Kriege, Krisen, Katastrophen: Bleiben Sie an Bord!


New York, 18. August 2012

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Wenn Sie ein Portfolio aufgebaut haben, dann lassen Sie es ruhen. Die Masse der Anleger ist ungeduldig und möchte ständig Positionen hin- und herschieben. Es juckt ihnen regelrecht in den Fingern, aktiv zu bleiben. Wenn es eine Gewinnwarnung gibt, ein Skandal, ein Wechsel an der Vorstandsspitze, reagieren sie. Die Folge: Sie stürmen jedes Mal zum falschen Zeitpunkt aus dem Wertpapier.
Zudem suchen die Menschen außerhalb des Unternehmens jede Menge Gründe. Ein Erdbeben, eine Rezession, eine neue Regierung, ein neues Gesetz – auf einmal denken die Aktionäre: Oje, Mensch, ich muss handeln. Die Voraussetzungen ändern sich, ich muss verkaufen. Wie aufgeschreckte Hühner rennen sie durch den Stall. Nervös, ängstlich.
So drehen sie das Portfolio. Immer und immer wieder wählt die Masse den ungünstigsten Zeitpunkt. Dreht und schichtet um.
Als die schwarz-gelbe Bundesregierung aufgeschreckt vom GAU in Fukushima (März 2011) den plötzlichen Atomausstieg beschloss, hätte man die Energieriesen Eon und RWE aus dem Depot schmeißen müssen. Aber die Titel notierten zu jenem Zeitpunkt schon sehr niedrig. Die Versorger wird es noch in 20 oder 50 Jahren geben (sofern sie nicht fusionieren).
Praktisch muss jede Firma mal durch eine schwierige Phase. Selbst die Wunderfirma Apple stand schon am Abgrund. In Krisen ist es ratsam, zuzukaufen, anstatt auszusteigen. Das gilt natürlich nur für stabile Geschäftsmodelle. Ich rate Ihnen ohnehin, schwerpunktmässig auf Blue Chips zu setzen. Standardwerte bilden ein starkes Fundament in Ihrem Depot.
Um Ihnen zu verdeutlichen, wie blödsinnig es ist, ständig umzuschichten, schauen Sie sich doch mal den Langfristchart von Exxon Mobil an. Wer bei dem Ölgiganten bei einem Krieg, einer Rezessionen oder Versorgungskrise jedes Mal raus ist, also am unteren Zacken des Charts und dann wieder in besseren Zeit an Bord ging, hat selbst bei diesem Super-Chart kein Geld verdient.
Ich halte auch die jüngsten Aktienverkäufe von Warren Buffett für eine große Dummheit. Er hat Positionen an Kraft, Procter & Gamble, Johnson & Johnson gestutzt. Sollte Buffett das Cash für einen großen Deal brauchen, könnte ich das womöglich akzeptieren. Aber nur so zum Zocken? Das leuchtet mir nicht ein. Das ist einfach sinnlos.
Fazit: Stetig passen die Anleger ihr Portfolio an, obwohl es schädlich ist. Selbst kleine Anpassungen sind meiner Meinung nach nicht nötig. Abwarten und Tee trinken ist das Gebot der Stunde. Auch aufgeschreckte Hühner beruhigen sich irgendwann.
PS: Das Foto entstand im Vogelpark im südhessischen Viernheim.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Kriege, Krisen, Katastrophen: Bleiben Sie an Bord!

  1. Frank

    Hallo,
    ich bin mir sicher Buffet hortet Cash um einen großen Deal zu tätigen.
    Nur Aktien zu kaufen ist ihm zu langweilig geworden, er will die ganze Company.
    Könnte mir vorstellen, daß er sogar in Europa zukauft.
    Ich werde ihm mal mein Depot faxen, damit er auch die richtige Firma kauft ;))
    Frank

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Frank

    Ich hoffe, dass Buffett einen Mega-Deal vorbereitet. Es wird eine Akquisition sein, die eine neue Dimension erreicht.

    Kleine Deals machen für Buffett keinen Sinn mehr. Berkshire Hathaway ist einfach zu groß geworden.

    Wenn Buffett das Geld seinen beiden Hedgefonds-Managern nur zum Zocken geben sollte, wäre das eine Abkehr von seiner bisherigen Strategie.

    VG
    Tim

  3. Ulrich

    Also Buffet verlässt mit seinen Aktienverkäufen bei J&J, Kraft und P&G doch ein recht sicheres Fahrwasser. Was kann es tolleres geben als bei solchen gut aufgestellten Giganten sich jedes viertel Jahr die dicken Schecks abholen zu können.

    Buffett könnte aber am Ende seiner Karriere noch einen ganz großen Schachzug machen wollen. Ein deutliches Zeichen war ja schon die Übernahme von Burlington Northern Santa Fe. Soviel Geld in ein Transportunternehmen zu stecken kann nur eines bedeuten: Buffett rechnet damit, dass sie die USA mehr und mehr erholen wird. Also gibt es bald vllt wieder einen Zukauf ähnlich der Eisenbahn. Wieder wird ein Unternehmen übernommen, welches bei einem Aufschwung gigantische Potentiale hat.

    Klar einfach wäre es natürlich einfach die Aktien bei den BlueChips zu behalten. Aber Buffett denkt (was er finanziell ja auch kann) in viel größeren Maßstäben.

  4. Alex

    Denke auch es wird was großes gefressen. Er müsste jetzt auf ca 40 Mrd. $ Bargeld sitzen…
    Für die zwei „Neuen“ sollte er so viel nicht brauchen 😉

  5. Frank

    Hallo,
    ich könnte mir vorstellen daß Buffet genau Bescheid weiß über die zukünftige Besteuerung der Dividenden in Amerika. Er hat sich ja schon öfters mit Obama darüber unterhalten.
    Da zur Zeit jeder dividendenstarke Value Werte empfiehlt ( was mich mißtrauisch macht)sind diese auch nicht mehr billig. Eine höhere Steuer würde diesen Werten ordentlich zusetzen.
    Es macht also für Buffet mehr Sinn die ganze Company zu kaufen und seine Erträge aus Gewinnen statt aus Dividenden zu speisen.
    Frank

  6. Tobias

    Hallo zusammen, Hallo Tim!

    Ich denke Herr Buffett hat enorm viel Erfahrung, vielleicht sieht er etwas, was wir nicht sehen. Am Ende wird er mit dem Verkauf unter Berücksichtigung der Opportunitätskosten mit 95 %iger Wahrscheinlichkeit wieder richtig liegen.

    Dazu noch meine Meinung zu Procter & Gamble und Kraft (J & J kenne ich nicht): Die Gesamtkapitalrendite (Kraft 7 %, P & G 8,5 %) ist verglichen mit anderen Unternehmen unattraktiv. Bei Kraft ist WB schon lange unzufrieden mit der Ertragskraft, kritisiert das Management bei P & G ist er nie eingestiegen, hat die Aktien beim Kauf von Gilette bekommen. Vll ist ihm einfach der Geduldsfaden gerissen, weil die Unternehmen nicht effizienter arbeiten…

    Viele Grüße

    Tobias

  7. tim schaefertim schaefer

    @ Ulrich
    @ Alex

    Ja, hoffen wir auf einen großen Deal.

    @ Frank
    Bei der Diskussion um die künftige Dividendenbesteuerung in den USA geht es um Privatanleger (und nicht um Investmentgesellschaften). Zur Zeit werden Dividenden zw. 0 und 15% pauschal besteuert (wegen der Wirtschaftskrise wurde die Besteuerung für Privatanleger auf diesen niedrigen Satz gesenkt). Nun fragen sich alle, was folgt zum Ende diesen Jahres für eine Regelung, wenn das bisherige Reformgesetz ausläuft.
    Hier sind die Details.

    @ Tobias
    So schnell reisst dem Warren nicht der Geduldsfaden. Er ist schon so lange bei diesen Papieren dabei. Warum er jetzt aussteigt, macht in meinen Augen keinen Sinn, wenn er keinen neuen Mega-Deal einfädelt. Denn das Bar-Geld bringt ihm nur geringe Verzinsung.

    Bislang hat er immer Deals an der Angel, wenn er Verkäufe meldete.

    VG
    Tim

  8. Michael C. Kissig

    Warren Buffett reduziert bereits seit einiger Zeit Konsumgüteraktien wie J&J oder Kraft Foods und zwar in erheblichem Umfang. Da jetzt eine „Zockerei“ hineingeheimsen zu wollen, halte ich ich für überambitioniert. Und dass Buffett nicht gerne hohe Cash-Bestände hortet, ist ja bekannt – allerdings sagte er auch: „Es ist schmerzlich auf soviel Geld zu sitzen. Aber noch schmerzlicher ist es, etwas Dummes damit anzustellen“. Ich bin also mal gespannt auf seine nächsten Schachzüge…

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