Micro-Wohnung


New York, 10. August 2013

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In New York setzt sich ein Trend zu extrem kleinem Wohnraum durch. Es ist eben zu teuer geworden, in der Millionenmetropole ein großes Appartement zu besitzen. Allein die Nebenkosten fressen einem die Haare vom Kopf. Heizung, Strom, Steuern, Müll, Gas, Kabel-TV, Internet, Versicherung usw.
Das städtische Museum zeigt eine spannende Ausstellung zum Thema „Leben auf kleinem Raum“. Micro-Einzimmerwohnungen werden wohl ein Massenthema. Verstärkt wird der Trend durch die vielen Singles. In Tokyo gibt es das Kapsel-Hotel. Dort schlafen die Gäste in Schubladen.
Manchmal beobachte ich, wie Menschen absurd große Häuser bewohnen. Paläste. Es gibt den TV-Kanal HGTV, der zeigt Paare auf der Suche nach den eigenen vier Wänden. Was für Wünsche manche haben: Vier Schlafzimmer, Hobbykeller, riesiger Garten, Granit-Edelstahl-Küche, Pool, Büro, Kamin, begehbarer Kleiderschrank, Marmorböden… Es ist erstaunlich zu sehen, wie manche Leute ihr Geld verprassen.
Ein Luxushaus ist eben reiner Luxus. Die Möbel, die Einrichtung, die Küche, das Dach, der Pool, alles nutzt sich mit der Zeit ab. Von den Nebenkosten ganz zu schweigen. Es ist meiner Meinung nach reiner Konsum und hat mit einer Wertanlage gar nichts zu tun.
Wenn die Käufer der Traumresidenz eine Hypothek für die nächsten 30 Jahre abschließen, habe ich oft ein komisches Gefühl. „Ob das mal gut geht“, frage ich mich.
Mein Rat: Leben Sie besser unterhalb Ihrer Verhältnisse. Ein kleiner Wohnraum hat seinen Charme. Ich gehe ehrlich gesagt lieber ein paar Jahre früher in Rente. Ich frage mich, wozu zwei Erwachsene ohne Kinder drei Schlafzimmer brauchen? Da verzichte ich lieber auf den Luxus, in einem unnötig großen Wohnraum zu residieren.
Ich war mal auf der Ostsee für zehn Tage auf einem Segeltörn. Es war ein uraltes Holzschiff. Ziemlich rustikal ging es zu. Wir waren zehn Personen mitsamt Kapitän. Wir mussten alle Hand in Hand arbeiten. Putzen. Einkaufen. Kochen. Die Koje war mini. Ich hatte kaum etwas dabei. Trotz der Enge muss ich sagen: Es war eines meiner schönsten Zeiten.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Micro-Wohnung

  1. Jan

    Hallo Tim,
    ich sehe das Thema ein bisschen gespalten. Für die meisten Menschen ist das eigene Heim das wertvollste was sie haben. Ich persönlich wäre einem großen Haus mit schönem Grundstück, Pool und Garage direkt am Haus auch nicht abgeneigt. Aber, und das ist der Knackpunkt, soetwas ist nun einmal als Luxus zu betrachten. Viele bezeichnen die eigenen vier Wände als große Investition, ich sehe es eben eher als Luxus. Und in dem Punkt gebe ich dir 100% recht. Warum sollte ich mich für Luxus über die nächsten dreißig Jahre verschulden? Da wäre mir das Risiko zu hoch. Zumal sich Zinsen, Lebensumstände oder auch Geschmäcker ändern. Ich würde eine solche „Investition“ nur tätigen wenn ich es sehr schnell oder sogar idealerweise bar bezahlen kann. Solange dies nicht der Fall ist lebe ich weiter in der Mietwohnung und arbeite an den Zielen.
    VG
    Jan

  2. StefanStefan

    Wenn ich Single wäre bräuchte ich auch nicht viel Platz. Mit Kindern sieht die Sache schon ganz anders aus. Da können aus einem zu engen Wohnumfeld auch jede Menge Konflikte erwachsen.

    Aber ich stimme Tim zu, dass viele viel zu große Häuser haben die kostenmäßig über deren Verhältnisse gehen. Eine Investition ist so ein Haus sicher nicht…

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