Konsumieren oder Sparen: Für viele ist es eine freie Entscheidung


New York, 4. März 2015
Vater und Sohn: Der Blogger

Vater und Sohn: Der Blogger „Mr. Money Mustache“ alias Pete mit seinem Sohn beim Wandern. Er sparte gemeinsam mit seiner Frau in jungen Jahren wie verrückt. So baute er ein kleines Vermögen auf. Davon lebt er heute mit seiner Familie. Das Ehepaar ist Ende 30 und schon in Frührente.

Ich finde, was der Blogger „Mr. Money Mustache“ alias Pete macht, ist beeindruckend. Ich sprach mit ihm vor einiger Zeit. Er lebt mit seiner Familie, ohne zu arbeiten. Er hat mit seiner Frau intensiv einige Jahre gearbeitet und gespart. Jetzt kommen beide ohne Job über die Runden. Sie leben von den Mieteinnahmen ihres Renditeobjekts. Wie geht das? Sie haben keine Schulden. Sie wohnen in einem eigenen schuldenfreien Haus. Sie haben ein Investmentportfolio. Sie haben ein striktes Budget. Sie verschwenden nicht unnötig Geld für Dinge, die sie nicht brauchen.

Es ist bestimmt nicht einfach, aber es geht. Überlegen Sie mal, was heute Menschen allein für ein Handy jeden Monat ausgeben. Das gab es vor 15 Jahren gar nicht.

Der Blogger kauft sicherlich seine Lebensmittel im Angebot. Er geht selten ins Restaurant. Zuhause wird gekocht. Die Familie kann sich keine luxuriösen Urlaube erlauben. Sie fahren mit dem Rad oder einem alten Auto. Was ist daran schlimm?

Es geht im Kern nur um die persönliche Einstellung: Sparen oder Konsumieren? Es ist eine Abwägung: Lieber heute konsumieren oder lieber später im Leben den Konsum genießen? Wozu brauchen Menschen alle paar Jahre ein neues Auto, wenn wir genauso ein zehn Jahre altes Auto fahren könnten? Wozu brauchen wir ein großes Zuhause, wenn ein kleineres auch funktioniert?

Wenn der Ruhestand beginnt, werden Millionen Menschen ihr verschwenderisches Leben bereuen. Meist ist es aber dann zu spät. Dann ist das Kind in den Brunnen gefallen.

Mir ist aufgefallen, dass ein Problem die Bedürfnisse sind, die mit dem Einkommen steigen. Je höher das Einkommen, desto mehr Wünsche erfüllen sich Menschen.

Es gibt Großverdiener, die scheffeln eine Million Dollar im Jahr und haben Probleme, damit über die Runden zu kommen. Es gibt genug Multimillionäre, die ihr Geld verpulvert haben. Manchmal habe ich das Gefühl, wenn Menschen mit Geld um sich werfen, dass es sich um Minderwertigkeitskomplexe handeln könnte.

Schauen Sie sich diesen 26-jährigen Softwarespezialisten aus Wisconsin an, der 200.000 Dollar mit seiner Frau im Jahr verdient.

Was gut ist: Er hat ein Budget, das er streng überwacht.

Was schlecht ist: Seine Wünsche. Sein Essen-Restaurant-Budget kommt auf enorme 2.170 Dollar im Monat. Im Detail setzt sich der Gesamtbetrag so zusammen: 1220 Dollar für Dinners, 400 Dollar für Restaurants, 350 Dollar für Lebensmittel, 200 Dollar für Fast Food… Das ist üppig.

„Wäre der Software-Profi sparsamer“, so denken Sie wohl, „könnte er vielleicht in 15 Jahren in Frühpension gehen oder mit einem Mini-Job über die Runden kommen.“ Er hat die Wahl. Vielen ist das gar nicht bewusst.

Jetzt kommt aber der Hammer: Der 26-Jährige gibt zwar viel Geld aus, den Löwenanteil bekommt der junge IT-Berater aber von seinem Arbeitgeber zurück. Die Restaurantbesuche genauso wie die Hotelkosten, all das erstattet ihm sein Chef. Es sind Spesen. Der IT-Spezialist hat damit kaum Kosten. Er lebt so sparsam, dass er plant, im Alter von 45 Jahren mit fünf Millionen Dollar in Frührente zu gehen. Mit seiner Frau möchte er dann das Leben genießen und viel reisen.

Fazit: Hinter fast jedem finanziellen Erfolg steckt Verzicht, enorm viel Arbeit und Geduld.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Konsumieren oder Sparen: Für viele ist es eine freie Entscheidung

  1. Felix

    Es gibt sicherlich schlimme Jobs. Wenn ich so einen hätte, wäre meine erste Priorität nicht, ihn 15 Jahre durchzuhalten, um dann so um die 40 in Rente zu gehen, sondern mir einen besseren Arbeitsplatz zu suchen.

    Ein erfolgreiches und auch erfülltes Berufsleben ist ebenso ein langfristiges, gut zu planendes Projekt wie die erste Million oder allgemeiner der Vermögensaufbau. Das beginnt mit einer guten Schulbildung, gefolgt von einer entsprechenden Ausbildung, ausgesuchten Arbeitgebern, welche die Möglichkeit zur Weiterentwicklung und zum Aufstieg bieten.  Man lernt im Job interessante Leute kennen, interessante Orte, arbeitet an spannenden Projekten und löst Probleme, erringt Sieg und erleidet Niederlagen – das alles nennt man Leben!

    Will ich wirklich ab 40 und dann noch 40 Jahre im Park spazieren gehen? Nein, das ist nicht mein Ziel. Trotzdem möchte ich finanzielle Unabhängigkeit erreichen. Das macht mich freier.

  2. Schwarzer Kater

    Mr. MM ist Millionär Dank seines ehemaligen IT-Jobs. Da fällt es etwas „leichter“ so ein Leben zu leben. Trotzdem ein cooler Typ.

  3. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Couponschneider

    Ist ja krass. Schöne Story, wie auch die oft gebrachten von @Tim, nur leider umspannt das Zeiten, die ein einzelner Mensch nicht für sich nutzen kann.

    Habe es jetzt nicht sooo sorgfältig gelesen, aber wie ist denn eigentlich Berkshire Hathaway in den Fonds gekommen (Übernahme eines ursprünglichen Titels?).

    Jedenfalls bringt das: “ In Deutschland wird der Fonds allerdings nicht vertrieben.“ wieder das Problem der Brokerwahl (siehe Ansinnen von @Hasta…) zutage. Da ich bei Lynx (IB) bin, kann ich solche in DE nicht zum Vertrieb zugelassenen Sachen kaufen.

    Das ist ein sehr triftiger Grund für mich, ein Depot in GB bei Interactive Brokers zu haben. Einen Voya Fund habe ich übrigens auch. Das „Voya Investment Management“ ist ja von der ING Bank.

    @Felix

    Danke und nix für ungut! 😉

    MS

  4. hasta la proxima

    Ich glaube, die Message, die Tim Schäfer uns mit seinen wirklich informativen Stories vermitteln will, ist, dass man darüber nachdenken sollte, wie „kapitalintensiv“ man sein (Familien-)Leben leben soll/will/kann.

    Sparen kann man wirklich an extrem vielen Ecken und Enden. Aber den initialen Punkt für so ein Leben – also eines, wo Du nicht mehr jeden Tag hart arbeiten musst und dergleichen – muss man halt einmal erreichen. Das kann schon ziemlich „anstrengend“ sein.

    Eine Frage an die Bloggerschaft: welche Versicherungen habt Ihr so für Euch persönlich laufen? Ich hab mich vor 12 Jahren für 2 Lebensversicherungen überreden lassen. Irgendwie bin ich mit deren Performance nicht so zufrieden. Eine BU habe ich jedoch – entgegen aller Empfehlungen meiner Freunde – nicht abgeschlossen. Hochgerechnet kosten mich meine privaten Versicherungen ein paar tausend Euro im Jahr. Bis dato habe ich von keiner eine entsprechende Leistung gebraucht. Trotzdem zahle ich das weiterhin.

    Macht das Sinn?

    Danke, hasta

  5. pfennigfüchsin

    MMM ist mittlerweile durch die Mister Money Mustache Marke Millionär geworden (die Alliteration konnte ich mir nicht verkneifen 😀 ).  Die Familie kann sich somit durchaus luxuriöse Urlaube erlauben, ebenso wie hochwertige Lebensmittel und ein ganzes Sammelsurium von Spielzeug jeglicher Art – Autos, mehrere Fahrräder, Sportausstattung etc. Was jedoch bewundernswert ist, dass er auch als Millionär noch stets versucht den meisten Wert aus seinem Geld zu ziehen. Beim Reisen vergleicht seine Frau ausgiebig Preise, um den besten Deal zu bekommen. Vieles wird hochwertig, jedoch gebraucht gekauft. Simpel und effektiv Geld gespart. Das kann jeder.

    Wie immer ein kurzweiliger Beitrag 🙂

  6. Alexander

    @hasta la proxima

    Zu den Versicherungen:

    Kapitalleben habe ich schon vor über 20 Jahren gekündigt. Die Schulden vom Haus wurden von einer Risikoleben abgesichert, was inzwischen nicht mehr erforderlich ist. Eine Hausrat, Brandschutz  und Privathaftpflicht ist auch noch da. BU hab ich nicht, da ich schon klinisch tot sein müsste, bis die mal zahlen würden (ich arbeite im Büro, da kann man sich sogar reintragen lassen). Während meines Studiums sagte ein Professor, man muss alles das absichern, was die Existenz kosten könnte. Das hat mir zu denken gegeben. Ich habe keine Handyversicherung, keine Fernsehversicherung etc.

    Eben nur Existenz sichernde Versicherungen.  Achja und eine Reiseversicherung für Krankheit, Rückführung usw. Die kostet 30 € im Jahr, lohnt aber, da ich öfter unterwegs bin. Sie beruhigt einfach meine Frau und das ist unbezahlbar 😉

  7. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    hasta la proxima

    Ich rate Dir, möglichst renditestark und kostenschonend zu investieren. Sprich über den Aktienmarkt. Langfristig. Dein Ziel sollte es sein, mehr als die Inflation reinzuholen. Die Inflation frisst Dir still und heimlich Dein Sparvermögen auf, wenn Du keine ordentliche Rendite bekommst. Das ist die Gefahr bei den Lebensversicherungen.

    Die Deutschen sparen gerne mit Rendite-Tötern wie Festgeld, Versicherung oder Sparbuch. Dabei wird über die Jahrzehnte nix Großartiges geschaffen – wegen der Geldentwertung. Deshalb sind diese Spargroschen sehr, sehr riskante Dinger, obwohl es keiner wirklich wahrnimmt. Am Sichersten und Besten auf lange Sicht sind Aktien (eventuell breiter Aktienmarkt per Index).

  8. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @hasta la proxima,

    ich habe nur die nötigsten Versicherungen. Eine Privathaftpflicht (ich glaub unter 100 Euro im Jahr), eine Rechtsschutz (mit Miet-und Verkehrsrecht). Die kostet so um 180 im Jahr. Ansonsten nichts mehr außer den unumgänglichen wie KFZ. Spare mir auch eine Hausrat, lohnt sich nicht. Zum Glück ist in meinem Jahrgang noch Berufsunfähigkeit mitversichert.

    Lebensversicherung sollte nicht gekündigt werden, auch wenn die sinnlos sind. Dann lieber verkaufen. Es gibt Aufkäufer für Policen. Da verliert man nicht ganz so viel.

    Ich war Versicherungen gegenüber immer misstrauisch. Jetzt habe ich die einzige Art LV die ich hatte, auch beitragsfrei gestellt. Das war eine Direktversicherung auf Gehaltsumwandlungsbasis. Man sparte sich Beiträge und Steuern. War nicht schlecht bei Abschluss. Leider hat der Staat in bestehende Verträge auf kriminelle Weise eingegriffen und beschlossen, dass sich die Krankenkassen 25% abholen dürfen bei Auszahlung. Das macht alles obsolet und sinnlos. Ich lass mir jetzt das, was mal übrig bleibt, in paar Jahren auszahlen. Das wäre mal ein schöner Baustein gewesen zum Renteneintritt.

    MS

  9. hasta la proxima

    Lieber Herr Schäfer & Alexander & Matthias Schneider, haben Sie wie immer vielen herzlichen Dank.

  10. kurt

    Sorry Tim,  aber das klingt ja alles in der theorie toll. Nur hast du dir schon mal den DAX seit Oktober letzten Jahres angesehen bzw. die Bewertungen der Konsumgüterhersteller in Europa? Soviele gibt es da ja nicht. Zudem wenn du in Amerika einkaufst, wo es tendenziell bessere Firmen gibt, dann zahlst du nochmal +20% mehr. Ist ja alles schön und gut aber in so überhitzten märkten  „die aktien können ja nur steigen“, „es gibt keine alternative“, „dax 20.000 bis ende märz“ einzusteigen ist nicht gerade empfehlenswert.

     

    lg

  11. kurt

    Bitte nicht persönlich nehmen. Ich würde mich aber über Möglichkeiten freuen um sein Geld vernünftig anzulegen und zu streuen.

  12. franz joseph

    kennt jemand einen guten s&p 500 etf von vanguard der günstig ist und den man ohne mindestinvestment in österreich kaufen kann?

     

    lg

  13. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Kurt

    Es nicht so sehr ums Timing. Es geht vielmehr um die gesamte Dauer, in der Du im Markt investiert bist. Nur so kann der Zinseszins wirken. In drei, vier Jahrzehnten kommt einiges an Rendite zusammen. Die Menschen achten zu sehr auf den richtigen Moment (den man kaum erwischt). Und übersehen dabei, dass die Zeit verstreicht.

  14. Schwarzer Kater

    @franz joseph

    Schau doch mal auf der Vanguard-Seite, da findest Du diesen hier: A1JX53

    Sonst mache ich gute Erfahrungen mit diesem hier für 0,09% TER p.a.: A1C22M

    Heute nochmal nachgekauft. Thank you, Mr. Market.

  15. Schwarzer Kater

    @Markus

    franzjosef ist aus Österreich. Der Vanguard ETF ist in Österreich zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Kein Problem mit „Strafbesteuerung“.

    Ich würde ihn trotzdem nicht nehmen. Bei ETFs zählt für mich u.a. die Liquidität und Handelbarkeit und dass ist z.B. beim HSBC oder ishares einfach besser.

  16. Couponschneider

    Ich finde auch, dass es für die meisten eine freie Entscheidung ist. In meinem Umfeld von Akademikern (inkl. den Leuten, die sich für Akademiker halten) sehe ich ja, wie das Geld ausgegeben wird. Es soll sich bitte niemand arm rechnen und so tun, als bekomme er das Gehalt eines ungelernten Arbeiters. Geld muss einfach da sein. Ich gehöre dennoch zu den ganz wenigen, die ihr Geld langfristig in den Aktienmarkt pumpen.

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