Kursänderung: Hin-und-her-Gezerre


New York, 3. September 2013

Kurse springen jeden Tag. Rauf und runter. Immer munter. Niemand weiß genau, warum. In den vergangenen Wochen plumpste der Dow-Jones-Index und DAX nach unten. Die einen sagen, es liegt am blutigen Konflikt in Syrien und dem drohenden Bombenhagel. Die anderen sagen, es liegt an FED-Chef Ben Bernanke, der die Zinszügel anziehen möchte. Dann gibt es andere Stimmen, die andere Gründe anführen.
Merken Sie sich: Niemand weiß nichts an der Börse. Die Experten kochen ALLE nur mit Wasser. Selbst der oberste Notenbanker Ben Bernanke hat bei seinem privaten Hauskauf in Washington 2008 enorm daneben gelegen und könnte noch immer unter Wasser stehen.
Warum ging der Dow Jones und der DAX nun runter? Es gibt einfach mehr Verkäufer als Käufer an der Börse. Das ist alles. Punkt. Schluss.
Warum es mehr Verkäufer gibt? Deren Motive müssten wir im Endeffekt alle einzeln abfragen, um zu einem Schluss zu kommen. Alles andere ist ein Herumstochern im Nebel. Kurzfristige Kursbewegungen zu erklären ist ein großer Unsinn.
Wenden wir uns einer starken Aktie wie der BASF zu. Die größte Chemiefabrik der Welt haben viele im Blick. Jeder hat eine andere Meinung dazu. Blicken Sie auf diese wilde Website:
„BASF: Aktie zu billig!“, „BASF-Aktie: Profis rechnen felsenfest mit weiteren Kursverlusten“, „BASF-Aktie: Erste Wahl im Chemiesektor!“, „Goldman Sachs: Lieber Syngenta und Linde statt BASF“, „Goldman hebt Ziel für BASF auf 68 Euro – Sell“. Um es kurz zu machen: Kraut und Rüben.
Jeden Tag etwas anderes. Kaufen, Halten, Verkaufen. Was denn jetzt? Es ist ein ständiges Hin und her. Jeden Tag laufen hunderte Neueinschätzungen zu einzelnen DAX-, Dow- und S&P-500-Aktien über den Ticker. Alles ist extrem unstetig. Es gibt keine klare Linie in den Meinungen. Falls mal ausnahmsweise eine Einheitsmeinung unter den Analysten („Strong Buy für xy“) bestehen sollte, rate ich erst recht zur Vorsicht.
Ich empfehle Ihnen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auf das Kerngeschäft von Qualitätsfirmen. Wie entwickelt sich dieses wohl langfristig? Wie sehen der Cash Flow, der Gewinn, die Dividende aus?
Die Finanzwelt verdient unendlich viele Milliarden mit diesem Hickhack. Kaufen, Verkaufen, Kaufen, Verkaufen, Kaufen, Verkaufen… Mit reiner Aktivität.
Ich rate Ihnen, besser langfristig zu investieren. Die Spekulation ist riskant und bringt wenig Rendite (wenn überhaupt). Wer glaubt, zwischen all den Profi-Tradern, Bankern und Insidern einen guten Schnitt mit Zockerei zu erzielen, der leidet wohl unter einer Selbstüberschätzung, was durchaus weit verbreitet ist unter Otto Normalverbrauchern.
Wer Geduld hat, verdient an den steigenden Unternehmensgewinnen und nicht an den Kurssprüngen (die niemand exakt voraussehen kann). Die Spekulation gleicht einem Kasinobesuch.
Kaufen und Liegenlassen ist die Königsdisziplin. Reduzieren Sie Ihre Trades. Wenn Ihnen mal eine heiße Aktie durch die Lappen gehen sollte, sagen Sie sich: „Was soll es?“
Natürlich kann es Spass machen, ein paar heiße Aktien ins Depot zu packen. Der Sockel sollte besser aus soliden Dividendenzahlern bestehen.
Es gibt keine Geheimformel. Es gibt keine Alleswisser. Jeder macht Fehler. Ich lerne selbst ständig dazu. Eins kann ich Ihnen mit auf den Weg geben: Ich habe an der Börse gelernt, es zahlt sich aus, mit ruhiger Hand zu agieren.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Kursänderung: Hin-und-her-Gezerre

  1. Alois

    Da stimme ich hundertprozentig zu.

    Ich habe 90 % meiner Aktien, die ich jemals gekauft habe, immer noch. Auch, wenn sie stark gefallen sind.
    Gestern habe ich eine Ausnahme gemacht und meine NOKIA-Papiere nach dem 40 %igen Kursplus schnell abgestoßen. Selbst da hat sich das lange Warten gelohnt. Wo gibt's schon mal 40 % über Nacht.

    Manche Aktien legen auch wunderbare Turnarounds hin, wenn man sie einfach behält. So bin ich mit der citigroup fast schon wieder beim Einstiegskurs, obwohl sie zwischendurch zum Pennystock mutiert war. Ab nächstes Jahr soll es auch wieder spürbare Dividenden geben.
    Also „buy und hold“ funktioniert mit Qualitätsunternehmen. Und wenn man sie über 20 Jahre im Depot hat, wachsen erfreuliche Dividendenströme heran.
    Die genannte BASF ist bei mir so ein Beispiel. Meine ursprüngliche Investition in die Firma ist in Form von Dividenden längst wieder an mich zurückgeflossen. Ich habe 500 BASF-Aktien im Depot, in denen kein eigenes Geld mehr drin steckt. Da spielen auch Kurskorrekturen keine große Rolle für mich. Ich sehe momentan keinen Grund, warum ich die hergeben sollte.

  2. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Ja das ist das tolle am langfristigen Investieren in Dividenden Aktien Tim. Kaufen und liegen lassen und nach Jahren hat man sogar durch Dividendeneinnahmen bereits seine Kaufsumme zurückerhalten und dann spielen die Kurse erst recht keine Rolle bei Qualitätsunternehmen.

    Nach 11 Jahren an der Börse, fahre ich jetzt seit 2 Jahren mit der Dividendenstrategie am besten und kann nachhaltig und ohne große Probleme Gewinne an der Börse erzielen.

    Die Zeit spielt einen sehr großen Faktor beim Investieren in Qualitätsaktien.

  3. ZaVodou

    Bleibt nur noch zu klären, ab wann eine Aktie eine Qualitätsaktie ist.
    Wenn sie gewisse Kriterien erfüllt? Wenn ja, welche?
    Wenn sie einem Index wie z.B. dem DAX angehört?

  4. tim schaefertim schaefer

    @ ZaVodou

    Eine Qualitätsaktie? Das ist ein Unternehmen, das
    -wächst
    -schöne Margen verdient
    -Dividenden zahlt
    -Markführer ist
    -lange besteht, Tradition hat
    -sich ethisch, moralisch fair gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Gesellschaft verhält.

  5. ZaVodou

    Was ist eine schöne Marge? Gibt es da auch eine Zahl dazu?

    Welche Marge meinst Du? Umsatzmarge, Gewinnmarge,…?

    Was ist lang? Gibt es da auch eine Zahl dazu?

    Gewöhne Dir doch mal als Wirtschaftsjournalist an mehr in Zahlen zu reden.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ ZaVodou

    Es geht um die Ebit-Marge. Das hängt von der Branche ab. Eine Supermarktkette tütet im Regelfall weniger Marge als ein Softwarehaus ein. Das kann man nicht über einen Kamm scheren.

  7. ZaVodou

    Um das jetzt mal richtig auszuformulieren heißt das dann, um jetzt mal bei der Marge zu bleiben, die andee Frage, was lang in Zahlen bedeutet, hast Du ja nicht beantwortet.

    Eine Bedingung für ein Qualitätsunternehmen ist, dass das Unternehmen die höchste EBIT-Marge innerhalb seines Sektors vorweisen kann, oder über den Durchschnitt seines Sekots liegt oder wie würdest Du das jetzt formulieren?

  8. tim schaefertim schaefer

    @ ZaVodou

    50 bis 100 Jahre alte Firmen finde ich als Hausnummer gut (oder älter).

    Die Ebit-Marge sollte natürlich beim Marktführer über dem Durchschnitt des Sektors liegen.

  9. Martin

    Sehr wichtig wäre dann aber auch noch der Moat, damit es nicht schnell zu mean reversion kommt.

    Einfach von einem Moat auszugehen, weil die Marge höher ist, funktioniert nicht immer.

  10. ZaVodou

    Ich denke, dass wäre ein eigener Blogbeitrag wert, wo noch mal alle Kriterien genauer (anhand von Zahlen) erörtert werden.

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