Minengesellschaften: Achtung vor den Lügnern und Zwergen


New York, 4. Dezember 2010

Die Wall Street ist derzeit verrückt auf brasilianische Aktien und Rohstoffe. Jede Woche erhalte ich zig Einladungen zu diesen Anlagethemen. Investoren rennen den Minenfirmen und den Südamerikanern die Bude ein. Kein Wunder! Zum einen hat sich die brasilianische Wirtschaft schneller von der Krise erholt, als viele erwartet hatten. Zum anderen stürmen Gold, Silber und andere Edelmetalle von einem Rekord zum nächsten. Ich sah mir in den vergangenen Wochen etliche Firmen an. Jeden Tag gehen zig Präsentationen über die Bühne. Aber man muss bei diesen Modethemen aufpassen. Die Kurse sind exzellent gelaufen. Ganz ehrlich, ich glaube: Die überwiegende Zahl der Juniorexplorer wird immer klein bleiben, sie werden es nie zur Produktion schaffen. Sie erzählen seit Jahren, dass die Produktionsaufnahme kurz bevorsteht. Es ist dabei eine Herkulesaufgabe, die Genehmigungen und die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Wie sagte noch der amerikanische Schriftsteller Mark Twain:
What is a definition of a gold mine? A hole in the ground owned by a liar.
Wie definiert man eine Goldmine? Ein Loch in einem Grundstück, das einem Lügner gehört.

Twain hat natürlich mit seiner ironischen Bemerkung Recht. Es gibt in der Branche jede Menge Betrüger oder sagen wir mal besser Schaumschläger. Ein paar dieser Windbeutel kommen aus Vancouver. Sie versprechen den Anlegern das Blaue vom Himmel. Um die vielen Lügenmärchen einzudämmen, haben die Kanadier gewisse Standards geschaffen. Etwa die offiziellen “43-101“-Dokumente, ein Gutachter muss sie bestätigen. Hierin müssen also die Reserven und Ressourcen alle fein säuberlich nach gewissen Standards beschrieben werden. Übrigens auch den großen Bergbaukonzernen fällt es zunehmend schwerer, zu wachsen. Denn sie fressen ja ihre Reserven Quartal für Quartal auf und müssen ständig neue Funde machen beziehungsweise Lagerstätten übernehmen, um die ausgebeuteten Rohstoffe wieder aufzufüllen. Kurzum: Passen Sie auf! Der Kapitalmarkt ist ein Haifischbecken. Egal, in welcher Branche Sie sich engagieren, gilt ohnehin: Die Minifirmen werden mit großer Wahrscheinlichkeit immer mini bleiben. Und bei den Großen ist nicht alles Gold, was glänzt.
Zum Glück kommt jetzt die Börse endlich wieder in Schwung. Noch immer scheinen Aktien sehr günstig zu sein. Besonders im Finanzsektor gibt es viele Schnäppchen. Banken und Versicherungen haben den Aufschwung der vergangenen Monate kaum mitgemacht. Ich sehe hier für Langfristanleger schöne Chancen. So oder so, Sie brauchen starke Nerven. An der Börse gibt es nichts geschenkt.


tim schaefer (Author)

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