Mark Zuckerbergs Taschenspielertricks


New York, 26. Juli 2012

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Die Blase bei den Sozialen Medien scheint zu platzen. Der Online-Spiele-Anbieter Zynga brach am Mittwoch um ein Drittel auf 3,18 Dollar ein. Überlegen Sie mal, innerhalb weniger Minuten war ein Drittel des Börsenwerts futsch. Der Chart des Novizen sieht katastrophal aus. Wahnsinn, oder? Wie viel Luft in diesen Aktien steckt. Schwache Quartalszahlen lösten den Zynga-Absturz aus. Zynga kooperiert eng mit Facebook. Die Spiele können Sie nur auf dem Facebook-Portal spielen.
Ich glaube, dass Facebook ebenfalls einen schweren Absturz erleben muss. Zu hoch ist die Bewertung einfach. Facebook bringt 62 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage. Das entspricht einem absurden Umsatzvielfachen von 15, dem 10-fachen Buchwert. Das KGV abenteuerliche 45. Ich habe selten solche Blasen gesehen.
Facebook meldet die Quartalszahlen an diesem Donnerstag. Gestern verlor Mark Zuckerbergs Aktie bereits acht Prozent im Abendhandel. Kein gutes Omen.
Wenn ich allein diese schwachsinnigen Erfolgs-Zahlen sehe, die Mark Zuckerberg (Foto) ständig vermeldet. So gab er bekannt, dass es 100 Milliarden Freundschaften gibt auf seinem Portal.
Das ist alles nicht reell. Es ist eine virtuelle Phantasiewelt, in der Zuckerberg lebt. Das sind sinnlose Zahlenspielereien, die an der Börse keinen Wert haben. Rund 7 Milliarden Menschen leben auf dem Globus. Wie soll dieser Freundschaftstrick mit 100 Milliarden denn Sinn machen?
Das einzige, was an der Börse langfristig zählt, sind Gewinne. Da kann Zuckerberg Freundschaftslinks melden, wie er will. Es hilft ihm an der Wall Street nicht weiter. Mein Fazit: Finger weg!
Foto: Flickr, kohtz.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Mark Zuckerbergs Taschenspielertricks

  1. Klaus

    „dass es 100 Milliarden Freundschaften gibt auf seinem Portal“

    Da hat Facebook wirklich was phänomenales geschafft. Wenn jeder der 7 Milliarden Menschen auf dieser Erden mit allen anderen Menschen befreundet wäre, ergibt das lediglich 49 Milliarden Freundschaften.

  2. Turing

    @Klaus

    Das ist Quatsch.

    Wenn alle 7 Mrd. untereinander befreundet während, dann ergibt es:

    7*10^9 * (7*10^9 – 1) / 2 Freundschaften.

    Die -1 kann man vernachlässigen, da ja auch die 7 Mrd. Menschen nur überschlagen sind. Herauskommen

    über 24 * 10^18 Freundschaften.

  3. GertGert

    @ Klaus

    Nein, das ist auch falsch. Die Berechnung muss eine Fakultät enthalten, sonst kann sie niemals stimmen. Aber ich bin viel zu lange raus aus dem Mathe-Kram. Darum geht es ja auch nicht. Tim meint (wahrscheinlich), dass Zuckerberg zwar immer und überall mit riesigen Zahlen jongliert, um den Anlegern einen großen oder gar riesigen Wert vorzugaukeln, aber tatsächlich kein konsistentes und originäres Geschäftsmodell hat, das nicht ganz schnell wieder out sein kann oder kopiert werden kann.

    Deshalb ist die Aktie maßlos überteuert. Das sehe ich ganz genau so.

    Gruß,
    Gert

  4. Andreas Reiß

    @ Gert Die Formel von Turing ist schon richtig so. Ich habe die Rechnung eben geprüft.

    Herr Zuckerberg ist geschickt in der Präsentation seines Unternehmens gewesen und hat das Geschäft seines Lebens durch den Börsengang gemacht. Er hat die maximal mögliche Menge an Geld in die Bilanz des Unternehmens gebracht hat, die er für immer nutzen kann. Ich gehe davon aus, dass die Anleger ein ungünstiges Investment gemacht haben, da sie das Unternehmen viel zu teuer eingekauft haben und zu wenige Unternehmensanteile erhalten haben.

  5. tim schaefertim schaefer

    @ alle

    Bedauernswert ist ja an der Sozialen-Medien-Blase, dass sich Milliardäre die Taschen jetzt schamlos vollstopfen.

    Bei Zynga sind die Großaktionäre kurz vor den schlechten Quartalszahlen ausgestiegen, haben hunderte Millionen in Sicherheit gebracht. Das ist echt krass.

    Der Kurs plumpste von 12 auf 3 Dollar.

    Henry Blodget hat das gut zusammengefasst.

    Am Ende zahlt der Kleinaktionär die Zeche. Die Börse wird als Müllhalde für die Masse missbraucht.

    Fazit: Vorsicht vor IPO-Kandidaten. Meist zu teuer, viel heiße Luft.

    VG
    Tim

  6. Anna

    Hallo,
    nun ist es gerade raus, Facebook hat Miese bekanntgegeben.
    Die Aktie fällt, die Emitenten haben die Ernte eingefahren. Wie heißt es so schön: Den letzten beißen die Hunde.
    Mich erinnert das Geschehen sehr an den Neuen Markt. Alles wurde damals angepriesen. Ich bin heute noch froh, dass ich damals nicht gerade flüssig war und demzufolge kaum Federn gelassen habe.
    Vorsicht vor allen, was mit großem Getöse angekündigt wird. Da bin ich lieber ein „böses Mädchen“ und kaufe einen Kippenhersteller. Die sterben nicht aus.

    VG Anna

  7. tim schaefertim schaefer

    Hallo Anna,

    danke für das Update. Das Facebook-Geschäftsmodell ist nicht nachhaltig. Es steckt in den Kinderschuhen.
    Viel Phantasie, wenig Substanz.

    VG
    Tim

  8. Matthäus Piksa

    Das ultimative Katastrophenszenario wäre ja wenn ein Delisting erfolgen müsste. Unter welchen Voraussetzungen ein solches vorgenommen werden muss? Ich weiß es gar nicht.

    Dann würde auch Morgan Stanley die das IPO führend begleitet hat in Erklärungsnot gelangen.
    Gleichwohl gehe ich nicht davon aus, dass es so weit kommt.

    Übrigens nutze ich fb derzeit sehr gern und bin erstaunt was es kann weiß aber auch was es nicht kann, reale Freundschaften ersetzen zB.

    Gruß

  9. tim schaefertim schaefer

    Ein Delisting ist meiner Meinung nach ziemlich unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist eher, dass sich die facebook-Aktie noch mal halbiert.

    VG

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