Mein Blog, mein Therapeut, mein Verlust


New York, 16. Februar 2011

Mein Blog ist dieses Jahr wieder von der Kreditplattform smava.de für den Wettbewerb „Finance Blog of the Year“ nominiert worden. Eine Jury wählt nun die 15 besten Blogs für das Finale aus. Zu Beginn der nächsten Woche will smava die Blogs für die Endrunde bekannt geben. Liebe Leser, bitte drücken Sie mir die Daumen! Sie können sich sicherlich vorstellen, dass das Bloggen eine brotlose Kunst ist. Ich schreibe hier über die Wall Street und das Value Investing nur, weil es mir Spaß macht. Der Blog ist für mich wie eine Therapie. Ich kann über meine Verluste und Erfahrungen schreiben und über den einen oder anderen Banker vom Leder ziehen. Als ich meinem Psychiater kürzlich von einem schlimmen Aktienverlust in meinem Depot berichtete, da schüttelte er nur mit dem Kopf. Er sagte doch glatt, dass mir offenbar noch nie ein „echter Verlust“ in meinem Leben widerfahren ist. Wie Recht er hat!
PS: In New York ist es einfach cool einen Therapeuten zu haben, also entschloss ich mich, einen zu nehmen. So wie die Reichen und Schönen es tun! Sie nennen ihn voller Stolz „Shrink“. Es ist in der Finanzmetropole wie in der Charttechnik: The trend is your friend. Also mache ich alles, was angesagt ist. Einen eigenen Fitnesstrainer hatte ich schon, den musste ich jedoch aus Kostengründen aufgeben. In der Synagoge bin ich ab und zu. Etliche meiner Bekannten gehen dort hin, ich schließe mich ihnen an. Das öffnet mir die Augen. Man kann es als Bewusstseinserweiterung bezeichnen.

Finance Blog of the Year 2011


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Mein Blog, mein Therapeut, mein Verlust

  1. Matthäus Piksa

    Das der Blog nichts für Sie abwirft ist ein Skandal und zeigt nur wieder, dass niemand ein ernsthaftes Interesse an Aufklärung der (finanz-)wirtschaftlichen Zusammenhänge hat.
    Dabei liegt das Potential in den Geldbeuteln aller. Es ist kein Wunder, dass die Schuldnerberater boomen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir in der 7 oder 8 Klasse auf dem Gymnasium den Zins- und Zinseszins-Effekt gelernt haben. Einige Tage oder vielleicht Wochen. Danach wurde das Thema nie wieder relevant. Die restlichen 80 oder 90 Prozent des Schulstoffs sind im Leben nahezu völlig irrelevant, es sei denn jemand entscheidet sich für ein Studium, das hierzu passt.
    Unser Erdkunde-Lehrer hat fast immer frei zu den wirtschaftlichen Themen erzählt und den Lernplan auf das Minimum heruntergestutzt. Er wußte genau, dass niemand seiner Abiturienten jemals ernsthaft die geologische Zusammensetzung des sudanesischen Bodens analysieren werden wird. Fächer wie Wirtschaft, Politik, Finanzen oder gar Steuerlehre, also Themen, die 100 prozentig jeden bis an das Lebensende betreffen, gab es schlicht nicht. Es gab Sozialkunde, okay. Aber selbst wenn man dieses Fach als Leistungskurs belegte musste man Glück haben einen pädagogisch-didaktisch guten Lehrer zu bekommen, der durch seinen Unterrichtsstil nicht gleich Angst und Schrecken oder wegen dem oftmals trockenen Stoff umgekehrt Langeweile verbreitet hat, in dem er ohne Unterlass abfrägt oder Test's und Klausuren stellt.
    Aber da die Lehrerschaft die berufsgruppenmäßige Mehrheit der Bundestags- und Landtagsabgeordneten stellt bleibt es fraglich ob sich an den Lehrplänen, die Ländersache sind, etwas ändert. Wenn dann noch die Medien das Thema „Finanzkrise“ wie geschehen ausschlachten arbeiten Sie aktiv am Misstrauenszuwachs gegenüber allem was mit dem Thema Geld zu tun hat und erreichen damit nicht nur die Schüler, sondern auch gleich noch die Eltern.
    Ich bin grundsätzlich ein optimistischer Mensch. Beim Thema Geld muss man sich aber selbst informieren und aufklären sonst ist man schlicht vom Bildungs- und Mediensystem verlassen oder aber schlicht auf’s Glück-Haben angewiesen. Und das kann doch wohl nicht wahr sein.
    Es müsste m.E. einen Bankenfonds geben, der jeden Autor eines Blog’s zu finanziellen Themen mit monatlichen Beiträgen bezuschusst, wenn er sich durch eine gewisse Objektivität und sagen wir mal ein Jahr lang auf dem Markt gehalten hat. Was ja bei Ihnen zutrifft. Letzten Endes profitieren ja auch die Banken, wenn ihre Kundschaft finanziell fit ist und ihre Kredite abbezahlt oder an der Börse nicht gleich alles verzockt. Der von smava organisierte Blog-Wettbewerb darf erst ein Anfang sein. Viel Glück

  2. tim schaefertim schaefer

    Danke Herr Piksa, für Ihre Kommentare! Der jiddische Begriff der „Schickse“ war mir bis dato gar nicht bekannt. Wieder was dazugelernt. Was ein großes Thema in New York ist, ist die Hypnose. Ohne Witz! Hypnotiseure sind ausgebucht in dieser Stadt. Ins Bild passt, das Fazit von Robert Reich, der Ex-Arbeitsminister unter Präsident Clinton. In seinem neuesten Buch Nachbeben — Amerika am Wendepunkt beklagt sich Reich darüber, dass die Amerikaner Unmengen an Antidepressiva einnehmen. Er stellt einen Zusammenhang zwischen der finanziellen Lage vieler Familien und der hohen Unzufriedenheit der Menschen her. Sein Buch ist echt lesenswert, ich kann es nur empfehlen. Was wir in Deutschland brauchen ist, dass die Anlageklasse der Aktie nicht weiter diskriminiert wird. Warum sollen Fondssparpläne nach den neuesten Plänen der Regierung steuerlich zur Altersvorsorge gefördert werden, aber direktes Aktiensparen nicht? Es ist absurd, was uns das Merkel-Team alles auftischt. Die Lobbyisten der Fondsindustrie umgarnen die Regierung regelrecht. Es geht um zig Milliarden Euro. Für die Aktie als Direktanlage, was am meisten Sinn machen würde, weil der teure Zwischenhändler (die Fondsgesellschaft) wegfällt, macht sich niemand stark. Es tut mir leid: Entweder sind die in der Regierung alle dumm oder sie wollen aus einem bestimmten Grund nicht die Realität zur Kenntnis nehmen: Acht von zehn Fondsmanager schneiden schlechter als ihre Benchmark (DAX, Dow Jones etc.) ab! Ideal wäre es, wenn die Eltern ihren Kleinkindern Standardwerte ins Depot legen und die Dividenden fortan konsequent reinvestieren würden. Und das auf Sicht von 30, 40 oder 50 Jahren durchziehen. Je jünger das Kind, desto besser. So ließe sich die Verarmung unserer nachfolgenden Rentnergenerationen lösen. Aber mit Klientel-Politik geht das nicht. Stattdessen wird nur das Geld braver Sparer in die Taschen anderer gelenkt.

  3. Matthäus Piksa

    Ich bin ein großer Fan der transzendentalen Meditation wie sie von dem berühmten amerikanischen Regisseur David Lynch praktiziert und beworben wird. Sehen sich bei Gelegenheit mal seine Webseite for conscious-based learning and world peace an! Viele Grüße nach New York!

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