Millionäre kaufen Aktien


New York, 20. Juli 2012

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In den USA decken sich die Reichen mit Aktien ein. Das ergab eine Studie des Finanzdienstleisters Fidelity. 20 Prozent der Befragten gaben demnach an, in den vergangenen zwölf Monaten Aktien gekauft zu haben. Elf Prozent kauften ETFs.
Die Herde verhält sich konträr dazu: Die Masse schichtet ihr Vermögen in festverzinsliche Anlagen um. Aus Aktienfonds verabschiedet sich die Bevölkerung. Das ist immer das gleiche: Zu niedrigen Aktienkursen geht die Meute aus dem Markt, zu hohen Aktienkursen in den Markt. Immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Es ist so, als ob Sie es mit einem Vollidioten zu tun haben – sorry für den Ausdruck. So ist es aber nun mal.
In den USA gibt es laut einer Erhebung der Boston Consulting Group rund fünf Millionen Haushalte mit mehr als einer Million Dollar in flüssigen Mitteln (ohne Immobilien, ohne Rentenvorsorge). Das sind vier Prozent der Bevölkerung.
Was in der Boston-Consulting-Studie über die Reichen auffällt: Der typische Reiche ist 61 Jahre alt und hat rund drei Millionen Dollar. Daran sehen Sie, Vermögen aufzubauen hat mit dem Alter zu tun. Es ist nämlich viel Zeit nötig (Zinseszins). Daher ist Geduld das oberste Gebot. Schnellschüsse sollten Sie unbedingt vermeiden – gerade an der hektischen Börse.
Professor Frank Partnoy schrieb gerade ein herrliches Buch mit dem Titel Wait: The Useful Art of Procrastination. Übersetzt heisst das so viel wie: Warte, die nützliche Kunst Hinauszuschieben!
Der Wissenschaftler vertritt in dem Buch die Ansicht, Menschen treffen bessere Entscheidungen, wenn sie sich mehr Zeit lassen und intensiv nachdenken. Warren Buffett hat keinen PC. Kein Internet. Merken Sie was? Der Autor war selbst in seiner Karriere einmal ein Trader. Er weiß, wovon er spricht.
Darüber hinaus zeigte die Fidelity-Studie: Die Reichen sind optimistisch. Sie sind bereit, einen großen Teil ihres Vermögens in riskante Investments (Aktien) zu geben. Daher erzielen sie ja auch mehr Rendite als der Durchschnittsbürger. Ein Viertel der Millionäre fühlt sich nicht mal reich. Sie sind demnach genügsam, keine Angeber.
Genau an dem Verhalten der Reichen sollten sich eigentlich Johnny und Max Mustermann orientieren. Mehr riskieren (als das Sparbuch), genügsam sein, Zeit haben und vorsichtig Entscheidungen treffen. Aber Johnny und Max Mustermann folgen lieber ihresgleichen. Deshalb wird es ja auch nix. Beide brauchen sich auch einander. Der Reiche braucht die „doofe“ Masse.
Wer das Verhalten der Reichen beobachtet, stellt fest: Sie schwimmen gegen die Strömung. Jetzt kaufen die cleveren Amerikaner Häuser – nach dem Platzen der Immobilienblase, nachdem zig Millionen Hausbesitzer überschuldet sind. Jetzt gibt es unglaubliche Schnäppchen. Häuser, die vor fünf Jahren noch 200.000 Dollar gekostet haben, gibt es jetzt für 100.000 Dollar. Ideal für den Einstieg sind Insolvenzverfahren. Eine smarte Strategie wäre jetzt: Kaufen, sanieren, vermieten oder selbst einziehen – abwarten.
Schnäppchen finden Sie überall in den USA, in Florida, Nevada, Kalifornien etc. Obendrein kriegen die Reichen sogar eine Finanzierung fast umsonst auf die Beine. Milliardäre wie Mark Zuckerberg finanzieren derzeit ihr Haus für winzige 1,00 Prozent.
Fazit: Die Herde kaufte Immobilien auf dem Hoch, finanzierte mit wenig Eigenkapital, zahlte üppige Zinssummen. Die Reichen greifen jetzt zu. Das Risiko ist geringer, die Finanzierung günstiger, die Chance größer. So einfach ist das. Bei Aktien ist es dasselbe in Grün.
Ich empfehle Ihnen ein super Buch von dem Mannheimer Finanz-Prof Martin Weber: Genial einfach investieren: Mehr müssen Sie nicht wissen – das aber unbedingt!


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Millionäre kaufen Aktien

  1. StefanStefan

    Das Buch von Weber habe ich gelesen. Ist schon interessant, allerdings ist er glühender Anhänger der Theorie der effizienten Märkte. Einen Warren Buffett hält er für ein Zufallsprodukt, der einfach Glück gehabt hat. Weber glaubt nicht, dass man durch den Kauf unterbewerteter Aktien den Markt schlagen kann. Er empfielt einfach den Kauf von ETFs, also den gesamten Markt. Da man ihn nicht schlagen könne, könne man so die bestmögliche Rendite erzielen…

    Das mit dem Invstieren in Häuser in Florida ist sicherlich nur für Leute interessant die selbst vor Ort sind. Aus Deutschland heraus halte ich das für schwierig. Außerdem wird oft unterschätzt was da an Verwaltungskosten auf einen zukommt. So gibt es oft sogar die Pflicht seinen Rasen regelmäßig zu mähen, sonst drohen Strafen.

    Gruss

  2. tim schaefertim schaefer

    Hallo Stefan,

    Index-Produkte sind ein sinnvolles Instrument. Das sagt auch Buffett. Und viele andere Experten stimmen darin überein. Der Markt läuft alles in allem gut. Weiterer Vorteil: Diese Instrumente sind sehr günstig im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds. Da 70 bis 80 Prozent der aktiven Fondsmanager es nicht schafft, den Index zu übertrumpfen, macht es Sinn, den Index mit einem Index-Fonds zu kaufen.

    Klar macht es für einen deutschen Anleger im Regelfall keinen Sinn eine Wohnung in Florida zu kaufen. Ich wollte damit nur erklären, wie Value-Anleger ticken, wie sie denken, wann sie kaufen, was sie machen.

    VG
    Tim

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