Meine Aktiengesellschaft: Ohne Moos nix los!


New York, 4. März 2012

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An der Börse geht es im Endeffekt nur um eines: Ums Geld. Sie können es nennen, wie Sie wollen. Asche. Bares. Flöhe. Kies. Schotter. Knete. Kohle. Kröten. Mäuse. Moneten. Piepen … Nur das spielt eine Rolle. Sie können mit einem Social-Media-Portal zig Millionen Nutzer haben, aber am Ende muss sich aus der User-Zahl auch ein Profit schlagen lassen, sonst ist die Firma nichts wert.
Am Freitag ließ sich das Portal Yelp listen. Der Börsengang geriet, wie das derzeit bei allen Social-Media-Aktien Usus ist, zu einem Riesen-Erfolg. Gegenüber dem Ausgabepreis lag die Notierung um fast 64 Prozent im Plus. Wahnsinn! Der Emissionspreis betrug 15 Dollar. Der Neuankömmling schloss also am gleichen Tag bei 24,58 Dollar. Ich vermute mal, dass hier in erster Linie User des Portals die Aktie kaufen, die sich normalerweise nicht sonderlich für die Börse interessieren. Anders kann ich mir den Run auf die Bude nicht erklären.
Yelp-User geben auf der Website Kritiken über lokale Geschäftsbetriebe ab. Vom Klempner über den Schuster bis hin zum Putzdienst – hier wird jeder bewertet. Seit der Gründung schrieb der Dienst nur Verluste, acht Jahre lang nur Miese. Zum 31. Dezember türmte sich ein Schuldenberg von 41 Millionen Dollar auf. Der Börsengang war in meinen Augen die Rettung vor dem Siechtum. 2011 kam ein Umsatz von 83 Millionen Dollar zusammen, der Verlust summierte sich auf saftige 17 Millionen Dollar. Dafür einen Börsenwert von 1,5 Milliarden Dollar zugebilligt zu bekommen, ist in meinen Augen an Absurdität kaum zu überbieten. Langfristig wird, wie gesagt, jede Gesellschaft daran gemessen, wie viel Gewinn sie erwirtschaftet. Ein exzellenter Indikator für die Ertragskraft ist die Kapitalflussrechnung. Hier lässt sich sehr viel ablesen, denn die Gewinne unterliegen vielen Ermessensspielräumen, wohingegen bei den Cashflüssen kein Interpretationsspielraum besteht.
Den kanadischen Erdgas-Förderer EnCana stellte ich kürzlich in meiner Rubrik „Hot Stock der Wall Street“ in der „Euro am Sonntag“ vor, nachdem die Aktie brutal eingebrochen war. Kernige 3,9 Prozent bringt die Dividendenrendite immerhin ein. Der Erdgaspreis befindet sich allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau (im Gegensatz zum Öl), was einer der Gründe ist, warum der Kurs abgestürzt ist. In dem Cashflow-Statement fällt auf, dass das Geschäft zwar 4 Milliarden Dollar abwirft, aber gleichzeitig hohe Summen (4,5 Milliarden Dollar) investiert werden. Daher steht die Aktie unter Druck. Ich spekuliere in dem Artikel auf eine Kurserholung. Wenn die Kapitalausgaben sinken, kann sich der Kurs nach oben bewegen.
Amerikaner fassen Investitionen unter dem Schlagwort „Capital Expenditures“ zusammen, das als „Capex“ abgekürzt wird. Nach diesem sogenannten Capex wird auf Analystentreffen immer gefragt: „Was für einen Capex planen Sie im nächsten Jahr?“ Analysten reden pausenlos über den Capex.
Die Investitionen sind natürlich wichtig. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Je mehr investiert und ausgegeben wird, desto kritischer sehen das in der Regel die Börsianer, denn das Geld fließt eben aus dem Unternehmen. Es ist nicht immer sicher, ob sich ein Projekt entsprechend rentiert. Wird überhaupt nicht investiert, ist das natürlich auch ein Alarmzeichen. Kurzum: Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig ist ideal. Ein gesunder Mix ist die Lösung.
Schön können Sie die kritische Distanz der Börse bei SAP sehen: In diesem PDF finden Sie auf Seite F5 die Kapitalflussrechnung des DAX-Unternehmens. 2010 erwirtschaftete der Softwarehersteller 2,9 Milliarden Euro. „Davon“ gab der Vorstand 4,2 Milliarden Euro für Übernahmen aus, sprich es wanderte mehr Geld aus dem Portemonnaie (für Zukäufe), als hineinkam. Außerdem flossen 594 Millionen Euro via Dividende an die Aktionäre. Woher nahm der Vorstand all das Geld? Durch Schuldenaufnahme von 5,3 Milliarden Euro. So etwas ist verpönt. Das mögen Aktionäre nicht.
Kein Wunder, dass sich der SAP-Kurs im Jahr 2010 nicht sonderlich flott entwickelt hat. 2011 wendete sich das Blatt. Es wurde mehr Cash erwirtschaftet, als ausgegeben. Als die Walldorfer kürzlich die Jahresabschlusszahlen publizierten, nahm der Kurs Fahrt auf. Mit gutem Grund: SAP tilgt mit den hohen Cashzuflüssen die Schulden, erhöht die Dividende, baut die Substanz aus. Und schon stürmt die Aktie von einem Hoch zum nächsten.
Aus genau diesem Grund rechne ich damit, dass der Hype um die Social-Media-Firmen sich bald legen wird. Sie müssen schließlich Geld verdienen. Und ob sie das nachhaltig können, wird sich bald zeigen. Verfliegt die Euphorie, droht der Absturz.
Mein Rat: Werfen Sie immer einen Blick in die Kapitalflussrechnung. Am wichtigsten ist der „operative Cashflow“ und wohin all das Geld abfließt. Aktionäre mögen Dividenden und Aktienrückkäufe. Nicht gerne gesehen werden Großübernahmen. Meist sinkt der Kurs am Tag der Bekanntgabe kräftig.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Meine Aktiengesellschaft: Ohne Moos nix los!

  1. Matthäus Piksa

    Die USA haben gigantische Schiefergasvorkommen und bauen diese auch ab. Sollte Encana als kanadisches Unternehmen diese fördern, dann dürfte zumindest die Unternehmensexistenz auf lange Sicht hin gesichert sein.

    Übrigens: Auch in Europa soll es enorme Schiefergasvorkommen geben. In Frankreich sollen es ca. 5.000 Milliarden Kubikmeter sein, in Polen ebenfalls, in Deutschland leider nur ca. 230 Milliarden, was allerdings auch schon ausreichen würde, um das Land 2 Jahre komplett mit Gas versorgen zu können. – Dummerweise, und ich verstehe die Mentalität der Europäer an dieser Stelle nicht, soll das Gasvorkommen in Frankreich gar nicht angezapft werden und in Polen rühren sich heftige Widerstände in der Bevölkerung. Trotzdem, der Gas-Hype hat das Land erfasst.

    Ganz allgemein gesprochen wird in den letzten Jahren immer deutlicher, dass die Rohstoffversorgung des Globuses auf sicheren Beinen steht.
    Durch immerzu neue Fördertechnologien können Rohstoffe wie Öl und Gas mittlerweile auch an den entlegensten Orten der Welt gefördert werden, sei es in Alaska oder am Nordpol, um den ein heftiger Streit zwischen den USA, Russlan, Grönland(Dänemark) und ich glaube Norwegen entbrannt ist.
    Vor der brasilianischen Küste wird es auf absehbare Zeit ebenfalls zu einer gigantischen Förderung von Rohöl kommen. Hierzu wurde vor einigen Jahren die bislang größte Kapitalerhöhung der Geschichte durchgeführt, ca. 70 Mrd. US-$ wurden aufgenommen.

    Gas und Öl sagen immer mehr Experten gibt es genug für die nächsten 100-200 Jahre. Also genug, um sich keine Sorgen machen zu müssen, auch nicht stellvertretend für die Kinder und Kindeskindergeneration.

    Den Social-Media-Hype an den Börsen finde ich auch nicht witzig. Hier soll scheinbar einfach nur Kasse gemacht werden mit zum Teil lächerlichen „Internet-Firmen“ auf denen Internetuser irgendwelche Bewertungen abgegeben. Das erinnert eher an Phantasia-Land, denn an den Finanzmarkt.
    Kann aber sein, dass sich die Datenkrake facebook etablieren wird. Als solides Internet-Unternehmen neben google, Amazon, ebay.

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    mal wieder eine exzellente Ergänzung.

    Knackpunkt ist eben der Erdgaspreis. Kürzlich fiel der Preis auf ein 10-Jahres-Tief bei 2,32 Dollar. Im Sommer 2008 lag die Taxe in der Spitze schon bei 13 Dollar. Kein Wunder, dass solche Firmen unter Druck geraten.

    Langfristig erwarten Branchenkenner, dass sich der Preis auf 4,50 bis 5,00 Dollar erholen kann.

    Es wurde einfach zu viel gebohrt und erkundet, als der Preis auf Rekordniveau war. So hat dieses jetzige Überangebot an Erdgas aufgebaut. Hinzu kam der milde Winter.

    Ein weiteres Problem sind die vielen Umweltverstöße dieser Firmen. Es kommt immer wieder zu Belastungen von Grundwasser und Luft vor. Ausführlich über dieses Problem schreibt z.B. die Stiftung ProPublica.org

    Aufgrund der massiven Probleme kam ich zu dem Schluss: Bei all den negativen Meldungen wird die Branche regelrecht „gehasst“ an der Börse. Das ist doch übertrieben und eventuell ein Value-Play. Eine Garantie kann ich natürlich nicht dafür übernehmen. Es ist nur eine Vermutung.

    Bei den Banken hatte ich auch viel schneller an eine Erholung geglaubt und noch immer sitzen die Kurse tief im Keller. Warten wir mal ab.

  3. Matthäus PiksaMatthäus Piksa

    Hi Tim,

    das der Gaspreis so stark eingebrochen ist wußte ich gar nicht, davon können wir hier in Deutschland nur träumen. – So ein stark gefallener Gaspreis wirkt sich auf die Wirtschaft und die Privathaushalte wie eine riesige Konjunkturmaßnahme aus.

    Ich habe, weil mich das Thema Rohstoffversorgung so brennend interessiert, noch mal ein wenig nachrecherchiert. – Brasilien will seine Rohölforderung bis 2020 (Meldung aus dem letzten Jahr) verdoppeln. Hier wird vor allem in der Tiefsee gebohrt, fieberhaft.
    Erreicht Brasilien sein Ziel, dann schließt es gar zu den arabischen Ländern auf! http://www.welt-auf-einen-blick.de/energie/erdoel-export.php
    – Das große Schwellenland macht beim Thema Energie vieles richtig, man denke auch an das Staudammprojekt.

    Übrigens: In einem Artikel (in dem es um Tiefseebohrung ging) heute morgen habe ich den Namen eines Spezialzulieferers gelesen, EMC:
    Den Gewinn hat diese Gesellschaft innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt.

    Aber das KGV liegt für das nächste Geschäftsjahr bei ca. 15, hmm, das Potential haben schon einige erkannt.

    Was machen die Insider? Derzeit nicht viel, kleinere Verkäufe. Gewinnmitnahmen, denn der Kurs hat sich in den letzten 6 Monaten kräftig entwickelt. Was war vor 6 Monaten, richtig der Crash! Was machten die Insider? Sie kauften was das Zeug hielt!

    Wo steht der Kurs im Langfristchart? 2000 war die Aktie schon fast bei 100 US-$, derzeit bei nur knapp 30, vorher erfolgte ein brutaler Absturz auf ca. 5 Dollar. Ich sah mir das Profil des Unternehmens an, weil mich der Kursverlauf der Aktie stutzig machte und merkte, dass es gar kein Spezialzulieferer für die Tiefseebohrung ist, sondern ein Tech-Unternehmen! (Kurios: Entweder ich habe das Falsche Unternehmen, oder der Autor des Artikels hat etwas falsch gemacht. – Zwischenfazit: Man muss eben immer aufpassen) Das allerdings auch in Brasilien kräftig mitmischt, 100 Millionen Us-Dollar wurden dort allein im letzten Juli investiert.

    Summa Summarum ist das Papier kein klassisches Value-Papier, jedoch als Risikoposition durchaus geeignet, einige Prozente zu machen, auch längerfristig.

    An diesem Stock-Bsp. sieht man aber vor allen Dingen wie clever die Insider waren die innerhlab eines halben Jahres ca. 40% Rendite machten!

    Gruß Matthäus

    P.S.: Heute morgen musste ich wie so oft an das Pareto-Prinzip und das Peter-Prinzip denken.

    Das Pareto-Prinzip besagt ja, dass man mit 20% der Mittel/Variablen 80% des Ergebnisses erzielt.
    Das Peter-Prinzip besagt, dass im Grunde jeder die Stelle innehat oder so lange aufsteigt, bis er gerade noch so die Aufgaben erfüllen kann.

    Auf die Banken-Welt angewandt würde das bedeuten:

    20% der Banken haben 80% des Schadens angerichtet. (könnte sein. – in Dtschl.: Sparkassen, Postbank, Hypo, Vereinsbank, Privatbanken, kleinere Investmentboutiquen hatten allesamt mit der Finanzkrise nichts zu tun)
    20% der Bankprodukte haben 80% des Schadens angerichtet (zB CDO!?)
    20% der Mitarbeiter sind verantwortlich für 80% des Schadensvolumens.

    Bedeutet, dass 80% redlich sind (Mitarbeiter), seriös arbeiten (Banken) und Rendite abwerfen (Produkte).

    Alles natürlich wie immer vereinfacht.

    Das Peter-Prinzip, ebenfalls auf die Bankenwelt umgemünzt, könnte bedeuten, dass in den Finanzinstituten in den letzten Jahren ganz besonders viele quasi auf dem letzten Loch pfiffen…

  4. tim schaefertim schaefer

    Hallo Matthäus,

    EMC klingt spannend. Die haben einen schönen Chart und saubere Zahlen. Nur ist die Eigenkapitalrendite noch etwas niedrig. Der Typ aus Nebraska (Buffett) mag etwas mehr. Aber alles in allem eine klasse Idee.

  5. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,
    danke, danke, danke. Ich lerne durch deine Kommentare auch verdammt viel. Und durch den Austausch mit all den anderen Lesern. Das Internet ist ein exzellentes Werkzeug, um zu lernen.

  6. Matthäus Piksa

    Ja, das stimmt. Das Internet ist ein exzellentes Werkzeug um zu lernen.

    Es ist aber auch ein exzellentes Werkzeug, um seine sozialen Kontakte massiv auszubauen, siehe facebook. Dort versuche ich mittlerweile jeden Tag eine kleine facebook-typische Aktion zu starten. Sei es, dass ich einen Artikel poste, einen Blog-Artikel aus meinem eigenen Blog oder alternativ hierzu die von mir gelikten Pages kommentiere, bspw. die der Tagesschau. Dort ist im Übrigen von einer Politikverdrossenheit absolut nichts zu merken. Viele Statusmeldungen bekommen massiven feedback!

    Durch die unzähligen facebook-Aktionen können sich die facebook-Freunde, mit denen man im Prä-facebook-Zeitlater im Grunde nichts mehr zutun gehabt hätte, aus den vielen facebook-Aktionen ein Puzzlebild zusammenbasteln.

    Ich finde auch das bereichert das Leben ungemein. – Manchmal muss man allerdings auch verkraften, dass man die Freundschaft gekündigt bekommt oder selbst „hart“ durchgreifen. 😉

    Gruß Matthäus

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