Marathon-Wochenende in New York City


New York, 6. November 2010

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Am Sonntag früh klingelt mein Wecker um 4 Uhr. Mitten in der Nacht. Ich mache mich dann fertig. Laufe zur Fähre. Die bringt mich nach Staten Island. Ein Bus fährt mich dann zu einem Camp, wo 45.000 Marathonläufer warten. Es wird eiskalt sein an diesem Morgen. Durch alle fünf Stadtteile wird uns die 26,2 Meilen lange Strecke führen. Ich werde mich wieder in uralte Kleidung hüllen, die ich nach und nach auf der Strecke an den Straßenrand werfe. So wie die anderen es auch tun. Die Kleidung wird später eingesammelt und recycelt. Ohne die Extra-T-Shirts und Jacken wäre es sonst zu kalt. Dieses Jahr gehe ich den Marathon gemütlich an. 2008 lief ich nach 3 Stunden und 28 Minuten über die Ziellinie, da war ich richtig durchtrainiert. Dieses Jahr ist eben alles anders.
Der Start an der Verrazano-Narrows-Brücke wird mir wieder am besten gefallen. Mit der bunten Menschenmasse: alt und jung, dick und dünn. Alle sind so froh endlich loslaufen zu dürfen. Und dann wird nach der kurzen Eröffnungsrede von Michael Bloomberg wieder „New York, New York“ von Frank Sinatra über die Menschen hinweg schallen. Die Musik motiviert und bringt uns alle über die Brücke nach Brooklyn. Es ist der größte Marathon der Welt. Ein tolles Erlebnis. Es ist mein vierter New York City Marathon in Folge. Ich kann kaum darauf warten, die letzten zwei Meilen im Central Park zu meistern. Die jubelnde Masse feuert die Teilnehmer an und so macht das alles einen Riesenspaß trotz der Strapazen.
In New York gehört der Sport zum Alltag. Überall gibt es Fitnessstudios. In Wohnanlagen und bei der Arbeit sind die Studios oftmals integriert. Yoga- und Pilates-Angebote gibt es an jedem Eck. Die Menschen joggen, fahren Rad und mit den Inlinern. Es ist der Wahnsinn zu sehen wie Sport Teil des Alltages geworden ist. Das alles hat mich motiviert. Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich so viel Sport gemacht. Es ist einfach genial sich ein Ziel zu setzen und es dann zu erreichen. Als ich anfing mit dem Training kam ich den Leuten im Verein kaum hinterher. Ich dachte zunächst: Oje, das schaffst du nie, das ist die reinste Folter. Doch das Umfeld motivierte mich, ich gab nicht auf und blieb am Ball. Es ist wie eine Sucht. Eine gute Sucht wohlgemerkt. Ich habe hier Bekannte, die laufen jeden Monat irgendwo auf dem Globus mindestens einen Marathon. Über 70 Läufe haben sie schon gemacht. Ich sage ja: Diese Stadt ist der helle Wahnsinn – im positiven Sinne.


tim schaefer (Author)

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