Müll wird jeden Tag produziert – Krise hin, Krise her. Ein weiterer Vorteil: Die amerikanische Bevölkerung wächst um ein Prozent per annum.
Kommt es zu Naturkatastrophen, zu einem Wirbelsturm oder Hochwasser, müssen die Müllmänner im Anschluss noch mehr aufräumen. Sprich, Katastrophen sind sogar gut für den Sektor.
Die Nummer eins ist Waste Management, die Nummer zwei Republic Services. Beide sind moderat bewertet und zahlen schöne Dividenden.
Kultig an Republic finde ich den CEO Donald Slager. Der 51-jährige begann seine Karriere als Müllfahrer, er trat in die Fußstapfen eines Vaters, der ebenfalls Müllkutscher war.
Das Geschäft mit dem Müll liebt Bill Gates. Der Microsoft-Gründer besitzt an Republic fast ein Viertel des Grundkapitals. Auch an der größeren Waste Management hält Gates ein Aktienpaket. Über seine Stiftung besitzt der 57-jährige Ex-Programmierer vier Prozent.
Ich finde das erstaunlich, denn kein Investor mag wirklich den Müll. Nur wenige wagen sich in diese Nische. Ich vermute: Gates möchte die Branche positiv beeinflussen.
Gates hat seit seinem Ausscheiden bei Microsoft nur Gutes im Sinn. Er hilft der Gesellschaft, wo er kann. Vor allem die Ärmsten der Armen in Afrika sind ihm und seiner Gattin Melinda ans Herz gewachsen. Derzeit bereitet er eine großangelegte Polio-Impfung (gegen Kinderlähmung) in Afrika vor. Der Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, steht Gates mit Rat und Tat zur Seite. Und mit Geld. Bloomberg ist mehrfacher Milliardär.
Übrigens ist Bloomberg ein Feind von Müll. Unnötige Sachen hasst er regelrecht. Sein Haus in Manhattan ist ziemlich leer. Er hat seit zehn Jahren nur zwei paar Lederschuhe für die Arbeit. Ins Rathaus fährt er mit der U-Bahn. Er führt ein einfaches Leben.
Die beiden Megareichen Carlos Slim und Warren Buffett leben ähnlich bescheiden. Sie fahren uralte Autos, sie wohnen in alten Häusern. Ihr Lebensmotto: Simplify Your Life.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Müll: Das stinkende Geschäft ist eine Goldgrube

  1. D.K.

    Ja, ich finde das Thema auch sehr aktuell.
    Auch das Recycling gehört mMn in diese Kategorie.
    Sicherlich interessant fürs Value Investing.

  2. Martin

    In Frankreich gibt es viele günstige Umweltwerte z.B. CNIM Group. Die amerikanischen Firmen sind mir etwas teuer. Die Dividendeninvestoren treiben da die Preise hoch.
    Aurubis aus Deutschland recyclet auch Kupfer.
    Wie man bei RWE und EON sieht, gibt es gewisse Risiken für Versorger. Wobei die Amerikaner insgesamt beim Regulieren investorenfreundlicher vorgehen.

  3. Matthäus Piksa

    Viele kennen Bill Gates als den dauerlächelnden, stoisch-gelassenen Microsoft-Gründer, so auch ich, der sich mittlerweile als Philantrop nicht nur um das Wohl und Wehe Afrikas kümmert.

    Aber Gates kann auch „austeilen“. Auf twitter postete er gerade seine Rezension des Buches „Why nations fail“. Und die fällt nicht positiv aus.

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