Keiner mag mehr Gold. Außer Bill Gross und John Paulson


New York, 16. April 2013

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Oje. Gold befindet sich im freien Fall.
Pimco-Chef Bill Gross riet noch im Januar, Gold zu kaufen. Das machte er in einem Interview mit dem Börsenmagazin „Barrons“ deutlich. Dieser Fehlgriff des hochgelobten Anleihe-Königs zeigt uns mal wieder: Keiner weiss nichts. Selbst der Allianz-Pimco-König Gross, der irre Millionengehälter kassiert, um den Globus jetet und in Saus und Braus lebt.
Gross ist ein ziemlich komischer Ratgeber. Er hat glatt die Aktie als Geldanlage für tot erklärt. Das war im Sommer 2012. Solch einen blödsinnigen Spruch wie „die Aktie ist tot“ habe ich selten gelesen. Seither marschierte der Dow-Jones-Index auf neue Allzeithochs. Kurzum: Gross ist ein grottenschlechter Ratgeber. Vergessen Sie den.
Wofür die Allianz dem Herrn jedes Jahr 200 Millionen Dollar Gehalt bezahlt? Und wofür sein Vize Mohamed El-Erian 100 Millionen Dollar aus der Allianz-Kasse erhält? Es handelt sich schließlich um das Geld der Allianz-Aktionäre. Der Münchner Versischerungsriese hat schon vorsorglich angekündigt, dass die Tochter Pimco nicht mehr der Geldesel sein wird, der er war – weil Anleihen aus der Mode kommen dürften.
Die meisten Börsen-Wunderkinder sind bei genauer Betrachtung keine Wunderkinder. Sie sind nicht allwissend. Sie machen Fehler wie wir alle. Es wird zu viel Weihrauch verbreitet, wenn es um solche Herren geht.
Gross gab den Fehler, Gold nahe am Gipfel empfohlen zu haben, per Twitter zu. Und erneuerte seine Kaufempfehlung für Gold.
Rohstoffe und Edelmetalle schwanken nun mal im Kurs. Genauso wie Aktien. Gold wird niemals auf Null fallen. Es wird immer einen Wert haben. Die Zyklen können lange laufen. Es ging über zwölf Jahre der Preis für das gelbe Metall nur nach oben.
Ins Rutschen brachte Gold jetzt die bislang ausbleibende Inflation. Die Wirtschaft wächst nur langsam in den USA. In Europa drückt eine Rezession auf die Stimmung. Asien verliert an Schwung. Alles in allem ist kein Konjunkturaufschwung in Sicht. Die Löhne steigen kaum. Zu viele Arbeitslose bleiben vielerorts eine Herausforderung. Anschläge, Kriege, Krisenherde, Europrobleme usw. erschweren die Erholung.
Gold stürzte am Montag auf unter 1.400 Dollar je Unze. Das waren neun Prozent weniger gegenüber Freitag. Ein Rekordverlust seit 1983 (auf Tagesbasis).
Was tun? Das Kerndepot würde ich mit soliden Dividendentiteln bestücken. Vor allem langweiliges Zeug. Hersteller von Seifen, Toilettenpapier, Suppen…
Ein paar Minenaktien kann man beimischen. Nur nicht zu viele. Je mehr Bereiche Sie in Ihrem Depot abdecken (Währungen, Sektoren, Länder), desto ruhiger können Sie schlafen. Verzichten Sie besser auf das Zocken – schon gar nicht auf Kredit.
Die enorme Volatilität im Goldpreis zeigt uns, wie schnell der Wind drehen kann. Werden Sie in einem solchen Fall auf dem falschen Fuss mit einem Wertpapierkredit erwischt, ist schnell Schluss mit lustig.
Bill Gross ist nicht der einzige Märchenerzähler. Hedgefondsstar John Paulson liegt mit seinen Goldinvestments ebenfalls daneben. Für Ehrfurcht vor diesen Leuten besteht kein Grund.
PS: Das Grafiti habe ich in Reykjavik entdeckt.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Keiner mag mehr Gold. Außer Bill Gross und John Paulson

  1. Markus

    Prinzipiell finde ich eine vernünftige asset-allocation ja sehr wichtig!

    Langfristig gesehen sind Rohstoffe nicht für die großen Gewinne in einem gut gestreuten Depot verantwortlich. Ich sehe sie eher als Depot-Versicherung.
    5 – maximal 10 % halte ich unwissender Privatanleger für noch gesunde Quoten. Bei den Quoten plädiere ich eher für einen Rohstoffmix!

    Für die Rendite sind Aktien verantwortlich! Egal ob jetzt Divdidenden-Aristokraten, small caps, emerging markets, nichtzyklischer Konsum mit Marke, Value-Aktien usw.

    Da ich weiß, dass ich nicht in die Zukunft schauen kann, streue ich. 😉

    Ein Rebalancing von vorher festgelegten Quoten der Assets ist ein klein wenig wie Value-Investing.

    Investieren ist kein Spiel, in dem derjenige mit einem IQ von 160 diejenigen mit einem IQ von 130 schlägt. Vernunft ist wesentlich.

  2. stevoxx

    Stimmt, auch Gurus irren und sin Menschen. Besonders kurz- und mittelfristig irren sie sich sehr häufig. Doch es gibt auch sehr gute Experten (auch wenn ich den Begriff „Experte“ aufgrund der hyperinflationären Verwendung bald selbst nicht mehr hören kann) die das „Big Picture“ richtig sehen.

  3. Turing

    Ich habe den rapiden Preisverfall beim Gold mit Schadenfreude zur Kenntnis genommen. Und es amüsiert mich, die Ergüsse der Goldfreunde zu lesen, dass der Preisverfall nur „Papiergold“ betreffe, aber kein richtiges Gold. Den jahrelangen Anstieg desselben Kurses hat man auch für physisches Gold gelten lassen und als Indiz dafür gesehen, dass eine Investition in (physisches) Gold genau das richtige wäre. – Die Goldkäfer reden im Nachhinein ihre Investition schön.

    Gold ist überbewertet. Es erwirtschaftet nichts und in Krisenzeiten mag es als Ersatzwährung taugen, aber es ist eine denkbar schlechte Ersatzwährung. Ich kann mir von gut 1000 € vier Krügerrands à einer Viertel Unze kaufen. Wie weit komme ich mit diesen Krügerrands?

    Ein Zehnerpack Ibuprofen 400 kostet 2,50 €. Davon kaufe ich gleich 10 Packungen. 1 Packung Aspirin mit 100 Tabletten gibt's für knapp 20 €. Eine Flasche Jack Daniels kostet knapp 20 €. Davon kaufe ich auch noch gleich 10 Stk. 50 € für eine Stange Marlboro. Ich kaufe gleich drei. Ich habe gerade mal 395 € ausgegeben.

    Frage: Womit kommt man in Krisenzeiten weiter? Mit zehn Krügerrands oder mit meinem Krisenpaket? Eine Pulle Wiskey, um einen Beamten zu bestechen, ist doch viel günstiger. Und es bleibt ja noch so viel Geld übrig, um Nahrungsmittel auf Vorrat zu kaufen oder aber zu investiert, falls dann die Krise gänzlich ausbleibt. Medikamente können bei einem Zusammenbruch der Wirtschaft sehr viel Wert sein. Und in der Nachkriegszeit gab es die Zigarettenwährung. Mit vier Krügerrands ist aber nach definitiv vier Transaktionen Schluss. Es gibt aber auch noch kleinere Krügerrands (1/10 Unze), aber so viel besser sind die auch nicht. Und zur Eigenverwendung nutzt der Krügerrand auch nichts. Auf ein Schmerzmittel kann man persönlich angewiesen, aber auf Gold? Es gibt keinen praktischen Nutzen und darauf kommt es an: Der praktische Nutzen ist Trumpf, oder aber man denkt an die Süchte (Alkohol, Tabak), die in der Gesellschaft grassieren.

    In der DDR hatte fast jeder einen vollen Schnapsschrank. Nicht für den Eigenbedarf, sondern als Absicherung, wenn mal ein Handwerker schwarz bezahlt werden musste.

  4. Martin

    Wie auch im letzten Artikel beschrieben, kennen wir die Zukunft nicht. Wenn wir ehrlich sind, sind sogar viele Begründungen vergangener Entwicklungen nicht wirklich belegt. Z.B. Tims Aussage zur ausbleibenden Inflation und dem daraus resultierenden zweitägigen Auverkauf von Gold kann ich nicht nachvollziehen. Wir wissen schlicht und ergreifend unzureichend, wer warum kauft bzw. verkauft.

  5. willihope

    hier im fernsehen zeigen sie die schlangen in den schmuckläden in bankok, die menschen bekommen kein gold mehr sondern zetteln mit lieferung nächste woche. die asiaten sind verrückt nach gold.

    gold ist ausverkauft! 🙂

    ich würd trotzdem kein gramm kaufen denn zum wert fehlen immer noch viele prozent! 🙂

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