Lecker süße Knollen: Die Banken fallen wie heiße Kartoffeln


New York, 25. November 2010

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Guten Tag! Die Pleitegeier kreisen wieder. Sie kreisen über Irland, Portugal, Spanien und so weiter. Irland ist nun blank. Und wir Europäer müssen den überschuldeten Staat retten. Witzig fand ich übrigens, wie spät die Rating-Agentur Standard & Poors auf die Schreckensnachrichten aus Irland mit einer kleinen Herabstufung reagiert hat. Als „Contrarian Investor“ bieten diese Horrormeldungen natürlich schöne Investmentchancen. Schauen Sie sich nur mal die tief gefallenen Banken an! Und zwar nicht nur in Europa, sondern rund um den Globus. Die US-Banken sind regelrecht ausgebombt. Ich habe Ihnen einmal einen spannenden Chart herausgesucht (siehe oben). Sehen Sie, wie schlimm die „Bank of America“ abgestürzt ist! Es sieht ja fast so aus, als ob die führende US-Bank bald untergehen würde, was natürlich Quatsch ist. Die gelbe Linie stellt die Entwicklung des Dow Jones in den vergangenen sechs Monaten dar, die blaue ist die Bank of America. Die Herde flüchtet aus den Finanztiteln. Ohne Rücksicht auf Verluste. Zunächst sind die großen Hedgefonds raus, jetzt folgt ihnen die Meute. Gewiss hat die Finanzmarktreform den Banken geschadet, weil sie den Konsumenten viele Schutzrechte einräumt (Gebühren, Zinsen, Konditionsänderungen etc.). Ferner sind die Millionen von Zwangsversteigerungen nach dem Platzen der Immobilienblase noch nicht abgearbeitet. Es gibt also noch jede Menge Probleme. Aber ist es ein Grund die Bankaktien derart abstürzen zu lassen?
Ohnehin sind die täglichen Schwankungen an der Börse etwas für Schizophrene. Wer sich damit beschäftigen will, dem wünsche ich mal viel Spaß bei der Arbeit! Gestern 150 Punkte runter, heute 150 Punkte rauf. Am Mittwoch endete der Dow Jones Index bei 11.187. Der bedeutende Feiertag Thanksgiving ist an diesem Donnerstag. Es ist ein wichtiger Brauch: Die Familien kommen zusammen und zelebrieren eine Art Erntedankfest. An diesem Donnerstag nachmittag ist Manhattan wie ausgestorben. Eine Geisterstadt. „Thank god, the week is done.” – Ein Glück, die Woche ist rum, sagen sich hier viele. Denn der Freitag ist ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag. Sie nennen es Black Friday. An diesem „schwarzen Freitag“ (nicht zu verwechseln mit dem Börsencrash) decken sich die Konsumenten mit Kleidung, Kochtöpfen, Computern, Handys und anderem Zeug ein. Die Shoppingcenter platzen dann wieder aus den Nähten. Die Läden locken mit Spezialangeboten und alle sind hellauf begeistert. Ich halte mich fern von den Geschäften, mir ist es schlichtweg zu voll. Am Donnerstag werde ich mich mit Freunden an einem großen Buffet im InterContinental-Hotel in Midtown laben. Traditionell gibt es an diesem Tag Truthahn mit Süßkartoffeln. In dem edlen Hotel haben sie natürlich viel mehr aufgetischt. Ich kann kaum darauf warten. Lecker! Probieren Sie mal diese orangene Kartoffel („Sweet Potato“) – die Knolle hat echt einen exotischen Geschmack und ist gesund.
Ich lese jeden Monat mindestens ein Buch. Ich bin ein Bücherwurm. Obwohl ich kein Daytrader bin, bin ich ein Fan von Curtis M. Faith geworden. Als Mitglied der berühmten „Turtle Gruppe“ in Chicago brach er alle Rekorde. Er war gerade Anfang 20 und verdiente als Turtle-Trader 30 Millionen Dollar. Wahnsinn! Faith gibt in den Büchern seine Strategie preis. Mein absoluter Favorit ist das Werk Optimales Trading: Wie Sie die besten Tradingerfolge erzielen. Trotz der hochinteressanten Lektüre werde ich weiterhin ein Langfristinvestor bleiben. Jedoch finde ich seine Gedankengänge sehr spannend. Ich habe von seinen Büchern viel gelernt. Und kann nur zu der Lektüre raten!
Darüber hinaus las ich den vergangenen Wochen das Buch Drive: Was Sie wirklich motiviert von Daniel Pink. Der Autor schrieb für den Vize-Präsidenten Al Gore Reden. Pink geht der Motivation auf den Grund. Woher kommt sie? Warum ist sie da? Und er räumt mit vielen falschen Annahmen auf. Beispielswiese widerlegt er, dass uns allein Geld antreibt und motiviert. Als Beispiel führt er beispielsweise Wikipedia an. Es ist in der Tat erstaunlich, wie viele Stunden Menschen opfern, um dieses Wissensportal mit intelligenten Inhalten zu füttern – ohne einen Cent dafür zu bekommen. Bei diesem Börsenblog ist es genauso: Ich schreibe meine Gedanken hier gratis auf. Ehrlich gesagt, komme ich mir manchmal wie ein Straßenmusikant vor, der seinen Hut vergessen hat. Manch einer bleibt stehen, dem die Musik (Text) gefällt. Die meisten Passanten laufen indes weiter. Und Geld kann ich mit diesem Blog ohnehin keines verdienen. Was motiviert mich also? Ich mache es, weil die Börse mein Hobby ist. Und es mir Spaß macht, mich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. Auch gefällt mir, dass ich immer mehr Leser hier an Bord begrüßen kann. Zurück zu Drive: Pink gibt in seinem Buch viele Tipps. Etwa mit welchen Tricks Sie sich selbst motivieren können. Und wie Unternehmen ihre Mitarbeiter zu mehr Leistung aufmuntern sollten. Dabei beleuchtet er viele Fehler, die noch immer gemacht werden. Mein Tipp: Lesenswert. Wer übrigens nicht die Zeit hat für die Buchlektüre, der sollte sich den Service von GetAbstract leisten. Das Unternehmen fasst Bücher zusammen. Sie können also das Wissen in komprimierter Form (Quintessenz) lesen. Ein sehr innovatives Angebot!


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Lecker süße Knollen: Die Banken fallen wie heiße Kartoffeln

  1. Christoph Mischke

    Hallo Tim,

    obigen Artikel nehme ich mal zum Anlass, mich ganz herzlich für Ihr Engagement zu bedanken. Ich lese Ihre Artikel äußerst gerne, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass wir die gleiche Anlagestrategie verfolgen.

    Hoffentlich motiviert Sie solch ein Zuspruch, damit Ihre treuen Leser auch in Zukunft weiterhin mit interessanten Informationen direkt aus dem Herzen der Finanzwelt versorgt werden.

    Alles Gute wünscht Ihnen
    Christoph Mischke

  2. tim schaefertim schaefer

    Danke Christoph. Privatanleger haben einen unglaublichen Vorteil gegenüber den großen Fonds. Sie haben Zeit und unterliegen keinen Zwängen. Warum rennen nun alle aus den Banken? Nun keiner will das „Fallobst“ mehr zum Jahresende in den Depots haben, weil es einfach schlecht aussieht gegenüber den Kunden. Toll klingelnde Namen wie Google, Apple oder Baidu werden jetzt schnell in die Fonds getan. Gute Mine zum bösen Spiel sozusagen. Als Privatanleger kann man diese Situation zum eigenen Vorteil nutzen, freilich sollte man drei bis fünf Jahre Zeit haben. Bis ausgebombte Aktien wieder entdeckt werden, kann dauern. Große Bäume gehen nicht so schnell ein.

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